Stabilität durch einfaches Spiel

Stimmen vor dem Spiel des 1. FC Nürnberg gegen Holstein Kiel.

Im Rahmen der Kooperation von Clubfans United mit Total beGlubbt hat sich Felix im Gegnergespräch mit Pike (1912FM) unterhalten.

Wir fassen das Interview kurz zusammen, in voller Länge zu hören auf meinsportpodcast.de oder im Player am Ende des Artikels. Ebenso die offiziellen Pressekonferenzen aus Nürnberg und Kiel.

Das Interview

17. Spieltag 2019/2020
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Archiv: Kiel

In einer sehr erfolgreichen Saison 2017/18 lieferte sich Holstein Kiel lange ein Kopf an Kopf Rennen mit dem Club um schließlich in der Relegation denkbar knapp zu scheitern. Danach hat man als Clubfan die Kieler aufgrund der unterschiedlichen Ligazugehörigkeit etwas aus den Augen verloren. Wie lief denn die letzte Saison für Kiel? 

„Überraschend wieder erfolgreich. Obwohl fast alles ausgetauscht wurde, inklusive Trainer und Sportvorstand. Der damals neue Trainer Tim Walter hat das aber sportlich schnell in den Griff bekommen und hat wie sein Vorgänger Markus Anfang geschafft einen attraktiven und erfolgreichen Fußball zu spielen. Am Ende Platz 6 war weit mehr als man erwarten konnte nach so einem Umbruch.“

Die Kieler haben also keine Blues-Saison nach verpasster Relegation gehabt wie so viele Teams davor – auch der FCN kann davon berichten, wie man in der Folgesaison in der 2. Liga dann schwer zu kämpfen hat. Musste man sich auch erstmal rankämpfen?

„Die Saison startete sogar fulminant mit einem 3:0 beim HSV. Danach hatte man nichts mehr mit dem Abstieg zu tun.“

Kommen wir zu dieser Saison: Die ersten sieben Spieltage waren nicht gerade Erfolg versprechend und man stand auf Platz 16. War der erneute Umbruch – auch vor der Saison fand ein Trainerwechsel von Tim Walter auf André Schubert statt diesmal doch schwerer als das Jahr davor? Wo lagen die Ursachen?

„Die Startschwierigkeiten waren eine Mischung verschiedener Ursachen. Der Kaderumbruch mit vielen Abgängen von Leistungsträgern und die erst einem Tag vor Trainingsauftakt geklärte Trainerfrage. Dann wurde auch irgendwann der Sportdirektor entlassen, da man im Kader zwar viele Talente geholt hatte, aber keine Spieler, die einen sofort hatten helfen können. Das hat nicht so gut funktioniert. Das ist im Übrigen bis heute so. Man hat zwar eine solide erste Elf gefunden, danach kommt aber wenig von der Bank. Hier wird man im Winter auch nachlegen müssen. Erst der Wechsel zu unserem Nachwuchstrainer Ole Werner kam der Umschwung, da er die Mannschaft erreichte, den Spaß am Fußball zurückbrachte und über kleine Erfolgserlebnisse stabilisierte – auch wenn bis heute manche Halbzeiten noch sehr unterschiedlich sind.
Also Ursachen: Ein zu junger, unerfahrener Kader und ein Trainer André Schubert, der offenbar weder einen Plan noch eine Taktik hatte.“

War es nicht auch ein wenig undankbar für André Schubert, wenn man so spät erst vorgestellt wird und damit auch wenig Einfluss noch auf das Team nehmen kann? 

„André Schubert wurde als Wunschtrainer präsentiert, aber das ist wohl jeder Trainer, der dann verpflichtet wird – bei jedem Verein. Unter vorgehaltener Hand wurde er aber dann doch wohl eher die vierte oder fünfte Wunschlösung, nachdem es bei den anderen nicht geklappt hatte. Und so zog sich die Trainersuche auch hin bis einen Tag vor Trainingsauftakt – der auch noch deswegen verschoben wurde. Das hat vielleicht auch dem Sportdirektor später mit den Kopf gekostet. Die Vorbereitung lief dann nicht gut und der Saisonstart auch nicht. Die Mannschaft wirkte unmotiviert, ohne Leitfaden.
Man hatte aber eben auch trotz hoher Transfereinnahmen lieber auf junge Spieler gesetzt – das kann funktionieren, oder eben halt nicht. Hier eben nicht, zumindest bis Ole Werner kam und die Mannschaft zumindest etwas stabilisierte.“

Was auffällt ist, dass unter Ole Werner das Spielsystem klarer wirkt, während bei Schubert doch vieles ständig geändert wurde. Ist das vielleicht auch ein Grund für die Verunsicherung am Anfang gewesen? Hat Werner den einfachsten Trick im Fußball angewandt: Einfach jeden genau sagen, was er zu tun hat, und auf der Basis dann weiterarbeiten?

„Ganz genau. Werner hat das Rad nicht neu erfunden im Fußball sondern lässt einfach ein relativ simples Spielsystem spielen. Das ist nicht mehr ein so attraktives Spielsystem wie noch unter Anfang oder Werner. Aber jetzt weiß wieder jeder, was er zu tun hat. Unter Schubert musste der Mittelfeldspieler mal außen spielen, die Innenverteidiger auch mal sonst wo. Schubert hatte da ganz eigene Ideen. Jetzt ist es ein einfaches System, nicht sehr kompliziert und damit fahren wir gerade gut, um Selbstbewusstsein zu tanken.“

Zwar fehlt die attraktive Spielweise, aber es fehlt zuletzt ja nicht an Spektakel. Es klingelte zuletzt ja reichlich vorne wie hinten.

„Defensiv ist definitiv die aktuelle Baustelle. Wir verursachen auch gern unnötige Elfmeter. Es fehlt uns auch schmerzlich unser Stamm-Außenverteidiger und wir haben keine Stabilität auf der Torwartposition. Und wenn du hinten keine abgestimmte Abwehr hast, fängt man sich komische Tore. Dafür geht es vorne gut.“

Blicken wir auf Sonntag – Was erwartest du dir vom Spiel?

„Es kann alles werden: Ein umkämpftes 0:0 oder 1:1 – oder auch ein 4:4 mit offenem Visier auf beiden Seiten. Holstein muss unbedingt versuchen in Führung zu gehen, das würde aktuell Nürnberg sicher sehr verunsichern. Geht Kiel allerdings in Rückstand, wird es schwierig.
So als Außenstehender muss man sagen, dass der FCN ja doch eigentlich einen Kader hat, der das Potenzial hat weiter oben zu spielen und auch in der Lage sein dürfte, jederzeit eine kleine Serie zu starten – da hat man immer etwas Angst, dass das ausgerechnet bei einem selbst anfängt…“

Kann Kiel gegen eine tiefstehende Mannschaft das Spiel machen? Es kann gut sein, dass Jens Keller die Taktik aus dem Stuttgart-Spiel, die ja wenigstens 25 Minuten gut funktionierte, auch gegen Kiel spielen lässt.

„Holstein tat sich immer etwas schwer gegen schwächere Gegner. Aber das hat sich unter Ole Werner etwas gebessert, insbesondere weil sich Stürmer Janni Serra in einer bestechenden Form befindet. Er macht nicht nur Tore, sondern viele Bälle fest und verteilt diese klug. Wenn man Serra aus dem Spiel nehmen kann, wird es für Holstein schwierig.“


Der Podcast in voller Länge

Audiolänge: 21:16 Minuten | Moderator: Felix Amrhein


Die Pressekonferenz in Kiel

(noch nicht verfügbar)

Die Pressekonferenz aus Nürnberg


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Symbol-Bild „Zurück zu den Anfängen, zu den einfachen Dingen“
Foto: Hendrik Schuur „3 Kanadagansküken im Gänsemarsch fotografiert in Düsseldorf im Frühjahr 2017. “ / Alle Rechte vorbehalten.

Das Interview führte Felix Amrhein mit Pike für Total beGlubbt in Zusammenarbeit mit Clubfans United am 12.12.2019. Redaktionell zusammengefasst von Alexander Endl.

5 Gedanken zu „Stabilität durch einfaches Spiel

  • Die Clubspieler sollten sich ein Beispiel an Aue nehmen. Das Spiel von gestern beispielsweise. Die ganze Mannschaft rackert bis zum Ende. Regensburg wurde niedergekämpft und Aue holte sich den Sieg. Die Clubmannschaft mit ihrer laschen Einstellung, hauptsache die Frisur stimmt hätte dieses Spiel mit Sicherheit verloren, da Regensburg ebenfalls eine Kampfmannschaft ist. Man muss diese Worte klar so deutlich aussprechen, da die Mannschaft in einem Dauertrott die Nichtleistung einfach so hinnimmt.

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    • Die Kohle kommt ja in jedem Fall mit schöner Regelmäßigkeit auf das Konto.
      Und trainingsfrei gibt’s auch.

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    • Und obwohl Keller immer wieder erzählt, daß die Mannschaft viel investiert, Fakt ist, sie läuft in jedem Spieler weniger als der Gegner, was auch ein Anzeichen ist, wer von beiden den größeren Willen hat das Spiel für sich zu entscheiden. Das muss nicht viel sein aber vielleicht die entscheidenten Schritte und Wege, wenn es um die wichtigen Situationen geht und es auch beginnt weh zu tun den Schritt mehr zu machen.

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      • Frey und Behrens müsste man davon ausnehmen.
        Geis läuft weit weniger.
        Die Aussenspieler sind zu phlegmatisch. Lohkemper, Dovedan, Kerk, Sorg, Valentin oder Medeiros wirken manchmal ein bißchen orientierungslos. Warten wir es ab.

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  • Ich bin aber so frei und glaube morgen an einen Sieg, zwar wird es eiern, aber ich glaube die Mannschaft hat auch die Nase voll, vielleicht wird morgen neue Energie fre(y). Baue schon auch darauf daß Dornebusch immer sicherer wird im Zusammenspiel mit der Abwehr, Margreitter zurück ist und Hack. Vielleicht wird es nicht die große Befreiung, dafür braucht es mal als den 2. Heimsieg aber mal ein durchatmen.

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