Erinnerungen an ein wahnsinniges Spiel.

Stimmen vor dem Spiel des 1. FC Nürnberg gegen Erzgebirge Aue.

30. Spieltag 2020/2021
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Im Rahmen der Kooperation von Clubfans United mit Total beGlubbt hat sich Felix im Gegnergespräch mit Sarah unterhalten.

Wir fassen das Interview kurz zusammen, in voller Länge zu hören auf meinsportpodcast.de oder im Player am Ende des Artikels. Ebenso die offiziellen Pressekonferenzen aus Nürnberg und Aue.

Das Interview

Die letzten 10 Jahre waren geprägt von Abstiegskampf in Aue. Jetzt ist man in der zweiten Saison in Folge im gesicherten Mittelfeld. Eine erfreuliche Entwicklung?

„Die Chance auf den Rekord: Die sechste Saison in Folge in der zweiten Liga. Das ist eine sehr erfreuliche Aussicht und Entwicklung.“

Das Hinspiel gewann der Club, danach spielte Aue eben wie eine Mittelfeldmannschaft: immer um Platz 9 und mal gewann man, mal verlor man.

„Die Hinrunde lief überdurchschnittlich gut. Mit Beginn der Rückrunde gab es einen kleinen Knick, aber unter dem Strich kann man zufrieden sein.“

Aue ist zu Hause deutlich stärker als auswärts. Gibt es in Zeiten der Pandemie und ohne Zuschauer dafür überhaupt eine logische Antwort?

„Tatsächlich hab ich mir darüber Gedanken gemacht. Auch wenn es keine echte logische Antwort gibt, liegt es vielleicht am Rasen – denn der ist in Aue in der Regel schlecht und macht spielstarken Gegnern zu schaffen. Aber im Ernst: Vielleicht ist es noch die gefühlte Heimstärke, die man aus den letzten Jahren einfach mitgenommen hat. Man war immer stark zu Hause und hat das Wissen einfach als Selbstbewusstsein mitgenommen.“

Spielt man denn zu Hause auch anders?

„Die drei Funktionäre und der Schneeschipper oder aus dem Stuff machen dann doch vielleicht die paar Prozente mehr aus, dass man intensiver in die Zweikämpfe geht.“

Man kommt auch bemerkenswert oft nach Rückschlägen zurück. Ist da die Erfahrung der Mannschaft ein Vorteil?

„Aue ist in der Tat sehr erfahren: 27.2 Jahre. Da wird es nicht viel ältere Mannschaften geben. Dazu spielt man schon lange zusammen. Das ergibt eine mentale Stärke, durch die man sich auch durch individuelle Fehler von Mitspielern nicht aus der Bahn werfen lässt. Das Aue von heute kann zudem Tore schießen, was nicht unbedingt die Stärke der letzten Jahre war, das ist jetzt anders.“

Aber auch das Verteidigen von Führungen ist durchaus eine Stärke. Wenn man dann doch einmal vorne ist, gibt man die Führung nur ungern wieder her.

„Da steht dann eben die sehr erfahrene Abwehr hinten. Daher: Wenn dann mal die Führung steht, arbeiten wirklich alle nach hinten, einschließlich der Stürmer.“

Wie würdest du den typischen Aue-Fußball beschreiben?

„Früher: Hinten mauern und vorne auf einen Konter hoffen. Das hat sich mit Dirk Schuster doch sehr in Richtung zu spielerischen Lösungen verändert. Dazu die bereits beschriebene mentale Stärke. Das Kontern hat man behalten und kann das mit den schnellen Spielern auch gut. Dazu steht mit Männel eine Bank zwischen den Pfosten. Der holt auch einfach mal einen raus. Sogar vom Punkt. Da sagt man Männel eine Quote von 44% gehaltener Elfmeter nach.“

Welche Spieler darf der FCN nicht aus den Augen verlieren?

„Natürlich zuerst der Top-Torjäger Testroet. Der ist immer gefährlich. Aber auch Florian Krüger und Nazarov. Bei Standards geht viel über Hochscheidt, der zudem der Lenker im Mittelfeld ist. Der ist nach einem gewissen Leistungstief jetzt wieder im Kommen. Auch Strauß als schneller Spieler sollte man beachten.“

Florian Krüger sticht mitten in der reifen Mannschaft mit seinen 22 Jahren heraus. Schreit das nicht danach, dass er nicht lange in Aue spielen wird?

„Gute Frage. Vielleicht ist es von Vorteil, dass er gerade ein kleines Formtief hat und seine meisten Scorer-Punkte aus der Vorrunde stammen. Die Gerüchteküche ist recht still. Er stammt aus der Ecke Magdeburg, war aber in seiner Jugend auf Schalke – und da liegt das dann fast nahe, wenn es da wieder hin gehen würde. Wie es aussieht, wäre das allerdings nächste Saison in Sachen Ligazugehörigkeit keine Verbesserung. Aber wenn man sich allein den Marktwert im Verhältnis ansieht: Krüger bei 4 Mio., der ganze Kader liegt bei 14 Mio., der nächste ist dann Testroet mt 800.000. Er hat jetzt auch ein U-Nationalspiel gemacht und hat riesen Potenzial. Es ist daher anzunehmen, dass er nicht mehr lange beim Verein bleiben wird.“

Will man Sandhausens Präsident Glauben schenken, wird es im Sommer eine wahre Schwemme an Spielern geben, die nach einem Verein suchen müssen, weil die Pandemie den Markt so beeinflusst hat. Ist das vielleicht ein Argument erstmal zu bleiben?

„Aue nimmt durchaus viel Geld dadurch ein, wenn sie junge Spieler spielen lassen. Da gibt es eine U21-Regelung des DFB und wie man hört soll Aue allein 550.000 bekommen, wenn sie die jungen Spieler wie Krüger aber auch Baumgart und weitere spielen lassen. Es wäre also nicht nur wegen der sportlichen Qualitäten im Interesse von Aue ihn noch zu halten.“

Es gab viel mediale Aufmerksamkeit für eine Aktion von Aue, die mit einem kleinen Leukämie-kranken Jungen zu tun hat. Was hat es damit auf sich?

„Es gibt eine Verein-gegen-Blutkrebs-Aktion, initiiert übrigens von Fürth, die im Sinne des DKMS auf den Umstand hinweist, dass es zu wenig Spender gibt. Da haben sich 22 Vereine der 1. und 2. Liga zusammengeschlossen. Einer derer, um die es geht, ist Erik (3 Jahre) und schon in der letzten Partie wurde über ein Banner darauf hingewiesen, dass man symbolisch eine Karte für den Heim- oder Gästeblock für 5 Euro kaufen kann, die den Eltern von Erik zu Gute kommen. Und das fand ich dann beeindruckend: Die Auswärtskarten sind schon komplett verkauft und es gab auch schon ein Dankes-Posting in Richtung der Clubfans. Eine wahnsinnig toll angenommene Aktion, gerade auch durch die Clubfans. Und man kann sich auf der Website des Vereins auch immer noch beteiligen, wer sich angesprochen fühlt.“

Zurück auf das Spielfeld: Was erwartest du dir für ein Spiel? Nimmt man das eine Spiel letzte Saison einmal raus, sind das in der Regel keine guten Spiele und der Club gewinnt irgenwie.

„Nur 18% der Spiele gegen den Club gehen an Aue. Aber ich erinnere mich eben noch gut an das 4:3 letzte Saison. Nach 0:0 zur Pause mit verschossenem Elfmeter spät in der Nachspielzeit. Das war einfach ein wahnsinniges Spiel. An eine Wiederholung glaube ich nicht, da fehlen irgendwie die Zuschauer. – Wenn man mit einem Sieg die 40 Punkte voll machen könnte, wäre das ein schönes Ziel. Realistisch aber sieht es nach Remis aus. Vielleicht legt Nürnberg vor und Aue verwandelt in der 2. Halbzeit einen Konter zum 1:1. Und dann wird man mal schauen, wer damit besser leben kann.“


Der Podcast in voller Länge

Audiolänge: 27:44 Minuten | Moderator: Felix Amrhein


Die Pressekonferenz in Aue

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Die Pressekonferenz aus Nürnberg

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Steckbrief Clubfans United

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Foto: Clubfans United / Alle Rechte vorbehalten.

Das Interview führte Felix Amrhein für Total beGlubbt in Zusammenarbeit mit Clubfans United am 19.4.2021. Redaktionell zusammengefasst von Alexander Endl.

23 Gedanken zu „Erinnerungen an ein wahnsinniges Spiel.

  • Seit 24.11.19 in Fürth wieder mit FCN auf dem Feld.
    Schiedsrichter im Erzgebirgsstadion ist Manuel Gräfe (Berlin).
    VAR Bastian Dankert (Rostock).

    Antwort
  • Also der FCN so ähnlich wie der FCB auf dem Betzenberg im Oktober 1973.
    Wie ist Dein reales Gefühl für heute ?

    Antwort
  • Gerade beklagte der Präsident von Real Madrid auf n-tv, dass man wie viele andere große Vereine 2024 pleite sei. Wenn man denn nicht die Super League als rettende Maßnahme einführen würde. Es ist so widerlich…

    Parallel dazu lese ich das Leitbild vom FC Erzgebirge Aue. Werte und Normen. Authenzität und Aufrichtigkeit. Respekt und Bescheidenheit. Und vieles mehr. Nicht nur hohle Phrasen. Denn Wismut Aue hat ohne Zweifel eine bemerkenswerte DNA. Ein bemerkenswerter Verein.

    Dem FC Erzgebirge alles Gute.
    Dem Club heute einen wichtigen Dreier.

    Antwort
    • DFL-Boss Christian Seifert hat es gestern auf den Punkt gebracht (frei wiedergegeben): Wer nach 10 Jahren kontinuierlichem Wachstums in der Branche schon vor der Pandemie auf einem Schuldenberg saß und nun um seine Existenz fürchtet, sollte jetzt nicht um Hilfe schreien und eine Super League fordern.

      Leider trifft das auch auf den FCN zu (ohne Super League). Wer nach 10 Jahren Boom wirtschaftlich am Boden ist, hat etwas falsch gemacht.

      Antwort
      • Die zweite Liga hat zwar auch in einem nicht unerheblichen Ausmaß von den höheren TV-Geldern profitiert, aber ein Boom war es hier sicher nicht. Den gab es an der Spitze der Pyramide, die haben sich dumm und dämlich verdient, von dort ausgehend ist es halt auch nach unten durchgereicht worden. Aber dieses Geld hat in erster Linie dazu geführt, dass die Spieler teurer wurden, weil das Geld halt da war, die Kategorie Spieler, die interessant/leistbar ist deswegen aber nicht größer wird.

        Als Zweitligist kannst du kostendeckend arbeiten, aber große Aufbauarbeit oder das Ansparen eines Polsters ist im Grunde nicht drinnen. Der Club steht da nicht anders da als die meisten Zweitligisten, wenn die Marge derart schmal ist, darf halt nicht viel passieren… Nicht dass der Club keine Fehler gemacht hätte, aber aktuell keine, die einen an den Rande einer Insolvenz rücken sollten.

        Real, Barca und co. sind da eine andere Baustelle – wer mit einer Milliarde Umsatz nicht kostendeckend arbeiten kann, hat vieles, aber kein Einnahmeproblem. Wenn man einem Messi keine 140 Mio. Euro im Jahr zahlen würde, wäre es vermutlich einfacher schwarze Zahlen zu schreiben… Ich glaube ihnen schon, dass sie Corona auf die Probe stellt, aber das sind Vereine, die in fünf Jahren schuldenfrei sein könnten, wenn sie einen Sanierungskurs fahren würden.

        Die Super League ist Sozialismus für Milliardäre, mit Sport hat das in meinen Augen nichts mehr zu tun – sollte die tatsächlich kommen, bin ich dafür, dass sie aus allen anderen Bewerben fliegen. Und das sage ich als Liverpool-Fan. Disgusting.

        Antwort
        • Bin nicht ganz deiner Meinung. Zwar stimme ich dir zu, dass die ganz großen Gelder nur oben flossen, aber auch nach unten war der Zuwachs doch enorm. Die „Misswirtschaft“ war allerdings, da sind wir vielleicht wieder d’accord, gerade in der zweiten Liga kein ausgesprochen Club-spezifisches, sondern eher ein Schwarmversagen. Wenn im Kollektiv alle über den Verhältnissen leben, kann es sich keiner erlauben mit Vernunft auszuscheren (Ausnahmen bestätigen da nur die Regel).

          Ganz freisprechen will man den FCN aber nicht. Mit dem Aufstieg war man vollkommen überraschend beinahe ad hoc saniert. Oder zumindest die größten Sorgen los. Nur mal die These aufgestellt, man hätte nicht versucht krampfhaft den Abstieg zu vermeiden und Gelder für Vorstandswechsel usw. verballert, danach einen Kader auf Links gedreht und den ganzen Stuff gewechselt, man wäre mit einem Ausflug in Liga 1 ein solider Zweitligist geworden, statt wieder einmal die Scherben zusammenkehren zu müssen.

          Nur als These.

          Antwort
          • Zitat Alexander:

            „Mit dem Aufstieg war man vollkommen überraschend beinahe ad hoc saniert. Oder zumindest die größten Sorgen los. Nur mal die These aufgestellt, man hätte nicht versucht krampfhaft den Abstieg zu vermeiden und Gelder für Vorstandswechsel usw. verballert, danach einen Kader auf Links gedreht und den ganzen Stuff gewechselt, man wäre mit einem Ausflug in Liga 1 ein solider Zweitligist geworden, statt wieder einmal die Scherben zusammenkehren zu müssen.“

            Diese These unterschreibe ich mit Ausnahme eines Punktes, der da lautet:

            „…danach einen Kader auf links gedreht…“

            Dass die Schlüsselspieler Ewerton, Leibold, Perreira (Ende der Leihfrist) und Löwen nicht im Kader blieben, kann man den damaligen Club-Verantwortlichen nicht vorwerfen. Und mit den restlichen Spielern, die den Club nach dem Abstieg verließen, hätte der Club auch in der zweiten Liga keine Perspektive gehabt. Dass vorsätzlich „ein Kader auf links gedreht“ wurde, ist für mich nicht erkennbar.

            Antwort
  • Es ist ja auch auffällig, daß genau solche Vereine nach der Super League rufen, die gar keine Rolle mehr in der ersten Reihe international spielen und in extrem boomenden Zeiten hunderte Millionen Schulden angehäuft haben. Ich finde auch Seifert hat alle relevanten Zusammenhänge auf den Punkt sehr gut referiert und sich mehr als deutlich positioniert. Falls es jemanden interessiert finde das top zum Thema Super League

    Wer braucht Real Madrid jetzt freue ich mich auf Aue erstmal heute abend .

    Antwort
  • Also Real, City und Chelsea im CL Halbfinale sind schon sportlich erste Reihe @Juwe.
    In der EL stehen mit United und Arsenal auch 2 unter den Top 4.
    Wenn beide rausfliegen könnte das Finale AS Rom – CF Villarreal früher stattfinden.

    Antwort
  • Gab es je schon einmal einen jüngeren Sturm beim Club ?
    Zwei 19 Jährige !
    Shuranov, Borkowski
    toi, toi, toi den Beiden und der Mannschaft !

    Antwort
  • Die Nachbarn machen ihre Hausaufgaben auf bemerkenswert konsequente Weise und leisten damit auch etwas Schützenhilfe. Im Ronhof steht’s nach 32 Minuten 3:0, das Ding dürfte durch sein.
    Jetzt bitte einen Dreier in Aue!

    Antwort
  • Verdient.
    Hack.

    Zweitliga-Planung 21/22 können beginnen.
    Ab heute heißt es dann: Bonuspunkte sammeln.

    Antwort
  • Dann nächstes Jahr vielleicht gegen Schalke und Hertha BSC, Köln hat ausgerechnet RB Leipzig geschlagen heute 😮 Und Fürth muss man sagen geht da echt mit einer Leichtigkeit durch nie gefährdet der Sieg gegen Braunschweig heute parallel traue ihnen alles zu, daß sie eher sogar direkt aufsteigen.
    Das wird eine interessante nächste Saison hoffentlich dann 2021/22 wieder ohne Pandemie mit Zuschauer. Das gäbe zwar vielleicht kein Derby mehr, aber leckere Spiele gegen die derzeit potentiellen Absteiger und ich glaube auch mit Klauß das wird was… Ach ja wer wollte Klauß nochmal entlassen vor wenigen Wochen, wir brauchen was altes .. zu unerfahren usw. ?

    Antwort

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