In Liga 2 sind alle schlagbar! Und umgekehrt.

Stimmen vor dem Spiel des 1. FC Nürnberg gegen Holstein Kiel.

29. Spieltag 2020/2021
(Nachholspiel)
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Im Rahmen der Kooperation von Clubfans United mit Total beGlubbt hat sich Felix im Gegnergespräch mit Marc unterhalten.

Wir fassen das Interview kurz zusammen, in voller Länge zu hören auf meinsportpodcast.de oder im Player am Ende des Artikels. Ebenso die offiziellen Pressekonferenzen aus Nürnberg und Kiel.

Das Interview

Der Spielplan von Holstein Kiel ist heftig. Ihr habt in etwas mehr als zwei Wochen nun sechs Spiele, darunter das DFB-Pokal-Halbfinale. Man war in der Tabelle vor den beiden Coronapausen so gut platziert und nun möchte man in dieser Terminhatz natürlich trotzdem alle Chancen irgendwie am Leben erhalten. Wie bewertest du das Ganze?

„Das war’s dann. Das war die erste Reaktion nach dem Bekanntwerden der erneuten Corona-Infektion und entsprechender Quarantäne. Dann kommt man mit einem Sieg wieder zurück und die anderen vergeigen alle, dann denkt man ‚warum eigentlich nicht‘. Wenn man jetzt in einen Lauf kommt… Eben wie das DFB-Pokalhalbfinale. Wer dachte schon, dass man Bayern rauswirft: Warum eigentlich nicht auch Dortmund?“

Vor dem Hinspiel habe ich mit Pike an selber Stelle gewitzelt, ob man gegen Bayern in der zweiten Runde nicht abschenken sollte. Das ist im Halbfinale ja keine Option mehr. Hast du ein Gefühl, ob von Trainerseite dennoch etwas in Sachen Belastungssteuerung bei der Aufstellung unternommen wird?

„Man wird versuchen die Chance zu nutzen. So oft wird man in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr in die Position kommen, da muss man eben alles für geben. Finalteilnahme wäre ja historisch. Und dann nächstes Jahr Europapokal? Man hat ja nach Dienstag erstmal ein paar Tage Zeit. Der Spielplan ist nun mal so wie er ist. Da ist auch kaum noch was von Belastung zu steuern. “

Lass uns nochmal zum Spielplan zurückkehren. Ihr spielt in der Liga noch gegen Regensburg (nicht terminiert), Nürnberg, Sandhausen, St. Pauli, Hannover, Karlsruhe und Darmstadt. Das klingt machbar, auch wenn Sandhausen nun zu einer Form gefunden hat, sowie St. Pauli und der KSC nicht unterschätzt werden sollten. Ist das der positive Aspekt in diesem Terminchaos?

„Das ist einfach schwer zu sagen. Wir haben auch schon immer Probleme in Osnabrück und dann kommen wir aus der Quarantäne und gewinnen. Auch wenn da die zweite Hälfte nicht wirklich gut war: Es geht jetzt einfach darum in einen Lauf zu kommen, auch wenn die Gegner spielerisch besser drauf sind. St. Pauli hat ein Hoch, aber das kann bis dahin auch wieder vorbei sein. Schlagbar sind sie alle in der 2. Liga, aber das gilt eben auch anders rum. Es ist einfach nicht einzuschätzen, immerhin geht es auch bei Sandhausen noch um was. Was auch auf deren Belastung sich auswirken wird.“

Schauen wir auf die Entwicklung seit dem letzten Aufeinandertreffen Mitte Dezember. Man war konstant oben drin. Es gab ärgerliche Niederlagen gegen Karlsruhe und Fürth, aber im Coronachaos dann zwei Niederlagen (Bochum, Heidenheim), die noch viel ärgerlicher waren, weil man dadurch ein wenig aus der sehr guten Tabellenposition herausgerutscht ist. Wie beurteilst du die Zeit seit dem Hinspiel?

„Grundsätzlich positiv, weil man oben mitspielen konnte und auch noch guten Fußball spielte. Aber gerade auch weil man trotzdem dann noch 1 oder 3 Punkte mitnehmen konnte, wenn man nicht gut Fußball spielte. – Gegen Bochum und Heidenheim ist es keine Schande zu verlieren. Aber danach war man ja eigentlich raus aus dem Rennen, hatten es nicht mehr in der eigenen Hand. Nun haben aber alle verloren und wenn wir jetzt alles gewinnen, ja dann können wir tatsächlich wieder ganz aus eigener Kraft aufsteigen.“

Schauen wir auf Dienstagabend. Ich habe das Gefühl, dass Kiel einen gewissen Respekt vor dem 1. FC Nürnberg in der aktuellen Verfassung hat. Liege ich da richtig?

„Man kann das einfach nur noch einmal feststellen: Bis auf vielleicht Würzburger Kickers und zuletzt Osnabrück hat die 2. Liga eine extrem hohe Leistungsdichte. Und Nürnberg muss man auf Augenhöhe sehen, gerade nach der eigenen Zwangs-Pause, weil sie eben auch Fußball spielen wollen. Wenn die Gas geben und ins Pressing gehen, sind wir durchaus anfällig. Wenn man da nur von der Tabellensituation ausginge, wäre das fatal.“

Nach wie vor steht Ole Werner nicht der ganze Kader zur Verfügung aus. Mit Alexander Mühling fehlt eventuell einer eurer Toptorschützen. Wie groß ist das dadurch entstehende Problem? Worauf sollte der 1. FC Nürnberg achten?

„Wenn Mühling nicht dabei ist, ist das für Nürnberg schon mal gut. Man sagt hier: Wenn Mühling gut spielt, gewinnt Kiel sicher. Wenn er nicht so gut spielt oder gar nicht dabei ist, wird es eng. Dafür ist Serra wieder dabei und Lee kann zurück ins Mittelfeld, das gleicht das ein Stück weit aus. Reese hat auch richtig Bock und dann ist da noch Bartels. Aber wenn man unser Mittelfeld außer Gefecht setzen kann, fehlt die ganze Kreativität.“

Nürnberg hat zuletzt sehr hoch gepresst. Ist das für Kiel problematisch oder ist die Abwehr spielstark genug?

„Wir wollen von hinten raus aufbauen und spielen deswegen oft hinten rum. Da gibt es schon Gelegenheiten ins Pressing zu kommen. Wenn man dann den Ball verliert, hat man mit den eigenen Geschwindigkeitsdefiziten echte Probleme. Das hat für manche Gegner schon gut geklappt – ist etwas Tagesform-abhängig.“

Statistisch hat Kiel offenbar eine Stärke im Behaupten von Vorsprüngen. Würdest du das unterschreiben? Ist am Dienstag vielleicht sogar entscheidend, wer das erste Tor macht?

„Es ist eine besondere Qualität der Mannschaft, dass sie eine gute Ruhe hat. Egal ob man vorne liegt oder aufholen muss, man hält am Plan fest und behält den Glauben, dass der Erfolg haben wird. Auch wenn man von Außen manchmal gern mehr Aktionismus hätte… Aber so ist es eben unerheblich ob Kiel früh führt oder hinten liegt, denn die Mannschaft wird ihrem Plan so oder so weiter folgen. Bleibt nur die Frage, ob der Plan gut genug ist, um das Spiel zu gewinnen.“

Wie ärgerlich wäre ein verpasster Aufstieg angesichts der Möglichkeit dieses Jahr, abgesehen davon, dass verpasste Aufstiege immer ärgerlich sind?

„Wenn die Chance da ist im Sport, will man sie natürlich nutzen. Aber der Plan ist, dass man sich langfristig in Liga 2 festsetzen will. Und auch wenn man 5ter oder 6ter wird, war das immer noch eine sehr gute Saison. Natürlich weiß man, dass man einen Serra und Lee nicht jedes Jahr hat und nächstes Jahr ein Aufstieg nicht einfacher würde, wenn man sieht, was da so runter kommt. Leichter wird es nicht. – Aber wenn es am Ende nicht reicht und einem ja bewusst ist, dass man gleich zweimal kurz vor Schluss einer Saison in Quarantäne musste… Was will man machen?!“


Der Podcast in voller Länge

Audiolänge: 18:16 Minuten | Moderator: Felix Amrhein


Die Pressekonferenz in Kiel

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Die Pressekonferenz aus Nürnberg

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Foto: Clubfans United / Alle Rechte vorbehalten.

Das Interview führte Felix Amrhein für Total beGlubbt in Zusammenarbeit mit Clubfans United am 26.4.2021. Redaktionell zusammengefasst von Alexander Endl.

34 Gedanken zu „In Liga 2 sind alle schlagbar! Und umgekehrt.

  • Schiedsrichter :
    1 . FC Nürnberg – Holstein Kiel
    Sören Storks ( FLV Westfalen )
    VAR : Martin Petersen (Stuttgart )
    Sören Storks leitete am 3. Spieltag FCN gegen Darmstadt ( 2:3 ).

    Antwort
  • 2012/13 war der KSV noch viertklassig und wäre bei Aufstieg der erste Verein aus Schleswig Holstein
    im Oberhaus.

    Antwort
    • Gegen Kiel alles sauber zu verteidigen ist dann aber auch nicht ganz so einfach.
      Ärgerlicher finde ich die zwei Aluminiumtreffer.

      Antwort
  • Siegtor Dovedan in der Nachspielzeit!!! … und dann wachte ich auf leider eingenickt. Nur geträumt 😮

    Antwort
  • Zwar schade, dass es diesmal nicht zum Dreier gereicht hat, aber dafür kann der Club den sympathischen Kielern mit einem Punktgewinn gegen den HSV vielleicht ja endgültig behilflich sein.

    Klassenerhalt. Ohne Trainerwechsel!

    Bin damit wirklich zufrieden, wenn die letzten Spiele weiter Vollgas gegeben wird (TV-Gelder!).

    Antwort
  • Also ich bin zufrieden mit den letzten Wochen. Die Mannschaft schafft es mittlerweile über weite Strecken der Spiele Leistungen zu zeigen die man von einer Profimannschaft erwarten kann. Nicht mehr diese Stolpereien, blöden Stockfehler und so weiter. Das passt jetzt endlich. Und so sind wir dann auch in der Lage in fast allen Bereichen mit den Top Teams mitzuhalten. Schade das heute das 2:0 nicht gemacht wurde, auch wenn das Remis unter dem Strich schon in Ordnung geht.

    Antwort
    • Seh ich genauso.
      Endlich muss man sich nicht mehr selbst kasteien, um ein Spiel des Club anzusehen.
      Echt schade, dass wir das zweite Tor nicht machen.
      Unterm Strich aber gerechtes Ergebniss!

      Antwort
  • Das war wieder eine sehr intensive Leistung. Schade, dass das 2:0 nicht fiel, drin war es. Stattdessen Doppel-Alu.
    Nach dem Ausgleich wurde die Luft dünner, auch kein Wunder. Mit ganz wenigen Ausnahmen konnte Kiel kaum einen Schritt mit dem Ball machen, schon sprintete ein Glubberer heran. Das war in der Intensität eine Fortsetzung/Steigerung und wirklich beeindruckend.

    Schade, dass sie so spät zeigen, was sie in der Lage sind zu investieren.

    Geil, dass jetzt auch die letzten Zweifler aufatmen können.

    Schön, dass es noch drei Spiele sind.

    Antwort
  • Schade, dass eine Nachlässigkeit hinten heute zum Verlust von zwei Punkten geführt hat. Oder zweifacher Alu-Treffer vorne, je nachdem, wie man es sieht. Ungeachtet dessen hat auch heute wieder Einsatzbereitschaft, Anlauf- und Zweikampfverhalten sowie Laufbereitschaft gestimmt. Auch wenn der Fokus des Spiels sehr zweikampfbetont war, haben alle Beteiligten einen spannenden sowie unterhaltsamen Fußballabend erlebt. Ich bin gerade unschlüssig, ob ich mich über den zuvor unerwarteten Punkt freuen oder mich über den Verlust von zwei Punkten ärgern soll. Glückwunsch jedenfalls zum Verbleib in der zweiten Bundesliga!

    Antwort
    • Sorgenfrei gab es nach der Niederlage in Sandhausen nicht mehr.
      Der KSC und Aue haben eine sorgenfreie Saison gespielt und nicht der FCN.

      Besser als @ Teo kann man über das heutige Match nicht schreiben.

      Antwort
      • Aber gefühlt 50 Jahre später nachtreten ist nicht unbedingt der Stil, den man von einem Spielertypen, der in seiner aktiven Karriere wohlwollend als „still“ bezeichnet werden könnte (andere würden sagen „unscheinbar“), erwarten durfte.

        Für mich wird Hans Meyer immer einer der (im positivsten Sinne) schillerndsten Personen beim Club bleiben, der dazu etwas geschafft hat, was sonst keiner mehr seit 1969 erreichte: Den Briefkopf ändern lassen zu müssen.

        Antwort
    • Ziemlich respektlos, was Schroth da macht. Ein Mental- und Reikicoach, der dermaßen nachtritt. Nicht gerade vertrauenserweckend. Ein selbst ernannter Energiearbeiter, der damit aber mal richtig schlechte Energie verbreitet. Ein Eigentor somit.

      Gehen wir ruhig davon aus, dass Schroth Aufmerksamkeit erregen wollte. Und gehen wir auch davon aus, dass sein Unternehmen diese Aufmerksamkeit benötigt.

      Antwort
      • Außerdem, was soll der Käse? Meyers Magie war sicherlich nicht die Trainingsmethodik, sondern seine Persönlichkeit!

        Antwort
        • Aber echt.

          Lässt irgendwie tief blicken bei Schroth. Ein Mentalcoach, der, mental unbeherrscht, so Zeug absondert, nachtritt und, mit Verlaub, schwurbelt.

          Sollte Hans Meyer dies mitbekommen, dürfte ihn das ein müdes Lächeln kosten.

          Antwort
  • Was ab jetzt kommt, sollte man schon als Vorbereitung für die neue Saison sehen. Das Minimalziel Klassenerhalt ist geschafft, was nicht heisst, dass jetzt alle zufrieden sind. In der Summe war es eine Katastrophensaison. Der Lichtblick sind die letzten Spiele, welche für die nächste Saison Hoffnung machen.

    Antwort
      • Du wirst doch nicht behaupten wollen, dass diese Saison eine Erfolgssaison für den Club war. Ziehn wir mal die letzten Spiele ab, wo es scheinbar aufwärts geht. Was wir davor miterlebt haben und mussten war nichts anderes als unterer Durchschnitt. Nur weil wir jetzt nicht in die dritte Liga gehen müssen und wie gesagt ein Aufwärtstrend erkennbar ist, muss man aber das, was zuvor dem Fan zugemutet wurde nichts anderes als Katastrophe bezeichnen. Sowas darf man nicht einfach vergessen und es muss klar analysiert werden, damit es auch nicht wieder passiert.

        Antwort
        • Es ist keine Erfolgssaison, es ist aber durchaus eine Saison der Fortschritte.

          Erstens: Früher Klassenerhalt ohne Trainerwechsel. Zweitens: Bessere Planung ob frühen Klassenerhalts. Drittens: Einige talentierte Jungs aus dem NLZ wurden konsequent an die erste Mannschaft herangeführt.

          Natürlich werden die Verantwortlichen klar analysieren nach Beendigung dieser Saison – da musst Du Dir keine Sorgen machen, @Hans.

          Vorschlag: Ab in die Sonne. Mit einem Seidla oder einem Gläschen Wein. Und erstmal durchatmen. Dass wir es doch noch relativ klar geschafft haben. Und dass Weichen gestellt wurden für eine hoffentlich bessere Zukunft. Das alles fühlt sich dann nicht wirklich nach „Katastrophe“ an.

          Antwort
          • Sicher, da bin ich mit Dir. Ein Bierchen in der Sonne und hoffen, dass der Aufschwung erhalten bleibt und weitere Fortschritte bringt. Auf keinen Fall nochmal so eine Saison wie diese, denn das halten die Nerven der Clubfans nicht mehr aus. Vielleicht geht ja alles gut und nächstes Jahr um die Zeit spielen wir vorne mit. Letztes Wochenende am Fichtelsee mit einem Maisel im Glas, das kann ich jedem mal empfehlen.

            Antwort
    • In der Summe war es eine Katastrophensaison.

      Das kann man von der letzten Saison behaupten, von dieser nicht, schließlich kommen wir aus einer gewonnenen Relegation in der 96. Minute gegen einen Drittligisten. Von daher gibt es viele Zeichen in dieser Saison, die Mut machen für die Zukunft. Ich bin zufrieden und halte sehr viel von dem Duo Hecking Klauß. Für solche, die es mit der Realität nicht so ganz haben, auch das Duo Azzouzi / Leitl hat in ihrem ersten Jahr gegen den Abstieg gespielt und man sieht bei den Fürthern, was sich aus Ruhe und dem Vertrauen konstant an einem Weg festzuhalten entwickeln kann. Ich persönlich halte unheimlich viel von Klauß, der auch dazugelernt hat, aber für mich als Trainer ein Riesenpotential hat von dem wir noch mehr profitieren werden, er hat in schwierigsten Situtionen Ruhe bewahrt und richtig gute Lösungen gefunden.

      Antwort
  • Was ich Robert Klaus hoch anrechne ist dass er nie jammert auch wenn die Verletztenliste noch so lang ist.

    Antwort

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