Die 17 Anderen – Folge 13: VfL Osnabrück

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie sich der Kader bei den Gegnern strukturiert und was letzte Saison auffällig war. In Teil 13 geht es um den Verein, dessen Sportchef als Kandidat in Nürnberg gehandelt wurde: Den VfL Osnabrück.

1. Steckbrief

TrainerMarco Grote (seit 22.07.2020)
AbgängeMoritz Heyer (Hamburger SV), Marcos Alvarez (Cracovia), Felix Agu (Werder Bremen), Manuel Pulido (Hansa Rostock), Anas Ouahim (SV Sandhausen), Thomas Konrad, Simon Haubrock (beide Vertragsende), Hakim Traoré (VfB Osnabrück, Leihe), Nils Körber (Hertha BSC, Leihende), Benjamin Girth (Holstein Kiel, Leihende), Joost van Aken (Sheffield Wednesday, Leihende), Assan Ceesay (FC Zürich, Leihende)
ZugängeChristian Santos (Deportivo La Coruna), Ulrich Bapoh (VfL Bochum), Timo Beermann, Maurice Multhaup (beide 1. FC Heidenheim), Ken Reichel (Union Berlin), Sebastian Kerk (1. FC Nürnberg), Luc Ihorst (Werder Bremen II, Leihe), Moritz Nicolas (Borussia Mönchengladbach, Leihe), Marc Augé (eigene U19), Tim Möller (Sportfreunde Lotte, Leihende), Nico Granatkowski (Hansa Rostock, Leihende)
Platzierung 2019/20Zweite Bundesliga, Platz 13 (40 Punkte, 46:48 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 1963
2-1-9; 12:22 Tore
Ex-Cluberer?Sebastian Kerk (2015/16) und 2017-2020)
Ex-Osnabrücker?

2. Datenlage 2019/20

Osnabrück war unter Daniel Thioune höchst flexibel in Sachen Grundformation. 4-2-3-1, 3-3-3-1, 4-3-3. 3-4-1-2, 4-4-2 mit Raute, gerade vor heimischen Publikum zeigten sich die Lila-Weißen sehr variabel, schafften es damit zu Hause gegen die Spitzenteams Hamburg, Stuttgart und Darmstadt zu gewinnen, was einer der Gründe dafür war, dass am Ende der Klassenerhalt stand. Ein anderer Grund war die Stärke bei gegnerischen Standards. Kein Team kassierte – sowohl anteilig (8%) als auch in absoluten Zahlen (4 Gegentore) – weniger Gegentreffer nach Ecken, Einwürfen oder Freistoßflanken als die Mannschaft von Daniel Thioune. Jener Thioune ist zur neuen Saison zum HSV gewechselt, sein Nachfolger heißt Marco Grote, bislang U19-Trainer von Werder Bremen. Dabei dominierte Grote mit seinem Team in der vergangenen Spielzeit das Geschehen in der Bundesliga Nord/Nordost, war bei Abbruch der Liga Tabellenführer und kam auf erstaunliche 3,65 Tore pro Spiel. Dies hing teilweise damit zusammen, dass Grotes Team beim Abschluss möglichst aussichtsreiche Positionen suchte (durchschnittliche Schussentfernung: 16 Meter), aber auch mit dem intensiven Pressing (PPDA: 6,18) der Bremer U19. In Sachen Grundformation setzte Grote bei Werder meist auf ein 4-4-2 mit Raute und hielt den Ball lang in den eigenen Reihen (56,8% Ballbesitz).

Würde Grote den Spielstil der Werder Junioren mit nach Osnabrück bringen, dann müssten sich die Spieler im Vergleich zum Vorjahr ordentlich umstellen. Thioune ließ ein weitaus weniger intensives Pressing spielen (PPDA: 11,56), die Abschlüsse waren deutlich weiter vom Tor weg (18,97 Meter) und das Spiel deutlich weniger ballbesitzorientiert (47,7% Ballbesitz). Zu erwarten ist aber, dass Grote sein Spiel anpassen wird und nur einige Elemente, wie den weitgehenden Verzicht auf Flanken (nur Aue flankte noch weniger) und die im Verhältnis zu den progressiven Pässen und Pässen ins letzte Drittel (jeweils Platz 17) hohe Anzahl an Ballberührungen im gegnerischen Strafraum (Platz neun) – also das sich dahinter verbergende zielstrebige Spiel in Richtung gegnerischen Strafraum. Gleichzeitig dürfte Grote versuchen, die Zahl der gegnerischen Schüsse zu verringern, nur Regensburg, Karlsruhe und Wiesbaden musste auf die Spielzeit gerechnet mehr gegnerische Schüsse hinnehmen, hatten aber außer Wiesbaden eine geringere Chancenqualität der gegnerischen Abschlüsse.

 Osnabrück 2019/20
Tore/expected Goals46/50,5
Gegentore/expected Goals against48/54,7
Schüsse pro 90/xG pro Schuss11,56/0,121
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss12,67/0,119
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase47,7%/13,5 s
PPDA/Chal. Intensity11,56/5,6
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball44%/58%/43%/42%

3. Kader 2020/21

Der Osnabrücker Kader sieht rund aus. Möglicherweise noch Ergänzungsspielerim defensiven Mittelfeld und auf der rechten Außenbahn, vielleicht noch ein Abgang im zentralen Mittelfeld und der Kader ist für die kommende Saison aufgestellt. Dabei fällt der Umbruch bei den Niedersachsen allerdings gar nicht so gering aus. Mit Moritz Heyer, Marcos Álvarez, Felix Agu, und Joost van Aken haben gleich vier Spieler den Verein verlassen, die auf die eine (16 Torbeteiligungen Álvarez) oder andere (hohe Einsatzzeiten Heyer, van Aken und Agu) Art und Weise wichtig für den Klassenerhalt des VfL in der vergangenen Spielzeit waren. Álvarez soll der venezolanische Nationalspieler Christian Santos ersetzen, für van Aken kam Timo Beerman aus Heidenheim, für Felix Agu der bundesligaerfahrene Ken Reichel, hinzu kommen mit Multhaup und Kerk auf den offensiven Flügeln weitere Optionen. Einzig für den zwei Tage vor Saisonstart nach Hamburg gewechselten Heyer fehlt noch der Ersatz. Die meiste Arbeit dürfte vor Benjamin Schmedes aber in Vorbereitung auf die Saison 2021/22 stehen: 19 Verträge laufen – Stand heute – im kommenden Sommer aus.

Die Altersstruktur des Kaders kann am besten mit ausgeglichen beschrieben werden. Während die Spieler mit den meisten Einsatzzeiten tatsächlich jene sind, die sich im Korridor zwischen 24 und 29 Jahren befinden, finden sich in den beiden anderen Alterskategorien durchaus noch Akteure mit nicht geringen Minuten. Mit Santos und Reichel hat Osnabrück zwei erfahrene Kräfte geholt, gleichzeitig aber mit Bapoh, Ihorst und Multhaup auch auf jüngere Neuzugänge gesetzt. Mit Álvarez (28), van Aken (26), Ceesay (26), Girth (28) und Pulido (27) waren bei den Abgängen die Spieler aus dem „Peak Age“ Bereich besonders stark vertreten, dazu kamen mit Körber (23), Agu (20) und Ouahim (22) auch einige jüngere, so dass der Kader, der in der vergangenen Saison zu den jüngeren der Liga zählte, nun – nicht nur aus biologischen, sondern auch aus strukturellen Gründen – etwas älter geworden ist. Entscheidend wird für den VfL aber – Alter hin, Alter her – ob er es schafft die angesprochenen Abgänge auf und neben dem Platz zu kompensieren, da die durchaus als substantiell zu beschreiben sind.

Hinweis: Die Grafiken werden über den Sommer bei personellen Veränderungen aktualisiert. Der Artikel erst mit Saisonstart

2 Gedanken zu „Die 17 Anderen – Folge 13: VfL Osnabrück

  • Da erwarte ich keine Wunderdinge, sie werden sich wohl in der unteren Tabellenhälfte einreihen. Spannend die Frage, ob Thioune sich seinen Abgang nach Hamburg verdient hat – sprich, ob er aus der Mannschaft mehr rausholen konnte, als zu erwarten war. Entsprechend müssten sie mit einem anderen Trainer schlechter abschneiden.

    Die anderen interessanten Fragen sind, ob der Sportvorstand-Zauberlehrling wieder ohne große Mittel einen konkurrenzfähigen Kader basteln kann und ob Käpt’n Kerk wieder zu alter Stärke zurückfindet. Eigentlich passte es in die Timeline, er hat nach der letzten großen Verletzung ähnlich lange gebraucht, dann stark aufgespielt bist der Körper wieder streikte. Ich wünsche ihm, dass er gesund bleibt!

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  • Die haben einen Außenspieler namens Granatkowski! Klasse!
    Der Kader ist eine Wundertüte voller Spieler, die sicher sehr froh sind, in der zweiten Liga spielen zu dürfen. Die werden sich jedes Spiel zerreissen und an körperliche Grenzen gehen, daß das so bleibt. Diesen Fakt darf man nicht unterschätzen.

    Nach den ganzen Abgängen werden sie wohl eher unteres Mittelfeld bis Abstieg spielen. Der Vfl ist mir sehr sympathisch, nicht zuletzt durch die beiden Fußballkulturfans, die wir damals in Lissabon mehrfach getroffen haben.

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