Systemisch – Club verliert nach bekanntem Muster

Der 1. FC Nürnberg hat sein erstes Corona-Geisterspiel in Hamburg beim FC St. Pauli mit 1:0 verloren. Zustandekommen und Ursachen kommen bekannt vor.

Besonders bitter dürfte die Erkenntnis sein, dass der eigentlich gute Auftritt des Clubs nicht nur ’nicht belohnt‘, sondern quasi bestraft wurde.

Starker Anfang ohne Ertrag

28. Spieltag 2018/2019  1 : 0
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Archiv: FC St. Pauli

Auf den Club ist Verlass. In dem Fall unfreiwillig, auch wenn man fast drauf wetten konnte – und vielleicht hatte der ein oder andere ja noch einen Bet-at-home gutschein zur Hand. Vor der zunächst gewöhnungsbedürftigen Kulisse am Hamburger Millertor kam der Gast besser in die Partie. Mit flüssigen Kombinationen kam man immer wieder in die Nähe des Hamburger Tores und verzeichnete auch früh erste Abschlüsse. St. Pauli kam in der Phase nur nach Fehlpässen im Spielaufbau oder bei Standards zu gefährlichen Aktionen. Nach 10 Minuten musste Himmelmann Kopf und Kragen riskieren, klärte aber sauber gegen den allein auf ihn zulaufenden Zrelak (10.), der versuchte den Ball vorbei zu legen statt ihn über den bereits herangrätschenden Torwart zu heben. Die größte Chance allerdings dann durch St. Pauli (19.): Diamantakos auf Sobota, der aus kurzer Distanz allerdings am hervorragenden Torwartspiel von Mathenia scheiterte. Der Keeper machte erst die kurze Ecke zu und war dann schnell genug wieder am Posten um den allerdings nicht gut platzierten Nachschuss von Benatelli zu parieren.

Der Club gewann immer mehr die Oberhand und zwang durch zwei Freistöße Himmelmann zu Paraden. Die Mega-Chance aus der Kategorie „100%ige“ folgte allerdings in Minute 43. Zrelak behauptet den Ball, legt ab auf Hack und der bedient mustergültig Dovedan, der aus wenigen Metern nur noch ins fast leere Tor schieben muss, den Ball aber in die Wolken jagt. Unfassbares Glück für St. Pauli, da der Schütze auch nicht im Abseits stand, da dies von Östigard aufgehoben wurde, auch wenn der sich außerhalb des Platzes befand.

Fehler werden bestraft

Luhukay hatte bereits in der ersten Halbzeit von der neuen Auswechselregelung Gebrauch gemacht, die jetzt 5 Spielerwechsel in 3 Wechselslots erlaubt – seine Systemkorrektur Becker für Diamantakos konnte das Spiel aber nicht zu Gunsten der Kiezkicker wenden. Das besorgte dann der Club selbst nach 54 Minuten. Ein Ballverlust von Behrens wird von Sobota gnadenlos ausgenutzt, indem er Veerman auf die Reise geschickt. Der versucht wie in Halbzeit 1 auf der anderen Seite Zrelak den Ball am Keeper vorbei zu legen, was nur mangelhaft gelingt, allerdings wird er vom herausstürmenden Keeper am Fuß getroffen. Schiri Siebert überprüft die Situation persönlich am Monitor und entscheidet folgerichtig auf Freistoß und Rot. Dornebusch kam für Geis und ersetzte den Keeper.

Im Folgenden gerät der FCN immer mehr unter Druck und kann auch durch Ausnutzung aller Wechseloptionen nicht mehr für ausreichend Entlastung oder Stabilität sorgen. St. Pauli jetzt am Drücker, kann sich aber auch nicht wirklich große Chancen erarbeiten. Der Führungstreffer dann ausgerechnet nach Ballbesitz Club, nachdem der eingewechselte Heise einen Pass nicht zum Mitspieler brachte sondern ins verwaiste zentrale Mittelfeld servierte. Sobota bediente Gyökeres, der trocken ins lange Eck zur Führung einnetzte (84.).

Die Saison zeigt ein Muster

Am Ende sollte die Niederlage in Hamburg nur ein weiterer Beleg dafür sein, warum dem Club auch bei besseren Leistungen in der Regel in dieser Saison der Erfolg fehlt und er sich nun – nachdem sowohl Karlsruhe wie auch Wiesbaden überraschende Dreier einfahren konnten – wieder in höchster Abstiegsgefahr befindet. Die Spielanlage des Clubs (und wahrscheinlich auch die Kaderzusammenstellung) ist zu riskant. Die spielerische Qualität und eine daraus resultierende Dominanz blitzt zwar immer wieder mal durch, manchmal auch über weite Phasen des Spiels, der Ertrag in Form von Toren bleibt aber nur biederer Durchschnitt (34 Tore), während man hinten zu oft für Tore gut ist (46 Gegentore / mit dem KSC der schlechteste Wert). Sowohl die rote Karte wie auch das Gegentor waren am Ende die kausale Folge von unnötigen Ballverlusten im Mittelfeld in Kombination von Anfälligkeit für schnelles Umschalten des Gegners. Wenn man davon ausgehen muss, dass solche Fehlpässe immer wieder im Repertoire sind – und das waren sie bereits auch in Halbzeit 1 in einigen Szenen – ist die fehlende Absicherung ein systemischer Fehler, der auch dieses Mal wieder zum Scheitern führte.

Im Rückblick ist der Fehlschuss von Dovedan neben den beiden Fehlpässen von Behrens und Heise besonders bitter, bedeutete dies am Ende, dass sogar eine Heimmannschaft nur abwarten muss und das Zepter abgeben kann, bekommt man vom Club über kurz oder lang Einladungen überreicht, die man dann nur noch annehmen muss. Wenn man dann noch mit einem guten eigenen Torwart eigene Fehler kaschieren kann oder sich über solche Fauxpas wie den Schuss von Dovedan freuen kann, bringt man mit einer biederen Leistung sich selbst aus den ärgsten Nöten in der Tabelle.

So jedenfalls hat man sich den Restart der Bundesliga nicht gewünscht. Wobei wirklich überrascht wird Ergebnis und Verlauf die wenigsten Clubberer haben – eben weil es in der Saison schon die Ganze Zeit nicht läuft und eben weil Club…

Beim Club steht man nun am Freitag gegen Aue mit dem Rücken zur Wand, will man die Saison nicht endgültig zum Nervenspiel machen. Wenn man allerdings neben grottenschlechten (Hannover) nun auch noch die guten Spiele verliert und die Muster nicht durchbrechen kann, überkommt nicht nur dem geneigten Fan ein ganz mieses Gefühl für den Rest der Saison…

3 Gedanken zu „Systemisch – Club verliert nach bekanntem Muster

  • Als ich heute früh zu meiner Frau gesagt habe:„Also bei den Clubfans hat der Liga-Neustart keine Freude hervor gerufen.“ Sagte sie:“Na sowas“
    Mehr ist dem nicht hin zu zu fügen

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  • Sehr gut beschrieben, wo es beim Club drückt!

    Natürlich könnte man sagen, hätte Dovedan getroffen…, wäre Zrelak ballsicherer und am Torwart vorbeigekommen…, hätte Pauli das Rote-Karten-Angebot nicht so dankend angenommen…, ja dann hätten wir gepunktet! Doch an einen großen fränkischen Philosophen sei hier erinnert, der Club ist eine endlose Fahrradkette!

    Nahezu jedes Spiel geht es nur um hätte und wäre. Wäre der Abwehrfehler vermieden worden, hätte das letzte Abspiel geklappt, hätten wir Flügelspieler, wäre die Ecke besser gekommen, hätten wir auch einmal Glück, gäbe es den VAR nicht… Doch in der Realität stehen Niederlagen.

    Optisch zumindest zeitweise ansehnlich gespielt, auch größte Chancen vergeben, regelmäßige Defensivfehler, Ausfälle durch wiederholte Verletzungen sowie Rote Karten, nach Rückschlägen kein wirkliches Aufbäumen, kein Antreiber in schlechten Spielphasen. So sehen Absteiger aus!

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