Die 17 Anderen – Folge 17: Eintracht Braunschweig

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz haben wir in loser Folge darauf geblickt, wie sich der Kader bei den Gegnern strukturiert und was letzte Saison auffällig war. Im letzten Teil geht es um den Aufsteiger, der den Aufstiegstrainer entlassen hat.

1. Steckbrief

TrainerDaniel Meyer (seit 10.07.2020)
AbgängeYannick Bangsow (Vikotria Köln, Leihe), Stephan Fürstner (FSV Mainz 05 II), Robin Becker(Dynamo Dresden), Roman Biryukov (Lüneburger SK), Mike Feigenspan (KFC Uerdingen), Nick Otto (SSV Jeddeloh II, war bereits dorthin ausgeliehen), Orhan Ademi (MSV Duisburg), Bernd Nehrig (Viktoria Berlin), Steffen Nkansah (FSV Zwickau), Marc Pfitzner (Karriereende), Alfons Amade (Hoffenheim II, Leihende), Kevin Goden (1. FC Nürnberg, Leihende), Marvin Pourié (Karlsruher SC, Leihende), Merveille Biankadi (1.FC Heidenheim, Leihende)
ZugängeDominik Wydra (Erzgebirge Aue), Felix Dornebusch (1.FC Nürnberg), Felix Kroos (Union Berlin), Fabio Kaufmann (Würzburger Kickers),
Nico Klaß (Rot-Weiß Oberhausen), Yassin Ben Balla (MSV Duisburg), Michael Schultz (Waldhof Mannheim), Jannis Nikolao (Dynamo Dresden), Suleiman Abdullahi (Union Berlin, Leihe), Iba May (VfL Wolfsburg II), Njegos Kupusovic (Roter Stern Belgrad), Matthias Heiland (eigene U19)
Platzierung 2019/20Dritte Liga, Platz 3 (64 Punkte, 64:53Tore)
Bilanz gegen FCN seit 196313-5-15; 54:49 Tore
Ex-Cluberer?Felix Dornebusch (2019/20), Patrick Kammerbauer (2007-2018, NLZ und Profis), Co-Trainer Thomas Stickroth (2019/20, Co-Trainer)
Ex-Löwen?Kevin Goden war 2019/20 an die Eintracht ausgeliehen

2. Datenlage 2019/20

Braunschweig stellt in vielerlei Hinsicht einen ungewöhnlichen Aufsteiger dar: Die Eintracht übertraf die eigenen expected Goals um zehn Tore, die Gegner unterboten ihre expected Goals um sieben Treffer, die damit um siebzehn Tore positiver als zu erwartende Tordifferenz stellt einen Höchstwert in der Dritten Liga dar. Braunschweig hatte den zweitgeringsten Ballbesitz der Dritten Liga, die drittgeringste durchschnittliche Dauer einer Ballbesitzphase, die drittgeringste Passgenauigkeit und die zweitgeringste Passanzahl. Braunschweig spielte die wenigsten Pässe für Raumgewinn, hatte die wenigsten Pässe die Tornähe ankamen, die zweitwenigsten Pässe ins letzte Drittel und die viertwenigsten Ballkontakte im gegnerischen Strafraum. Der Blick auf diese Werte ließe insgesamt vermuten, dass Braunschweig eher um den Abstieg als um den Aufstieg hätte mitspielen müssen, denn ähnliche Werte erreichten in der Bundesliga Augsburg und Paderborn, in der Zweiten Liga Dresden und Regensburg. Angesichts dessen erscheint die Trennung von Aufstiegstrainer Michael Antwerpen, die für viele Betrachter überraschend erfolgte, durchaus nachvollziehbar.

Ersetzt wurde Antwerpen von Daniel Meyer. Der hatte die Saison 2019/20 als Trainer von Erzgebirge Aue begonnen, war dann aber trotz starkem Saisonstart unter nie völlig geklärten Gründen freigestellt worden. Betrachtet man nun die Werte von Aue in der Saison 2018/19, die unter Meyers Führung stattfand, lässt sich feststellen, dass Meyers Ansatz etwas mehr in Richtung Ballbesitz schaffen, Ballverluste minimieren und Ballzirkulation ging, in Sachen Abschlüsse, Ballkontakte im Strafraum und Spiel ins letzte Drittel zählte aber auch Aue zu den schwächsten Teams der Liga. So gesehen hat Braunschweig einen Kandidaten gewählt, der weiterhin einen wohl eher reaktiven Ansatz und eine geringe Pressingintensität wählt, der aber nicht so ausgeprägt ist wie der von Antwerpen, bei dem es wohl auch zwischenmenschliche Verwerfungen innerhalb des Vereins gegeben haben muss.

 Braunschweig 2019/20
Tore/expected Goals64/53,8
Gegentore/expected Goals against53/60,3
Schüsse pro 90/xG pro Schuss10,54/0,127
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss13,23/0,114
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase44,5%/12,0s
PPDA/Chal. Intensity11,18/5,8
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball40%/60%/46%/44%

3. Kader 2020/21

Im Gegensatz zu Mitaufsteiger Würzburg haben bei der Eintracht eine ganze Reihe an Spielern bereits Zweitligaerfahrung gesammelt. 874 Zweitligaspiele kommen addiert bei den 28 Kaderspielern zusammen, nur elfSpieler sind ohne Zweitligaminuten, darunter viele der jungen Spieler. Viele der zweitligaerfahrenen Spieler hat Braunschweig sich in der Sommerpause dazu geholt: Felix Kroos (122 Spiele), Dominik Wydra (93 Spiele), Suleiman Abdullahi (60 Spiele), Jannis Nikolaou (58 Spiele) und Fabio Kaufmann (46 Spiele) kamen alle im aktuellen Transferfenster zu den Löwen und bringen mehr als eine Saison Zweitligaerfahrung mit. Der Blick auf die Kadergrafik verrät auch schon, dass die Neuzugänge sich vor allem im zentralen Mittelfeld tummeln, auch wenn zumindest bei Dominik Wydra abzuwarten ist, ob er nicht doch im Abwehrzentrum agieren wird. Dennoch hat in diesem Bereich des Kaders ein enormer Umbruch stattgefunden: Mit Ex-Kapitän Nehrig (33), Pfitzner (35) und Fürstner (32) verließen drei erfahrene zentrale Mittelfeldspieler den Verein und wurden durch deutlich jüngere Spieler ersetzt.

Das Altersdiagramm des Kaders zeigt, dass durch die Abgänge die Zahl der älteren Profis deutlich gesunken ist, mit Kessel, Proschwitz und Torwart Fejzic aber durchaus Spieler über 30 zu Einsatzzeiten gekommen sind. Die hohen Einsatzzeiten – wenn auch weitgehend bei anderen Vereinen – finden sich dagegen bei den Spielern zwischen 24 und 28 Jahren. Da kamen gleich acht Spieler auf mehr als 2250 Einsatzminuten, was 25 Spielen über die volle Distanz entspräche. Viel wird bei der Eintracht davon abhängen wie die neuen Offensivspieler (Kaufmann, Abdullahi) es schaffen, die Abhängigkeit des Kaders von den Toren von Martin Kobylanski zu verringern. Mit 27 Scorerpunkten (18 Tore, 9 Assists) war der offensive Mittelfeldspieler an 42 Prozent der Braunschweiger Tore beteiligt. In der Gesamtbetrachtung wirkt der Kader der Niedersachsen dennoch absolut zweitligatauglich, auch wenn 19 auslaufende Verträge für einige Unruhe und/oder Bewegung sorgen könnten.

Hinweis: Die Grafiken werden über den Sommer bei personellen Veränderungen aktualisiert. Der Artikel erst mit Saisonstart

4 Gedanken zu „Die 17 Anderen – Folge 17: Eintracht Braunschweig

  • Hmmm, sieht stärker aus, als ich dachte. Ja, die Eintracht sieht eher nach Mittelfeld als nach Abstiegskampf aus. Mit Tendenz zum ultrageheimen Geheimtipp 😉

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  • Sehr interessante Einblicke.
    Braunschweig also eher hier nach dem Motto „wir spielen zweite Liga und keiner weiß warum“, wenn man sich die Datenlage so anschaut.
    Naja, grundsätzlich kam der Aufstieg ja schon auch etwas überraschend, die hätten vor Saisonbeginn wohl nur sehr wenige wirklich als ernsthaften Aufstiegskandidaten genannt.

    Unter den Umständen müsste man sie eigentlich als „‚Topfavorit“ auf den Abstieg sehen. Eigentlich, denn zum einen haben in der jüngeren Vergangenheit die Aufsteiger in der zweiten Liga sehr oft gut geschlagen und aus dem Abstiegskampf raushalten können. Und zum anderen haben sich sehr sinnvoll verstärkt, in der Vorbereitung einen guten Eindruck gemacht, das Pokalspiel war ein echtes Ausrufezeichen und die Stimmung in und um den Verein dürfte top sein.
    Daher denke ich, werden die vielmehr gut im Mittelfeld mitmischen.

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  • Braunschweig ist übrigens in der Saison 2017/18 aus der 2. Bundesliga abgestiegen. Im Jahr darauf fand es sich in der 3. Liga überhaupt nicht zurecht, war lange Zeit auf einem Abstiegsplatz und konnte sich am Ende wegen einer um 1 Tor (!) besseren Tordifferenz in der Liga halten. Ein Jahr später, also jetzt, ging es nach oben in die 2. Bundesliga.

    Warum ich das schreibe? Weil manche Clubfans hier eine Parallele zum Club sehen bzw. sich wünschen.

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  • Danke Dir für Deine aufwändigen Analysen der Gegner, Flo!
    Die Braunschweiger sind wirklich so eine Mannschaft, die gar nicht wissen, weshalb sie aufgestiegen sind. Da gab es neulich einen Verein in rot-schwarz, der stieg vielleicht mit ähnlichen Voraussetzungen in die erste Liga auf.
    Dennoch oder vielleicht trotzdem sehe ich die Braunschweiger nicht als unbedingten Abstiegskandidat. Gerade der überaus gelungene Saisonstart im DFB Pokal gegen die Hertha zusammen mit dem Aufstieg gibt der Mannschaft und dem Umfeld einen enormen Schub, der wenigstens in der ersten Saisonhälfte für viele Punkte sorgen wird. Wenn der Kader das aushält und die wenigen Leistungsträger die Saison durchhalten, könnte sogar das obere Mittelfeld den Saisonendpunkt bilden. Einen Durchmarsch in die 1. Liga, wie ihn vergleichbare Aufsteiger schon hinbekamen, vermute ich allerdings nicht.

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