Die 17 Anderen – Folge 9: SpVgg Greuther Fürth

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie sich der Kader bei den Gegnern strukturiert und was letzte Saison auffällig war. Im neunten Teil geht es um den Lokalrivalen aus der Nachbarstadt.

1. Steckbrief

TrainerStefan Leitl (seit 05.02.2019)
AbgängeMaximilian Wittek (Vitesse Arnheim), Daniel Keita-Ruel (SV Sandhausen), Maximilian Sauer (MSV Duisburg), Patrick Sontheimer (Würzburger Kickers, war bereits dorthin verliehen) , Marco Caligiuri (Karriereende), Felix Beijmo (Werder Bremen, Leihende), Alexander Lungwitz (Bayern München II, Leihe)
ZugängeAnton Stach (VfL Wolfsburg II), Dickson Abiama (SC Eltersdorf), Abdourahmane Barry (FC Liefering), Emil Berggreen (FC Twente)
Platzierung 2019/20Zweite Bundesliga, Platz 9 (44 Punkte, 46:45 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 196316-13-19; 50:58 Tore
Ex-Cluberer?Jamie Leweling (2012-2017), Marvin Stefaniak (2018), Timothy Tillman (2018/19), Trainer Stefan Leitl als Spieler (1999-2002), Scout Paul Hesselbach als Spieler (1968-1973)
Ex-Fürther?Johannes Geis (2008-2013)

2. Datenlage 2019/20

Fürth spielte intensiven Fußball in der vergangenen Saison. Der höchste Wert an Defensivaktionen pro Minute gegnerischer Ballbesitz (7,0), der zweithöchste Wert in Sachen gegnerische Pässe pro eigener Defensivaktion (7,5), in Relation zum Ballbesitz zusammen mit Bochum die meisten abgefangenen Bälle, die drittmeisten eigenen Fouls (13,84/90 Minuten), am häufigsten gefoult worden (14,34/90 Minuten), die fünftmeisten Zweikämpfe (208/90 Minuten). Dass nur vier Mannschaften (Bielefeld, Stuttgart, Heidenheim und Darmstadt) weniger Gegentore kassierten, war also vor allem der defensiven Organisation und der Aggressivität der Fürther geschuldet. Gleichzeitig bewies Fürth, dass die Quote der gewonnenen Duelle wenig über den eigenen Erfolg aussagt. Denn weder in den Duellen gegen den Ball (Platz 17), noch in den Duellen um den freien Ball (Platz 18) oder den Duellen in der Luft (Platz 12), war das Kleeblatt in Sachen Zweikampfquote besonders erfolgreich. Man war zumindest physisch präsent, was aber nie in übertriebene Härte umschlug: Fürth blieb als einziger Zweitligist gänzlich ohne Platzverweis. Das alles erreichte Fürth ohne physisch überwältigende Spieler zu haben. Im Gegenteil: Eines der viel zitierten Mankos des Kleeblatts in der vergangenen Saison war die fehlende Körpergröße vieler Spieler.

Die physischen Voraussetzungen hatten dann auch Auswirkungen auf die Spielanlage. Trainer Stefan Leitl gab selbst zu Protokoll, dass es mit diesem Kader wenig sinnvoll sei, auf hohe Bälle oder das Erobern zweiter Bälle zu gehen. Stattdessen versuchte Leitl mit seiner Mannschaft über Ballbesitz und geduldiges Ausspielen der Situationen zum Erfolg zu kommen. Wie geduldig das Ausspielen war, zeigte sich auch an der Metrik, die sich „Match Tempo“ nennt. Hierbei wird die Anzahl der Pässe pro Minute reinen Ballbesitzes gemessen. Fürth kam auf 16 Pässe. Das ist nach den 15,1 von Regensburg und den 15,6 von Osnabrück der drittniedrigste Wert in den beiden obersten deutschen Spielklassen. Im Gegensatz zu den anderen beiden Teams (44,7% bzw. 47,7%) hatte Fürth aber mit 53,3% auch noch einen hohen Ballbesitzwert. Ein wenig – aber nicht völlig – wird das dadurch erklärt, dass Fürth etwas mehr mit dem Ball lief als die meisten anderen Teams. Das Kleeblatt kam nach Stuttgart und Hamburg auf die meisten Dribblings.

 Fürth 2019/20
Tore/expected Goals46/44,93
Gegentore/expected Goals against45/51,1
Schüsse pro 90/xG pro Schuss12,29/0,101
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss11,46/0,123
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase53,3%/13,5 s
PPDA/Chal. Intensity7,50/7,0
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball42%/56%/46%/40%

3. Kader 2020/21

Die Bewegung in den Kader der Spielvereinigung hinein war bisher nicht besonders groß. Neuzugänge kann das Kleeblatt mit Emil Berggreen (Twente Enschede) Abdourahmane Barry vom FC Liefering (aka Red Bull Salzburg II), Dickson Abiama von Bayernligist Eltersdorf und Anton Stach von Regionalligist VfL Wolfsburg II derzeit nur vier verbuchen und alle kommen nicht mit dem Stempel „sichere Verstärkung“, da drei von ihnen (Barry, Abiama, Stach) keine Minute Profifußball in der vergangenen Saison gespielt haben und auch Berggreen bei Twente nur knapp 500 Minuten gespielt hat, nachdem er 2018/19 in Mainz verletzungsbedingt ohne Einsatz geblieben war . Auf der anderen Seite hat Fürth mit Maximilian Wittek (2486 Einsatzminuten 2019/20), Daniel Keita-Ruel (2181) und Marco Caligiuri (2784) gleich drei Spieler verloren, die auf viel Einsatzzeit kamen und auch als Leistungsträger gelten müssen. Während man bei Wittek mit David Raum bereits im Laufe der letzten Saison einen Nachfolger aufbauen konnte, sollen Barry und Berggreen in der Innenverteidigung und im Sturm zu adäquate Lösungen werden, um die Abgänge zu ersetzen. Erschwert wird die Situation des Kleeblatts durch die Tatsache, dass der finanzielle Spielraum durch die Folgen der Pandemie deutlich kleiner geworden ist. So erließ die Stadt Fürth dem Verein die Hälfte der Pacht für das Stadion und nach Recherchen der Fürther Nachrichten hat sich der Verein auch um einen KfW-Kredit bemüht.

Dementsprechend ist die Kreativität von Rachid Azzouzi noch stärker als sonst gefragt, um die Kaderlücken auf der rechten Außenbahn, wo die Besetzung offensiv wie defensiv eher dünn sind, zu schließen. Gleichzeitig muss der Sportdirektor der Fürther sich auch um zehn auslaufende Verträge kümmern. Es gibt also einiges zu tun. Die Altersstruktur des Kaders ist hingegen auffällig jung. Von den Feldspielern ist nur Mergim Mavraj (34) über 27 Jahre alt, über 25 sind neben dem Genannten auch nur Berggreen, Hrgota und Nielsen. Das entspricht natürlich dem Fürther Weg stets mit jungen Spielern zu arbeiten. Im Idealfall wachsen die Spieler so früh in Führungspositionen hinein und entwickeln sich weiter. Im schlechtesten Fall fehlt es dem Team dann an Erfahrung auf dem Platz. Andererseits hat der Kader auf elf Spieler unter 25 Jahren, die weniger als 540 Einsatzminuten, also sechs Spiele über 90 Minuten, in der vergangenen Saison im Profibereich hatten. Eine Reihe dieser Spieler wird seine Einsatzzeiten erhöhen müssen und es ist abzuwarten, in welcher Form die Spieler den Sprung schaffen werden.

Hinweis: Die Grafiken werden über den Sommer bei personellen Veränderungen aktualisiert. Der Artikel erst mit Saisonstart

10 Gedanken zu „Die 17 Anderen – Folge 9: SpVgg Greuther Fürth

  • Der Teeladen ist eine weitere Zweitliga-Wundertüte. Wenn sie ihre prominenten Abgänge genauso kompensieren wie man es von ihnen gewohnt ist, toben sie sich im großen Pulk aus, der Platz 3 angreift. Leitl hat es letzte Saison schnell geschafft, der Mannschaft erkennbar seine Handschrift zu verpassen. Warum sollte dies nicht wieder gelingen!

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  • Egal wie die Greuther sich aufstellen, das Minimalziel für nächste Saison muss lauten, die natürliche Ordnung wiederherzustellen und vor dem Teeladen in der Abschlusstabelle zu stehen, verbunden mit einer positiven Bilanz in den direkten Duellen, jedenfalls ohne eine Niederlage.

    Hohe Ziele, gemessen an letzter Saison, aber machbar.

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    • Also dann würde es dir auch genügen, wenn Fürth 18. und wir 17. werden ?
      Tolle These

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      • Wenn Fürth Erster wird, wäre ich zufrieden, wenn der Club einen Platz hinter Fürth rangiert. Ich gönne den Fürthern eine erfolgreiche Zweitligasaison. Der Club muss für sich selber sorgen. Hoffentlich schafft er es mit der neuen sportlichen Führung, sich wieder unter die 25 Vereine einzureihen, denen man strukturell und sportlich die 1. Liga zutraut. Das wäre so mein Anspruch. Den Ausblick auf den Abgrund 3. Liga brauch ich nicht. Ebensowenig einen Aufstieg noch in der Saison, die gerade langsam ihren Anfang nimmt. Mir reichte ein solides Arbeiten mit guten bis erträglichen Auftritten, die man selber gestaltet, in denen man nicht hinterherläuft oder gar angeschlagen hilflos erscheint.

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      • Also dann würde es dir auch genügen, wenn Fürth 18. und wir 17. werden ?

        Das vielleicht nicht, aber der Relegationsplatz wäre unter der Prämisse dann ganz ok gewesen

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      • Haarspalter! 😉

        Na gut, ich ergänze die Mindestanforderung um einen gesicherten Mittelfeldplatz in Verbindung mit einer Saison ohne Abstiegssorgen.

        Nach oben offen, selbstverständlich.

        Jetzt zufrieden, Herr Schlüsselspieler? :mrgreen:

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  • Mir ist die Platzierung der Westvorstädter komplett egal, ob die am Ende vor oder hinter uns stehen ändert für mich nichts.

    Im Derby sieht das aber anders aus, da bin ich beim Optimist, ich hoffe auf eine positive Bilanz und am besten keine Niederlage, weder in Fürth noch weniger daheim. Heimspiele gehören ja sowieso gewonnen, das weiß hier ja jeder und Heimderbys noch mehr. Vor allem will ich diese Saison aber mal zwei Derbys erleben, bei denen ich das Gefühl habe, die Mannschaft hat alles gegeben, wollte von Anfang an gewinnen, war über 90 Minuten dominant auf dem Platz. An ein gutes Derby von unserer Seite kann ich mich kaum noch erinnern, das muss anders werden. Es muss wieder Leidenschaft in’s Derby.

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  • Ich hoffe inständig daß wir unter der sportlichen Verantwortung von Hecking und Klauß im ältesten Derby des deutschen Profifußballs unsere Ehre wieder zurückbekommen!

    Davon abgesehen, ich glaube es gibt keine Mannschaft die länger und besser weiß wie 2. Liga funktioniert als die Westvorstädter. Durchaus als Kompliment.

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  • Die Fürther sind „die 2.Liga-Mannschaft“. Fest verwachsen. Für unten zu stark, für oben zu schwach. Unser Ziel muss der Aufstieg sein. Wenns dann nicht klappt, kann man auch nichts machen. Es muss aber das Ziel sein.

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