Meilenweit

In einem Interview gefragt, warum der 1. FC Nürnberg in der Causa Jatta (klick) nicht immer souverän wirkte, antwortete FCN-Sportvorstand Palikuca (klick):

Unsere Kommunikation war nicht erfolgreich.

Selbstkritik ist prinzipiell zu würdigen. Allerdings stellt sich die Frage, ob sie in diesem Fall notwendig ist. Denn mehr als das, was Palikuca in diesem Interview zu diesem Thema dann noch sagte…

Professionell betrachtet, mussten wir den Sachverhalt komplett prüfen lassen und das brauchte Zeit. Als die Behörden den Fall abgeschlossen hatten, haben wir unmittelbar unseren Einspruch zurückgezogen.

…gibt es dazu aus Sicht des 1. FC Nürnberg nicht zu sagen. Nun gut, kommunikationskritisch betrachtet ist vielleicht zu bemängeln, dass der FCN nach dem juristischen Abschluss der Sache nicht bewundernd zum Ausdruck gebracht hat, welche famose Leistung Jatta, der mittlerweile einen Zopf trägt, obwohl ihn ein Mannschaftskamerad lieber mit Glatze sehen würde (klick), erbracht hat, indem er im deutschen Profifußball festen Fuß gefasst hat, ohne jemals zuvor in einem Verein gespielt zu haben. Wobei ich mich ohnehin wundere, warum diese Sensation seit dem juristischen Abschluss dieser Sache in der Sportberichterstattung überhaupt nicht mehr erwähnt wird. 

Doch blicken wir nach vorne:

Wir werden alles dafür tun, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, in der neuen Saison oben mitspielen zu können. Es gibt aktuell keinen Grund, diese Ziele über Bord zu werfen.

Sagt Palikuca (klick). Wobei er – dies geht aus dem Kontext klar hervor – mit oben die nördliche Region der Zweitligatabelle meint. Was, blickt man auf die aktuelle Tabelle (klick), recht mutig ist. Mit vier Punkten Vorsprung auf den Abstiegsrelegations- und fünf Punkten Vorsprung auf die Direktabstiegsplätze ist man ziemlich nahe an der dritten Liga.

Sollte, wie es sich tatsächlich anbahnt (klick), diese Saison zu Ende gespielt werden (was vor dem Hintergrund der derzeit geltenden Kontaktbeschränkungen und vor allem aufgrund des Verbrauchs von medizinischen Resourcen, die an anderer Stelle dringender benötigt werden, nicht ganz leicht zu vermitteln wäre), kann es gut passieren, dass der FCN-Fan neben den Widrigkeiten der Corona-Krise auch noch den Abstieg in die dritte Liga zu verkraften hat. Von daher wäre es das Beste, wenn diese Saison abgebrochen würde. 

Dass sich der bayerische Ministerpräsident und ehemalige FCN-Aufsichtsrat Markus Söder – ansonsten ein Verfechter strikter Corona-Maßnahmen – für eine Fortsetzung der Saison stark macht, ist befremdlich. Er scheint über die prekäre sportliche Situation unseres (und seines) Vereins und die sportlichen Gefahren einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs nicht orientiert zu sein. Seine Feststellung…

Ein Wochende mit Fußball ist deutlich erträglicher als ein Wochenende ohne Fußball (klick).

…geht an der Realität, dessen, was man als Club-Fan seit knapp zwei Jahren fast jedes Wochenende erlebt hat, vorbei…

meilenweit.

 

21 Gedanken zu „Meilenweit

  • Die Aussage „Ein Wochende mit Fußball ist deutlich erträglicher als ein Wochenende ohne Fußball“ zeigt relativ deutlich, daß unser Ministerpräsident Clubspiele schon einige Jahre nicht mehr live oder im TV verfolgt hat. 😉

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  • Es wird mir mulmig zumute und es erinnert mich unweigerlich an 1999, wenn Palikuca schon über die nächste Zweitliga-Saison schwadroniert. Ohne dass die aktuelle Saison, wie auch immer, in trockenen Tüchern ist. Wie @belschanov schreibt, stehen wir durchaus nahe am Abgrund. Mit lediglich vier Pünktchen Vorsprung.

    Ich tippe mal darauf, dass die Liga Mitte Mai weitergeht. Die Politik braucht den Profi-Fußball als „Lockerungsmaßnahme“ nach dem Brot-und-Spiele-Prinzip. Der Profi-Fußball braucht die Politik, um nicht zu implodieren.

    Wer wie warum vor Geisterkulissen besser zurecht kommen würde, weiß man nicht genau. Könnte also ziemlich volatil werden, das Treiben in Liga zwei. Wodurch die vier Pünktchen Vorsprung noch mickriger scheinen.

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    • Naja, wenn das mit der nächsten Zweitliga-Saison nicht klappen sollte, würde Palikuca sicherlich mit einer guten Abfindung nicht mehr in Nürnberg anwesend sein. Auch der Trainer nicht. Nur der Clubfan würde wieder dumm dastehen, denn der kann nicht abhauen. Aber vielleicht wird ja alles jetzt endlich doch anders und unsere Spieler spielen endlich Fußball. Die Hoffnung hatten wir allerdings schon so oft und immer wieder wurden wir enttäuscht. Viele freuen sich auf die Geisterspiele. Der Clubfan ist da wohl gespalten mit seiner Freude. Wenn das Gegurke wieder weitergeht wie bisher, dann lieber kein Fußball.

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      • Wenn das Gegurke wieder weitergeht wie bisher, dann lieber kein Fußball.

        agree
        Davon abgesehen, reguläre Verhältnisse wären das ja sowieso nicht mehr, aber es muss halt der TV Gelder wegen zuende gebracht werden auch wenn Geisterspiele knapp besser sind als ein Zahnarztbesuch.

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  • Es reicht doch schon, wenn ich, ganz alteingesessener Clubfan, immer mit dem noch Schlimmeren rechne, wenn es um den FCN geht. Bitteschön liebe CFU’ler, stützt mich nicht in meinen Befürchtungen! Wenn schon Corona nicht auf mich hört und die Teebeutel in der Tabelle uneinholbar vorne liegen, könnt ihr nicht wenigstens so tun als ob alles gut wird? Danke 🙂

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  • Es geht doch nicht um Schönheitspreise. Und ob das reguläre Verhältnisse sind oder nicht, spielt keine Rolle. Ohnehin gibt es derzeit viel Wichtigeres als Fußball.

    Aber: Sollte die Liga die Restsaison noch abwickeln dürfen auf diese surreale Art, geht es in diesen neun Geisterspielen um sehr viel. Denn ob der immensen Fallhöhe würde ein Abstieg in Liga drei bei uns wohl eher so enden wie bei Lautern.

    Ob es schön anzuschauen ist, was vor leeren Rängen zusammengekickt werden würde, oder ob man irreguläre Verhältnisse moniert, ist nicht ausschlaggebend. Es würde ausschließlich um das sportliche Bestehen und das Vermeiden eines finanziellen Fiaskos gehen.

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  • Ich bin auf jeden Fall dafür diese Saison fertig zu spielen – nicht nur aufgrund der finanziellen Notwendigkeit, sondern aufgrund der sportlichen Integrität.

    Sonst sind beispielsweise bei Bielefeld im Sommer 2-3 Leute weg und anstatt verdienter Maßen in der Bundesliga zu spielen, stecken sie dann vielleicht im Abstiegskampf in Liga 2. Ähnliche Beispiele lassen sich für viele Ligen finden. Und das fände ich einfach nicht richtig, ganz egal was das für den Club bedeutet. Wenn wir noch absteigen sollten, wovon ich nicht ausgehe, könnte man zumindest nicht sagen, dass wir uns nicht die ganze Saison über redlich bemüht hätten dort zu landen…

    Ich sage aber nicht, dass schnellstmöglich wieder gespielt werden soll, ich sage: spielt dann fertig, wenn es wieder vertretbar ist. Mit einer regulären Saison 20/21 ist doch ohnehin nicht zu rechnen, insofern ist es auch egal wann die aktuelle fertig gespielt wird.

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    • Mein lieber xxandl,

      rein sachlich betrachtet hast du Recht.

      Doch ist die rein sachliche Betrachtung nicht meine Sache. Außer in dem Punkt, dass Bielefeld auch im Falle des von mir gewünschten Saisonabbruchs in die Bundesliga versetzt werden sollte. Das habe ich hier schon mehrfach geschrieben. Ich habe durchaus Sinn für Gerechtigkeit…

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  • Bei dem Thema reguläre Verhältnisse geht es mehr darum, welche Mannschaft sich „Wie“ in dieser Phase des Ausnahmezustands vorbereiten kann für die es auch keine Erfahrungswerte aus der Vergangenheit gibt. Zum Beispiel wochenlang ohne jegliches Zweikampfverhalten zu trainieren, wie soll man da den Trainingstand eines Spielers oder der gesamten Mannschaft einschätzen können. Daher glaube ich was wir bei einer Fortsetzung sehen werden, bildet nicht das Potential der Mannschaften ab, sonder wer kam in der Vorbereitung am besten mit der außergewöhnlichen Situation und den gebotenen Einschränkungen zurecht.

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    • Ja, die Voraussetzungen sind wichtig. Während einige nur in Vierergruppen üben können, haben andere bereits 12er-Gruppen. Da kann man natürlich bereits spieltaktisches einstudieren. Und sich einen Vorteil erarbeiten. Es müssten also zumindest vor dem Neustart bei allen Teilnehmern auch gleiche (d.h. im vollen Wettkampfmodus!) Trainingsbedingungen herrschen – und zwar mehr als 2 Wochen lang, besser 3 oder 4.

      Nur dann kann man auch wieder mit Spielen anfangen.

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    • @Juwe, @Optimist

      Ihr beide habt Recht, ohne Zweifel.
      Deswegen müsste man die Saison im Grunde abbrechen.
      Und eine Lösung finden für dann Gelackmeierte wie Bielefeld.

      Allerdings glaube ich, dass darauf keine Rücksicht genommen wird seitens der DFL. Weil sonst eine Insolvenzwelle droht. Eine Welle an Solidarität wird es indes nicht geben. „Es können nicht die Klubs, die ein bisschen Polster angesetzt haben in den vergangenen Jahren, dann im Prinzip die Clubs, die das wiederum nicht gemacht haben, dafür auch noch belohnen“, so Dortmunds Watzke Mitte März in der „Sportschau“. Von Rummenigge brauchen wir gar nicht erst reden. Insbesondere Bayern und der BVB naschen nimmersatt an den immer praller gefüllten Champions-League-Töpfen. Mit diesen immensen Einnahmen wird wiederum der Wettbewerb in nationalen Ligen zerstört. Und die Profiteure scheinen nicht mal mehr fähig zur Solidarität. Na ja, dieses Verhalten sollte einen im Grunde nicht überraschen.

      Jedenfalls wird man alles, alles tun, um die Saison noch abzuwickeln. Dies so früh wie möglich. Ungerechtigkeiten infolge unterschiedlicher Vorbereitungen werden da keine Rolle spielen. Leider. Denn ich finde das auch nicht regulär.

      Für unseren Club bedeutet dies, die Situation so anzunehmen, wie sie kommt. Mit allen Ungerechtigkeiten und Unwägbarkeiten. Denn ein Abstieg wäre, wissen wir ja alle, verheerend. Bin allerdings auch guter Dinge, dass Jens Keller mit dem notwendigen Pragmatismus an diese Herausforderung herangehen würde.

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  • Wenn man dann die Spiele im TV anschaut und jeder einzelne, der schreit wird wahrgenommen, wie eben bei einem C-Klassenspiel könnte man ja, wie in den TV-Shows auch im Hintergrund falsche Zuschauergeräusche einspielen damit es reeller wirkt. Das heisst dann Torjubel vom Band oder beim Angriff Anfeuerungsrufe der Zuschauer ebenfalls vom Band.

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      • Und ich dachte immer, das Jubeln und Anfeuern der Zuschauer im Clubstadion sei echt.
        Aber die Pfeiffkonzerte waren schon real. Da ist es nicht nötig, die künstlich zu erzeugen.

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  • Ich erlaube mir mal das Thema zu wechseln: Tobias Kraulich
    Befasst sich der Vorstand, Palikuca eigentlich auch mal mit dem Spieler Kraulich, der jetzt noch in der 2. Mannschaft spielt und bei einer Reihe von Zweitligaclups schon auf dem Einkaufszettel stehen soll?
    Technisch sehr beschlagen, Linksfuß, 1,93 groß, 21 Jahre alt,robust (alle 23 Spiele durchgespielt)
    Wäe es nicht gut für uns diesen Spieler zu erhalten, ihm einen Vertrag zu geben?
    Was ist Eure Meinung? Würde mich interessieren.

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      • Solche Talente einfach ziehen zu lassen wäre fatal. Man soll ihm doch erst mal in der 1. Mannschaft eine Chance geben. Wie schon so oft hier im Forum angemerkt. Das Scouting ist das A und O beim Club. Wo kein Geld ist, muss das Scouting top sein. Es reicht nicht die Liste der zu verkaufenden Spieler im Internet anzuschaun und dann Spieler zu holen, die woanders nicht mal auf der Reservebank sitzen. Und dann kommt vielleicht einer aus dem Nachwuchs und man lässt ihn einfach ziehen.

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  • Wie kann man Palikuca, den Vorstand, zu einer Stellungnahme, die Situation Tobias Kraulich betreffend, zu „bewegen“?

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    • Die Verantwortlichen haben ihn doch jetzt 2 Jahre am Valznerweiher gesehen. Sein Marktwert mit 175 Tsd geht nun auch nicht direkt durch die Decke. Bei unserem großen Kader, was ist denn an ihm so besonderes also ich verfolge die Amateure nicht so?

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      • Vor 3 Wochen war mal ein Interview mit Nüssing. Der wünscht sich einen Vertrag für
        Kraulich. Schon allein deshalb würde ich ihm einen geben.

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