Die 17 Anderen – Folge 4: Hamburger SV

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie sich der Kader bei den Gegnern strukturiert und was letzte Saison auffällig war. Im vierten Teil geht es um den Verein, den der Sportvorstand des FCN bis vor wenigen Wochen trainiert hat.

1. Steckbrief

TrainerDaniel Thioune (seit 06.07.2020)
AbgängeBerkay Özcan (Basaksehir, war bereits dorthin verliehen), Tobias Knost (eigene Amateure), Kyriakos Papadopoulos, Jairo Samperio (beide Vertragsende), Timo Letschert (AZ Alkmaar), Christoph Moritz (Jahn Regensburg), Adrian Fein (Bayern München, Leihende), Jordan Beyer (Borussia Mönchengladbach, Leihende), Louis Schaub (1. FC Köln, Leihende), Martin Harnik (Werder Bremen, Leihende), Joel Pohjanpalo (Bayer Leverkusen, Leihende), David Bates (Cercle Brügge, Leihe)
ZugängeMoritz Heyer (VfL Osnabrück), Simon Terodde (1. FC Köln), Toni Leistner (Queens Park Rangers), Amadou Onana (TSG Hoffenheim U19), Klaus Gjasula (SC Paderborn), Aaron Opoku (Hansa Rostock, Leihende), Manuel Wintzheimer (VfL Bochum, Leihende), Jonas David (Würzburger Kickers, Leihende)
Platzierung 2019/20Zweite Bundesliga, Platz 4 (54 Punkte, 62:46 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 196337-16-16; 139:80Tore
Ex-Cluberer?Ewerton (2017-2019), Tim Leibold (2015-19), Physiotherapeut Andreas Thum (NLZ, 2009-2015)
Ex-HSVer?Christian Mathenia (2016-18), Hanno Behrens (verschiedene Jugendmannschaften 2005-2012) Fabian Nürnberger (Jugend bis 2015), Zeugwart Marko Riegel (verschiedene Mannschaften bis 1998) und Scout Jan Sandmann (2000-2002) waren alle Spieler beim HSV, Sportvorstand Dieter Hecking trainierte den HSV in der Saison 2019/20, sein Co-Trainer war in jener Spielzeit der jetzige Co-Trainer von Robert Klauß, Tobias Schweinsteiger.

2. Datenlage 2019/20

Eigentlich müsste der HSV jetzt in der Bundesliga spielen. Also rein statistisch gesprochen. Die zweitmeisten Tore, der zweitmeiste Ballbesitz, die zweithöchste Passgenauigkeit, die zweitbeste Passquote bei Pässen für Raumgewinn, die höchste Passgenauigkeit bei Steckpässen, die zweitmeisten angekommenen Pässe in Tornähe, die zweitmeisten Ballberührungen im Strafraum, die meisten Läufe mit Ball pro Raumgewinn, die beste Zweikampfquote bei Defensivzweikämpfen und Duellen um den freien Ball, die zweitmeisten expected Goals, die zweitmeisten expected Points, die drittwenigsten expected Goals against, den höchste expected Goals Wert pro eigenem Schuss. In vielen Bereichen war der HSV eine Spitzenmannschaft in der Zweiten Bundesliga. Pech spielte also definitiv eine Rolle dabei, dass der einstige Bundesligadino auch im zweiten Versuch nicht wieder ins Oberhaus zurückkehrte.

Ein wenig kann man das Scheitern allerdings auch statistisch erklären. So kommt zum Beispiel kein Zweitligist auch nur annähernd auf so viele Ballverluste nach Dribblings wie die Hamburger. Das liegt natürlich auch daran, dass es niemand anders so oft versuchte, aber die schiere Anzahl der Ballverluste nach Dribblings in der Vorwärtsbewegung ist auffällig. Dass der HSV darüber hinaus auch – sowohl anteilig (22%) als auch in absoluten Zahlen (10) – die meisten Gegentore nach Konter in der ganzen Liga kassierte, ist sich auch mit dieser Zahl der Ballverluste zu erklären, gerade auch deshalb, weil der HSV insgesamt die zweitwenigsten Ballverluste zu verzeichnen hatte. Hinzu kam, dass der HSV in der Defensive an sich zwar zweikampfstark war, aber sehr viele Kopfballduelle (55,4%, Rang 16 in dieser Wertung) verlor. Aus dieser Schwäche resultierten auch neun Gegentreffer, was anteilig bedeutet, das fast jedes fünfte Gegentor ein Kopfballgegentor war.

 Hamburg 2019/20
Tore/expected Goals62/62,0
Gegentore/expected Goals against46/42,7
Schüsse pro 90/xG pro Schuss13,02/0,132
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss10,28/0,115
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase60,6%/17,6 s
PPDA/Chal. Intensity9,82/6,1
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball41%/63%/45%/44%

3. Kader 2020/21

Auf den ersten Blick sieht der Kader der Hamburger relativ fertig aus. Ein Linksverteidiger-Backup und der Kader steht. In Wahrheit ist jedoch noch mehr Arbeit zu verrichten, mit Rick van Drongelen fällt der einzige Innenverteidiger mit vielen Minuten in der vergangenen Saison im Kader – neben dem hier als Mittelfeldspieler aufgeführten Gideon Jung – mit Kreuzbandriss aus. Deshalb wurde Toni Leistner, der in der Rückrunde an den 1. FC Köln ausgeliehen worden war, von Queens Park Rangers verpflichtet. Dennoch war der HSV noch weiter auf der Suche nach einem Innenverteidiger, denn die anderen drei fitten Innenverteidiger im Aufgebot kamen zusammen nur auf knapp 550 Einsatzminuten. Kurz vor Saisonstart wurde deshalb Moritz Heyer vom VfL Osnabrück verpflichtet. Hinzu kommt, dass viele Spieler mit langfristigen, teuren Verträgen ausgestattet sind, die gerade in der jetzigen Situation das Budget deutlich belasten, so dass der Verein über den ein oder anderen Abgang sicherlich nicht traurig wäre. Die Rückkehr von Adrian Fein zum FC Bayern München haben die Hamburger bereits zumindest auf dem Papier kompensiert, mit Klaus Gjasula kommt der Gelbe Karten König der Bundesligageschichte in den Volkspark.

Die große Unbekannte in Hamburg ist darüber hinaus der neue Trainer und wie viel anders als in Osnabrück Daniel Thioune spielen lässt. Dort setzte er flexibel viele unterschiedliche Grundordnungen ein, verzichtete – genau wie Hecking beim HSV – weitgehend auf den langen Pass und auf Flanken, was dem kopfballschwachen Kader des HSV auch entgegenkommen würde. Die Kaderstruktur zeigt auch, dass Profis jenseits der 30 im Kader des HSV fast gar keine Rolle spielen. Die Einsatzzeiten von Aaron Hunt wurden in den letzten Jahren immer geringer, Ex-Cluberer Ewerton war und ist dauerverletzt und Ersatzkeeper Tom Mickel ist nur die Nummer Drei. Auch Neuzugang Simon Terodde spielte in der vergangenen Saison in Köln kaum eine Rolle, es daher durchaus ein Wagnis, darauf zu hoffen, dass der Stürmer trotz seines Alters wieder zuschlägt wie bisher. Ebenso ist der Hamburger Kader ein Beispiel dafür, wie sehr der Fußball inzwischen von den Spielern zwischen 24 und 29 dominiert wird, wie viel mehr eher jüngere als ältere Spieler ihre Chance erhalten.

Hinweis: Die Grafiken werden über den Sommer bei personellen Veränderungen aktualisiert. Der Artikel erst mit Saisonstart

21 Gedanken zu „Die 17 Anderen – Folge 4: Hamburger SV

  • Ich glaube nicht, dass Adrian Fein gleichwertig ersetzt werden kann. Immer noch ein Top-Team der 2. Liga, aber eher schwächer als letzte Saison. Ob das reichen wird, die Liga zu dominieren, wie es der Anspruch sein sollte?

    Steile Prognose: Daniel Thioune wird diese Saison nicht überstehen.

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  • Je länger eine Mannschaft in der 2. Liga festsitzt, umso schwieriger wird es für sie, diese zu verlassen. Schlimmstenfalls sackt man noch weiter ab.

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  • In der Summe der Einzelspieler etwas schwächer als letzte Saison. Möglicherweise jedoch als Team stärker. Auch dank des Menschenfängers mit Motivationsgeschick Thioune.

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  • Heute wird auf FCN deeh ab 17 Uhr live das Testspiel in Regensburg gegen den Jahn übertragen.

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      • Behrens wurde schon runter genommen, hielt sich den Oberschenkel. Bisher ein glückliches 1:0, Regensburg hatte bisher die besseren Schanxn.
        Die Mannschaft ist eine Kombination aus alt und neu, steht alles beim Kicker. Schleusener als Mittelstürmer, linke Seite ist gleich komplett neu: Hinten verteidigen Celebi außen und Knothe innen, vor ihnen spielt Singh. Für Behrens kam Cerin und Krauß darf auch schon als 6er auflaufen.

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  • Die Torgefahr ist leider noch nicht da.
    Nürnberger und Handwerker machen teils Freude

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  • Laut Christians Aussage in ClubTV kommt Früchtls Mom aus der Fränkischen Schweiz (Ebermannstadt) und sein Onkel ist obendrein großer Club-Fan.

    Sozialisation also auch prima. 😉

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