Klauß setzt auf Klaus – der FCN vor dem Pokalspiel in Ulm

Am Samstag tritt der Club im Pokal beim SSV Ulm an.

Die Klischees über den DFB-Pokal sind landläufig bekannt: Von eigenen Gesetzen spricht man, von Pokalfights, von David gegen Goliath. Nachdem der Club im Vorjahr selbst der David war – und gegen RB Leipzig am Ende auch chancenlos – ist er nun wieder der Goliath. Der Gegner ist der SSV Ulm. Der ist ein ambitionierter Regionalligist, Robert Klauß spricht von einem „Topteam in der Regionalliga“, aber eben auch nicht mehr. Die Devise für den FCN muss daher am Samstag um 18:30 Uhr auch unzweifelhaft lauten, dass man dieses Spiel gewinnen muss.

Die Pokalhistorie bei den „Spatzen“ sollte aber Warnung genug sein, dass es kein Selbstläufer ist. Von den drei Partien im Pokal konnte der Club nur das Erstundenduell im August 1988 für sich entscheiden. 4:1 gewannt man im Donaustadion durch zwei Tore von Souleyman Sané und je eines von Joachim Philipkowski und Anders Giske. Die Duelle im August 1994 (1:0 n.V.) und 2001 (2:1) dagegen entschieden die Schwaben für sich. 1994 war Ulm drittklassig, 2001 fünftklassig. Gewänne der Viertligist, wäre der FCN in seiner Historie nur gegen den FC Bayern (7x) häufiger im Pokal gescheitert als gegen den SSV Ulm. Die Ulmer würden zum 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf aufschließen, gegen beide ist der FCN bislang drei Mal aus dem Pokal ausgeschieden. Dass der SSV Ulm im Pokal auch in der Gegenwart bestehen kann, zeigten die letzten Jahre. In zwei der letzten drei Spielzeiten überstanden die Spatzen die erste Runde. 2018 gegen den Titelverteidiger aus Frankfurt, letztes Jahr mit einem souveränen 2:0 gegen Aue.

Um eine Wiederholung dieser Erfolge zu verhindern betont Clubtrainer Robert Klauß den Pokal wie ein normales Ligaspiel anzugehen: „Wir machen da keine Unterschiede in der Vorbereitung oder der Analyse. Das ist für uns wie der dritte Spieltag, wir machen da keinen Unterschied, ob wir in Ulm oder in Düsseldorf spielen.“ Zwei personelle Veränderungen kündigte der Chefcoach allerdings doch an. Zum einen wird Christopher Schindler zu seinem Pflichtspieldebüt für den FCN kommen. Er wird Florian Hübner ersetzen, bei dem man versuche „Ruhe in die Schulter“ zu bekommen. Der Neuzugang aus Berlin fällt am Wochende als aus. Zum anderen wird Carl Klaus zwischen den Pfosten stehen. Rober Klauß betonte, dass der Neuzugang aus Darmstadt nicht als Pokalkeeper gesehen wird, sondern bereits am Ende der Vorbereitung entschieden wurde, dass Klaus im Pokalspiel in Ulm zum Einsatz kommen würde. Diese Einigung im Trainerteam sei passiert, weil „die beiden in der Vorbereitung auf Augenhöhe waren“, gab Klauß einen Einblick in die Entscheidungsfindung des Trainerteams. Weiterhin im Kader fehlen wird Robin Hack, dessen Infekt sich als hartnäckiger erwiesen hat. An Spekulationen über einen Abgang nach Bielefeld oder Gladbach, wie sie gestern in der BILD-Zeitung aufkamen, beteiligte sich der Trainer nicht. Er verwies darauf, dass Hack flexibel und wertvoll für die Mannschaft sei, das Transfergeschehen aber Aufgabe von Olaf Rebbe und Dieter Hecking.

Wie die Ulmer spielen werden, ist angesichts der eingeschränkten Erfahrungswerte, schwer einzuschätzen, das führte auch der Clubtrainer an: „Die Einschätzung ist etwas schwieriger, weil sie noch kein Pflichtspiel im Regionalbetrieb hatten, nur Pokalspiele im württembergischen Verbandspokal. Sie haben auch einen Trainerwechsel hinter sich.“ Dieser Trainerwechsel war von Holger Bachthaler auf Thomas Wörle. Bachthaler hatte Ulm in den vergangenen drei Jahren in der Spitzengruppe der Regionalliga Südwest etabliert, den angestrebten Aufstieg aber nie bewerkstelligen konnte. Nun ist mit Thomas Wörle einer der Vorreiter im deutschen Frauenfußball neuer Coach der Ulmer. Wörle war neun Jahre lang Coach beim FC Bayern München und führte diesen 2012 zum DFB-Pokal-Sieg sowie 2015 und 2016 zur Deutschen Meisterschaft. 2019 verließ der heute 39-Jährige Ex-Profi (Offenbach, Fürth) den Verein etwas überraschend, beendete ein Jahr später seine Ausbildung zum Fußballlehrer und heuerte im Juni in Ulm an.

Dort findet er einen etwas veränderten Kader vor. Mit Higl (Osnabrück), Coban (Turgutluspor) und Sapina (Verl) mussten die Ulmer drei wichtige Akteure ziehen lassen, versuchen dies durch die Transfers von Philipp Maier (Schweinfurt), Nicolas Wähling (Regensburg), Ex-Bayernspieler Fabian Benko (Juniors Öberösterreich) und die Leihe von Phil Harres aus Dresden zu kompensieren. Bekannte Namen im Kader dürften neben Ex-Drittligatorschützenkönig Anton Fink vor allem Linksverteidiger Jonas Kehl, der im zweiten Jahr vom FC Bayern ausgeliehen ist und der zentrale Mittelfeldspieler Jannik Rochelt, der im Februar vom FC Bayern II gekommen war. Ein besonderes Spiel dürfte die Partie für Robin Heußer sein. Der 23-Jährige war sieben Jahre beim FCN, spielte 67-mal für die zweite Mannschaft des Clubs. in Ulm ist er seit zwei Jahren unangefochtener Stammspieler und wichtiger Lenker des Spiels.

Inwiefern die Ulmer ihr sehr dominantes Spiel aus den Verbandspokalspielen gegen Nusplingen (11:1), Mietingen (8:0) und Friedrichshafen (6:0), für das sich auch Robin Heußer verantwortlich zeigte, auch gegen den Club aufziehen können, ist natürlich fraglich. Im Sinne des Stils und des Fußballverständnisses von Trainer Wörle wäre es. Dennoch stellte Robert Klauß klar: „Wichtig als Zweitligist ist, dass man die erste Runde übersteht. Das ist essentiell für uns als Mannschaft.“

47 Gedanken zu „Klauß setzt auf Klaus – der FCN vor dem Pokalspiel in Ulm

    • Dreggerd im Elferschiessen reicht völlig aus. Auch so kann man Pokalsieger werden. (Oder gar Europameister…)

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  • Das schöne an diesem Spiel ist, dass es nicht (schon wieder) mit einem Unentschieden enden wird. Danach wird man dann eher ein Urteil darüber treffen können, wie weit die „Entwicklung“ der Mannschaft ist.

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    • Schwieriges Spiel, weil Ulm danach nicht gegen Aue oder Paderborn spielt. Sonst könnte man sagen, daß der, der oder der Gegner ja echt klasse ist, in der aktuellen Saison und Lage und ein Unentschieden ein echter Erfolg ist. Das wäre dann keine Entschuldigung sondern eine Erklärung. Aber im DFB Pokal gibt’s kein Unentschieden. Wird das dann erklärt oder entschuldigt?

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      • Genau, so ist es richtig! Immer gleich mit der Erwartung des Misserfolgs den Tag angehen. 🙄

        Da wird es nichts zu entschuldigen geben, nur zu erklären, warum man gewonnen hat. 😉

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  • Also ich erwarte ein sicheres Weiterkommen, das muß man einfach bei der Konstellation und 2 Ligen Unterschied. Interessant ist ich bin sehr gespannt auf das erste Pflichtspiel von Schindler und dem 2. Torwart Carl Klaus, also interessant ist es dennoch.

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    • Ich finde es jedenfalls beachtenswert, dass Klaus (aus der 2. Reihe eines Zweitligisten) mit Mathenia auf Augenhöhe sein soll und der mit Vorschusslorbeeren hochgelobte Bayern-Nachwuchskeeper (der Neuer der Zukunft) keine Chance auf Einsätze hatte. Scheinbar gut gescoutet, diesmal, anstatt sich von der Herkunft blenden zu lassen…

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    • Ich würde mir endlich mal einen souveränen Auftritt im Pokal wünschen, keinen Ausrutscher, kein dahingestottertes 2:0 in der Nachspielzeit.

      Gerade nach den ersten beiden Auftritten in der Liga möchte ich sehen, was sie offensiv wirklich drauf haben, wenn sie das Spiel machen müssen. In meinen Augen eine Partie für Schäffler und Shuranov in der Zentrale, weil Bälle sollten wir doch genug in die Box bringen können.

      Im Idealfall wissen wir auch nach diesem Spiel nicht, was Carl Klaus wirklich kann.

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      • …und vor allem wissen wir dann auch nicht, was er nicht kann 😀

        aber mach Dir keine Hoffnung, @xxandl, als führende Dramaqueen sind bei uns unaufgeregte Auftritte nicht im Portfolio!

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  • Ich fürchte auch, dass Carl Klaus hier und da mal zeigen darf, was er so drauf hat. Unsere Innenverteidigung ist mit Christopher Schindler für Hübner ja auch nicht nur nicht eingespielt, sondern Schindler muss sich auch erst wieder auf Liganiveau ranarbeiten.

    Bei Hack sind es laut Kicker inzwischen drei Interessenten aus der ersten Liga. Da sollte man doch bitte mehr rausholen können als unter 2,5 Mio., eine Summe, die mich ohnehin etwas verwundert hatte.

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    • Nicht wundern 😉:

      Florian Krüger, 22, Stürmer, MW 4 Millionen, letzte Saison 11 Tore und 7 Vorlagen für Aue, ein Einsatz bei U21 EM,

      Ablöse: 1 Million

      Johannes Eggestein, 23, Stürmer, MW 4 Millionen, 11 Spiele für die deutsche U21,
      Letzte Saison 12 Tore und 7 Vorlagen in 28 Spielen für den LASK

      Ablöse 1 Million

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      • Also Potential alles gut und schön, aber davon gabs schon unzählige Talente wirklich unzählige. Talente, die es nie geschafft haben, davon können sie auch beim FCN La Paloma vorwärts und rückwärts pfeiffen. Bei Hack muß man eben hinterlegen wieviele starke Saisons hat er denn schon absolviert – wir sprechen von der 2. Liga? Da war mit Abstrichen eine. Vor Corona war es vorstellbar, aber jetzt glaube ich können wir froh sein wenn es etwas zwischen 1-2 Mio wird. Er ist Zweitligaspieler und Bäume hat er selbst da noch keine ausgerissen von einzelnen Situationen abgesehen. Leider zu selten.

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  • Mal schauen, wie sich Olaf anstellt in Sachen Robin Hack.
    Mit einem einzigen geschickt verhandelten Transfer könnte er gleich seinen eigenen Jahresverdienst zusätzlich rausholen.

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  • Im Online-kicker ist Rosenlöcher auf der Ersatzbank- ist der nach seiner roten Karte und der Drei-Spiele-Sperre überhaupt schon spielberechtigt?

    Es wäre jedenfalls irgendwie typisch für den Club, falls er das Spiel gewinnen sollte, dass Rosenlöcher kurz vor Schluss eingewechselt werden würde und für den Club daraufhin am Grünen Tisch nach der ersten Runde Schluss wäre.

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  • Gut war das nicht was die Mannschaft da in der ersten Halbzeit gezeigt hat. Da muss eine Steigerung her sonst wirds eng.

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  • Das läuft genau, wie leider größtenteils erwartet.. 😬
    Kann der Club auch mal souverän so ein Spiel nach Hause fahren????🙄

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  • Unser Handwerker hat immer einen Gesichtsausdruck, als wäre ihm alles eine Last. Positive Ausstrahlung sieht irgendwie anders aus.

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    • Ja fällt auf, der braucht dringend nen Mental- und Motivationscoach. Im späteren Spielverlauf kommt dann auch noch meist die passende Körperhaltung bei ihm dazu. Er schleppt sich dann wie ein Yeti mit hängenden Armen über den Platz. Ich würde gerne mal den Fischer stattdessen sehen.

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        • Vielleicht etwas übertrieben, aber war schon ernüchternd, dass er nach gutem Beginn stark nachgelassen hat und dann in der zweiten Halbzeit abgemeldet war. Dass die Verwantwortlichen überlegen, das Geld für Hack (Sky sprach gestern davon, dass mit Bielefeld weitgehend Einigung bestehe, mal schauen, ob das so stimmt) in einen Linksverteidiger zu investieren, spricht auch nicht für Vertrauen ins bestehende Personal.

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        • Ok, muss zugeben habe Fischer in allen Vorbereitungsspielen gesehen aber nicht gegen Bayreuth.

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  • Pokal echt seltsam, Fürth liegt sogar in Babelsberg zurück. Hoffentlich machen wir es besser

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    • Wie @Lupus schon schrieb, bereitete Taylan Duman sein schönes Tor selbst mit vor – auch in der Entstehung daher klasse.

      Gut gewechselt von Robert Klauß, der Duman zu Recht für den heute in meinen Augen viel zu eigensinnigen Nürnberger brachte.

      Tom Krauß auch stark. Er wird mal ein richtig Guter.

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  • Pflichtaufgabe erledigt. Mehr aber halt auch nicht. Noch durchaus Luft nach oben. Man hatte irgendwie zu keinem Zeitpunkt den Eindruck eines deutlichen Klassenunterschiedes, indem ein ambitionierter Zweitligist gegen einen Regionalligisten spielt. Ulm hat sich vor eigenem Publikum sehr ordentlich präsentiert. Am Ende aber wurscht, Hauptsache eine Runde weiter.

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  • und Fürth gegen Regionalligisten Babelsberg raus aus dem Pokal. Ich will mir gar nicht ausmalen, wenn Haaland & Co. im Ronhof zugange sind.

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  • Meine Euphorie nach drei ganz schlimmen und fußballerisch schlechten Jahren kennt nach dem 1:0 Auswärtssieg (erster Saisonsieg überhaupt) gegen den SSV Ulm, noch dazu auswärts in Ulm, fast keine Grenzen mehr. Jetzt kann es keine Ausreden mehr geben, nicht live vor Ort dabei im Stadion zu sein und diese Mannschaft auf dem praktisch unaufhaltsamen Weg auf Platz 10 in der 2. Bundesliga weiter zu unterstützen.

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    • Das wird mein Mustertext, wenn mich jemand auswärtiges fragt, wie sich Euphorie in Franken äußert 🤓

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      • Braucht man nichtmal Text, ein paar Minuten Video reichen aus, besonders ab der Minute 4:00 …erst die Gesichter und dann das Erdbeben fränkischer Emotionen.

        nur nebenbei erst ein gutes Jahr her. Also Geduld…

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  • Krass fand ich heute die permanenten Beleidigungen der Ulmer Szene, die im TV deutlich zu hören waren. „Jeder Franke ist ein H-Sohn…“ war mehrfach zu hören. Die Szene zum Ende hin mit Borkowski interpretiere ich so, dass er genau diese Ulmer Szene zurück provoziert hat. Deshalb ist auch der Ulmer Kapitän auf ihn los und es gab das Gerangel.

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    • Pöbeleien von den Rängen sind wahrlich nix Neues, auch von Nürnberger Seite wurde fleißig rumgepöbelt.
      Der Nürnberger Spieler pöbelt gegen den Ulmer Fanblock. Nur weil ein Zaun dazwischen ist, denkt er, er kann dies tun. Aber Reichert auf dem Platz hat ihm die passende Antwort gegeben. Ulmer Fans sind eben nicht nur auf den Rängen, sondern auch auf dem Platz. Jeder in Ulm freut sich über Reicherts Reaktion 🙂

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  • Was ist das eigentlich für ein miserables Jahr des deutschen Sports? Erst der jämmerliche Auftritt der Nationalmannschaft bei der EM, jetzt ein erbärmliches Abschneiden des Olympiateams in Tokio. Da sollte der zuständige Minister dann schon die Konsequenzen ziehen.

    TRETEN SIE ZURÜCK, HERR SEEHOFER!

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    • So eine Forderung bleibt der menschenfeindlichen Bild vorbehalten! 😮 Das ist deren Kernkompetenz

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      • „Herr Vogts, bitte unterschreiben Sie hier“, titelte die Bild-Zeitung 1994 ein durchaus perfides und respektloses Rücktrittsgesuch.

        Berti blieb, holte 1996 den EM-Titel mit einer Mannschaft, der man das nicht zutraute und die gebeutelt wurde von Verletzungen. Insbesondere aber leistete Vogts über Jahre gute Nachwuchsarbeit und erstellte wertvolle Konzepte. Ohne diese wäre der Titel 2014 vielleicht gar nicht möglich gewesen. Berti Vogts wurde verkannt – unter tatkräftiger Mithilfe der „Bild“.

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