Nicht schön, aber wichtig

Der Club gewinnt in Karlsruhe durch ein spätes Kacktor.

Die Stimmung vor dem Spiel war angespannt gewesen. Trainer Klauß hatte unter der Woche mit den Nachwehen seiner kompakten Matchplandarstellung in der Pressekonferenz nach der Niederlage gegen St. Pauli zu kämpfen gehabt. Dort hatte das Team vor allem Grundtugenden vermissen lassen und mit Sörensen und Knothe auch noch zwei Abwehrspieler längerfristig durch Verletzung verloren. Die Mannschaft verpasste sich darüber hinaus selbst einen Maulkorb und sprach weder mit der Presse noch setzte sie Posts in den Sozialen Medien ab. Am Freitag erhöhte dann auch noch Eintracht Braunschweig mit einem Heimsieg gegen Regensburg den Punktedruck von unten.

Angesichts dieser Vorzeichen – der KSC war darüber hinaus auch noch im Jahr 2021 unbesiegt – spielte der Club von Beginn an konzentriert und präsent. Er setzte den KSC mit hohem Pressing unter Druck und provozierte so Ballverluste oder lange Bälle. Der KSC kam nur selten dazu die eigenen gefährlichen Flanken an den Mann zu bringen, die Standards verteidigte der Club gut. Insgesamt war das frühe Anlaufen auch eine Entlastung für die Abwehrreihe, die so weniger gefährliche Angriffe zu verteidigen hatte, da der KSC seltener strukturiert vors Nürnberger Tor kam. Der Club dagegen hatte nach 21 Minuten die beste Chance des ersten Durchgangs. Dovedan hatte den Ball im Pressing erobert und auf Nürnberger weitergelegt, doch der hatte den Ball im Eins-gegen-Eins an KSC-Keeper Gersbecks Bein geschossen.

Insgesamt war das Spiel zwar intensiv, aber nicht wirklich mit vielen Torszenen versehen. Das änderte sich auch nach dem Seitenwechsel eigentlich nicht. Der KSC hatte einige Halbchancen, tatsächlich gefährlich war er aber nicht. Gleiches galt allerdings auch für den FCN, auch wenn Borkowski nach 62 Minuten einen Ball nur knapp neben den Pfosten setzte. Dies geschah mitten in einer Phase, in der das Spiel von Schiedsrichter Dankert sehr ruppig angesehen wurde, so dass er binnen kürzester Zeit mehrere Gelbe Karten verteilte. Unter anderem für Fabian Nürnberger, der am kommenden Wochenende damit gesperrt fehlt.

Danach kam der KSC besser ins Spiel, der Club stand tiefer. Gefährlicher wurden die Gastgeber dadurch aber nicht. Dennoch lag ein wenig zu hohe Passivität in der Luft. Robert Klauß wechselte deshalb Tom Krauß ein, Dennis Borkowski ging raus und es wurde von 4-2-2-2 auf 4-2-3-1 umgestellt. Der FCN stand dann wieder besser und ließ sich nicht zu sehr hinten reindrängen. So blieb die Partie bis in die Schlussminute chancenarm. Dann setzte es doch noch den Lucky Punch für den FCN. Møller Dæhli dribbelte sich von der rechten Außennahn ins Zentrum, wollte Dovedan anspielen, Bormuth spritze jedoch in den Ball und schoss Wanitzek so an, dass der Ball in den Lauf des frei auf Gersbeck zulaufenden Schäffler sprang. Der wollte den Ball an Gersbeck vorbei legen, traf dabei den Ball aber nicht richtig, so dass er nun frei neben Gersbeck lag. Møller Dæhli war aber mitgelaufen und konnte den Ball so ins Tor einschieben.

Es war ein Tor, das den Sieg bedeutete und mit ihm vor allem eins gemeinsam hatte: Es war alles nicht schön, aber unfassbar wichtig. Genau so fasste der Siegtorschütze dann auch das Spiel nach der Partie zusammen: „Es war heute kein schönes Fußballspiel, aber für uns extrem wichtig.“ In der kommenden Woche wartet nun nach einem Sieg, der durchaus auch darauf beruhte, dass die Grundtugenden plötzlich vorhanden waren, mit Eintracht Braunschweig die Mannschaft, die derzeit auf Rang 16 steht. Ein Sieg wäre fast gleichbedeutend damit, dass man einen großen Schritt in Richtung sorgenfreie Restrunde machen würde. Der Grundstein hierfür wäre dann in dem dreckigen Sieg in Karlsruhe gelegt worden.

16 Gedanken zu „Nicht schön, aber wichtig

  • Glücklicher Sieg, der nicht unverdient war.

    Auf so einen Acker sollte kein Profifußball gespielt werden dürfen.

  • Ich bin mir gar nicht sicher, ob Schäffler den Ball nicht ohnehin auf MMD ablegen wollte und nur der Torwart noch ein bisschen drangekommen ist. Wie auch immer, Hauptsache drin!

  • War das nach dem Wechsel Krauß für Borkowski wirklich ein Systemwechsel? Krauß ging auf die Nürnberger-Position neben Geis, Nürnberger ging auf die Dovedan-Position als linker „Flügelzehner“ und Dovedan rückte statt Borkowski neben Schäffler ins Sturmzentrum. M.E. weiterhin 4-2-2-2. Aber vielleicht „kippte“ das 4-2-2-2 ja in ein 4-2-3-1 „ab“, „je nachdem, wo Dove sich aufhielt“…

  • Da hat mir mein Verein doch zum Runden ein würdiges und unerwartetes Geschenk bereitet. Danke dafür, bist doch auch für postive Überraschungen gut.

  • Herr Moeller stand sozusagen persönlich vor der Türe:)
    Dankeschön. D.h. im Umkehrschluss aber auch, das die letzte Deutsche Meisterschaft des Clubs 60 Jahre zurückliegt…

Kommentare sind geschlossen.