Momente der Entscheidung

17. Minute: Handwerker flankt und Schäffler köpft den Ball an den linken Pfosten des gegnerischen Tors. Pech gehabt! Und – Glück gehabt! Der Ball prallt Schindler direkt vor die Füße. Tor! Tor! Tor für den Club! Kein Tor! Nein, kein Tor! Schindler säbelt über den Ball! Völlig frei stehend säbelt Schinder über den Ball, der ihm – welch ein Glück! – einschussbereit vor die Füße fiel! Was für eine Gurke von Schindler! Doch gemach, Freunde. Wahrscheinlich hätte das Tor, das im Normalfall gefallen wäre, nicht gezählt. Die Szene wäre im Kölner Keller überprüft worden und die Prüfer hätten wohl festgestellt, dass sich Schäffler im Moment von Handwerkers Abspiel mit einem justiziablen Körperteil (eine abstehende Haarlocke, ein nicht kurz genug geschnittener Zehennagel, eine etwas zu stark ausgeprägte Wölbung im Schritt) jenseits der virtuellen Linie befand, die die Messlatte für die Abseitsfrage ist. Halten wir es Schindler zugute, dass er uns im Wissen um das nachträgliche Einschreiten der Regelhüter einen verfrühten Torschrei ersparte.

20. Minute: Valentini kommt zu spät in den Zweikampf, Sörensen lässt sich hüftsteif austanzen, Mathenia pariert per Faustabwehr und ein Schalker schießt den Ball ins Tor. 0:1. Warum der Schalker nicht wie drei Minuten zuvor Schindler über den Ball säbelte, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden.

34. Minute: MMD nutzt im Pressing einen Fehler des Torwarts der stark ersatzgeschwächten Schalker Mannschaft (klick), passt den Ball verblüffender Weise aber nicht zu dem frei vor dem leeren Tor postierten Shuranov, sondern schießt aus spitzem Winkel den den Winkel verkürzenden Torwart an. “Da hat Möller Daehli die falsche Entscheidung getroffen”, kommentiert der Mann im Fernseher.

36. Minute: Nürnberger taucht nach einem guten Pass von Handwerker frei vor dem Torwart der stark ersatzgeschwächten Schalker Mannschaft auf, schießt diesen an und Schäffler befördet den Abpraller aus 16 Metern ins Tor. 1:1! Nee, nicht 1:1. Abgepfiffen. Nürnberger im Abseits. Aber der war doch gar nicht abseits. Die virtuelle Linie zeigt es eindeutig. Nürnberger war nicht im Abseits, mit keinem justiziablen Körperteil! Also doch 1:1? Nee, nee, nicht 1:1. Warum denn nicht? Weil der Schiedsrichter vor Schäfflers Schuss abgepfiffen hatte. Schäfflers Schuss fand in einer Spielunterbrechung statt. Und in Spielunterbrechungen erzielte Tore zählen nicht. Ist doch klar. Genauso wie es klar ist, dass der Schiedsrichterpfiff irregulär war (falsche Entscheidung…). Der Schiedsrichter hätte das Spiel weiterlaufen lassen und die Entscheidung der Regelhüter im Kölner Keller abwarten müssen. Die hätten gesehen, dass Nürnberger nicht abseits war. Schiri, du Drecksau! Abstechen die Sau! Immer wieder der Club! Immer wieder wird der Club betrogen! Betrug! Schweinerei! O stecht sie ab, o stecht sie ab, die schwarze Sau! Gemach, Freunde, gemach. Hätte der Schiedsrichter nicht gepfiffen, hätte der Torwart des stark ersatzgeschwächten Gegners bei Schäfflers Schuss nicht regungslos verharrt, sondern den Ball wohl gehalten. Hätte allerdings schon Nürnberger ins Tor getroffen (was vielleicht nicht ganz einfach, aber durchaus zu bewerkstelligen gewesen wäre), stünde es jetzt 1:1. Was natürlich nichts daran ändert, dass der Schiedsrichter ein…

…Rindvieh ist.

66. Minute: Beim Stande von 1:1 – der Club hatte in der 49. Minute nach einer schönen Valentini-Flanke und einer schönen Kopfballablage von Schäffler durch Nürnberger ausgeglichen – köpft Schäffler einen Schalker Eckball aus dem Strafraum, ein Schalker nimmt den Ball auf, zieht ab und Schäffler hält seinen Kopf in den Schuss, der das Ziel mehr oder weniger weit verfehlt hätte, und bugsiert den Ball ins eigene Tor. 2:1 für den stark ersatzgeschwächten Gegner in einer Phase, in der es den Anschein hatte, als hätte der Club das Spielgeschehen ganz gut im Griff.

85. Minute: Schäffler verliert in einer guten Kontersituation an der Mittellinie den Ball, Schalke setzt schnell um, Schuss aus 18 Metern, Mathenia pariert, ein mitgelaufener Schalker erhascht den Abpraller und erzielt das 3:1.

Spiel ge-…

…laufen: Schindlers Kiste (die eine Kiste bleibt, auch wenn das Tor vielleicht nicht gezählt hätte) … Valentinis Zu-spät-Kommen gepaart mit Sörensens Hüftsteifheit … MMDs “falsche Entscheidung” … Schäfflers kopflose Verkopftheit … Schäfflers unnötiger Balllverlust … Momente der Entscheidung, die das Spiel, das letztlich 1:4 endete, entschieden.

So weit, so gut, äh…

…schlecht: Wer Fehler macht, verliert. Wer falsche Entscheidungen trifft, bleibt auf der Strecke. Das gilt im Fußball wie im Leben. Damit hat man sich als Anhänger des neunmaligen deutschen Meisters und vierfachen Pokalsiegers längst abgefunden, und wer das noch nicht getan hat, sollte es dann mal tun.

Tja.

Dem einen fällt’s leichter, dem anderen schwerer. Der eine sagt nach MMDs blindgängerischer Assistverweigerung in der 34. Spielminute: “Falsche Entscheidung halt, so what.” Der andere hat sie auch nach viermal schlafen nicht vergessen. Falsche…

…Entscheidung?  Was gab’s da eigentlich zu entscheiden? Das war doch eine glasklare Spielsituation. Wenn ich mir ein Bier einschenke, gieß’ ich den Flascheninhalt doch nicht auf den Tisch, sondern ins Glas. Außer ich bin besoffen. Oder ich treibe…

Unfug.

[Zum Spiel: klick, klick.]

16 Gedanken zu „Momente der Entscheidung

  • Vergessen wir das Spiel und denken an die Zukunft. Wir dürfen jetzt den Anschluss nach vorne nicht verlieren. Gerade jetzt in Aue zu spielen ist natürlich sehr undankbar, weil die Auer voll unter Zugzwang stehen und das kein Spatziergang werden wird. Aber man kann es sich halt nicht aussuchen. Gut wäre, wenn das Spiel abgesagt werden würde. Sei es wegen Unbespielbarkeit des Platzes oder sonstwas. Mal sehen, was da geht.

    Antwort
    • Absagen? Lieber 3 Punkte holen und den zuletzt negativen Punktetrend stoppen!

      Aue ist immer ein unangenehmer Gegner, viel Kampf, viele Sprints, dreckige Trikots, kein Schöngespiele. Aber auch einer, gegen den man immer gewinnen kann. Ich setze auf eine Trotzreaktion der Mannschaft. Die jetzt für die Verletzten ran dürfen, werden sich beweisen wollen. Das Team wird noch ein letztes Mal alles raushauen und dann erschöpft in die kurzen Weihnachtsferien (mit Fitness-Programm) taumeln.

      Wir gewinnen. Egal wie knapp und glücklich, die 3 Punkte wandern an den Valznerweiher!

      Antwort
      • Wenn die wirklich 3 Punkte in Aue holen, dann Respekt. Die Auer werden kämpfen bis zum Umfallen. Trainer Hensel wird ausserdem voll unter Strom stehen. Wenn wir das schaffen, in dieser Situation 3 Punkte in Aue zu holen, dann können wir auch aufsteigen, denn dann haben wir das Zeug dazu.

        Antwort
  • Aue stürmt, beißt, kämpft und will.
    Der Club schaut zu und konntert nüchtern dreifach zum Sieg.
    #30Punktenach18Spielen

    Antwort
    • Schön wär’s!

      “Konntert” kommt von können 😉

      Dann hoffen wir mal, dass wir unsere Konter besser ausspielen!

      Antwort
  • Gut gefüllt, die Hütte in Kiel. 2:0 für Holstein nach 30 Minuten. Tolle Atmosphäre. Und auch eine hübsche Einnahme für die Gastgeber.

    Im neuen Jahr muss Schluss sein mit dieser Wettbewerbs-Verzerrung! Eine Liga ist eine Liga ist eine Liga. Entweder ligaweit Geisterspiele. Oder eben Unterbrechung des Spielbetriebs. Aber hier volle Hütte und dort leere Ränge geht gar nicht – zumindest nicht über Monate, was aber aktuell zu befürchten ist.

    Antwort
  • @ fränki.
    Absolut richtig.

    Düsseldorf gewinnt in Darmstadt und verliert gegen Sandhausen daheim.
    Gratuliere allen die heute 2. Bundesliga richtig getippt haben.

    Antwort
    • Klaus Allofs ist jetzt in der gleichen Lage wie Dieter Hecking im März. Als Robert Klauß (37) aufgrund einer schwachen Phase bei einigen in der Kritik stand. Hält Allofs an Christian Preußer (37) fest?

      Die beiden von Dir genannten Spiele hab ich vermasselt. Bei Darmstadt vs. Düsseldorf damals hab ich auf das deutlich bessere Momentum gesetzt bzw. das Momentum übergewichtet – das war falsch. Bei Düsseldorf vs. Sandhausen heute lag ich mit einem getippten 1:1 irgendwie im Ansatz richtig, aber letzten Endes unterm Strich doch falsch.

      Sandhausen auswärts und somit im Tief-Stehen relativ stark. Düsseldorf mit dem Ball noch nicht der Hit, aber im Umschalten ganz okay. In Darmstadt überließ die Fortuna den Lilien den Ball, was den Südhessen nicht wirklich gefällt. Und so ist der überraschende Sieg von Düsseldorf in Darmstadt gar nicht so überraschend

      Ich denke, dass die Spielweise in dieser relativ ausgeglichenen Liga schon auch immer eine größere Rolle spielt. Beziehungsweise inwiefern die Spielweise von Mannschaft A kompatibel ist mit der von Team B.

      Daher würde es mich auch wundern, wenn Darmstadt – bei allem Respekt – mit dieser reaktiven Masche plus Standards am Ende ganz oben steht. Glaube, dass man beides gut können muss, um aufzusteigen – das Spiel mit dem Ball und das Spiel gegen den Ball. Der Club kann beides mittlerweile ganz ordentlich, aber eben noch nicht gut genug. Betonung auf “noch”.

      Sehr guter Text dazu 😉
      https://www.clubfans-united.de/2021/11/14/was-spielen-die-eigentlich-die-spielstile-der-zweitligisten/

      Antwort
      • Ich glaube am Ende werden wir die 3 Großen oben sehen, HSV, Werder, Schalke die breite und die Qualität in ihren Kadern wird sich nach den Anpassungsschwierigkeiten durchsetzen. Ich traue nur St. Pauli zu da wirklich mitzuhalten, weil sie mit Burgstaller ebenso einen sehr erfahrenen Goalgetter haben. Wenn sich dann einige der “Großen” nach oben verdünnisiert haben, glaube ich könnten wir, wenn wir uns kontinuierlich weiteretnwickeln, in 1-2 Jahren realistisch um den Aufstieg in die 1. Liga mitspielen. Ich weiß aber auch…im Fußball kommt oft alles ganz anders, aber das wäre meine Annahme zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

        Antwort
        • Stimmt.

          S04 und der SV Werder haben sich relativ schnell akklimatisiert. Schalke, sprich Knäbel und Schröder, haben auch gut gearbeitet, finde ich, in der Zusammenstellung des Kaders. Die beiden Leihspieler Churlinov und Ouwejan, die wir nicht in den Griff bekamen letzte Woche, sind zum Beispiel schon Granaten in Liga zwei.

          Ob auf Schalke, bei Werder oder beim HSV – überall erzählt man, dass man nicht unbedingt aufsteigen müsse. Na ja, das können sie ihren Friseuren erzählen. Zumal leider zu befürchten ist, dass die Pandemie auch im neuen Jahr zu weiteren Einnahme-Einbußen führt. Insofern darf man gespannt sein, wie die Mannschaften aus der nächsten Transferperiode kommen. Bleibt beispielsweise ein Toprak in Bremen? Wohl alles nur eine Frage des Angebots.

          Schalke, der HSV und Werder sind, wie Du sagst, weiterhin favorisiert. Fraglich, wie man jeweils mit dem Druck umgehen wird. Denn den gibt es – auch wenn man uns was anderes erzählen will.

          Antwort
          • Ja ganz klar, es wird sich gerade im Endspurt zeigen, wer auch die Nerven und die Stabilität hat. Hecking kann sicher ein Lied davon singen wie man es am Ende hin vergeigt damals noch als HSV Trainer, da passieren dann häufig unerklärbare Dinge. Was diesmal für den HSV sprechen könnte ist, sie bekommen eigentlich seit fast 10 Jahren von den Medien nur auf die Fresse, denen könnte das doch mittlerweile egal sein ob noch ein tieferer Tiefpunkt kommt, die haben alles bereits durch und jeden Tiefpunkt schon erkundet 😮

            Antwort
  • Habe mit dem schlimmster gerechnet und es ist leider Realität.
    SR im Erzgebirge bei Aue – FCN :
    Dr. Martin Thomsen vom Niederrhein
    VAR: Tobias Stieler.

    Dr. Thomsen ist für mich der Schlechteste in der Liga .
    Die Meinung hatte ich schon seit einigen Jahren also schon vor SVD – FCN letzte Saison.

    Antwort
    • Ja dann ist doch jetzt schon klar wer schuld dafür ist! Soll ich es mir dann überhaupt noch anschauen? 🤔🤔🤔
      Ganz ohne Ironie: verfolgst du die schiris professionell oder fusst das eher auf anekdotischer Evidenz?

      Antwort
  • Bin seit Phantomtor analog amateurhafter privater Schiedsrichterbeobachter.
    Lag heuer bei Jablonski und Reichel sogar öfter daneben hatte aber auch in den letzten Jahren Treffer wie bei FCN- FSV Frankfurt (Heft)15/16 , FCN – SVD (Alt) 19/20 oder eben Thomsen in SVD letzte Saison.
    Früher gaben mir Leute wie Strampe, Kemmling oder Weiner ein schlechtes Gefühl.
    Hätte nicht gedacht dass der FCN trotz Weiner das Finale 2007 gewinnt.

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