Die 17 Anderen – Folge 3: 1. FC Heidenheim

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie sich der Kader bei den Gegnern strukturiert und was letzte Saison auffällig war. Im dritten Teil geht es um knapp in der Relegation gescheiterte Ostwürttemberger.

1. Steckbrief

TrainerFrank Schmidt (seit 17.09.2007)
AbgängeNiklas Dorsch, Tim Kleindienst (beide KAA Gent), Timo Beermann (VfL Osnabrück), Sebastian Griesbeck (Union Berlin), Andrew Owusu (Sonnenhof Großaspach), Robert Strauß (Karriere beendet), Arne Feick (Würzburger Kickers), Maurice Multhaup (VfL Osnabrück), Jonas Brändle (SG Sonnenhof Großaspach, Leihe), Gökalp Kilic (SSV Ulm, Leihe)
ZugängeChristian Kühlwetter, Florian Pick (beide 1. FC Kaiserslautern), Dzenis Burnic (Borussia Dortmund), Andreas Geipl (SSV Jahn Regensburg), Marvin Rittmüller (1. FC Köln II), Jan Schöppner (SC Verl), Patrick Schmidt (Dynamo Dresden, Leihende), Merveille Biankadi (Eintracht Braunschweig, Leihende), Oliver Steurer (Preußen Münster, Leihende), Gianni Mollo, Julian Stark, Melvin Ramusovic (alle eigene U19)
Platzierung 2019/20Zweite Bundesliga, Platz 3 (55 Punkte, 45:36 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 19633-3-4; 16:17 Tore
Ex-Cluberer?Trainer Frank Schmidt war zwischen 1991 und 1994 als Spieler beim FCN, NLZ-Chef Roger Prinzen war zwischen 2013 und 2016 Trainer des FCN II und trainierte 2013/14 insgesamt an vier Spieltagen die Profimannschaft des FCN
Ex-Heidenheimer?Nikola Dovedan spielte von 2017 bis 2019 an der Brenz

2. Datenlage 2019/20

Ginge es nach expected Goals, hätte der 1. FC Heidenheim nicht die „zweitbeste Abwehr“ der Zweiten Bundesliga gestellt. Kein Team schlug die zu erwartenden Gegentore derart massiv wie die Württemberger. Neun Gegentore mehr wären auf Grund der Chancenqualität der Gegner zu erwarten gewesen. Dabei war der FCH ein wenig das Spiegelbild des FCN. Während der Club in den letzten dreißig Spielminuten 26 Gegentore aus 18,77 xG kassierte, fing sich Heidenheim in genau dieser Phase nur 13 Gegentore aus 20,49 xG. Reiner Zufall sind die Werte allerdings nicht, denn während der FCN dem Gegner den dritthöchsten xG-Wert pro Schuss gewährte, waren die Chancen gegen Heidenheim die am wenigsten aussichtsreichen in der ganzen Liga. Das deutet darauf hin, dass die Verteidigung der Heidenheimer wenig offene Schüsse zuließ, wofür aus die Tatsache spricht, dass sie in Sachen geblockte Schüsse in allen Aspekten weit vorne lagen. Darüber hinaus führten und gewannen sie auch die viertmeisten Defensivzweikämpfe. Die anderen Teams auf den Plätzen eins bis fünf der Tabellen belegten in dieser Wertung die vier letzten Plätze.

Offensiv war Heidenheim dagegen nicht nur wegen der Toranzahl, die nur Sandhausen, St. Pauli und Dresden unterboten, eher ein leicht unterdurchschnittliches Team. Man erzielte allerdings sowohl anteilig als auch in absoluten Zahlen die meisten Kontertore und war nach dem VfB Stuttgart die torgefährlichste Mannschaft in der Schlussviertelstunde. Die Affinität für schnelles Spiel in die Spitze zeigte sich auch darin, dass Heidenheim in vielen offensiven Kategorien (Pässe ins letzte Drittel, Steckpässe, angekommene Pässe in Tornähe) Platz 15 oder 16 belegte, bei den Pässen für Raumgewinn aber Platz 8. Sie zeigte sich auch darin, dass Heidenheim in der Kategorie „Spieltempo“, einem Wert, der sich aus der Anzahl der eigenen Pässe pro Minute reinen Ballbesitz berechnet, Platz fünf belegte.

 Heidenheim 2019/20
Tore/expected Goals42/46,54
Gegentore/expected Goals against36/45,69
Schüsse pro 90/xG pro Schuss11,43/0,11
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss12,10/0,106
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase48,0%/13,5 s
PPDA/Chal. Intensity12,49/5,6
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball39%/60%/51%/41%

3. Kader 2020/21

Die zweite Saison in Folge verliert der FCH über den Sommer Schlüsselspieler. Im Vorjahr gingen mit Glatzel (Cardiff City), Dovedan (1. FC Nürnberg) und Andrich (Union Berlin) drei Schlüsselspieler, die insgesamt für 38 Torbeteiligungen gesorgt hatten. Die 9,5 Millionen Euro Einnahmen reinvestierten die Württemberger zu einem Drittel in Tim Kleindienst, dessen 20 Torbeteiligungen einen großen Anteil an der erfolgreichen Saison hatten. Jener Kleindienst verlässt aber nun ebenso wie Mittelfeldspieler Niklas Dorsch Baden-Württemberg in Richtung Belgien. Beide heuern bei KAA Gent an. Zusätzlich verlässt mit Sebastian Griesbeck ein weiterer Stützpfeiler der Mannschaft den Verein. Dessen Abgang soll der ablösefreie Zugang von Jahn Regensburg Andreas Geipl kompensieren. Ersatz für Dorsch war zum Teil in Form von Konstantin Kerschbaumer schon im Kader vorhanden, zusätzlich wurde der bislang nach Dresden ausgeliehene Dzenis Burnic von Borussia Dortmund verpflichtet. Dennoch war klar, dass der FCH die knapp sieben Millionen Euro, die er für Kleindienst und Dorsch aus Belgien erhalten hat, teilweise reinvestieren würde. Das geschah Anfang September: der FCH holte mit Florian Pick und Christian Kühlwetter gleich zwei Offensivspieler vom 1. FC Kaiserslautern.

Die Kaderstruktur bei den Heidenheimern ist sehr auffällig. Fast alle Spieler, die merklich Einsatzzeiten erhalten haben, liegen im „Peak Age“ Bereich zwischen 24 und 29. Ausnahmen nach unten gab es im Vorjahr nur in Form von Niklas Dorsch, nach oben stechen Norman Theuerkauf und der ewige Marc Schnatterer heraus, dessen Einsatzzeiten in den vergangenen Jahren aber auch zurückgegangen sind. Ebenso stechen die Vertragslaufzeiten ins Auge. Außer den beiden genannten älteren Spielern, läuft bei keinem Stammspieler des FCH am Ende dieser Spielzeit der Vertrag aus, eine ganze Reihe von Spielern haben sogar noch drei Jahre Vertragslaufzeit. So kann Heidenheim auch in Zukunft von Spielern, die Begehrlichkeiten wecken, zumindest finanziell profitieren, nachdem man zuvor sportlich profitiert hatte.

Hinweis: Die Grafiken werden über den Sommer bei personellen Veränderungen aktualisiert. Der Artikel erst mit Saisonstart

3 Gedanken zu „Die 17 Anderen – Folge 3: 1. FC Heidenheim

  • Wundertüte, besonders nach relevanten Abgängen. Aber andererseits hat es ihnen zuletzt auch nicht geschadet, da sie weiterhin ein gewachsenes, eingespieltes Team haben.

    Allerdings ist zu bedenken, dass die Gescheiterten der Relegation fast immer einen Absturz erleiden. Ist quasi ein Naturgesetz.

    Schaun mer mal….

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    • Normalerweise ja, wobei Heidenheim ja schon immer n bisschen anders war. Burnic und Geipl sind schon wieder sehr stabile Transfers, dazu ne wirklich beachtliche Altersstruktur. Würde mich nicht wundern, wenn das wieder solide würde.

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      • Heidenheim ist nicht zu unterschätzen, Frank Schmidt und sein Staff leisten seit Jahren Toparbeit. Sie dürften erneut um Platz 3 mitspielen. Ob es dann zum Aufstieg reicht, gar direkt, hängt davon ab ob sie die gescheiterte Relegation ab dem ersten Spieltag aus dem Kopf haben oder erst nach einigen Wochen.

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