Jens Castrop wechselt zum FCN – Zeit zum Akklimatisieren

Der U19-Nationalspieler wird “langfristig” vom 1. FC Köln an den Valznerweiher ausgeliehen.

Sportvorstand Dieter Hecking machte bei der Stellungnahme zur Verpflichtung schnell klar, worum es beim Transfer des 18-Jährigen geht: “Der Transfer ist ein Vorgriff auf den Sommer. Jens hat jetzt die Zeit, sich in unsere Gruppe zu integrieren.“ Es ist also nicht unbedingt zu erwarten, dass der Sohn einer südkoreanischen Mutter und eines deutschen Vaters schon in der Rückrunde viel Einsatzzeit bei den Profis erhalten wird. Was der Mittelfeldspieler erhalten hat, ist eine Rückennummer im Profikader: Castrop spielt und trainiert mit der Nummer 17. Schon in Köln trainierte Castrop regelmäßig mit der ersten Mannschafte. Einsätze für die Lizenzspielermannschaft hatte Castrop in Köln aber nur in einigen Freundschaftsspielen, unter anderem gegen Bayern München und den FC Schaffhausen in der Vorbereitung auf die Saison 2021/22.

Zum Einsatz kam der gebürtige Düsseldorfer in dieser Saison vor allem im Regionalligateam des Effzeh. Hier bestritt er knapp 1000 Minuten. Für die U19, für die er eigentlich noch spielberechtigt wäre, lief er nur in den beiden Youth League Partien gegen den KRC Genk auf. Für den 1. FC Köln II spielte Castrop meist als defensiver Mittelfeldspieler, entweder als alleiniger Sechser in einer Mittelfeldraute oder als einer von zwei Sechsern im 3-5-2. Teilweise half Castrop jedoch auch als Rechtsverteidiger oder rechter Flügelverteidiger aus. Genau jene drei Positionen füllte der Rechtsfuß auch schon in der U17 aus, die Einsatzzeiten in der U19 waren pandemiebedingt nur sehr begrenzt.

Wo fällt Castrop in Beobachtungen besonders auf? Castrop ist kein kreativer Passspieler. Sein Aufbauspiel ist gerade bei Pässen nach vorne (siehe die roten Segmente in Grafik 1) noch deutlich ausbaufähig und risikobehaftet, Pässe in den Strafraum spielt Castrop selten (siehe Grafik 2). Wenn seine Pässe Raumgewinn erzielen, also öffnen, dann geschieht das meist durch Pässe auf den Flügel oder in die Halbräume (siehe weiße Pfeile in Grafik 5). Wo er hingegen herausragt, ist das Pressing. Bei den Balleroberungen im gegnerischen Verteidigungsdrittel gehört er – trotz seines jungen Alters – zu den deutschlandweit besten Regionalligaspielern (Grafik 4, v.a. Balkengrafik). Er gehört auch im Gegenpressing zu den Besten in Deutschlands vierten Ligen (Grafik 3, Balken und gelbe Punkte auf der Karte). Castrop ist also vom Profil her am ehesten mit Tom Krauß zu vergleichen.

Das ist natürlich alles mit Vorsicht zu genießen, Daten und Beobachtungen aus der vierten Liga lassen sich nicht ohne Weiteres in die Zweitklassigkeit übertragen, dennoch scheint es so, als hätte der Club die Möglichkeit genutzt, schon jetzt einen Spieler zu holen und zu integrieren, der dann im Sommer die Nachfolge von Tom Krauß nach dessen Rückkehr nach Leipzig antreten kann. Castrop kann aber gleichzeitig auch auf der Sechs spielen, würde die Rolle aber gänzlich anders interpretieren als Johannes Geis und könnte sogar, wenn Not am Mann ist, auch für Enrico Valentini einspringen. Den Grund für seine Entscheidung, nach Nürnberg zu wechseln, lieferte Castrop dann natürlich gleich mit: “Der Club ist dafür bekannt, wie gut sich junge Spieler hier entwickeln können.”

8 Gedanken zu „Jens Castrop wechselt zum FCN – Zeit zum Akklimatisieren

  • Ein schlüssiger Transfer. Frühzeitig, um dem Spieler Zeit zum Eingewöhnen zu geben. Daumen hoch für Hecking/Rebbe.

  • Boah danke Flo! Haut der gleich einen tollen Artikel raus! Ich verstehe die Infos bei Transfermarkt und beim Kicker nicht. Warum wird da nicht klar von einem defensiven Mittelfeldspieler gesprochen? Der kicker versteckt sich grundsätzlich hinter vagen Bezeichnungen wie Abwehr-, Mittelfeldspieler und Angreifer. Bei Transfermarkt stimmen einfach viele Angaben nicht.
    Warum wird das Publikum so unterschätzt? Ich denke jeder Fußballfan weiß doch heute, was ein 6er, 8er, 10er usw. ist.

    Was soll das?

  • Castrop wird der Club-U21 hoffentlich gut tun im Kampf um den Klassenerhalt in der Regionalliga.

  • Für die Regionalliga wird Köln ihn nicht verleihen, das haben sie selbst da hätte er ja bleiben können. Die Perspektive ist natürlich der Profikader in der 2. Liga. Ob und wie schnell wird man bei einem jungen Spieler sehen. Ich habe schon sehr viel Vertrauen in Heckings Auge und Menschenkenntnis.

Kommentare sind geschlossen.