Dümmer geht immer. Darmstadt zum Beispiel.

Der Club gewinnt zum ersten Mal ein Spiel 2021 – genau genommen Darmstadt.

20. Spieltag 2020/2021 1 : 2

Warum der Club so manches Spiele verloren hat, ist nicht immer ganz rational zu erklären. Warum er dieses in Darmstadt gewonnen hat, definitiv auch nicht. Wer professionelle Wett Tipps zu Rate zieht, hätte wohl kaum eine Empfehlung bekommen, auf so einen Spielverlauf zu setzen. Dass Fußball mit Statistiken und wissenschaftlichen Auswertungen ähnlich wie das Wetter nicht wirklich in den Griff zu bekommen ist, zeigt einmal mehr ein Spiel des 1. FC Nürnberg

Ohne mit Details zu belasten, die sicher noch hier folgen werden, kann man die erste Halbzeit als – wenn auch wenig schmeichelhaft – Grottenkick bezeichnen. Ohne Schäffler und Hack fehlte dem Club vorne jegliche Gefahr, dafür hatte man die hinten weiter reichlich im Sortiment. Allein Darmstadt wusste mit all den Geschenken, Angeboten und Freiräumen nichts anzufangen. Ok, das Pressing des Clubs hat phasenweise gut funktioniert. Außer wenn halt nicht.

Halbzeit zwei dann phasenweise „spannender“, weil aus all den Unzulänglichkeiten doch sowas wie Torchancen entstanden. Doch weder Krauß per Kopf noch Dursun konnten etwas zählbares herausholen. Ein Rückpass von Mühl zu Mathenia ließ der Schiri offensichtlich als Not(ab)wehr durchgehen.

Als vielleicht auch Klauß schon über seine Zukunft nachzudenken begann, immerhin wurde vor dem Spiel eine Art „zwei Spiele“-Frist für den Trainer kolportiert, brachte er in einem Akt der Verzweiflung Schleusener, der bis dato genau einmal für den Club in seinem Spielerleben traf – Ingolstadt lässt grüßen. Und als sich mancher nach seiner Einwechslung und in memorian Relegation 2020 schon zu fragen begann, ob der mit dem Last-Minute-Treffer dem Clubfan wirklich so einen Gefallen getan hatte, oder eher das Leiden nur verlängerte, traf FUSSBALLGOTT Schleusner per Abstauber zum 0:1 (76.).

Aus heiterem hessischem Himmel quasi. Aber heiter wurde es erst so richtig danach. Mathenia, der nach starker Parade ganz zu Spielbeginn mit zunehmender Spielzeit zum Unsicherheitsfaktor wurde und Glück hatte, dass Seydels sanfter Einsatz gegen ihn als Foul gewertet und das Tor aberkannt wurde (83.), ließ in der 88ten erneut den Ball fallen. Sorgs Abwehrversuch wurde als Hand gewertet (sehr strittig), es folgten Rot, Elfmeter und Ausgleich.

Damit schien das Spiel zu Ungunsten des FCN (schon wieder) eine bittere Wendung zu nehmen, in Unterzahl drohte gar der Totalschaden. Doch Darmstadts Rapp hatte noch eine Pointe im Köcher. Den langen Abschlag von Mathenia köpfte der Verteidiger nahezu unbedrängt in perfekter Bogenlampe über den bereits zur Ballaufnahme herauseilenden Keeper Schuhen zum kaum noch für möglich gehaltenen 1:2 zu Gunsten der Gäste.

Da der Schiedsrichter offenbar Gefallen an dem Geschehen gefunden hatte, gab es zu den 3 Minuten Nachspielzeit nochmal 3 weitere gratis dazu, so dass der aufgerückte Darmstadt-Torwart Schuhen noch nach einer Ecke den Ball aus wenigen Metern versemmeln durfte – quasi um das ganze Spiel nochmal kurz aus Darmstädter Sicht in einer Szene zusammenzufassen.

Jetzt kann man sagen: So einen dreckigen Sieg braucht man, wenn man unten drin steht und zudem auf seine Offensive verzichten muss. Man kann aber auch sagen: Man steht unten drin, weil man schon lange so einen Stiefel spielt und nur deswegen gewonnen hat, weil Darmstadt sich wirklich noch dümmer anstellte. Der Verfasser tendiert zu letzterem.

Fußball ist … auch Kopfsache. Vielleicht hilft der Sieg ja wirklich, um wieder auf einen besseren (und ansehnlicheren) Pfad zu kommen. Nach 2 Jahren der fußballerischen Tristesse ist der Glaube allerdings hart angeschlagen. Überlebensmodus ist weiter im Dauerbetrieb. Schön ist was anderes. Die drei Punkte waren trotzdem überlebenswichtig. Über den Rest würde man am Liebsten schweigen – geht natürlich nicht. Auch und gerade über einen Wechsel im Tor.


Steckbrief Clubfans United

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Foto: Clubfans United „Hanno Behrens nach dem Testspiel in Darmstadt 2016“ / Alle Rechte vorbehalten.

18 Gedanken zu „Dümmer geht immer. Darmstadt zum Beispiel.

  • Einfach wild. Borkowski Macht Lust auf mehr. Dovedan heute auch verbessert. Ich bin mal optimistisch und hoffe dass es jetzt wieder aufwärts geht.

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  • Letzte Saison haben Erras und Mathenia am Bölle ein ähnliches Ding gedreht wie die Darmstädter heute.

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  • Wir haben heute gleich ein mehrfaches „Ausgerechnet“:

    War Nicolai Rapp nicht Fürther?
    Er war Schütze des Siegtores im Hinspiel.
    Mathenia, der den Elfer (mit-)verschuldet hat, lieferte den Assist

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  • @Alexander: streiche: Krauß setze: Klauß. Inhaltlich bin ich ansonsten absolut Deiner Auffassung. Ein wahrlicher Grottenkick, schön geht anders. Dass es mal wieder bis zum erlösenden Schlusspfiff folternd war, ist typisch Glubb-like. Ein langweiliger Arbeitssieg ist wohl eher was für die Fans von Erfolgsmannschaften… Trotzdem sollten wir es uns besser nicht daran gewöhnen, dass der Gegner für uns die Tore schießt, wenn die Unsrigen den Ball nicht ins Tor bekommen. So zu gewinnen macht dann auch keinen Spaß.

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    • Meine Güte war das ein Grottenkick von beiden Mannschaften nur das diesmal nicht der Club der Depp war sondern D98. Das war nicht nur für den Sky-Reporter teilweise eine Zumutung sondern auch für alle Zuschauer. Ich bin ehrlich ratlos, trotz der 3 Punkte für den Club, wie der Club mit solch einer Leistung in der 2.Liga bestehen will.

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      • Spielt der Club an den restlichen 14 Spieltagen ebenso bescheiden wie heute, dann tritt das ein, was hier gebetsmühlenartig vorhergesagt wird: Wir steigen ab.

        Die gute Nachricht aber ist: Jeder Sieg macht Mut. Vor allem auch mit einem Kader, der heute einige Ausfälle durch Verletzungen zu ersetzen hatte.

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  • DerClub gewinnt einen big point und der Endl schreibt den originellsten Bericht seit langem, darauf ein Schoppen.

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  • Wir wissen aus Erfahrung allzulange ist uns so ein Glück sowieso nicht treu, die Mannschaft sollte besser schnell dazu lernen. Das Handspiel von Sorg, wenn man sich die DAZN Zusammenfassung auf youtube von Heidenheim – St. Pauli (unser aktueller Tabellenkonkurrent voriger Spieltag) ansieht zweimal Burgstaller mit der Schulter/Arm einmal hat er sich sich selbst vorgelegt Schulter/Arm zum Tor und einmal später damit in höchster Not abgewehrt, zwei entscheidende Spielszenen und das war allemal „mehr“ Hand als die Brustabwehr von Sorg heute, aber bei Burgstaller war es 2 mal regelkonform. Wie ich schon beim letzten zu Steinhaus schrieb, setz eine Frau nie in den Keller fern vom Licht, die rührt sich! ganz egal wie und ob es berechtigt ist.

    Jedesmal diese klaren Benachteiligungen, heute mit der Einschränkung die Rückgabe von Mühl zum Torwart war keine Notabwehr sondern kontrolliert und hätte Freistoss am Fünfer für Darmstadt geben müssen,vielleicht gleicht es sich so wieder aus. Am Ende durch Slapstick noch gewonnen. Aber darauf sollte man in der Zukunft nicht vertrauen.

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    • Wir hatten heute das Glück, welches der SV Sandhausen am vergangenen Wochenende gegen uns hatte. Wir erinnern uns: Der Aluminium-Treffer von Schäffler. Das Riesen-Ding für Möller Daehli. Und Dovedans unerklärliches Nicht-Spitzeln. Natürlich war der Club in Sandhausen in dieser dominanten Schlusshalbenstunde nicht konsequent genug – für Sandhausen aber war es Glück.

      So sah das übrigens auch Sandhausens Trainer Michael Schiele: „Der Gegner hatte da auch die ein oder andere Chance und wir Matchglück. Dieses Glück haben wir uns aber auch erarbeitet über die letzten Spiele.“
      Und was sagte unser Trainer nach dem heutigen Spiel: „Wir haben uns das Glück in den letzten Wochen erarbeitet.“ (Nürnberger Nachrichten)

      Also alles gut. Ausgeglichenes Glück-Konto. Wir müssen uns nicht über zu viel Glück beklagen, es wurde nichts überstrapaziert – es stand uns zu. 😉

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  • @ fränki.
    Hatte nach dem Aluminium von Schäffler beim SVS nicht mehr mit Glück in dieser Saison gerechnet.
    In England würde Sorg nicht gesperrt werden.
    Danke DFB für VAR Reichel in Ingolstadt denn mit der Ansetzung von heute wäre der FCN in der 3. Liga.
    Da bin ich mir seit 14.52 Uhr sicher.
    Frau Steinhaus hätte Dingert zum Bildschirm gerufen
    (Szene mit Frey und FCI Akteur der Bodenkontakt suchte).

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    • @michel andreas: was ich dich schon länger mal fragen wollte: hast Du eigentlich eine besondere Beziehung zur Schiedsrichterei? Jedenfalls kennt sich da keiner so gut aus wie Du, ist eine Bereicherung!

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  • @ optimist.
    Nein habe keine Beziehung.
    Habe auch nie selber richtig Fußball gespielt sondern war im Alter von 12 -16 im Allgäuer Skiverband (alpin)
    unterwegs und habe bis zu einem schweren Unfall 2010 zwischen Bezirks- und Landesliga Tennis gespielt.
    Bin jetzt 56 und seit dem Phantomtor 1994 beschäftige ich mich damit obwohl ich wahrscheinlich bei jeder Prüfung zu Regelfragen nicht gut abschneiden würde.
    Habe beim Skifahren 2001 Eugen Striegel in der Gondel erkannt und er hat sich danach auch noch ca. 20.Minuten vor der Abfahrt mit mir unterhalten .
    Hat mich damals sehr gefreut.

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    • Dankeschön für deine Antwort. Als Fußballfan übersieht man leicht, dass Schiedsrichter ja auch Sportler sind, die eine ständige Konzentration mit einer hohen Ausdauerleistung verbinden müssen. Und darüber hinaus gerecht und unvoreingenommen agieren müssen.
      Daran hapert es leider oft. Besonders bei blonden Damen, die im Keller rumsitzen.

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  • 3 Punkte, extrem wichtig…aber emotional hat mich der Glubb weiter „entfremdet“.
    Es macht überhaupt keinen Spaß mehr zuzusehen. Der beste Spruch heut vom Kommentator: „..schauen Sie raus aus dem Fenster, beobachten Sie den Straßenverkehr, das ist spannender als das was da auf dem Rasen passiert..“.

    Der junge Borkoswki, der engagierte MMD und der bemühte Geis, das war’s in dieser Profitruppe von gestern. Der Rest ist nur noch ätzend.

    Ich bin seit über 35 Jahren Herzblutfan. Bis auf wenige Ausnahmen immer live im Stadion dabei (auch auswärts). Noch nie war ich, sicher auch durch Corona, so weit von meinem Glubb entfernt. Damit mein ich emotional. Ich habe Angst, dass wenn die Stadien wieder eröffnet werden, ich entweder mit wenigen Leuten da sein werde oder selbst keine Lust mehr habe.
    Es fühlt sich an wie „eine Beziehung geht zu Ende“.

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