Die 17 Anderen – Folge 14: FC St. Pauli

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie sich der Kader bei den Gegnern strukturiert und was letzte Saison auffällig war. Im vierzehnten Teil geht es um den Verein des ehemaligen Sportvorstands des FCN.

1. Steckbrief

TrainerTimo Schultz (seit 12.07.2020)
AbgängeHenk Veerman (SC Heerenveen), Marc Hornschuh (Hamburger SV II), Johannes Flum (SC Freiburg II), Waldemar Sobota (Slask Wroclaw), Dimitrios Diamantakos (Hajduk Split), Jan-Philipp Kalla (Victoria Hamburg), Korbinian Müller (Vertragsende), Yi-young Park (Türkgücü München, Leihe), Florian Carstens (SV Wehen Wiesbaden, Leihe), Jakub Bednarczyk (Zaglebie Lubin, Leihe), Leo Östigard, Viktor Gyökeres (beide Brighton & Hove Albion, Leihende), Matt Penney (Sheffield Wednesday, Leihende), James Lawrence (RSC Anderlecht, Leihende)
ZugängeLukas Daschner (MSV Duisburg), Simon Makienok (Dynamo Dresden), Maximilian Dittgen, Daniel Kofi-Kyereh (beide SV Wehen Wiesbaden), Dennis Smarsch (Hertha BSC), Leart Paqarada (SV Sandhausen), Rodrigo Zalazar (Eintracht Frankfurt, Leiihe), Afeez Aremu (Start Kristiansand), Jannes Wieckhoff, Christian Viet, Maximilian Franzke, Marvin Senger (alle eigene Amateure), Aurel Loubongo (eigene U19)
Platzierung 2019/20Zweite Bundesliga, Platz 14 (39 Punkte, 41:50 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 196311-11-14; 37:52 Tore
Ex-Cluberer?Sportlicher Leiter Andreas Bornemann (Vorstand Sport 2015-2019), Maximilian Dittgen (2013-2015), sportlicher Leiter NLZ Roger Stilz (Co-Trainer 2014-2016), administrativer Leiter NLZ Björn Benke (verschiedene Posten im NLZ, 2004-2016)
Ex-St. Pauli?Presseprecher Christian Bönig war zehn Jahre beim FC St. Pauli als Direktor Medien und Kommunikation tätig

2. Datenlage 2019/20

Die Krux des Spiels des FC St. Pauli in der vergangenen Saison lässt sich relativ schnell schon an den statistischen Basics erkennen. 41 Tore, nur Absteiger Dresden erzielte noch weniger, die 16 Treffer nach der Pause waren sogar der insgesamt schlechteste Wert ligaweit. Ein Teil des Problems lag darin, dass St. Pauli wenige eigene Schüsse aufs gegnerische Tor abgab. Nur Regensburg und Dresden schlossen noch seltener ab. Zwar waren die Abschlüsse relativ hochwertig (0,125 xG/Schuss) und auch im Schnitt relativ nah am Tor (17,48m), aber mit nur knapp zehn Schüssen pro 90 Minuten kamen die Kiezkicker nur zu selten zum Abschluss. Das ist insofern bemerkenswert, als St. Pauli mit den drittmeisten Pässen in Tornähe, den sechstmeisten Ballkontakten im Strafraum und den viertmeisten kreativen Pässen eigentlich deutlich bessere Werte in Sachen Abschlüssen haben müsste.

Die Zahlen belegen letztlich dann den Eindruck, den man vom Spiel der Hamburger auch so hatte. Bis ins letzte Drittel spielten sie meist gefällig, kamen sogar in den Strafraum, nur den Abschluss fanden sie nicht. So gesehen ist der Austausch nahezu der gesamten Offensivreihe (siehe 3.) nur folgerichtig. Ausgetauscht wurde darüberhinaus auch der Trainer. Statt Jos Luhukay sitzt nun Timo Schultz auf der Bank des FC St. Pauli. Der trainierte bisher die U19 des FC St. Pauli in der Bundesliga Nord/Nordost. Bei Beendigung der Saison stand die Mannschaft dort auf Platz 9. Dabei ließ Schultz seine Mannschaft deutlich intensiver pressen (PPDA: 9,00) als die Profis es taten (PPDA: 12,72), setzte viel mehr auf lange Bälle (16,23%) als Luhukay (12,82%) und spielte insgesamt deutlich direkter und risikoreicher als Luhukay. So kam St. Paulis U19 dann auch zu mehr Abschlüssen und mehr Positionsangriffen als die Profis. Es ist anzunehmen, dass Die Entscheidung für Schultz auch damit zu tun hat, dass sein Spielstil offensiv deutlich gefährlicher war als der von Jos Luhukay.

 St. Pauli 2019/20
Tore/expected Goals41/45,5
Gegentore/expected Goals against50/50,3
Schüsse pro 90/xG pro Schuss10,11/0,125
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss12,67/0,110
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase47,0%/13,4 s
PPDA/Chal. Intensity12,72/5,6
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball41%/61%/46%/42%

3. Kader 2020/21

Voll sieht er aus, der Kader des FC St. Pauli. Derzeit umfasst das Aufgebot der Kiezkicker 30 Spieler, auch wenn einige davon als Perspektivspieler gelten müssen und wahrscheinlich vor allem in der zweiten Mannschaft zum Zug kommen werden. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde St. Pauli dennoch noch einen Innenverteidiger benötigen. Allerdings stehen mit Buballa, Knoll und Ohlsson einige Spieler im Kader, die auch im Abwehrzentrum spielen können. Dennoch ist zu bemerken, dass die drei in der Grafik aufgeführten Innenverteidiger tatsächlich nur auf ganze 784 Einsatzminuten in der vergangenen Saison kamen. Gut möglich, dass also dennoch ein Innenverteidiger geholt wird. Jenseits dessen kann Timo Schultz jedoch auf einen tiefen Kader zurückgreifen, der mit Dittgen, Kyreh, Makienok und Daschner in der Offensive auch durchaus Qualität geholt hat. Andererseits gilt es die Abgänge von Sobota, Diamantakos, Gyökeres und Veerman zu kompensieren. Jene vier Abgänge waren die vier besten Torschützen des FC St. Pauli in der Vorsaison, kamen auf 32 Tore, erzielten also 78% aller Tore der Hamburger. Nimmt man den Verkauf von Mats Möller Daehli im Winter hinzu hat St. Pauli mit den vier Transfers auch noch fünf seiner sieben besten Vorlagengeber abgegeben. Es steht also in der Offensive ein massiver Umbruch an.

Die Defensive hat sich dagegen wenig verändert. Einzig Leo Östigard kehrte nach Ende seiner Leihe nach England zurück, dafür holte St. Pauli mit Leart Paqarada aus Sandhausen einen der besten Linksverteidiger der Zweiten Liga, was auch bedeutet, dass Sebastian Buballa nun mehr im Zentrum spielen kann. Neben dem angesprochenen Buballa haben unter den Stammkräften nur Sebastian Ohlsson, Robin Himmelmann und Ryo Miyaichi auslaufende Verträge, so dass dieses Themengebiet für Andreas Bornemann in dieser Spielzeit relativ entspannt abgearbeitet werden kann. Die Altersverteilung des Kaders weist zum einen keinen Feldspieler auf, der älter als 30 Jahre alt ist, zum anderen eine ganze Reihe an Spielern im Bereich „jung“, die alle in der vergangenen Saison auf wenig Einsatzzeit kamen, aber – im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen – kaum junge Spieler komplett ohne Einsatzminuten. Die Spieler mit den meisten Einsatzzeiten waren allerdings diejenigen, die in den „Peak Age“ Korridor fallen, auch wenn diese teilweise ihre Einsätze bei anderen Vereinen bestritten haben.

Hinweis: Die Grafiken werden über den Sommer bei personellen Veränderungen aktualisiert. Der Artikel erst mit Saisonstart.

Ein Gedanke zu „Die 17 Anderen – Folge 14: FC St. Pauli

  • Der Kader ist gefühlt schwächer als letzte Saison, finde ich. Einzig Paqarada verspricht, eine qualitative Verbesserung zu sein und er schlägt auch gefährliche Standards, für die sie einen Riesen als Abnehmer geholt haben. Allerdings war Makienok nichtmal in Dresden Stammspieler, oder?

    Mehr als untere Tabellenhälfte ist nicht drin.

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