Die 17 Anderen – Folge 10: SV Sandhausen

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie sich der Kader bei den Gegnern strukturiert und was letzte Saison auffällig war. Im zehnten Teil geht es um den SV Sandhausen.

1. Steckbrief

TrainerUwe Koschinat (seit 15.10.2018)
AbgängeRoman Hauk (FC Astoria Walldorf), Jesper Verlaat (Waldhof Mannheim), Leart Paqarada (FC St. Pauli), Rurik Gislason, Markus Karl (beide Vertragsende), Stefan Kulovits (Karriereende)
ZugängeNils Röseler (VVV Venlo), Diego Contento (Fortuna Düsseldorf), Anas Ouahim (VfL Osnabrück), Daniel Keita-Ruel (SpVgg Greuther Fürth), Nikolas Nartey (VfB Stuttgart, Leihe), Benedikt Grawe (eigene Amateure), Florian Hansch (Hallescher FC, war verliehen), Alexander Rossipal (Preußen Münster, war verliehen)
Platzierung 2019/20Zweite Bundesliga, Platz 10 (43 Punkte, 43:45 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 19633-1-7; 9:17 Tore
Ex-Cluberer?Dennis Diekmeier (2009-2010), Besar Halimi (2009-2013, Jugend)
Ex-Sandhäuser?Fabian Schleusener (2018/19)

2. Datenlage 2019/20

Auf den ersten Blick hatte Sandhausen ein Problem mit dem Toreschießen. Die wenigsten Tore unter allen Teams, welche die Klasse gehalten haben (43), die wenigsten Fernschusstore (2), die zweitwenigsten Kontertore (3), generell die wenigsten Tore aus dem Spiel heraus (23). Das deutet zum einen auf eine Stärke bei ruhenden Bällen hin: 20 Tore nach Ecken, Freistößen, Einwürfen und Elfmetern waren (zusammen mit Bochum, Stuttgart und Bielefeld) Höchstwert. Da die drei anderen Teams aber insgesamt mehr Tore geschossen haben, hatte Sandhausen den höchsten Anteil an Toren aus ruhenden Bällen. Großen Anteil an der Quote hatten die acht Elfmetertore, die angesichts von elf erhaltenen Strafstößen sogar noch mehr hätten sein können. Die Geschichte könnte also eine einer aus dem Spiel heraus schwachen Mannschaft sein. Das würde aber den unterliegenden Zahlen nicht wirklich gerecht. So kommt Sandhausen auf die zweitmeisten Schüsse pro 90 Minuten und war die Mannschaft, welche die eigenen expected Goals am weitesten verfehlte. Fast zwölf Tore weniger als auf Grund der Chancenqualität zu erwarten gewesen wäre, erzielten die Kurpfälzer. Nach expected Points wären sie in der Abschlusstabelle auf Rang vier – hinter Stuttgart, Hamburg und Bielefeld – gelandet. Dabei gibt es nicht den einen einzelnen Schuldigen, der besonders viele Chancen vergeben hat, sondern die gesamte Mannschaft untertraf ihre xG-Werte. Angesichts dessen, dass Sandhausen zuvor drei Saisons in Folge jeweils circa sechs Tore über dem Erwartungswert lag, könnte man allerdings auch von einer erwartbaren Regression zur Mitte sprechen.

Der SVS setzte an sich offensiv nämlich auf zwei Mittel: Flanken und tiefe Pässe. Mit Diekmeier (214) und Paqarada (152) hatte Sandhausen die zwei Spieler, welche die meisten Flanken in der abgelaufenen Saison schlugen, beide lagen darüber hinaus unter den besten sieben Spielern in Sachen Flankengenauigkeit. Das hing auch damit zusammen, dass Sandhausen anteilig die wenigsten Flanken in den gegnerischen Fünfmeterraum schlug, wo der Torwart den Ball schneller abfangen kann. Auf die Mannschaft gerechnet schlug nur der KSC mehr Flanken pro Spiel als Sandhausen. Der andere Aspekt zeigt sich an Metriken wie den Pässen ins letzte Drittel: Kein Team spielte anteilig mehr seiner Pässe ins Angriffsdrittel (17,4%). Nur Regensburg und Wehen spielten anteilig mehr progressive Pässe, also Pässe für Raumgewinn, als Sandhausen (23,8%). Das Ziel war also direkt nach vorne zu kommen, was auch gelang: Mit 18 Ballbesitzphasen im gegnerischen Strafraum pro 90 Minuten lag Sandhausen nach Stuttgart (23,6), Hamburg (21,8) und Kiel (18,3) auf Platz vier. Auf der anderen Seite des Balls stach bei Sandhausen heraus, dass sie die meisten Fouls begingen, selbst dann wenn man Fouls und Zweikämpfe in Relation setzt. Jene hohe Intensität im Defensivspiel zeigte sich auch in Werten wie den meisten Balleroberungen oder den anteilig meisten geblockten Schüssen.

 Sandhausen 2019/20
Tore/expected Goals43/54,8
Gegentore/expected Goals against45/48,2
Schüsse pro 90/xG pro Schuss13,15/0,115
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss11,47/0,116
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase46,8%/11,8 s
PPDA/Chal. Intensity8,88/6,4
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball41%/61%/50%/42%

3. Kader 2020/21

Die große Frage bei Sandhausen ist, wie sehr der SVS den Verlust von Leart Paqarada an Sandhausen kompensieren kann. Der Linksverteidiger war integraler Bestandteil der Flankenstrategie. Mit Contento (Fortuna Düsseldorf) und Rossipal (war an Münster verliehen) kommen zwei Linksverteidiger in den Kader, die jedoch beide Fragezeichen mit sich tragen: Contento hat zwar einst für Bayern München gespielt, in der vergangenen Saison stand er aber keine Sekunde auf dem Platz. Rossipal dagegen kommt bisher auf 98 Zweitligaminuten (plus 90 Minuten Europa League). Jenseits dieser Fragezeichen erscheint am Kader der Sandhäuser aber vieles weit gediehen. Die Abgänge außer Paqarada fielen in der vergangegen Spielzeit in den Bereich Ergänzungssspieler oder dauerverletzt. Gleichzeitig hat man mit Keita-Ruel aus Fürth für den Sturm, Röseler aus Venlo für die Innenverteidigung und Ouahim (aus Osnabrück) und Nartey (per Leihe aus Stuttgart) fürs zentrale Mittelfeld in jedem Mannschaftsteil etwas nachgelegt. Möglicherweise fehlt noch ein fünfter Innenverteidiger, aber an sich steht der Kader. Dass dieser im Zentrum ein Überangebot zu haben scheint, ist auch der Grundordnung von Uwe Koschinat geschuldet. Der spielte in der Saison 2019/20 am liebsten ein 4-4-2 mit Raute, also eine Formation, bei der besonders viele Zentrumsspieler benötigt werden.

Dem Kader des SVS fehlen weitgehend die jungen Spieler. Gerade mal vier Spieler unter 24 (Leihgabe Nartey, Neuzugang Ouahim, Pena Zauner und Ersatzkeeper Grawe) stehen im Aufgebot von Uwe Koschinat. Dafür finden sich aber zwölf Spieler bei Sandhausen, die 29 oder älter sind. Das heißt, das Gewicht des Kaders liegt insgesamt deutlich im Bereich der Erfahrung. So haben die Erfahreneren auch in der Regel mehr Spielanteile als die Jüngeren oder ganz Jungen. Gleichzeitig zeigt die Grafik auch, dass Koschinat auf einen festen Stamm setzte und auch setzen konnte, weil die betreffenden sieben Spieler (Fraisl, Zhirov, Behrens, Nauber, Diekmeier, Linsmayer plus der abgewanderte Paqarada) kaum nennenswerte Fehlzeiten hatten. Das führt allerdings auch dazu, dass die Einsatzzeiten der restlichen Spieler, wie man im Diagramm sieht, deutlich eingeschränkter ausfielen, so dass viele Spieler, die eigentlich auf der Höhe ihrer Fähigkeiten sein müssten, kaum oder nur sehr eingeschränkt, zum Zuge kommen. Darüber hinaus stehen vor Mikayil Kabaca anstrengende Wochen. Mindestens neunzehn Verträge im Kader laufen zum Sommer 2021 aus. Da gibt es viel zu verhandeln.

Hinweis: Die Grafiken werden über den Sommer bei personellen Veränderungen aktualisiert. Der Artikel erst mit Saisonstart

4 Gedanken zu „Die 17 Anderen – Folge 10: SV Sandhausen

  • @Florian: fehlt da nicht die Grafik mit der Altersstruktur? Oder liegt es an meinem Notebook?

    Den Sandhäusern würde ich fast das Prädikat „Geheimtipp“ verleihen. Eingespielt und bis auf Paqarada eher verstärkt…

    Da wird man ein Auge drauf haben müssen!

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    • Danke Dir. Hatte einen Strich im Dateinamen an der falschen Stelle.

      Mir ging’s beim Schreiben ähnlich, dass mir auffiel, dass da eher Qualität gewonnen als verloren wurde, wobei Paqarada schon ein schmerzhafter Verlust ist.

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      Antwort
  • Hallo, Koschinat ist nicht erst seit August 2019 Trainer des Sv Sandhausen. Er kam im Oktober 2018!

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