Rückdeckungsbedingt rückengerecht

Jedes Mitglied des 1. FC Nürnberg – ich bin Mitglied 39279 – bekommt in den ersten Monaten eines jeden Jahres einen neuen Mitgliedsausweis per Post zugeschickt. Dieses Jahr kam mein neuer Ausweis im Februar. Nebst einem von den beiden FCN-Vorständen unterschriebenen Begleitschreiben, von dem ich nicht mehr weiß, ob ich es damals…

…gelesen habe. Sollte ich es damals gelesen haben, habe ich es nicht genau gelesen. 

Warum ich das erzähle?

Weil, hätte ich es damals genau gelesen, die gesegnete Nachtruhe, derer ich mich trotz der anhaltend prekären Situation des neunmaligen deutschen Meisters und vierfachen Pokalsiegers fast allnächtlich erfreue (klick), fortan alles andere als gesegnet gewesen wäre. Dass Zahlungsunfähigkeit einem mangels Rücklagen zahlungsunfähigen Menschen den Schlaf rauben kann, ist ein bekanntes Phänomen.

Was ist passiert?

Passiert ist, dass mir das Mitgliedsausweisbegleitschreiben heute beim Aufräumen in die Hände fiel und ich es genau gelesen habe. Prekär ist diese die ungute Ahnung des Prekariats aufscheinen lassende Passage:

Es waren und sind für uns alle aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie außergewöhnliche Zeiten, die wir nicht so schnell vergessen werden. Sehr viel Mut und Kraft geben uns Zusammenhalt und Rückdeckung, die wir von Ihnen – einem unserer treuesten Cluberer – spüren und erfahren.

Ich schlafe immer auf dem Bauch oder in Seitenlage. Fortan werde ich nachts wohl rückdeckungsgeplagt wach auf dem Rücken liegen. Wobei – wie die Trainerin des Gymnastikurses, an dem ich allwöchentlich teilnehme, empfiehlt – die nächtliche Rückenlage absolut rückengerecht ist. Auch für FCN-Mitglied…

…39279.

7 Gedanken zu „Rückdeckungsbedingt rückengerecht

  • Sehr gut, dass dies aufgegriffen wird. Es ist wirklich erschreckend, wie unprofessionell mal wieder eine der wenigen Kommunikationen mit den Mitgliedern wirkt. Passt aber irgendwie ins Gesamtbild.

    Und Rückdeckung angesichts der finanziellen Schieflage erfährt man dann hoffentlich vom Hauptsponsor.

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    • @Monaco Frank:

      Danke für deinen Kommentar, an dem ich besonders schätze, dass er auf den Inhalt des vorgegebenen Artikels eingeht – ein Inhalt, der offenbar nicht allzu viele Leser dieses Blog zu interessieren scheint.

      Ich wünsche zu dieser fortgeschrittenen Stunde allseits gute Nacht, gleich in welcher Schlafposition!

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      • @belchanov: Doch doch, Dein Artikel interessiert durchaus. Nur kann oder muss man nicht zu allem, was interessant ist, immer gleich einen Kommentar drunterkritzeln.
        Aber falls es Dir Rückdeckung gibt: Artikel gelesen und für gut, interessant und unterhaltsam befunden.

        Antwort
  • Was ist daran jetzt so schlimm? Die Erkenntnis, daß im Paralleluniversum Profifußball mit Privilegien die andere Branchen in der Krise nicht erhalten, trotzdem jeder Verein mit den wirtschaftlichen Folgen zu kämpfen hat von oben in der Tabelle bis unten? Braucht es dazu eine tägliche Pressemitteilung?

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  • Unsere mentale Rückdeckung beweisen wir Fans ja fast bis zur Selbstaufgabe. Auch wenn die Gymnastiklehrerin zu allen Verrenkungen auch noch die Rückenlage empfiehlt: Für den Club wäre mir eine stabile Seitenlage lieber.

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  • Ein freudscher Verschreiber des kauf. Vorstandes. Find ich gut, dass man in diesem Falle offen kommuniziert wie man die Mitglieder einzusetzen gedenkt! In diesem Sinne: Save your back!

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  • Wenigstens einer, der das Begleitschreiben aufmerksam liest.
    Ich habe es nur überflogen und mich über die vermeintlich netten Worte gefreut.

    Nun ist klar: Das war gar nicht nett, sondern eine perfide Intrige zur persönlichen Privatinsolvenz. Auf dem Rücken der Mitglieder soll der lang ersehnte ERFOLG ERFOLGEN.

    Gut. Dann warte ich mal ab, wann sie voller MUT uns Mitglieder MUTEN.

    Dann haben sie das verschluckte „EN“ an die passende Stelle sinnstiftend und zielführend angefügt.

    („muten“ trägt als schwaches Verb u.a. die Bedeutung: um die Erlaubnis nachsuchen, das Meisterstück zu machen.)

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