Die 17 Anderen – Folge 15: Karlsruher SC

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie sich der Kader bei den Gegnern strukturiert und was letzte Saison auffällig war. In Teil 15 geht es um den Verein, der punktgleich mit dem FCN war, aber nicht in die Relegation musste.

1. Steckbrief

TrainerChristian Eichner (seit 03.02.2020)
AbgängeAnton Fink (SSV Ulm), Marvin Pourié (1. FC Kaiserslautern, war vorher an Braunschweig verliehen), Burak Camoglu (Hatayspor), Benjamin Uphoff (SC Freiburg), Mario Schragl (SG Sonnenhof Großaspach), Justin Möbius (Preußen Münster), Tim Kircher, Martin Röser (beide VfB Lübeck), Damian Roßbach (Hansa Rostock), Sven Müller (Hallescher FC), Daniel Gordon, Änis Ben-Hatira, Manuel Stiefler (alle Vertragsende), Lukas Grozurek (Sturm Graz, Leihende)
ZugängeMarkus Kuster (SV Mattersburg), Robin Bormuth (Fortuna Düsseldorf), Benjamin Goller (Werder Bremen, Leihe), Philip Heise (Norwich City, Leihe), David Trivunic, Jannis Rabold, Marlon Dinger, Paul Löhr (alle eigene U19), Makik Batmaz (VfB Stuttgart II, Leihende)
Platzierung 2019/20Zweite Bundesliga, Platz 15 (37 Punkte, 45:46 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 196321-19-26; 77:91Tore
Ex-Cluberer?Philip Heise (Rückrunde 2019/20)
Ex-Karlsruher?Pius Krätschmer (2016/17), Fabian Schleusener (2017/18), Pascal Köpke (2015/16), Enrico Valentini (2014-2017), Robin Hack (Jugend bis 2012), Felix Lohkemper (Jugend bis 2010), Physiotherapeut James Morgan (2006-2010)

2. Datenlage 2019/20

Den KSC zeichnete in der vergangenen Saison vor allem eins aus: Seine Kopfballstärke. Kein Team gewann mehr Kopfballduelle als die Karlsruher, kein Team erzielte mehr Tore nach Ecken, kein Team schlug mehr Flanken. Größten Anteil an den offensiven Elementen dieser Statistik hatte Philipp Hofmann. Der Ex-Fürther war der Spieler mit den meisten Toren nach Ecken (6) in der zweiten Bundesliga in der vergangenen Saison und der Spieler mit den zweitmeisten Kopfballtoren (5) – nach Sandhausens Kevin Behrens. Der 27-Jährige war folgerichtig auch in der Liga der Spieler mit den drittmeisten Ballkontakten im gegnerischen Strafraum – hinter jenem Kevin Behrens und Bielefelds Fabian Klos. Auf der anderen Seite des Balles ist die Kopfballstärke aber genauso zu finden. Lukas Fröde, defensiver Mittelfeldspieler, hatte ligaweit die zweitbesten Werte in Sachen gewonnene Kopfballduelle, Verteidiger Daniel Gordon war ligaweit der Verteidiger mit der zweitbesten Kopfballduellquote im eigenen Strafraum. Die Lufthoheit war also einer der Schlüssel zum Klassenerhalt.

Jenseits dessen spielte der KSC das, was wohl am besten mit „klassischem Aufsteigerfußball“ beschrieben werden kann. Wenig Ballbesitz (Platz 16), wenig Querpässe (Platz 16), viele lange Bälle (Platz 4), viele Pässe für Raumgewinn (Platz 4), viele Vorwärtspässe (Platz 4). Das sich dahinter versteckende tief stehen und dann schnell in die Spitze spielen, funktionierte beim KSC aber nur leidlich. Vier Kontertore waren die drittwenigsten in der Liga. Insgesamt fielen nur 58% der Karlsruher Tore aus dem Spiel heraus. Das ist nach Sandhausen (54%) der zweitniedrigste Wert. Dabei lag es nicht an der Anzahl der Angriffe: Nur fünf Mannschaften (Stuttgart, HSV, Kiel, Sandhausen, Hannover) spielten mehr Positionsangriffe als der KSC. Doch während die fünf genannten auch die ersten fünf Plätze in Sachen Torschüssen belegten, lag der KSC nur auf Rang zehn, in Sachen expected Goals pro Abschluss sogar nur auf Rang 13. Es fehlte den Karlsruhern also, v.a. wenn die Flanken verpufften, also an den Fähigkeiten in Abschlusssituationen zu kommen.

 KSC 2019/20
Tore/expected Goals45/47,4
Gegentore/expected Goals against56/50,111
Schüsse pro 90/xG pro Schuss11,82/0,109
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss12,82/0,120
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase43,9%/11,6 s
PPDA/Chal. Intensity11,40/5,6
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball38%/58%/52%/41%

3. Kader 2020/21

Der Kader des KSC ist mit drei Torhütern und 22 Feldspielern verhältnismäßig klein gehalten, dennoch kann man auf jeder Position von Doppelbesetzungen sprechen, auch wenn ein etatmäßiger rechter Innenverteidiger dem Team gut zu Gesicht stünde, ähnliches gilt auch fürs zentrale Mittelfeld. Schließlich sieht es ganz so aus, als würde Christian Eichner beim 4-1-4-1/4-3-3 als Grundformation bleiben, so dass Wanitzek und Gondorf gesetzt wären, dahinter dann aber MIt Hanek und Trivunic nur zwei Spieler ohne Profierfahrung auf Einsätze warten würden. Angesichts dessen, dass man mit Fink, Stiefler und Ben Hatira drei potentielle Zentrumsspieler abgegeben hat, aber dort noch einen halben Neuzugang zu verzeichnen hat – Gondorf war in der Rückrunde bereits ausgeliehen, wurde jetzt fest verpflichtet – bestünde dort eigentlich Handlungsbedarf. Allerdings war der KSC schon ohne Coronakrise knapp bei Kasse, die Krise verschärft nun die Probleme. Daher ist nicht unbedingt mit weiteren Neuzugängen zu rechnen. Vielmehr dürften das Augenmerk von Oliver Kreuzer bei 15 auslaufenden Verträgen schon auf die Saison 2021/22 gerichtet sein.

Die anderen Neuzugänge sind als Entsprechungen für Abgänge zu betrachten: Kuster für Uphoff, Heise für Roßbach, Goller für Camoglu, Bormuth für Gordon. Bei allen Transfers scheint es gelungen die Qualität zu halten, eine Steigerung liegt aber wahrscheinlich nicht vor. Stattdessen könnte es angesichts der Kassenlage Neuzugängen aus dem NLZ obliegen, für eine Erhöhung der Qualität zu sorgen. Mit Löhr, Rabold, Dinger, Trivunic, Batmaz und Hanek befinden sich derzeit sechs Spieler aus dem NLZ im Aufgebot, die im Vorjahr keine Profiminute vorweisen konnten, aber Teil des Kaders sind. Die sechs sind auch Teil dessen, warum sich der Kader deutlich in Richtung „jung“ neigt. 16 der 25 Spieler sind 25 Jahre alt oder jünger, nur drei Spieler jenseits der 30. Angesichts dessen, dass der KSC bei den eingesetzten Spieler letzte Saison den höchsten Altersschnitt (28,6 Jahre) hatte, ist das eine radikale Verjüngung, die auch mit den Abgängen von Fink (32), Ben Hatira (31), Stiefler (31) und Gordon (35) zusammenhängt.

Hinweis: Die Grafiken werden über den Sommer bei personellen Veränderungen aktualisiert. Der Artikel erst mit Saisonstart

5 Gedanken zu „Die 17 Anderen – Folge 15: Karlsruher SC

  • Man sollte hier noch anmerken, dass Hofmann von Union als Anderson-Ersatz ins Auge gefasst wird, nachdem dieser als Cordoba-Ersatz zum Effzeh wechselt.

    Dürfte ohnehin eine sehr schwere Saison für den KSC werden, falls man auch noch Hofmann verliert, noch sehr viel mehr…

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    • Ja, Abstiegskampf ist angesagt. Nach bisherigem Eindruck v.a. die beiden Aufsteiger, der KSC und noch St.Pauli.

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      • Unsere Konkurrenten um die hinteren Plätze, da wären Siege oder wenigstens Punktgewinne für den Club in den vier Duellen sehr wichtig.

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        • Ich sehe es eigentlich nicht so negativ, auch wenn wir im Grunde mit einer schwächeren Abwehr als letzte Saison ins Rennen gehen und wir zudem schon fast die meisten Gegentore der 2. Liga gefressen hatten.

          Aber ich glaube, das ist keine Frage der Abwehr, sondern der Organisation der gesamten Defensivleistung. Mit fast derselben Abwehr sind wir ja auch schon aufgestiegen.

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          • Richtig, wenn schon acht Cluberer gegen vier Marvelsuperhelden vom Projekt beim 0:1 nicht verteidigen oder sechs Cluberer gegen drei Marvelsuperhelden beim 0:2 nicht mal annähernd die Passwege geschweige denn einen Zugriff bekamen, dann können wir nur auf Besserung hoffen. Das Hoffen half uns schon in den letzten Saisons weiter. Nur durch das Hoffen blieben wir 2. Ligist.
            So lasset uns hoffen, daß die anderen Zweitligisten keine Marvelsuperhelden in ihren Reihen haben und dafür unsere geliehenen Jugendspieler sich als Marvelsuperhelden oder wenigstens als Nachwuchsavengers entpuppen. Amen.

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