Noch mehr junge Spieler? – Statistische Darstellung der Altersstruktur in der Zweiten Liga, Teil 2

Ein Blick auf die Altersstruktur der eingesetzten Spieler bei Meistern, Aufsteigern, in der Zweiten Liga und beim FCN.

Vor einigen Wochen haben wir an dieser Stelle erstmals auf die Altersverteilung der Zweitligisten geschaut, mit knapp 37 Prozent der möglichen Einsatzminuten an Spieler im Alter von 23 oder jünger (Stichtag: 1.9.2021) war der FCN nach dem 5. Spieltag auf Rang drei der Rangliste hinter Bremen und Ingolstadt. Über die letzten vier Spieltage hat der Club seinen Anteil sogar noch leicht erhöht. Er steht jetzt bei 38,7 Prozent Einsatzminuten für U23-Spieler. Verantwortlich dafür sind die geringfügig gestiegenen Einsatzzeiten von Kilian Fischer und Lukas Schleimer, welche die alten Hasen Enrico Valentini (für eine Halbzeit) und Manuel Schäffler (während dessen Sperre) ersetzten. Damit hat der Club nun Ingolstadt im Ranking überholt, nur Werder Bremen liegt noch weit vor dem FCN. Am anderen Ende des Spektrums liegt der SV Sandhausen, bei dem Spieler unter 24 Jahren nur einen Anteil von 3,7 Prozent an den Einsatzminuten haben. Die Auffälligkeit, dass der HSV gar keinen Spieler über 30 eingesetzt hat, setzt auch nach dem 9. Spieltag fort. Es ist der einzige Fall, wo eine Mannschaft gar keinen Spieler aus dem jeweiligen Bereich zum Einsatz gebracht hat.

Anteil U23-Spieler bei Top20-Meistern 2020/21 (Klick aufs Bild vergrößert die Grafik)

Nimmt man nur die Spieler unter 21, ist das Bild ein wenig verändert. Dann landet zwar immer noch der SV Werder Bremen auf Platz 1 des Rankings, es folgen jedoch dann der FC Schalke 04 und der HSV, sowie danach der FC Ingolstadt. Der Club folgt dann auf Rang fünf. Spannend in diesem Ranking sind vor allem die Unterschiede beim SC Paderborn und beim SSV Jahn Regensburg. Beide Team haben relativ hohe U23-Quoten, fallen aber dann bei den U21-Quoten auf die hinteren Plätze. Es werden von beiden Mannschaften also quasi „ältere junge“ Spieler eingesetzt. Letztendlich lassen sich die hohen U21-Zahlen bei den Bundesligaabsteigern natürlich über die NLZ erklären, die in den vergangenen Jahren -gerade beim FC Schalke – immer wieder auch erfolgreich Jugendfußball gespielt haben. Die Talente aus diesen Reihen einzubauen ist wahrscheinlich einfacher als bei Regensburg, Aue oder Sandhausen, deren U19 auch heute noch nicht in der Bundesliga spielen, obwohl die Junioren-Bundesligen inzwischen 57 Vereine umfassen. Hier liegt natürlich auch eines der Kernprobleme. Ein einfaches Einsetzen von jungen Spielern macht eine Mannschaft per se nicht besser. Eine gewisse Qualität muss bei den jungen Spielern auch vorhanden sein. Die Verantwortlichen in Sandhausen, Karlsruhe oder Hannover sehen dies anscheinend nicht gegeben.

Anteil der U21-Spieler (Klick aufs Bild vergrößert die Grafik)

Die Untersuchungen und das Weiterverfolgen der jeweiligen Einsatzzeiten hat über die puren Erkenntnisse der Altersstrukturen auch noch zwei interessante „Beifänge“ ergeben. Zum einen handelt es sich um die Einsatzzeiten der jeweiligen Local Player, also jener Spieler, die folgenden Kriterien nach Paragraph 5b der Lizenzordnung Spiele (LOS) der DFL entsprechen: „Spieler, der für drei vollständige Spielzeiten, gleich, ob aufeinander folgend oder nicht, oder über einen Zeitraum von 36 Monaten zwischen seinem 15. (oder dem Beginn der Spielzeit, in der der Spieler das 15. Lebensjahr abschließt) und seinem 21. Lebensjahr (oder dem Ende der Spielzeit, in der der Spieler das 21. Lebensjahr abschließt) bei seinem aktuellen Club registriert und spielberechtigt war.“ Beim 1. FC Nürnberg betrifft dies Lukas Schleimer, Erik Shuranov, Fabian Nürnberger, Tim Latteier, Linus Rosenlöcher, Pascal Köpke und Kapitän Enrico Valentini. Die Liste umfasst also auch ältere Spieler, die nicht ihre ganze Karriere beim Ausbildungsverein verbracht haben – in der unten stehenden Grafik u.a. auch Fin Bartels bei Holstein Kiel. In dieser Wertung ist der FC Ingolstadt 04 der Verein mit den meisten Minuten für im eigenen Verein ausgebildete Spieler. Es folgen Bremen und der FCN auf den ersten drei Plätzen. Interessant hier beispielweise der SV Darmstadt. Die Lilien kommen zwar auf knapp 20 Prozent Minuten für U23-Spieler. Bei den „lokal ausgebildeten Spielern“ liegen die Hessen aber unter einem Prozent der Einsatzminuten.

Minuten der Spieler unter der Local Player Regelung (Klick aufs Blick vergrößert die Grafik)

Der zweite „Beifang“ betrifft die tatsächlich bestrittenen Minuten. Eine normale Berechnung der Einsatzminuten würde einfach von 90 Minuten pro Partie ausgehen und damit nach neun Spieltagen eine maximale Spielzeit von 810 Minuten zu Buche stehen haben. Die Realität auf dem Platz sieht natürlich anders aus. Es gibt in beiden Halbzeiten teilweise massive Nachspielzeiten, die die tatsächlichen Einsatzzeiten deutlich verlängern. So dauerten beispielweise die beiden Spiele des FCN gegen Karlsruhe und in Regensburg in der Addition 102 Minuten. Betrachtet man nun die kumulierten Einsatzzeiten aller Zweitligisten, so fällt auf, dass der Club und der HSV mit 887 und 888 tatsächlichen Minuten deutlich länger auf dem Platz standen als beispielweise Holstein Kiel. Die Störche kommen auf gerade einmal 853 Minuten, also schon 35 Minuten weniger als der HSV. Die Erklärungsversuche hierfür sind natürlich mannigfaltig und laden zum Spekulieren ein. Erhält der große HSV mehr Spielzeit, um am Ende noch ein passendes Ergebnis zu bekommen? Schinden die Spieler des FCN so viel Zeit, dass alles nachgespielt werden muss? Haben die Kieler einfach nur so klare Ergebnisse, dass man gar nicht auf Nachspielzeit kommt? Keine Korrelation besteht allerdings mit der Anzahl der Fouls im Spiel. So hat beispielsweise Regensburg im Schnitt die Spiele mit den meisten Fouls mit 24,7 Fouls pro Spiel, kommt aber nur auf 864 Minuten, also 54 Minuten, oder 6 Minuten pro Spiel, extra.

Tatsächliche Minuten auf dem Feld (Klick aufs Blick vergrößert die Grafik)

In der Galerie unter dem Artikel finden sich erneut für alle 18 Zweitligisten die Kadergrafiken. Beim FCN sieht man mit Sörensen und Mathenia noch zwei Spieler mit der vollen möglichen Einsatzzeit von 887 Minuten. Der Clubkeeper gehört damit zu den insgesamt 13 Torhütern, die noch keine Minute verpasst haben. Die anderen lauten: Männel (Aue), Huth (Paderborn), Buntic (Ingolstadt), Gersbeck (KSC), Meyer (Regensburg), Kolke (Rostock), Heuer Fernandes (HSV), Zieler (Hannover), Broll (Dresden), Müller (Heidenheim), Zetterer (Bremen) und Vasilj (St. Pauli). Der dänische Innenverteidiger Sörensen ist einer von 15 Feldspielern, die jeden Augenblick der Spiele ihrer Mannschaft auf dem Platz standen. Die weiteren Dauerbrenner sind: Gonther (Aue), Hünemeier, Schallenberg (Paderborn), Klarer (Düsseldorf), Kobald (KSC), Gimber (Regensburg), David (HSV), Sollbauer, Y. Stark (Dresden), Hüsing (Heidenheim), Holland (Darmstadt), Zhirov (Sandhausen), Wahl (Kiel) und Kaminski (Schalke). Gerade bei den Feldspielern ist so früh eine so geringe Anzahl an Spielern mit voller Spielzeit mit der erhöhten Anzahl an Auswechslungen zu erklären.


Hinweis zu Terminologie und Methodik: Die Begriffe „U21“, „U23“ und „Ü30“ werden hier im fußballerischen Sinne verwendet, nicht im mathematischen. Das heißt „U23“ schließt 23-Jährige ein, nicht aus. Die Verwendung von Minuten bietet sich als genaueste Maßeinheit an, da die reine Anzahl der Spiele verzerrt, schließlich wird hier eine Einwechslung in der vierten Minute der Nachspielzeit und ein Spiel über die volle Distanz beide gleich gewertet.

6 Gedanken zu „Noch mehr junge Spieler? – Statistische Darstellung der Altersstruktur in der Zweiten Liga, Teil 2

    • Bis Hoffenheim oder jemand anderes wieder die Spieler wegkauft. So ein Shuranov wächst leider nicht auf Bäumen.
      Heute hab ich 2. Liga angeschaut, war durchweg spannend und danach etwas 1. Liga. Da geht es schon los, welche „Projekte“ ich keinesfalls anschauen will. Blieb also Färrd gegen Bochum. War das ein grausamer Kick. Hab dann auf Leicester gegen ManU geschaltet. Da gibt es auch, wenn auch gestützt auf gleichem Steuerhinterziehungs-Blutgeld-Kapitaleinsatz von Milliardären dieser Welt, Wettbewerb.

      Die 1. Deutsche Liga ist aber echt sowas von völlig uninteressant geworden. Ist echt der Hammer.

      Antwort
      • Ja, da stellt man sich echt die Frage, ob es überhaupt noch erstrebenswert ist in die erste Liga zu kommen. Nur das Geld ist noch ein Argument!

        Antwort
        • Prinzipiell Ja aber bloß nicht schon am Ende dieser Saison.
          Bei uns sind die Verhältnisse bzgl Geld noch im weitesten Sinn respektabel, wenn man aber sieht, was in der Premier League abgeht, wo sich jetzt auch noch Saudi Arabien mit der Newcastle Übernahme eingekauft hat, nein absolut nicht erstrebenswert. Ich glaube wenn es bei uns soweit kommt, dass sich Regime an deren Händen Blut klebt in unseren Fußball einkaufen, ist für mich Schluß. Dann schau ich mir nur noch Regionalliga an

          Antwort
  • Ist schon richtig. Die 1. Liga ist recht uninteressant geworden. Und wenn man nun noch Fan von Fürth ist und so von Spiel zu Spiel dahinsiecht gegen Mannschaften, die ja eigentlich gar nicht so stark sind, dann fragt man sich schon. Da schau ich mir lieber ein Spiel gegen HSV, St. Pauli, Schalke oder Hannover an, als gegen Wolfsburg, Leverkusen oder Hoffenheim. Ausser natürlich Bayern oder Dortmund. Das ist schon ein Kracher. Wenn man natürlich Fan einer Mannschaft ist, die da dann überhaupt keine Chance hat, dann wirds auch wieder langweilig. Konkurrenzfähig sollte man schon sein in der 1. Liga.

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  • 1:0 Club!
    Tom Krauß.
    #unbesiegbar
    #läuft

    Schade, dass es keinen Vorberichts- bzw. SPieltagsthread gibt.

    Antwort

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