Schussauswahl und Tempo – Analyse zu Osnabrück

Analyse zu VfL Osnabrück – 1. FC Nürnberg 1:4 (0:3) – Der FCN gewinnt bei bisher ungeschlagenen Osnabrückern nach eindrucksvollem Zwischensprint in der ersten Halbzeit.
1. Aufstellung und Formation
2. Das Spiel in drei Grafiken
3. Einordnung
4. Kennzahlen
5. Stimmen
6. Noten

1. Aufstellung und Formation

Der Club spielte gegen Osnabrück im 4-2-2-2. Vor der Viererkette mit Valentini, Mühl, Sörensen und Handwerker agierten Krauß und Geis als zentrale Mittelfeldspieler, Hack (links) und Lohkemper (rechts) als „Flügelzehner“, Köpke und Schäffler als Sturmspitzen. Diese Ordnung wurde früh durch den Kreuzbandriss von Köpke durcheinandergebracht. Nürnberger kam für den verletzten Angreifer, rückte in den rechten Halbraum, Lohkemper ging dafür in die Spitze.

Neben Nürnberger war im Vergleich zum 1:1 gegen Düsseldorf auch Dovedan auf der Bank geblieben. Die Bank hatte nach den Ausfällen von Misidjan (Rückkehr ins Mannschaftstraining nach Syndesmosebandverletzung), Zrelak (Grippe) und Singh (Sonderurlaub wegen familiärer Angelegenheiten) eine eher defensive Ausrichtung: Torwart Früchtl, Innenverteidiger Knothe und Krätschmer, dazu Rechtsverteidiger Sorg und der defensive Mittelfeldspieler Rhein. Auch Behrens und Nürnberger, die ebenfalls bei Spielbeginn auf der Bank saßen, können wohl nicht als volle Offensivkräfte zählen. Dovedan und Schleusener dagegen schon.

Eingewechselt wurde von den Defensivkräften aber nur Oliver Sorg, der in den letzten acht Minuten Enrico Valentini ersetzte. Er kam gleichzeitig mit Dovedan (für Schäffler) und Behrens (für Krauß), die ebenso positionsgetreu eingewechselt wurden, wie Schleusener, der zehn Minuten zuvor für Lohkemper gekommen war. An der Realtaktik erkannt man zum einen, dass die „Flügelzehner“ – über weite Strecken Hack und Nürnberger – tatsächlich sehr weit eingerückt agierten und Handwerker auf links deutlich weiter vorne an die Bälle kam als Valentini auf rechts.

2. Das Spiel in drei Grafiken

Grafik 1 zeigt wie dominant der Club in den Phasen war, die für die drei Tore sorgten. Der Club stand deutlich höher als Osnabrück, fuhr wesentlich mehr Angriffe als der Gegner und gewann mehr Zweikämpfe. Hinzu kam in der ersten halben Stunde des Spiels ein deutlich höherer Pressingdruck des FCN im Vergleich zu Osnabrück. In dieser Phase hatte der FCN sechs Torschüsse mit einem xG-Wert von insgesamt 1,25 (Post Shot xG: 2,22), Osnabrück einen einzigen (xG: 0,02, PsxG: 0,00). Das zeigt recht deutlich, dass der Club das Spiel in dieser Phase gewonnen hat, zum einen eben wegen der Aggressivität und der hohen Anzahl an Angriffen, zum anderen aber auch wegen:

Grafik 2.  Die zeigt die Schusswahl des FCN. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen in dieser Saison verzichtete der Club weitgehend auf Abschlüsse aus weiter Entfernung, nahm stattdessen nur hochwertige Chancen (xG/Schuss: 0,187) und hatte natürlich auch ein wenig Glück, das alle Abschlüsse im Tor landeten. Dennoch zeigt die Schusskarte eindrucksvoll, dass die Chancen sehr hochkarätig waren. In Sachen Post-Shot xG, also der Wahrscheinlichkeitsberechnung, dass der Schuss ins Tor geht, die nach seinem Abschluss berechnet wird und nicht davor, wie bei xG, kommt der FCN auf 3,05.

Grafik 3 vergleicht die Ballverluste der beiden Mannschaften. Hier sieht man den Unterschied zwischen dem FCN und Osnabrück zum einen in der Zahl der Ballverluste. Osnabrück hatte 118 (15 mehr als in den fünf Spielen zuvor), der FCN 104 (fünf mehr als in den fünf Spielen zuvor). Zum anderen aber auch in den Orten, wo die Ballverluste ausgingen. man sieht auch hier sehr gut, dass sich der Fokus gerade bei Osnabrück in der zweiten Halbzeit nach vorne verlagerte, die Zahl der Ballverluste aber nicht wirklich abnahm. (Interessante Randnotiz: Wyscout schreibt den Ballverlust vor dem 0:2 nicht dem Pass von Ajdini, sondern dem verlorenen Zweikampf von Torwart Kühn zu, sicherlich eine diskutable Einschätzung)

3. Einordnung

Der Sieg war verdient, er war eindrucksvoll und er wurde durch viele Elemente herausgespielt, die Teil dessen sind, was Robert Klauß gerne sehen will. Beim 1:0 schaute Mühl den gegnerischen Außenverteidiger gekonnt aus und spielte so schnell in die Spitze, das 2:0 war nicht nur ein individueller Fehler, sondern auch ein Ergebnis unnachgiebigen Pressings, das 3:0 das Resultat schnellen direkten Spiels in die Spitze und beim 4:0 nutzte der Club die bekannten Kopfballprobleme der Osnabrücker im eigenen Strafraum. Es war das erste Mal, dass vieles von dem, was sich der Trainer vorstellt, so funktionierte, dass es auch zum Erfolg führte.

Andererseits ist ein etwas überraschender Auswärtserfolg mit vier Toren natürlich nichts, was der FCN nicht kennt. In der vergangenen Saison gab es einen 4:0-Erfolg in Hannover, auf den folgten zehn sieglose Spiele inklusive Trainerentlassung. 2014/15 war ein 4:0 bei Union Berlin auch nicht die Geburtsstunde einer neuen Mannschaft, obwohl Valerien Ismael dies andeutete. Man ist also gewarnt, dass der Sieg auch nur ein Strohfeuer sein kann, erst recht, da am kommenden Sonntag mit der SpVgg Greuther Fürth die Mannschaft auf den FCN wartet, die laut Trainer Robert Klauß derzeit den besten Fußball in der zweiten Liga spielt. Eine Einschätzung, die man teilen muss, wenn man die Spiele der letzten Wochen betrachtet.

Dennoch sollte man den Erfolg – trotz des großen Wermutstropfens in Form des Kreuzbandrisses bei Pascal Köpke – nicht klein reden. Der Club hat mit dem gewonnen, was der Stil der Saison sein soll, er hat gezeigt, dass er die Maßgaben umsetzen kann. Zusätzlich wirkte es auch so, als sei Manuel Schäffler noch etwas mehr im Kreise der Mannschaft angekommen als vor der Länderspielpause – etwas, das sich gegen Düsseldorf schon angedeutet hatte. Gleichzeitig drückte Klauß nach dem Spiel noch auf die Euphoriebremse, sprach deutlich an, dass die zweite Halbzeit noch etwas zu wünschen übrig ließ, weil man dort zu sehr nachließ. Genau die Mischung aus Positivem mitnehmen – immerhin ist man im achten Spiel in Folge in Führung gegangen und konnte die Führung dieses Mal heimbringen – und an Negativem arbeiten, ist es, die für die kommenden Wochen gelten muss.

4. Die Kennzahlen

Osnabrück   Nürnberg
1 Tore 4
0,56 (+0,76 PK) expected Goals 1,87
0,38 (+0,81 PK) Post Shot xG 3,05
12 Schüsse 10
3 Schüsse aufs Tor 6
1 Ecken 2
3 Freistöße 5
15 Fouls 10
9,5 PPDA 15,5
6,4 Challenge Intensity 7,3
18,7 Spieltempo 17,1
8 Ballbesitzphasen (geg. Strafraum) 12
00:14 Ballbesitzdauer (Ø) 00:14

*Alle Daten stammen von Wyscout. Benutzung der Daten von Wyscout unter der Journalistenlizenz des Anbieters.Die Terminologie von Wyscout wird in diesem Glossar erläutert.

5. Die Stimmen

Robert Klauß: „Wir waren gut gegen den Ball, gerade in der ersten Halbzeit. Gleichzeitig haben wir uns die Räume ausgeguckt, die wir nutzen konnten. Wenn man sieben Punkte nach sieben Spielen hat, hat man auch nicht die breiteste Brust. Wir haben fleißig trainiert, sind drangeblieben. Heute hat es mal geklappt. Es ist wichtig, dass diese kleinen Momente jetzt auch mal in unsere Richtung gehen. Die Jungs haben nach diesem Erfolgserlebnis gelechzt. Das hilft uns enorm, auch für unsere weitere Trainingsarbeit. Wir sind aber noch längst nicht da, wo wir hinwollen. Das hat man dann auch im zweiten Durchgang gesehen. Wir haben nicht über 90 Minuten ein perfektes Spiel geboten, haben also noch viel Arbeit vor uns. Es ist natürlich auch geil, vor dem Derby einen Sieg zu holen. Wir freuen uns jetzt extrem drauf. Das wird eine große Herausforderung, auf die wir Bock haben.“

Marco Grote: „Da kamen heute mehrere Faktoren zusammen. Wenn in dieser Liga einige Kleinigkeiten nicht passen, kommt so etwas zustande. Wir haben heute auch mitgeholfen. Wenn du zur Pause 0:3 hinten bist, wird’s natürlich schwer. In der zweiten Halbzeit haben wir uns schon nochmal gewehrt, das war ein wichtiges Zeichen. Nürnberg hat verdient gewonnen. So etwas kann mal passieren. Ich glaube nicht, dass uns das umwirft“

Manuel Schäffler: „Ich freue mich, dass wir heute gewonnen haben. Das war enorm wichtig. Die Art und Weise, wie wir heute gespielt haben, war gut. Wir haben die zweiten Bälle fast alle erobert, waren in den Fifty-Fifty-Zweikämpfen fast immer der Sieger. Das war auch wichtig, um das Spiel in unsere Richtung zu lenken. Wir haben uns gut nach vorne bewegt und hinten fast nichts zugelassen. Ich habe heute einen Willen gespürt, egal in welchen Aktionen. Wir haben immer gemerkt, dass jemand da ist. Das war auch ausschlaggebend, um zu den Chancen zu kommen. Wir müssen jetzt die Woche weiter an den Dingen, die heute nicht ganz so gut waren, arbeiten. Es ist für uns unglaublich geil, mit einem Sieg ins Derby zu gehen. Wir sind heiß. Wir wissen alle, was Derby bedeutet.“

6. Die Noten 

Spieler CU-Note Kicker NZ BILD SofaScore
Christian Mathenia 3- 3,5 3 3 6,5/10
CU-Urteil: Fast gänzlich beschäftigungslos. Vor dem Elfmeter aber mit Wackler, da er den Ball nicht festhielt.
Enrico Valentini +3 2,5 3 2 7,2/10
CU-Urteil: Vorlage zum 1:0, sonst defensiv nicht 100% sattelfest aber ordentlich. Nach vorne mit Elan.
Asger Sörensen 3 3,5 3 3 7,0/10
CU-Urteil: Verteidigte weg, was es weg zu verteidigen gab. Hatte allerdings wenig zu tun, im Aufbau mit einigen Ungenauigkeiten bei langen Bällen.
Lukas Mühl +3 2,5 3 3 7,3/10
CU-Urteil: Das Urteil ist fast identisch zu Sörensen. Allerdings erhält Mühl für sein gekonntes Ausgucken von Reichel vor dem 1:0 einen kleinen Bonus.
Tim Handwerker 3- 3,5 3 3 6,0/10
CU-Urteil Er wollte viel, aber schaffte es kaum gute Zuspiele von Außen zu entwickeln. Dribbelte sich oft fest.
Johannes Geis 2- 2,5 2 2 7,4/10
CU-Urteil: Schönes Zuspiel auf Schäffler vor dem 3:0, auch jenseits dessen mit Übersicht und guter Ballverteilung. 
Tom Krauß +2 2 2 2 6,7/10
CU-Urteil: Mit wenig Fehlern im Aufbau, schaffte es immer wieder das Spiel zu beruhigen und im entscheidenden Moment zuzugreifen.
Felix Lohkemper 2 2 2 2 7,0/10
CU-Urteil: Ein Tor, eine Vorlage, der Angreifer ist bislang die Überraschung der Saison. Spielte auch kaum Fehlpässe, selbst wenn es etwas an Durchsetzungsfähigkeit fehlte.
Robin Hack +4 3 3 4

7,1/10

CU-Urteil: Fiel in einer guten Mannschaft etwas ab, da er in den entscheidenden Momenten es nicht schaffte, das Tempo hochzuhalten. 
Pascal Köpke 6,0/10
CU-Urteil: Vergab sehr früh eine gute Chance, musste dann fast genauso früh auch mit Kreuzbandriss vom Feld. 
Manuel Schäffler 1 1 1 1 9,2/10
CU-Urteil: Zwei Tore, eine Vorlage, dazu noch ein Abseitstor. Schäffler zeigte eindrucksvoll, warum man ihn geholt hat. Nicht nur als Knipser, sondern auch als Wandspieler und Vorbereiter
Fabian Nürnberger +3 2,5 2 3 7,5/10
CU-Urteil: Kam früh für den verletzten Köpke, erzielte gedankenschnell das 2:0, bemüht, wenn auch nicht immer alles gelang.
Fabian Schleusener 6,5/10
CU-Urteil: Kam in der 72. Minute für Lohkemper. Erzielte ein Abseitstor. War sonst aber wenig eingebunden in einer Phase, in der der FCN offensiv wenig tat.
Nikola Dovedan 6,1/10
CU-Urteil: Kam zu spät (82. für Schäffler) für eine Einschätzung
Hanno Behrens 6,6/10
CU-Urteil: Kam zu spät (82. für Krauß) für eine Einschätzung.
Oliver Sorg 3,5/10
CU-Urteil: Kam zu spät (82. für Krauß) für eine Einschätzung, schaffte es aber in dieser Zeit einen Elfmeter zu verursachen.

4 Gedanken zu „Schussauswahl und Tempo – Analyse zu Osnabrück

  • Die +2 für Krauß gefällt mir.
    Hinter Schäffler tatsächlich der beste Mann. Am Montagabend sah man eindrucksvoll wie wichtig die Form und Harmonie der beiden 6er ist. Geis als Verbindungsspieler/Spielmacher und Krauß als defensiver Ausputzer. So kann das gehen.

    Für Köpke unglaublich bitter! Nach Misidjan der nächste wichtige Spieler mit so einer schweren Verletztung. Unfassbar. Gute Besserung!

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  • Die Note für den Kapitän ist interessant, der Kicker holt ihn in die Elf des Tages (aber auch nur mit Kickernote 2,5)

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    • Ich glaube beim Kicker werden Torbeteiligungen überbewertet. Sobald ein Verteidiger einen Scorerpunkt macht, steht er auch schon in der Elf des Tages.

      Es war zwar eines der besseren Spiele von Valentini, aber ich fand die Leistung von Geis und Krauß besser.

      Antwort
  • Gestern haben alle Höchstleistung gezeigt und Vollgasfußball bis zum Ende gezeigt.
    Auch der letzte Pass in den 16 kam diesmal an und die Stürmer haben ihn auch sicher reingemacht.
    Jeder ging in die Zweikämpfe und man ging oft als Sieger hervor, man kam vom Ballgewinn im Mittelfeld mit 3 Berührungen und präzisen Pässen / Annahmen zum Torabschluß. Es war wie zu besten Bundesligazeiten.
    Bitte mehr davon! Das war großes Kino und es hat seit langem wieder einmal richtig Spaß gemacht, zuzusehen.

    Jungs, ihr ward klasse!

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