Analyse: Viele Kleinigkeiten #OSNFCN #FCN

Analyse zu VfL Osnabrück – 1. FC Nürnberg 0:1 (0:0) – Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren gewinnt der Club zwei aufeinanderfolgende Spiele. Grund: Der Club macht viele kleine Dinge etwas besser als der Gegner.
1. Die Grundordnung
2. Der Schlüssel zum Spiel
3. Das Spiel war entschieden, als
4. Das Fazit
5. Die Stimmen
6. Die Statistik
7. Noten

1. Die Grundordnung…

Abb. 1: Startformation

… war hinsichtlich der Formation ein Hybrid zwischen dem u.a. von Wyscout notierten 4-1-4-1 (Abb.1) und dem u.a. beim Kicker notierten 4-2-3-1. Fabian Nürnberger spielte nicht – wie in der 4-1-4-1-Notation auf einer Höhe mit Hanno Behrens im zentralen Mittelfeld, aber auch nicht auf einer Höhe mit Johannes Geis auf der Sechserposition, wie es eine 4-2-3-1-Notation nahe legen würde. Aus der realtaktischen Aufstellung (Abb. 2) wird dies zum Teil ersichtlich, die wird aber durch Nürnbergers Positionswechsel ab der 77. Minute erschwert.

Da rückte der Youngster nämlich, als Erras für Schleusener kam, aus dem Zentrum auf die linke Außenbahn, während Hack auf rechts rutschte. Dadurch, dass Osnabrück in dieser Phase drängte und Nürnberger nun außen und weiter hinten agierte, verzerrt sich das Bild der durchschnittlichen Position in der Abbildung. Nürnberger war einer von acht Spielern, die aus der Startelf vom Sieg gegen Sandhausen zurückkehrten. Neu waren Zrelak (für den gesperrten Frey), Handwerker (für den müden Heise) und Margreitter (für den verletzten Sörensen).

Abb.2: Realtaktische Aufstellung

Auffällig hinsichtlich der Grundordnung war auch, dass der Club wesentlich höher stand als noch in der Vorwoche. Gegen Sandhausen stand die durchschnittliche Formationslinie ungefähr 45 Meter vor dem eigenen Tor, in Osnabrück mehr als zwölf Meter weiter vorne. Auch das Pressing wurde wesentlich intensiver gespielt als im Heimspiel vor einer Woche. Der PPDA-Wert von 7,55 ist tatsächlich einer der niedrigsten der Saison. Man ließ Osnabrück also deutlich weniger Zeit am Ball als beispielsweise Sandhausen (10,45) oder Hamburg (12,4)

2. Der Schlüssel zum Spiel …

… lag in vielen kleinen Aspekten, die Club gut oder zumindest besser als der Gegner machte. Dabei darf man nicht übersehen, dass all dies Makulatur wäre, wenn Osnabrück die beiden guten Chancen von Schmidt und Girth zur Führung nutzt. Zwischen Letzterer und der ersten Minute der Nachspielzeit schossen die Gastgeber aber tatsächlich nicht einmal aufs Tor des FCN. Hier ergibt sich tatsächlich eine Parallele zum Spiel gegen Sandhausen, der Club schafft es nämlich erneut, die Anzahl der Schüsse, die aufs Tor kamen, zu minimieren.

Abb.3: Chancenspielfilm

Ein einziger Versuch aufs Tor von Christian Mathenia in 90 Minuten steht da zu Buche. Auch wenn die Statistik durch einen Pfostentreffer und eine am Tor vorbeigesetzte Chance etwas verfälscht wird, zeigt sich, selbst wenn man die Versuche neben das Tor dazu gibt: Der Club ließ wenig Abschlüsse zu. Ganze fünf Schüsse in Richtung Christian Mathenia schaffte der VfL Osnabrück in 95 Minuten Fußball. Das lag unter anderem daran, dass der Club in der zentralen Zone vor dem eigenen Strafraum sehr viele Bälle gewinnen konnte (Abb. 5).

Ein Effekt dessen, dass das Zentrum meistens dicht war, war, dass Osnabrück auf die Flügel ausweichen musste und für ihre Verhältnisse sehr oft zum Mittel der Flanke greifen mussten, obwohl sie darauf eigentlich lieber verzichten. Dreizehn Mal schlugen die Gastgeber also einen Ball vom Flügel in die Mitte, nur einer (Ajdini auf Girth) kam an. Auch beim Club kam nur eine Flanke an, doch die führte zum 1:0 durch Behrens.

Das 1:0 nach der Hereingabe von Nürnberger war der Kulminationspunkt einer aktiven Viertelstunde. Die fünfzehn Minuten nach der Pause waren der einzige Abschnitt, in dem der Club mehr Ballbesitz als Osnabrück hatte (Abb. 6), es war die Phase mit der höchsten Passgenauigkeit, den meisten Angriffen pro Minute und der höchsten Formationslinie. Der Treffer war also ein wenig folgerichtig. Auch auffällig: Obwohl der Club den Ball insgesamt fünfeinhalb Minuten weniger als Osnabrück in den eigenen Reihen führte, schaffte er es deutlich mehr Angriffe (39) zu fahren als der Gegner (29).

Abb.4: Ergebniswahrscheinlichkeiten

Das heißt, während die Abwehrreihe das Spiel des Gegners entschärfte, bemühte sich die Offensive um Torgefahr. Allerdings ist – genau wie bei den expected Goals – einzuschränken, dass das natürlich damit zusammenhängt, dass Osnabrück am Ende aufmachte und so den Club zu Gegenstößen und Torgelegenheiten einlud.

3. Das Spiel war entschieden, als …

… Robin Hack sich durch Festhalten des Balles die fünfte Gelbe Karte einhandelte. Damit verzögerte er in der Nachspielzeit die Ausführung eines Freistoßes tief in der Osnabrücker Hälfte. Er provozierte damit nämlich Kevin Wolze zu einer Reaktion, deren Sanktionierung zusammen mit der Deeskalation der Situation so viel Zeit von der Uhr nahm, dass kein geordneter Osnabrücker Angriff mehr möglich war.

4. Das Fazit …

… lautet weiterhin: Hauptsache gewonnen. Allerdings lassen sich gerade in der defensiven Organisation durchaus Lichtblicke erkennen. Freilich kann keine Mannschaft der Welt den Gegner über 90 Minuten völlig chancenlos halten und freilich gab es hier und da noch Wackler, gerade im Aufbauspiel aus der letzten Linie, aber insgesamt hat der Club nun im zweiten Spiel in Folge es geschafft, den Gegner dazu zu bringen fast ausschließlich harmlose Abschlüsse zu suchen. Etwas, das in der Rückrunde eigentlich nur in Hamburg nicht gelang, was wiederum auch zeigt, welche Qualität in der Abwehr vorhanden ist und welche nicht.

Abb. 5: Ballgewinne FCN

Gleichermaßen ist natürlich festzustellen, dass das Offensivspiel weiterhin eher aus Nadelstichen, denn aus strukturiertem, druckvollem Aufbau besteht. Auch wenn ebenso deutlich zu machen ist, dass das Tor nicht nur aus einer Druckphase, sondern eben auch aus einem strukturierten Angriff entstanden ist. Solange die Defensive so organisiert steht, genügt eine Offensivleistung, die ihre Chancen effizient nutzt und vielleicht auch – anders als in Osnabrück – einen Konter zu einem zweiten Tor abschließt.

Dass man aber nun das dritte Mal in vier Spielen einen Sieg ohne Gegentor über die Bühne bringt, kann für das Selbstbewusstsein des Teams nur gut sein. Natürlich spielt auch der Faktor Glück eine Rolle, dass die Gegner ihre guten Chancen nun nicht nutzen, aber gerade nach den Führungen spielte der Club nun (mit Ausnahme des unnötigen Elfmeters gegen Sandhausen) durchgehend so, dass der Gegner zwar Druck erzeugen konnte, aber keine guten Gelegenheiten fand.

Es ist diese Tatsache, gepaart mit der schwachen Konkurrenz auf den hinteren Plätzen, die Hoffnung macht, dass die Saison in absehbarer Zeit einem versöhnlichen, wenn auch keinem guten Ende zugeführt werden kann.

5. Die Stimmen…

Abb.6: Ballbesitz nach Abschnitten

Jens Keller: „In unserer Tabellensituation tut so ein Sieg natürlich gut. In der ersten Halbzeit war ich mit unserem Ballbesitz nicht zufrieden. Da haben wir den Ball zu langsam laufen lassen, standen aber defensiv gut, haben kompakt verteidigt und waren aggressiv in den Zweikämpfen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann alles reingelegt, hatten mit Ball mehr Mut. Wir hätten das Spiel aber ein bisschen früher entscheiden müssen, haben unser Tor aber bis zur letzten Sekunde gut verteidigt. Zum zweiten Mal in Folge ohne Gegentor zu bleiben, zeigt, dass die Mannschaft gut gegen den Ball arbeitet. Das ist der Grundstein für den Erfolg. Wir haben aber noch nichts erreicht und müssen jetzt so weitermachen.“

Daniel Thioune: „Aus meiner Sicht sind wir heute kein verdienter Verlierer. In den ersten 45 Minuten hatten wir ein gutes Positionsspiel, haben Nürnberg nicht rangelassen und defensiv auch nichts zugelassen. Es hat nur das Tor gefehlt, für das wir gute Chancen hatten. Nürnberg wurde nach der Pause mutiger und hat dann mit der ersten Chance eiskalt zugeschlagen. Danach haben wir nicht mehr richtig zurückgefunden, der Ausgleich lag da nicht mehr in der Luft. Wir fallen jetzt aber trotzdem nicht in Tristesse.“

Hanno Behrens: „Es ist wichtig, dass wir heute nachlegen konnten. Zwei Siege in Folge gab es lange nicht mehr, das freut uns natürlich. Ich freu mich natürlich auch, dass ich mal wieder getroffen habe. In der ersten Halbzeit waren wir ein bisschen hektisch, haben die Bälle zu schnell verloren. Nach der Pause war es dann besser, wir haben den Gegner mehr laufen lassen und ruhiger nach vorne gespielt. Bei unseren Kontern müssen wir den Sack früher zumachen. Aber wir haben inzwischen auch gelernt, ein 1:0 zu verteidigen.“

Christian Mathenia: „Es freut mich natürlich, dass wir zum zweiten Mal in Folge ohne Gegentor geblieben sind. Die Jungs haben es echt gut gemacht, standen sehr kompakt. In der Halbzeit haben wir uns vorgenommen, auch bei Ballbesitz mutiger zuspielen. Das ist uns gut gelungen. Wir haben die Führung dann gut verteidigt, sind nicht zurückgewichen. Der zweite Sieg hintereinander tut natürlich gut und stärkt das Selbstbewusstsein. Wir wissen aber, dass es in dieser Liga auch schnell wieder anders laufen kann.“

6. Die Statistik …

Osnabrück Nürnberg
Grundlagen
0 Tore 1
5 (1) Schüsse (aufs Tor) 8 (6)
384 (77,3%) Pässe (angekommen) 328 (79,8%)
55,6% Ballbesitz 44,4%
116 Ballverluste 108
2 Ecken 2
111,80 Laufleistung (in km) 111,36
13 Fouls 19
Advanced Metrics
0,82 xG 1,25
0,96 xP 1,74
12,10 PPDA 7,55
3,84 APPP 3,53
Auffälligkeiten
27:57 Ballbesitzzeit (m) 22:17
100 (52) Ballbesitzphasen (geg. Hälfte) 93 (45)
29 (3) Angriffe (davon Konter) 39 (6)
56% Passquote ins letzte Drittel 70%
13 (1) Flanken (angekommen) 9 (1)
23 Abgefangene Bälle 56

*Alle Daten stammen von Wyscout. Ausnahme bildet die Laufleistung. Diese stammt von Opta. Benutzung der Daten von Wyscout unter der Journalistenlizenz des Anbieters. Bei den Zweikampfquoten von Wyscout ergibt sich nicht zwangsläufig 100%, da der Anbieter manche Duelle als „unentschieden“ wertet, bspw. wenn ein Duell gewonnen wird, der Ball aber im Zuge des gewonnenen Duells ins Aus oder zurück zum Gegner geht. Unter „expected goals“ sind die Tore, die statistisch auf Grund der abgegebenen Schüsse zu erwarten gewesen wären, zu verstehen. Die expected Points für das jeweilige Spiel ergeben sich folgerichtig aus den expected Goals. PPDA bezeichnet die zugelassenen Pässe pro Defensivaktion. Es ist eine Metrik, die anzeigt, wie hoch der Pressingdruck einer Mannschaft ist, je niedriger der Wert, desto weniger Zeit hat der Gegner am Ball. APPP (Average Passes per Possession) gibt an, wieviele Pässe die Mannschaft im Schnitt pro eigener Ballbesitzphase spielte. Pauschal gilt: Je höher der Wert, desto kombinationssicherer ist das Team. Mit „tiefen Pässen“ meint Wyscout Pässe, die innerhalb eines Radius von 20 Metern um das gegnerische Tor ankommen. Als „kluger Pass“ definiert Wyscout einen „Ball, der den Angriff der eigenen Mannschaft auf eine kreative Art und Weise entwickelt.“

7. Die Noten …

Spieler CU-Note Kicker NZ BILD WhoScored
Christian Mathenia 3 3 3 3 6,6/10
CU-Urteil: Nahezu völlig beschäftigungslos. Daher ohne Fehler und ohne Pluspunkte
Oliver Sorg +3 4 3 3 7,5/10
CU-Urteil: Scheint die Denkpause gegen Hamburg gut getan zu haben. Steht meist stabil und bringt sogar einen ordentlichen Ball in die Spitze.
Georg Margreitter 3 3 3 3 7,2/10
CU-Urteil: Hätte ohne die fehlerhaften Aufbaupässe eine bessere Note erzielen können. In den Duellen gut.
Dinos Mavropanos 2- 3 2 2 8,0/10
CU-Urteil: Ein Biest in den Zweikämpfen, auch immer um Spieleröffnung bemüht, selbst wenn die nicht immer gelingt.
Tim Handwerker 3- 3,5 4 4 7,4/10
CU-Urteil Größtenteils ordentlich, wenn auch in den Abspielen eher unsauber.
Fabian Nürnberger 3 3,5 3 4 7,4/10
CU-Urteil: Mit seinem ersten Assist für die Profis, bemüht um Galligkeit, kam aber nicht immer in die Duelle. Musste den Aufbau meist Geis oder Behrens überlassen.
Johannes Geis 3 4 4 4 7,2/10
CU-Urteil: Ordentlich ohne großartig aufzufallen. Bester Nürnberger in den Duellen um freie Bälle.
Hanno Behrens 3 3,5 3 3 8,0/10
CU-Urteil: Pluspunkte für das Tor, sonst gerade in den Defensivzweikämpfen mit Schwächen. Immerhin spielte er kaum Fehlpässe.
Fabian Schleusener 4- 4,5 5 4 6,4/10
CU-Urteil: Ohne Bindung zum Spiel, kaum Pässe, kaum Zweikämpfe. Machte dadurch aber auch wenige Fehler.
Robin Hack +3 2 4 3 6,7/10
CU-Urteil: Aktivposten als der Club den Platz bekam, verpasste es, seine Chancen zu nutzen. 26 von 30 Pässe zum Mann ist dennoch beachtlich für einen Offensivspieler.
Adam Zrelak 3- 4 3 4 6,6/10
CU-Urteil: Ersetzte Frey in Sachen Laufpensum vollständig. Allerdings fehlte dem Slowaken etwas die körperliche Präsenz, so dass er sich gerade in den Duellen noch schwerer tat als der Schweizer.
Patrick Erras 6,5/10
CU-Urteil: Kam nach 78 Minuten für Schleusener, rückte in die Mitte, war da körperlich präsent, aber fahrig im Abspiel.
Nikola Dovedan 6,0/10
CU-Urteil: Kam in der 88. Minute für Zrelak, durfte sich einmal von Körber ablaufen lassen, verlor in siebe Minuten auf dem Platz fünf Duelle, gewann keins.
Philip Heise 5,9/10
CU-Urteil: Kam in der Schlussminute für Nürnberger. Holte sich noch Gelb ab, sonst unauffällig.

4 Gedanken zu „Analyse: Viele Kleinigkeiten #OSNFCN #FCN

  • Treffendes Fazit! Weil neben den sichtbaren Verbesserungen in der Defensive bzw. den Schwächen im offensiven Spielaufbau auch die Rückkehr des Glücks erwähnt wird. Das sich unsere Jungs mit gesteigertem Einsatz redlich verdient haben!

    7

    0
    Antwort
  • WOW, das Fazit ist wirklich der Hammer. Nüchtern eingeordnet, was gut läuft und was nicht.

    Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

    4

    0
    Antwort
  • Florian, da hör‘ ich, wie jede Woche „Ka Depp“ und muss hören, dass du trotz Gehirnerschütterung das Clubspiel ansiehst und in diesem bedauernswerten Zustand den Kollegen der NN und NZ wohlfeile Worte nahebringst.

    Gute Besserung, die Frage nach dem „Wie kam es dazu, waren ‚Viele Kleinigkeiten‘ schuld ?“ spare ich mir.

    Und damit möglichst viele ihren Wortschatz erweitern können, das Wort für die Kollegen der Presse auch für lernwillige CU’ler:

    ephemeral – flüchtig, kurzlebig

    Möge deine Erschütterung ephemeral, der Erfolg des Clubs langlebig sein!

    5

    0
    Antwort
    • Möge deine Erschütterung ephemeral, der Erfolg des Clubs langlebig sein!

      Also Zeit meines Lebens war es vielmehr umgekehrt…

      @Florian Gute Besserung!

      2

      0
      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.