„Extremerlebenisse können zusammenschweißen“ – Robert Klauß vorgestellt

Robert Klauß zeigt sich auf der Pressekonferenz zu seiner Einführung strukturiert und motiviert.

Bevor Robert Klauß sich den Fragen der Presse bei seiner ersten Pressekonferenz stellte, hatte Dieter Hecking ihn bereits mit vier Adjektiven eingeordnet: Innovativ, mutig, umgänglich, fordernd. Dass diese Adjektive auf ihn zutreffen, bewies der 35-Jährige, der laut Hecking ihn und Michael Wiesinger in den Auswahlgesprächen noch etwas mehr überzeugt hatte als es die anderen beiden Kandidaten getan hatten, dann in den knapp 30 Minuten, die folgten.

Klauß hielt sich nur kurz mit den üblichen Floskeln in Sachen neuer Verein („wahnsinnige Strahlkraft“) auf, ließ dann schnell seine Ideen vom Fußball durchklingen. Dabei wurde schnell klar, dass die Vermutung, dass Klauß die RB-Schule internalisiert hat, keine falsche war. So sprach Klauß davon, dass das Team „organisiert gegen den Ball“ arbeiten solle und „im Umschalten auf dem Gaspedal“. Er betonte auch, dass die Idee des Fußballs, die er von Ralf Rangnick und Julian Nagelsmann, seinen beiden Chefs in den zwei Jahren als Co-Trainer in Leipzig, seiner Idee sehr nahekomme.

Die Frage, inwiefern dies mit dem Kader des FCN überhaupt möglich sei, beantworte Klauß hinsichtlich des fehlenden Tempos dergestalt, dass er Geschwindigkeit zwar als hilfreich ansehe, dass man aber der Mannschaft auch beibringen könne, sich intelligent zu verhalten, Bälle zu antizipieren und die Geschwindigkeit situativ korrekt einzusetzen. Darüber hinaus gelte es die vorhandenen Stärken zu nutzen. Wo diese liegen und wo auch mögliche Schwächen, wollte Klauß allerdings nicht öffentlich ansprechen: „Wir haben eine interne Analyse gemacht, aber die bleibt intern.“ Für eine konkrete Zielsetzung, was in dieser Saison zu erreichen sein wird, sei es aber noch zu früh. Das müsse man mit Beginn der Runde feststellen. Er glaube aber, dass viele Spieler es besser machen wollten als in der Vorsaison und dass „Extremerlebnisse“, wie das späte Gelingen der Relegation, zusammenschweißen können.

Seine Herangehensweise als Trainer charakterisierte Klauß so, dass er Organisation, Struktur und Disziplin als sehr wichtig erachte, sich gleichzeitig aber nicht auf eine einzelne Rolle festlegen lasse, sondern situativ mehr autoritär oder lockerer agieren wolle. Er hob die Vorteile des geringen Altersunterschieds zu den Spielern hervor, da er hier in der eigenen Lebenssituation Anknüpfungspunkte für den Umgang mit den Spielern habe. Gleichzeitig gehe es aber so oder so darum „Begeisterung, Leidenschaft, Emotionen“ zu vermitteln.

Die eigene Begeisterung vermittelte Klauß in seiner ersten Pressekonferenz durchaus. Die Ankündigung von Dieter Hecking, der bei der Ankündigung der Einstellung von Klauß ihn als „eloquent“ bezeichnet hatte, bewahrheitete sich. Souverän und durchdacht beantwortete Klauß die Fragen, schaffte es die modernen „Trainer-Buzzwords“ wie „Periodisierung“ und „vier Phasen des Spiels“ ebenso abzudecken wie die klassischen Begriffe Leidenschaft und Emotion. Am Ende wird natürlich entscheidend sein, wie es auf dem Platz umgesetzt wird. Der erste Eindruck war aber positiv.

19 Gedanken zu „„Extremerlebenisse können zusammenschweißen“ – Robert Klauß vorgestellt

  • Nur die „Ähms“ sollte er noch vermeiden, aber ich bin fast sicher, dass er das hinbekommen wird. So viele öffentliche Auftritte hatte er ja noch nicht. Sonst ist die Aussage von Hecking zur Eloquenz nicht ganz zutreffend 😉

    Wirkt schon noch sehr jung, oder bin ich mittlerweile schon so alt? Hat auf mich aber auch einen sehr fokusierten und selbstbewussten Eindruck gemacht. Spannend fand ich die kleien Einlassung zum Thema Geschwindigkeit.

    Nachdem der Trainer jetzt klar ist, brauchen wir noch 3-4 Verstärkungen für die Mannschaft und ein paar Abgänge wären wohl auch nötig, letzteres dürfte aktuell in Corona-Zeiten nicht einfach zu bewerkstelligen sein.

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    • Ich vermute, das war seine erste große PK. Ein wenig Nervosität sei ihm zugestanden, ich finde, er hat das erstaunlich souverän gemeistert.

      Der Diskurs zur Geschwindigkeit war interessant, aber dennoch denke ich, dass unser ZM ein anderes Gesicht braucht. Entweder man ist schnell zu Fuß oder schnell im Kopf mit guter Übersicht und kann den Ball mit Auge schnell machen. Aber bei Geis und Behrens habe ich – zumindest in Kombination – meine Zweifel, ob das die richtige Besetzung ist.

      Auch unsere RV sind zwar sehr erfahren, aber lassen vermutlich die geforderte Dynamik vermissen, die ein Handwerker auf LV ihnen voraus hat.

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      • Schließe mich dem an, sein Auftritt war tadellos. Das schafft viel Energie auch im Umfeld und Vorfreude. Wenn er so einschlagen sollte wie wir uns das erhoffen, wird wohl wieder so ein strauchelnder Bundesligist ihn uns beizeiten wegnehmen wollen. Aber jetzt fangen wir erstmal an 🙂
        Diese Kombination von Hecking und Klauß gibt dem FCN etwas, ich nenne es mal Kompetenz und souveräneres Auftreten, das uns lange gefehlt hat.

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  • Die Erwartungen was die neue Saison betrifft,sind ja allseits (aus verständlichen Gründen) nicht gerade hoch. Dennoch bringt mich die Aussage „Extremerlebenisse können zusammenschweißen“ wieder zu dem Punkt,den ich hier schon mal äußerte (der allerdings verlorenging ): wir wären nicht der erste Verein, der nach einem Fast-Abstieg, in der Saison darauf,plötzlich oben mitspielt. Und dem neuen Führungspersonal mit Klauß + Hecking traue ich absolut zu, eine Mannschaft zusammen zu stellen, die uns wieder Freude macht. Mir hat jedenfalls die PK vorhin, ein gutes Gefühl gegeben.
    Willkommen in Nürnberg, Robert

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    • Absolut, da bin ich ganz deiner Meinung. Nach einem „Verarbeitungsjahr“ folgt tatsächlich oft ein „Angriffsjahr“. Ob es für „oben mitspielen“ reicht, wird sich zeigen, aber ich erwarte wirklich einen einstelligen Tabellenplatz. Die PK hat mich in freudige Erwartung für die Saison versetzt, ich kann mir gut vorstellen, dass er auch die Mannschaft emotionalisieren kann.

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    • Unserer Mannschaft hat das klang auch bei Hecking durch die Leidenschaft gefehlt auch wenn er sich mit rückwirkenden Analysen offiziell zurückhalten will, wie er betont. Wir waren ja lange Zeit die Mannschaft, die die meisten Führungen verspielt. Weder Palikuca noch Canadi oder Keller waren geeignet mit ihrer „Strahlkraft“ diese Energie zu wecken. Worauf ich hinaus will ich halte es gut für möglich, daß wir vorne mitspielen können. Wir sind mit der neuen Mannschaft nicht mehr am Startpunkt Null. Es gibt ausreichend Erkenntnisse sicher auch für den neuen Trainer. Klauß hat ja gesagt intern haben sie ihre Analyse zur letzten Saison gemacht, aber das sei nicht für die Öffentlichkeit, ich wäre ja zu neugierig. Weil ich kann mir die letzte Saison immer noch nicht wirklich erklären.

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  • Das Prinzip RB ist ein situatives Dreierpressing, dass den Gegenspieler so unter Druck setzt das ihm der Ball versprengt oder er ihn nicht kontrollieren kann, dann wird dazwischen gegangen und aufgrund der hohen technischen Fähigkeiten wird der Ball erobert und mitgenommen.Ich glaube erst dran wenn ich es sehe, aber ich habe meine Zweifel dass sich das auf unseren Kader so ohne weiteres übertragen lässt.

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    • Ich glaube erst dran wenn ich es sehe, aber ich habe meine Zweifel dass sich das auf unseren Kader so ohne weiteres übertragen lässt.

      Biechele vom Kicker hat ihm ja die Frage auf der PK gestellt, richtet sich das Spielsystem strikt nach seinen Vorstellungen oder nach dem vorhandenen Spielermaterial. Klauß antwortete ja mit einem sowohl als auch und daß er den Prozess eben einleiten will die vorhandenen Möglichkeiten an seine Vorstellungen anzunähern. Sicher wird der Kader punktuell ergänzt und ich denke mit dem jungen Tom Krauß haben wir schon mal mehr Dynamik und Geschwindigkeit im defensiven Mittelfeld, also vielleicht so gedacht.

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  • Mir ist aufgefallen, dass er schon Hecking als starken Mentor sieht. Finde ich gar nicht schlecht wenn ein neuer Trainer nicht gleich behauptet den totalen Überblick zu haben und nicht versucht Unfehlbarkeit zu suggerieren. Es scheint wirklich viel davon abzuhängen, wie Hecking die interne Zusammenarbeit koordiniert und ob es auch die nötige Geduld für diesen Prozess geben wird.
    Schön ist auch, dass auch Wiesinger offensichtlich gut eingebunden ist. Ich hoffe trotzdem, dass er Leiter im NLZ bleibt, den als Sportdirektor wird er zu schnell Opfer der Vereinspolitik. Schön weiter die Basis für die Zukunft des Vereins aufbauen. Sportdirektor oder 3.Vorstand sollte erst kommen, wenn klar ist, dass hier tatsächlich Kompetenzen im Verein fehlen und in welchen Bereichen, damit dann das Puzzleteil auch wirklich passt. Jetzt ist man erstmal Handlungsfähig, da sollte in diesem Bereich kein Aktionismus entstehen.

    Mit Hecking, Wiesinger und Klauß im ständigen Austausch, da könnte sich etwas entwickeln.

    Das es auf Anhieb rundläuft glaub ich nicht, mit dem Hinweis auf das lange Transferfenster war schon klar, dass während der Anfangsphase noch einige Änderungen geben könnte, es wird also nicht mit der Brechstange versucht alles zu ändern.
    Hoffe, die entstehende Aufbruchstimmung lässt die kurzfristigen Erwartungen nicht zu weit in den Himmel wachsen – wir sind „nur“ Last Minute Zweitligist!0

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  • Ja er hat den Club schon immer beobachtet…..
    Warum müssen denn Trainer immer mit solchen Floskeln kommen.
    Fehlt nur noch das er sagt der Club sei sein Lieblingsverein….
    Aber das nur nebenbei,wünsche dem neuen Trainer und dem gesamten Team einen guten Einstieg in die neue Saison…

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    • Immerhin hat er sich die Relegation angesehen. Und so schon mal einen Eindruck bekommen von unserer Mannschaft und dem Trainerteam.

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      • Naja… Jeder Fussballbegeisterte hat sich wahrscheinlich die Religation angeschaut.
        Trotzdem spricht es natürlich für ihn, dass er zumindest mal das 1:3 gesehen hat.
        Da hat er auch schoneinmal gesehen, dass wir Standards nicht verteidigen können.
        Das denke ich wird auch eins der ersten Ziele sein, was er gerade biegen will.
        Jede Mannschaft bekommt (eigentlich) mindesten 5 Ecken pro Spiel. Wenn da 3 drin sind
        siehts schlecht aus. Dies ist also enorm wichtig.

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  • Ich fand sein Auftreten sehr sympatisch – natürlich auch bisschen nervös, es wäre aber komisch, wenn er nicht nervös gewesen wäre. Das war ich auch am ersten Tag im neuen Job.
    Hört sich ja alles ganz gut an. Was ich vorher nicht so auf dem Schirm hatte: Er hat ja zweimal gesagt, dass er wegen Hecking da ist und sich von der Zusammenarbeit viel verspricht. Wenn das stimmt finde ich das super.
    Wichtig ist glaube ich, dass ein junger Trainer mit Demut an die Sache ran geht und nicht denkt, er hätte die Weisheit mit Löffeln gefressen – da kommt er mir aber geerdet genug rüber.

    Bei der Frage nach der Fitness und der Intensität der Vorbereitung hat er ein bisschen geschmunzelt – ich glaube, er macht die richtig top fit. Wie Peter Neururer mal gesagt hat: „Freut euch auf das Trainingslager. Ihr könnt Eimer zum Kotzen mitnehmen.“

    Das Gefühl ist auf jeden Fall sowohl bei Hecking (vs. Palikuca) als auch bei Klauß (vs. Canarschdi) deutlich positiver als vergangenes Jahr – die Wahrheit liegt auf dem Platz.

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  • Schöner Kommentar, aber muss denn dieses beleidigende Nachtreten gegen einen ehemaligen Trainer sein?

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      • Die Antwort liegt in der Fäkalisierung des Namens.

        @Fonz: korrekt, das muss nicht sein.

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        • Ah, ok. War auch für mich unschlüssig, was genau gemeint ist, da das nicht als Antwort auf den oberen Kommentar hinterlegt war. Dachte es ging um den Artikel und/oder die PK und konnte mir daher nichts darunter vorstellen.

          Danke fürs Klarstellen. Muss wirklich nicht sein.

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  • Klauß im Interview auf fcn.de: „… und dann wir werden das hinbekommen“

    Ich nehm ihm diese Aussage ab. Und fang langsam an sowas wie Hoffnung auf eine gute Saison zu entwickeln. 🙂

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