Dr. H. sagt

Auf dem Gang kam mir Dr. H. entgegen. Ich grüßte im Vorbeigehen und Dr. H. rief mir hinterher: „Der Club steigt ab. Beim HSV kann man verlieren. Aber nicht so (klick). Der Club hat gestern wie ein Absteiger gespielt. Schon die ganze Vorrunde hat er wie ein Absteiger gespielt. Wer so spielt, steigt ab.“

„Wird wohl so sein“, brummte ich und bog ab zur Toilette.

Dr. H. war früher mal Club-Fan. Hatte eine Dauerkarte. Bis zum letzten Spieltag der Saison 98/99. Nach dem Irrsinnsabstieg 99 (klick) war er mit Club durch. Hat er mir erzählt. 

Obwohl, das mit der Dauerkarte stimmt so nicht. In den Jahren, in denen der Club nach dem Irrsinnsabstieg 99 in der Bundesliga spielte, hatte er eine. Nicht wegen des Clubs. Wegen der Bayern. Dann hab‘ ich meinen Sitzplatz im Spiel gegen die Bayern sicher, hat mir Dr. H. erzählt. (Was mit der Dauerkarte in den übrigen 16 Spielen geschah, hat er nicht gesagt.)

Dr. H. sagt: Der 1. FC Nürnberg ist ein Witzverein. Miserables Management. Unfähige Vereinsführung. Schon seit Jahrzehnten. Eigentlich müsste dieser Verein klar die Nummer zwei in Bayern sein. De facto ist er jetzt abgehängt. Augsburg, Mainz, Freiburg. Alles Vereine, die den Club abgehängt haben. Das muss man erst mal hinkriegen. Ein Schlag ins Gesicht der Anhängerschaft. Jahrzehntelange Misswirtschaft. Nichts als Flickschusterei. Wird nicht mehr lange dauern, dann haben ihn Fürth und Regensburg auch abgehängt. Dritte Liga. Das ist die Zukunft des 1. FC Nürnberg. Wobei es in den Sternen steht, ob er diese Spielklasse überhaupt halten kann.

Warum erzählen Sie mir das? Sage ich. Das weiß ich doch selber. Glauben Sie, das weiß ich nicht selber?

Was Dr. H. nach dem 2:0-Heimsieg des Clubs gegen Sandhausen sagt, weiß ich nicht. Vielleicht begegne ich ihm ja heute oder morgen auf dem Gang. Wobei es unwichtig ist, was er dann sagen (und ich antworten) würde. Wichtig ist, dass der Club die Spiele in Osnabrück und Heidenheim gewinnt. Und dann das Heimspiel gegen Darmstadt.

Damit die Drohkulisse Dritte Liga nach dieser Saison nicht Realität ist.

Doch was geschieht, sollte der Club den Klassenerhalt schaffen? Wäre dann das, was Dr. H. sagt (und ich weiß), aufgehoben oder nur aufgeschoben? Bestünde dann eine klare Perspektive auf das, was der 1. FC Nürnberg sein sollte? Oder wäre es nur ein retardierendes Moment auf dem Weg in die…

…Bedeutungslosigkeit?

[Zum Spiel: klick, klick, klick, klick.]

10 Gedanken zu „Dr. H. sagt

  • Zitat: „Eigentlich müsste dieser Verein klar die Nummer zwei in Bayern sein.“

    Eigentlich müsste der FC Kaiserslautern die klare Nummer 2 in Baden-Württemberg sein. (?)
    Eigentlich müsste Carl-Zeiss Jena die klare Nummer 1 im Osten sein. (?)

    Welches Merkmal bringt der FCN im Jahr 2020 denn (noch) mit, um diese Forderung aufzustellen?
    Weil er einst erfolgreich war ? Der 14. Platz in der ewigen Tabelle und der Pokalsieg 2007?
    Was macht denn realistisch Hoffnung, dass man wieder an die glorreiche Historie anknüpfen kann?

    Der FC Bayern hat seiner Zeit das Olympiastadion strategisch klug als wirtschaftlichen Standortvorteil genutzt und sich (auch) damit in die sportliche Poleposition gebracht. Wie kann der FCN 2020 als Verein mit ca. 24.000 Mitgliedern (plus 20.000 in Fanclubs) und einem extrem schlecht ausgelasteten Stadion ähnliche Innovationen oder Standortvorteile generieren? Eintracht Frankfurt (mit grob vergleichbarem Einzugsgebiet) zählt 80.000 Mitglieder und hat ein stets ausverkauftes Stadion.

    Qualifizier mich als naiv und unkundig ab; für mich ist es unter den gegebenen Umständen (Rekordabsteiger, wirtschaftlicher Hintergrund, Organisationsstrukturen) keine Überraschung, dass man den Blick eher nach unten statt nach oben richten muss.

    Ich plädiere nicht für Demut oder Fatalismus. Ich erkenne einfach beim besten Willen nicht wie der FCN in den nächsten Jahren Platz 2 in Bayern zurückerobern kann und frage mich, ob solche Forderungen nicht eher kontraproduktiv sind? Interessanterweise haben sich neben den finanziellen Big Players (Leipzig, Hoffenheim) doch auch einige Underdogs/Dorfvereine etabliert (Freiburg, Sandhausen, Heidenheim), die frei von jeglicher Historie und hypernervösem Umfeld richtig gute Arbeit leisten können.

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    • Geht schon deshalb nicht, da Kaiserslautern schon in Rheinland-Pfalz die Nummer 2 ist…

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      • Erwischt. Tut dem Argument allerdings keinen Abbruch, sind ebenfalls von einem Verein überholt worden der diese Historie nicht aufzuweisen hat. 😛

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  • Freies Fan-Floaten, Herr Doktor H! Keiner zwingt Sie, Fan von A, B oder C zu sein, und wenn Sie’s sind, es auch zu bleiben.

    Ich setze dagegen: Nicht alles ist rational. Ich bin gerne irrational und hänge am Club durch Dick und Dünn, freue mich und bin begeistert, schimpfe und bin stocksauer, fiebere mit und kann nicht anders.

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  • Dr. H stimme ich zu, der Club hätte… Holzmichel jedoch ebenfalls, den der Club hat eben nicht…

    Tatsache ist, dass in Nürnberg zuverlässig zum richtigen Zeitpunkt die falschen Entscheidungen getroffen werden. Vom Club, das sind wir ja leider gewöhnt. So hat er ja noch immer eine Führungsstruktur, die für das hochprofessionelle Fußballgeschäft definitiv nicht mehr ausreicht. Jedoch auch seitens der Stadtverwaltung, die den FCN nie so vorbehaltlos unterstützte wie andere Kommunen ihre Vorzeigevereine, zb Frankfurt, Hamburg oder München! Erinnert sei an…

    Neues Stadion zur WM 74? Abgelehnt trotz grosszügiger Bundeszuschüsse, was seitdem den Bayern im Olympiastadion mehr als die doppelten Einnahmen je Heimspiel bescherte. Zu Zeiten als Zuschauereinnahmen noch weit wichtiger als TV-Gelder waren.

    Neues, reines Fußballstadion als klar war, dass das alte städtische Stadion baufällig ist? Abgelehnt, stattdessen sauteurer und umständlicher Komplettumbau zur Mehrzwecknutzung.

    Neues reines und zeitgemäß übliches Fußballstadion zur WM 06? Abgelehnt, man will ja alle paar Jahre eine (!) Leichtathletik-Veranstaltung durchführen. Sehr teure Modernisierung. Sowohl der Grundumbau wie auch die Modernisierung kosteten übrigens weit mehr als öffentlich bekannt gegeben (Bauverwaltungs-Insider-Infos).

    Auch wenn dies derzeit nach Hybris klingen mag. Der FCN benötigt zum wirtschaftlichen Überleben und Start einer besseren finanziellen Zukunft ein eigenes, reines Fußballstadion! Ansonsten wird er mittelfristig selbst von Heidenheim, Regensburg, Aue oder dem Teeladen abgehängt. Dieses Projekt wird stadtintern sehr kritisch gesehen. Auf die Laufbahn im Morlockstadion will man nicht verzichten, ein passendes Ersatzgrundstück findet sich praktisch nicht oder es wird Wohn- bzw. Gewerbenutzung favorisiert.

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