Schuster, bleib bei deinem Fußball

Stimmen vor dem Spiel des 1. FC Nürnberg gegen Erzgebirge Aue.

Im Rahmen der Kooperation von Clubfans United mit Total beGlubbt hat sich Felix im Gegnergespräch mit Martin unterhalten.

Wir fassen das Interview kurz zusammen, in voller Länge zu hören auf meinsportpodcast.de oder im Player am Ende des Artikels. Ebenso die offiziellen Pressekonferenzen aus Nürnberg und Aue.

Das Interview

13. Spieltag 2020/2021
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Fangen wir im Sommer an. Ich habe den Eindruck, wenn man die erste Elf anschaut, dass man größtenteils in bekannte Gesichter blickt. Ben Zolinski und Florian Ballas sind mir als Neuzugänge aufgefallen. Handelt es sich weitestgehend noch um die Mannschaft, die wir aus der vergangenen Saison kennen?

„Florian Ballas ist sicher der Top-Neuzugang, einige Abgänge wie Rasmussen und Kempe waren aber auch schmerzlich. Insgesamt aber ist der Umbruch gering ausgefallen. Kleiner Fun-Fact: Neuzugang Bussmann kam von EA Guingamp, eigentlich einem eher kleinen Dörfchen in der Bretagne, die aber Partnerstadt von Aue sind. Was es nicht gibt…“

Dirk Schuster ist seit Sommer 2019 Trainer in Aue. Hast du den Eindruck, dass sich seine Handschrift mittlerweile deutlich abzeichnet? Merkt man das auch bei den Neuverpflichtungen?

„Es ist eben eine typische Schuster-Mannschaft. Man kennt das ja spätestens seit dem Aufstieg Schusters mit Darmstadt. Dazu neigt die Mannschaft zur Überalterung, was kein Wunder ist, weil ein Spieler, wenn er sich als talentiert erweist, eben schnell wieder aus Aue weg ist.“

Ich hätte da ein wenig Bauchschmerzen, da hohes Alter auch mit Verletzungsanfälligkeit einhergeht. Du weißt, die haben nicht mehr so viele gute Jahre vor sich und meist können dir solche Spieler über Transfers auch wirtschaftlich nur bedingt helfen. Wie beurteilst du diese Überalterung der Mannschaft?

„Natürlich wird ein Umbruch irgendwann kommen, aber wenn du Talente entweder nicht kriegst, nicht halten kannst oder die eigenen sich nicht durchsetzen können, musst du eben mit dem arbeiten, was du hast.“

Auf der einen Seite gibt dir der Erfolg recht, auf der anderen Seite muss man den Umbruch im Hinterkopf haben. Wie siehst du diese langfristige Planung?

„Da wir keinen Sportdirektor haben, sondern eben einen starken Präsidenten, wird das nicht so langfristig geplant. Man agiert da eher kurzfristig und Erfolgs-getrieben.“

Schauen wir auf die aktuelle Saison. Blickt man auf die Ergebnisse sieht man, dass Aue durch die Saison mäandert. Wie beurteilst du die bisherige Saison?

„In die Betrachtung gehört auch die Pokalpartie mit rein und da war man auch gegen den Viertligisten schon klar unterlegen. Da war das Spiel gegen die Würzburger Kickers schon dankbar zu Beginn. Dafür hat man dann doch einige überraschend gute Spiele gemacht und Punkte geholt.“

Blicken wir auf das letzte Spiel gegen Karlsruhe. Ich hatte den Eindruck, dass man es verdient aber ein wenig zu hoch gewann. Ist das am Ende eine Blaupause des Auer Spiels? Wenn es läuft, dann richtig?

„Eben typischer Schuster-Fußball. Hinten dicht machen und vorne versuchen aus wenig viel zu machen. Und was bringt es auch, wenn man viel Ballbesitz hat und daraus dann wenig macht. Da ist der Ansatz von Aue eben doch Erfolg versprechender. Und diese Saison hat man nicht die Einbrüche, dass man nach Gegentoren gleich noch mehr kassiert. Jetzt bleibt man stabil, kann dann auch mal ein Tor schießen und sogar nachlegen. Und so erwartet man auch die Mannschaft gegen den 1. FC Nürnberg.“

Unter Dirk Schuster tritt die Mannschaft defensiv auf und setzt auf Umschaltmomente. In den bisherigen zwölf Spielen hat man 20 Tore geschossen. Davon entfallen 13 auf Pascal Testroet und Florian Krüger. Wie abhängig ist man von diesen beiden Spielern? Ist das Spiel auf die Spieler zugeschnitten oder blühen sie im System einfach auf?

„Jeder in Nürnberg kennt ja Köpke und Sylvestre – und immer waren diese Spieler deswegen auch erfolgreich, weil das Spiel in Aue komplett auf sie zugeschnitten war. Das ist heute nicht mehr so, aber das Spielsystem ist auf den Spielertyp ausgerichtet.“

Meine Erinnerung sagt, dass in der Vergangenheit auch eine gewisse Abhängigkeit von Dimitrij Nazarov bestand. Das ist in dieser Saison nun nicht der Fall, oder?

„Das offensive Mittelfeld bleibt aber schon wichtig, auch um Testroet in Szene zu setzen.“

Haben wir damit die „Player to watch“ abgehakt?

„Die drei Stürmer und Nazarov – dazu die Innenverteidigung.“

Lass uns noch ein wenig in die Zukunft schauen. Das Überleben in der 2. Liga hat Priorität und das gelingt phasenweise sehr gut. Mir stellt sich nun die Frage: Wo muss Erzgebirge Aue ansetzen, damit das auch langfristig gelingt?

„Die Fixierung auf den Präsidenten in allen Belangen kann man machen, aber behindert eine Entwicklung. Die Trainer prägen dann den Spielstil, aber geben keine Ausrichtung für eine Spielphilosophie.“

Ist es so, dass sich Aue von den Leonhardts emanzipieren muss?

„Ohne den Präsidenten gäbe es den Verein nicht mehr. Aber es gab auch Zeiten, da gab es Aue ohne den Präsidenten. Seine Kontakte zur Wirtschaft sind natürlich wertvoll, aber wir haben bei uns eben auch eine Rubrik namens ‚Helge der Woche‚ und wir hatten noch keine Woche, wo man nicht irgendein Statement von ihm zumindest ambivalent besprechen konnte…“


Der Podcast in voller Länge

Audiolänge: 26:34 Minuten | Moderator: Felix Amrhein


Die Pressekonferenz in Aue

YOUTUBE (nicht verfügbar)

Die Pressekonferenz aus Nürnberg

YOUTUBE


Steckbrief Clubfans United

Clubfans United, das Fußballmagazin für Fans des 1. FC Nürnberg. Spielberichte, Analysen, Medien-Monitoring – Aktuelle News, Kolumnen und Kommentare. Weitere Informationen….

Foto: Alexander Endl / Alle Rechte vorbehalten.

Das Interview führte Felix Amrhein mit Martin für Total beGlubbt in Zusammenarbeit mit Clubfans United am 19.12.2020. Redaktionell zusammengefasst von Alexander Endl.

46 Gedanken zu „Schuster, bleib bei deinem Fußball

  • Mit Schleusener und Singh zwei Spieler in der Startelf die gegen Kiel, naja sagen wir mal, nicht überzeugen konnten. Hoffen wir auf eine Steigerung im offensiven Bereich, mehr Mut und einen Heimsieg zum Jahres-Abschluss. Wird ein hartes Stück Arbeit.

    Antwort
    • Mit dieser Aufstellung geht Klauß aufs Ganze: entweder wird er im Nachgang als Taktikfuchs gefeiert oder die bisher kaum bemerkbare Kritik wird deutlich hörbar.

      Antwort
  • Hm, eingedenk der letzten Jahre erwartet man als Clubfan sowieso keinen fußballerischen Leckerbissen. Mit Glück wirds ein Leberwurstbrot, hoffentlich wirds kein ungenießbarer, schimmliger Lebkuchen.

    Antwort
    • Der Marktwert des Clubs ist doppelt so groß wie der der Sachsen.
      Das machen die durch Einsatz, auch ihrer Stimmbänder, seit Jahren wett.

      Aue ist für mich ein bewundernswerter Verein, ein Mentalitätsmonster mit Erzgebirge-Charme.

      Den 3er heute würde ich aber gerne haben…
      … Vielleicht trifft Schleuse ausnahmsweise?!

      Antwort
  • Bei Aue läuft der Ball wenigstens phasenweise durch die eigenen Reihen. Bei uns ist schon der 2te Ball weg. Wir lassen uns von der sächsischen Hektik anstecken.

    Antwort
  • Gefühlt ist das Spielfeld im Max Morlock Stadion deutlich größer, als in Kiel, Osnabrück oder Paderborn, da wir dort deutlich kompakter standen als in allen Heimspielen, bei denen unsere Reihen fast schon traditionell zu weit auseinander standen…oder noch stehen…

    Antwort
  • Also bis jetzt war da noch nicht ein ordentlich vogetragener, gefährlicher Angriff von uns dabei. Stückwerk, technische Fehler, Missverständnisse prägen unser Angriffsspiel. Mal wieder. Kann nur besser werden.

    Antwort
  • Spätestens 10 m nach der Mittellinie ist der Ball weg. Meiomei. Und dann schon wieder ganze, offene Scheunentore in der Rückwärtsbewegung. Bisher wird nur ein verschrumpeltes, altes und trockenes Stück Schwarzbrot beim Club angeboten.

    Antwort
    • Der Günther Koch würd’s nehmen, das Brot.
      Tee hilft, hat er gesagt.
      Im Bayern 2 Podcast.

      Antwort
  • Das hätte schon leicht das 2:0 für Aue sein können, die sind klar besser, gewinnen mehr Zweikämpfe und haben einen Plan. Der Neuaufsteiger aus der 3. Liga bisher wieder mal mit einer schwachen Darbietung, es sieht wieder so aus, als würden die das erste Mal zusammen spielen.
    Zum Glück müssen wir uns das nicht im Stadion antun. Ich habe schon die Fernbedienung in der Hand….
    Verliert jetzt Singh oder Hack mehr Bälle?

    Antwort
  • Singh kann Lohkemper nicht im Ansatz ersetzen. Allerdings spricht das auch Bände, dass sich ein Dovedan hier eben nicht als bessere Alternative anbietet. Bei Schleusener läuft leider auch sehr wenig zusammen.
    Sieht nach 30 min nicht gut aus. Nach vorne gar nichts und Aue wesentlich besser. Das wird schwer mit einem versöhnlichen Jahresende. Uff.

    Antwort
    • So kritisch ich Dovedan sehr, aber ob er oder Singh – Zweikämpfe gewinnt keiner von beiden, ins Spiel integriert ist keiner von beiden. Aber Dovedan kann zumindest mal abschließen. Bei Singh sehe ich bis dato keine positiven Ansätze. Ist, wie nur mit 10 Mann zu spielen.

      Antwort
  • Hat sich abgezeichnet.
    Die letzten 10 Minuten waren gut.
    Schön heraus gespielt.
    Weiter so!

    Antwort
  • 1:0 aus dem Nichts und, das muss man ehrlich zugeben, eigentlich auch unverdient. Hack nach Vorarbeit von Handwerker.

    Antwort
  • Was für eine geile Ecke von Geis!

    Schade, das wäre das Tor des Monats geworden! Direkt verwandelte Ecke!

    Antwort
    • War doch ein Freistoß? Heimlich am Glühwein genuckelt? 😉
      Obwohl, ich hab auch Handwerker mit Schäffler bei der Tor-Vorbereitung verwechselt…
      Die Clubspiele schaut man nicht mehr 100% konzentriert an. Ist einfach nicht mehr schön genug, was man da an Fußball ansehen muss.

      Antwort
  • Mein Halbzeitfazit:
    Seit dem Tor ordentlich weiter nach vorne gespielt und nicht wie so oft 2 Gänge zurück geschaltet und dadurch den Gegner eingeladen. Das gefällt mir sehr gut. Jetzt dran bleiben und weiter dominant spielen.

    Antwort
  • Zeit für Lob. Als Handwerker den Ball hatte, war das ganze Erzgebirge sauber geordnet zwischen Ball und eigenem Tor. Kein Tempo im Spiel. Dann sein präziser, öffnender Pass auf Singh. Gute Ballabnahme, schnelles, es sei wiederholt, schnelles Weiterleiten, Schäffler mit Geduld und sauberem Pass in den Rücken und Hack mit gar nicht so einfachem Abschluss. Feines Tor.

    Antwort
  • Also Schleusener bringt ja überhaupt nichts zusammen. Verstehe nicht warum der weiterspielt.. 🤷‍♂️

    Antwort
  • Geis rennt, das passiert ja selten, passt weit nach links auf Schleusener und sein Paß geht dann auch ob der ungewohnt schnellen Geisbewegung 5 m hinter Schleusener fast vorbei. Schleusener bekommt den Ball nur noch mit einer komischen Grätsche zum eigenen Mann.

    Jörg Dahlmann nimmt diese Szene dann ernsthaft zum Anlaß, über die hohe Qualität der Pässe von Geis im Allgemeinen zu kommentieren.

    Ich bin also nicht der einzige, der das Spiel nur eher so mit einem Auge verfolgt.

    Antwort
  • Das eine Tor ist mir zu wenig zum Nicht-Zittern… Hopp, no oans oda no bessa glei zwoa!

    Antwort
  • Die zweite Halbzeit ist zum Großteil wieder das übliche Club-Betteln ums Gegentor. Hat unsere Mannschaft Konditionsprobleme oder woher kommen diese langen, schläfrigen Phasen?

    Antwort
  • Ein wirklich schönes Weihnachtsgeschenk für uns alle.
    Glückwunsch an Trainerteam und Mannschaft.
    Und uns allen gemütliche Weihnachtstage und ein gesundes Neues Jahr.

    Antwort
  • Unnötig spannend am Ende, aber die Mannschaft hat sich stabilisiert. Weniger Böcke drin.
    Zum ersten Mal in der Saison ist man näher am Relegationsplatz nach oben (4 Punkte) als nach unten (8 Punkte).
    Sehr gut. Es freut mich, dass eine Tendenz nach oben erkennbar ist und der sympathische Klauß damit seine Position festigt.
    Frohe Weihnachten und bleibt gesund!

    Antwort
  • yeah …wichtiger sieg. vier punkte …;-)
    frohe weihnachten an @ bei CU
    bleibt gsund und munter !

    Antwort
  • Jawoll! Drei Punkte im Sack gegen einen unbequemen Gegner. Somit erstmal ein Polster nach hinten geschaffen und einen weiteren Schritt Richtung sorgenfreier Saison gemacht. Der Weg bleibt steinig, das Gebilde fragil. Aber wir gewinnen mehr enge Spiele als letzte Saison obwohl wir meistens nicht besser spielen. Danke an die Truppe, mit so einem Sieg wird der vierte Advent noch schöner und vielleicht wird es ja im neuen Jahr mit mehr Sicherheit und Mut auch fussballerisch wieder mal etwas besser anzuschauen, das wäre schön.

    Antwort
  • Hätt ich nicht gedacht, dass man die 3 Punkte macht. Wir sind auf dem besten Weg, der 3. Platz ist in Sichtweite.

    Antwort
  • Hallelujah!

    Endlich mal eine Führung nicht wieder hergegeben!
    Da war zwar dann auch viel Glück dabei, aber Fußball ist ein Ergebnissport. Deshalb schauen ich heute mal nur aufs Ergebnis und mecker mal nicht.

    Die 3 Punkte tun der Mannschaft und den Fans richtig gut!
    Mein erstes Weihnachtsgeschenk gefällt mir schon mal sehr.

    Antwort
    • Schleusener konnte leider den fehlenden Lohkemper nicht annäherend kompensieren, schade dass Misidian scheinbar noch nicht so weit ist und Hack wahrscheinlich auch noch Probleme mit dem Knöchel hat, sonst würden sich schon andere Möglichkeiten ergeben. Naja Tabelle jedenfalls einigermassen angenehm anzuschauen über die kommenden Feiertage.

      Antwort
  • 5 Punkte und 10 Tore besser als am 13. Spieltag der Vorsaison.

    Die Richtung stimmt. Und auch wenn die Art und Weise noch lange nicht überzeugt, so stimmen wenigstens schon wesentlich häufiger die Ergebnisse.

    Antwort
    • Oder anders gesagt: sechs Spieltage Vorsprung gegenüber letzter Saison! Da hatten wir 19 Punkte noch nach Spieltag 19.

      Antwort
    • Da hast Du recht. Aber wir alle – „das Umfeld“ – sind eben nicht ach so kritisch, wie häufig polemisch kolportiert, sondern extrem pragmatisch. So akzeptiere ich auch unansehnliche Spiele, wenn Einsatz und Ergebnisse stimmen.

      Antwort
  • Ich liebe meinen Club! Keine Mannschaft machts so spannend wie der 1.FCN! Dazu das ständige Gemeckere und Gesodere von den ewigen Besserwissern und Grantlern, das ständige Gejammere was unsere Spieler, Trainer, Vorstand alles nicht können und falsch machen. Dabei schreibt niemand bessere Dramen, wie der Club!
    Das läuft seit Jahren super, es wird nie langweilig, man muss immer bis zur letzten Sekunde zittern, meist gehts schlecht aus, manchmal gut. Wer da nicht mitfiebern kann, nur noch mit einem halben Auge zusieht, der tut mir wirklich leid. Der sollte sich einen Langweilerclub suchen.
    Ich jedenfalls bin sehr dankbar für das von unseren Akteuren Gebotene, die immer wieder neuen Gelegenheiten die Emotionen nach oben und unten voll auszuloten und ich bereue jetzt seit vielen Jahrzehnten meine Liebe zu diesem geilen, nie langweiligen Club nicht!

    Antwort

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