Die 17 Anderen – Folge 11: Holstein Kiel

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie sich der Kader bei den Gegnern strukturiert und was letzte Saison auffällig war. Im elften Teil geht es in den Norden Deutschlands, zu Holstein Kiel.

1. Steckbrief

TrainerOle Werner (seit 24.10.2019)
AbgängeYoung-jae Seo (Daejeon Hana Citizen), Timon Weiner (1.FC Magdeburg), Dominik Schmidt, Tobias Fleckstein (beide MSV Duisburg), Philipp Sander (SC Verl, Leihe), Emmanuel Iyoha (Fortuna Düsseldorf, Leihende), Darko Todorovic (Red Bull Salzburg, Leihende), Salim Khelifi (FC Zürich; Leihende), Salih Özcan (1.FC Köln, Leihende)
ZugängeAhmet Arslan (VfB Lübeck), Simon Lorenz (VfL Bochum), Marco Komenda (SV Meppen), Thomas Dähne (Wisla Plock), Fin Bartels (Werder Bremen) Niklas Hauptmann (1.FC Köln, Leihe), Jonas Sterner (eigene U19), Benjamin Girth (VfL Osnabrück, Leihende), Noah Awuku (Chemnitzer FC, Leihende), Daniel Hanslik (Hansa Rostock, Leihende)
Platzierung 2019/20Zweite Bundesliga, Platz 11 (43 Punkte, 53:56 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 19630-3-2; 7:15 Tore
Ex-Cluberer?
Ex-Kieler?Neuzugang Manuel Schäffler spielte 2014-2016 bei den Störchen

2. Datenlage 2019/20

109 Tore fielen in den 34 Spielen mit Beteiligung von Holstein Kiel. Nur Absteiger Wehen hatte eine höhere Anzahl zu verzeichnen. Doch während es bei den Hessen vor allem daran lag, dass sie viele Tore einfingen, war das bei den Störchen nur ein Teil des Grundes. Die sechstmeisten Tore geschossen, die viertmeisten kassiert, Spektakel garantiert, so könnte man es zusammenfassen. Gerade in der Offensive haben sich die Kieler in den drei Spielzeiten seit dem Aufstieg einen Ruf dafür erarbeitet, viele Tore zu erzielen, dabei war die abgeschlossene Saison mit 53 Treffern noch die mit den wenigsten eigenen Toren – und auch die mit den meisten Gegentoren. Letzteres lag auch an der ligaweit höchsten Zahl an Strafstößen, welche der KSV gegen sich gepfiffen bekam: Elf mal zeigten die Schiedsrichter auf den Punkt neun davon fanden das Tor. Zum anderen lag es aber auch daran, dass Kiel nach Wehen dem Gegner die höchste Chancenqualität pro Schuss zugestand. Der xGA-Wert von 0,127 pro gegnerischem Schuss deutet an, dass Holstein den Gegner zu oft zu guten Abschlüssen kommen ließ. Auch Kiel ist dabei übrigens ein gutes Beispiel dafür, wie wenig aussagekräftig die Zweikampfquoten sind: Der KSV hatte die zweitbeste Zweikampfquote (62,5%) gegen den Ball, kassierte aber dennoch deutlich mehr Tore als Fürth, das mit 56,2% die zweitschlechteste Quote in Defensivduellen hatte.

In der Offensive erkennt man die Dynamik im Vorwärtsspiel an zwei Werten: Kiel hatte sowohl die zweitmeisten Pässe für Raumgewinn als auch die zweitmeisten Läufe für Raumgewinn. Gerade die Pässe für Raumgewinn sind eine Konstante in allen drei Spielzeiten in der zweiten Liga unter allen drei Trainern (Anfang, Walter, Werner) geworden. Gepaart mit der Tatsache, dass Kiel ein Ballbesitzteam ist (2019/20: 55,4%, 2018/19: 56,1%, 2017/18: 53,7%) zeigt, dass Holstein sich immer wieder mit behutsamem Aufbau den Gegner zurechtlegte und dann aber zuschlug. Das erkennt man auch daran, dass Kiel die zweitmeisten Pässe ins gegnerische Verteidigungsdrittel spielte, die zweitmeisten Pässe zu Abschlüssen ausführte und die drittmeisten Ballberührungen im Strafraum hatte. Dazu passt die Tatsache, dass neben Kiel (30,9) nur der HSV (30,62) und Stuttgart (35,71) auf mehr als 30 Positionsangriffe pro 90 Minuten und auf die viertmeisten Schüsse aufs gegnerische Tor mit dem dritthöchsten xG pro Schuss Wert der Liga kam. Hinzu kam, dass Kiel situativ gute Kontermöglichkeiten erkennen und ausspielen konnte, denn obwohl nur vier Teams (Bielefeld, Regensburg, Sandhausen, Osnabrück) weniger Konter ausspielten, erzielte Holstein die zweitmeisten Kontertore (9).

 Kiel 2019/20
Tore/expected Goals53/58,5
Gegentore/expected Goals against56/53,3
Schüsse pro 90/xG pro Schuss12,80/0,127
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss11,71/0,127
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase55,4%/15,3 s
PPDA/Chal. Intensity11,39/6,0
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball40%/63%/46%/43%

3. Kader 2020/21

Viel Arbeit benötigt der Kader von Kiel nicht mehr. Die Offensive ist mit Mühling, Lee, Baku, Atanga und Serra aus der vergangenen Saison weitgehend zusammengeblieben, die ausgelaufenen Leihen von Iyoha und Özcan versucht Holstein durch die Verpflichtung von Fin Bartels aus Bremen und die Leihe von Niklas Hauptmann aus Köln zu kompensieren. Sollte Werner weiter auf ein 4-1-4-1/4-3-3 setzen, bedarf es möglicherweise sogar eher Abgängen im Sturmzentrum, für welche die von Leihen zurückgekehrten Girth und Hanslik Kandidaten sein könnten. In der Defensive wird wohl auf jeden Fall noch ein Ergänzungsspieler hinter Linksverteidiger Johannes van den Bergh benötigt, nachdem Young-jae Seo nach Südkorea zurückgekehrt ist. Darüber hinaus könnte auch im defensiven Mittelfeld noch zumindest im Bereich Ergänzungsspieler ein Bedarf vorhanden sein, gerade falls Ole Werner in der kommenden Saison mehr als zu einem Neuntel mit einem 4-2-3-1 spielen lassen möchte.

Der Blick auf das Alters-/Einsatzminuten-Diagramm zeigt zwei Dinge: Zum einen fehlen die Spieler jenseits der 30 fast komplett. Einzig Johannes van den Bergh und Neuzugang Fin Bartels sind älter als 29 Jahre alt. Zum anderen sind diejenigen mit vielen Einsatzminuten im vergangenen Jahr auch vor allem diejenigen, die im Bereich 24 bis 29 Jahre alt zu finden sind. Die jüngeren Spieler kamen auch fast alle zu ihren Einsatzminuten, wurden aber – mit Ausnahme von Rechtsverteidiger Phil Neumann – deutlich spärlicher eingesetzt als die meisten Spieler, die älter als 24 Jahre alt sind. Ob dahinter nun Konzept steckt oder tatsächlich sich einfach jene im „Peak Age“ Bereich mehr aufgedrängt haben, ist von hier aus nicht zu eruieren. Auffällig ist die „Klümpchenbildung“ in den jeweiligen Altersbereich jedoch allemal.

Hinweis: Die Grafiken werden über den Sommer bei personellen Veränderungen aktualisiert. Der Artikel erst mit Saisonstart

Ein Gedanke zu „Die 17 Anderen – Folge 11: Holstein Kiel

  • Bei den Störchen scheint es keine einschneidenden Veränderungen zu geben. Dementsprechend würde ich sie in der selben Region wie letzte Saison verorten: gesichertes Mittelfeld.

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