Überrannt – Analyse zu #FCNFCI #FCN

Analyse zu 1. FC Nürnberg – FC Ingolstadt 04 0:5 (0:3)  – Der Club sieht über 90 Minuten kein Land gegen den Tabellenletzten

1. Personal und Grundordnung
2. Daten und Fakten
3. Die kurze Einzelkritik
4. Fazit und Stimmen
5. Statistik
6. Der Notenvergleich

1. Personal und Grundordnung

Zweimal tauschte Robert Klauß im Vergleich zur Vorwoche. Asger Sørensen hatte sich im Abschlusstraining eine Adduktorenverletzung zugezogen, Mario Šuver ersetzte den Dänen. Pascal Köpke rückte zurück auf die Bank, für ihn begann Erik Shuranov. Den durch Sørensens Ausfall frei gewordenen Kaderplatz nahm Noel Knothe ein. Ebenfalls aus dem Kader fiel Dennis Borkowski, für ihn kehrte Konstantin Rausch ins Aufgebot zurück. In der Grundordnung beließ es Klauß beim 4-3-3 aus dem Düsseldorf-Spiel, Møller Dæhli (links), Dovedan und Shuranov (rechts) bildeten die Angriffsreihe vor dem Dreiermittelfeld Tempelmann (links), Nürnberger und Krauß (rechts). Lange sollte diese Grundordnung jedoch nicht Bestand haben.

Der Club war sofort in der Rückwärtsbewegung und ließ sich tief hinten reindrängen. Ingolgstadt dagegen war schwungvoll und energisch in den Zweikämpfen. Bereits nach vier Minuten hatten die Schanzer durch Eckert Ayensa die erste Großchance, nachdem Nürnberger im Zentrum den Ball an Sarpei verloren hatte. Der Ex-Fürther spielte den Ball mit viel Übersicht auf Schmidt, der frei stehen konnte, da Valentini durch den Ballverlust von Nürnberger überrascht nicht rechtzeitig zurückgeeilt war. Doch Schmidt schloss zu zentral ab und Mathenia konnte abwehren. Auch acht Minuten später traf Schmidt nicht. Diesmal rauschte sein Ball an die Latte. Nach einem langen Schlag von Torwart Stojanovic hatte Handwerker den Ball nicht klären können und Schmidt war zum Abschluss gekommen. Der Abpraller landete bei Eckert Ayensa, der den Ball aber übers Tor schlenzte.

Eigentlich hätten diese Gelegenheiten Warnschuss genug sein müssen: Nach zwölf Minuten hatte Ingolstadt bereits vier Mal aufs Tor geschossen, kam auf einen expected Goals-Wert von ungefähr 0,6. Der Club hatte da noch nicht einmal aufs Tor geschossen. Doch der Club zeigte sich weiter beeindruckt vom agressiven Pressing der Schanzer. Fabian Nürnberger verlor im Mittelfeld kurz den Ball gegen Sarpei, der den Ball auf Schmidt weitergab. Schmidt spielte den Ball aus dem Zentrum auf den rechten Flügel zu Pick. Der ging ins Duell mit Handwerker, ließ den mit einer Körpertäuschung fast auf den Hosenboden fallen und zog dann in Richtung Tor, wo Krauß und erneut Handwerker keinen Zugriff fanden. Aus spitzem Winkel entschloss sich Pick dazu aufs Tor zu schießen und nun fand der Ball nach präzisem Schuss seinen Weg ins Netz. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt eine verdiente Führung.

Ingolstadt ließ jedoch nicht nach und erhöhte gleich mit der nächsten Aktion. Šuver und Nürnberger verloren im Mittelfeld nach einem Schlag aus der Ingolstädter Defensive ein Kopfballduell gegen Schmidt – beziehungsweise ließen den hochsteigen, während sie beide nicht zum Ball gingen – der Kopfball wurde zu Eckert Ayensa abgelegt, der umgehend den Ball zu Pick auf den Flügel legte. Da der Club noch aufgerückt war, fehlten nun in der defensiven Absicherung beide Außenverteidiger, so dass Pick und der mitgesprintete Eckert Ayensa sich mehr oder minder im Einzelduell mit Šuver und Schindler befanden. Šuver konnte aber nicht zugreifen, so dass Pick den Ball in die Mitte geben konnte. Eckert Ayensa traf mit dem ersten Schuss noch nicht, doch Mathenias Abwehr landete vor seinen Füßen und er konnte auf 2:0 erhöhen. Beinahe wäre wiederum fast postwendend auch noch das 0:3 gefallen, aber Eckert Ayensa scheiterte nach Steckpass von Pick im Eins-gegen-Eins an Mathenia.

Robert Klauß reagierte nach 22 Minuten auf die desolate Anfangsphase seiner Mannschaft: Fabian Nürnberger, der in der Entstehung beider Gegentreffer Aktien hatte und auch sonst fahrig wirkte, musste gehen, für ihn kam Johannes Geis. Die Grundformation wurde ein wenig später dann auch gewechselt, man spielte nun wieder mit dem gewohnten 4-4-2 mit Raute. Tatsächlich beruhigte dies das Spiel für eine gewisse Zeit. Ingolstadt kam nicht mehr zu Abschlüssen, der Club hatte nun deutlich länger und öfter den Ball. Der Zugriff der Schanzer war nicht mehr ganz so energisch, auch weil der Club etwas breiter stand. Nach vorne entwickelte der FCN dennoch überhaupt keine Durchschlagskraft.

Der erste Torschuss des FCN kam in der zweiten Minute der Nachspielzeit, als Krauß einen Pass von Musliu abfing und sofort als Schnittstellenball nach vorne spielte. Dovedan erlief den Ball und versuchte den Ball an Stojanovic vorbeizubringen, scheiterte aber. Zu diesem Zeitpunkt stand es aber bereits 0:3, denn Ingolstadt hatte ein weiteres Mal sein Tempo gewinnbringend auf den Platz gebracht. Röhl legte den Ball im Mittelfeld auf Bilbija. Der spielte den Ball auf Eckert Ayensa und überlief dann Geis und Valentini im Zentrum, sprintete durch, so dass erneut Schindler und Šuver allein im Duell gegen drei Ingolstädter befanden. Schindler konnte die erste Hereingabe von Eckert Ayensa noch blocken, der Ball sprang jedoch zum Ingolstädter zurück, so dass dieser bis zur Grundlinie laufen und den Ball dann in die Mitte geben konnte, wo Bilbija völlig frei vor Mathenia stand und nur einschieben musste. 

Deshalb und weil Dovedan eben nicht traf, stand es zur Pause 0:3. Robert Klauß stellte erneut um, zog Geis nun in die Abwehrreihe und spielte im 3-4-1-2. Zusätzlich ersetzte Schäffler Dovedan. Wohl erhoffte man sich durch die nun höher stehenden Außenverteidiger mehr Flanken ins Zentrum. Doch statt mehr offensiver Wucht kam erstmal das nächste Gegentor. Geis verlängerte eine Ingolstädter Ecke von Pick an den langen Pfosten, Eckert Ayensa schoss dort aufs Tor und Schmidt hielt den Fuß in den Schuss, so dass es 0:4 stand. Erst jetzt ließen die Oberbayern sich etwas mehr fallen, standen tiefer und verwalteten das Ergebnis, wirklich gefährlich wurde der Club aber dennoch nicht, ein geblockter Schuss von Schäffler und ein Volleyfernschuss von selbigen standen zu Buche. Klauß tauschte noch einmal. Rausch, Duman und Köpke kamen für Šuver, Shuranov und Krauß. Damit spielte Handwerker nun in der Dreierkette, Rausch als linker Flügelverteidiger, Köpke und Duman ersetzten Shuranov und Krauß dagegen positionsgetreu.

Ein bisschen besser wurde es danach sogar. Nach einem Dribbling von Møller Dæhli, fand sein Pass im Strafraum Schäffler, der sofort auf Duman ablegte, doch der scheiterte frei stehend vor Stojanovic. Es entstanden in der Folge ein paar weitere Szenen, in denen der Club den Abschluss suchte, aber geblockt wurde. Ingolstadt dagegen wurde bei seinem einzigen Abschluss nach der 60. Minute nicht geblockt. Sujemani hatte auf dem linken Flügel den Ball per Außenrist Richtung Eckert Ayensa geschickt. Der war nicht nur an den Ball gekommen, sondern hatte Geis auch noch extrem schlecht aussehen lassen, als dieser ins Leere grätschte. Danach lief Eckert Ayensa bis zur Grundlinie durch, legte den Ball auf den nachgerückten Sujemani, der trocken ins kurze Eck vollendete. Es war der letzte Gegentreffer in einem Spiel, bei dem der Club enorme Probleme im defensiven Umschalten offenbarte. 

2. Daten und Fakten

Das Spiel ist wieder einmal eines, in dem viele klassischen statistischen Werte unter Beweis stellen, dass sie weitgehend unbrauchbar sind, um ein Spiel darzustellen. Der FCN hatte mehr Ballbesitz, die bessere Passquote, hatte mehr Sprints und mehr Ecken. Dennoch verlor er deutlich mit 0:5. Betrachtet man die expected Goals dann sieht man, dass die fünf Gegentore gar nicht so weit weg von dem sind, was von der Chancenqualität her zu erwarten gewesen wäre. Immerhin schoss Ingolstadt auch deutlich häufiger aufs Tor als der Club. Die größte Diskrepanz und wahrscheinlich auch der Schlüssel, wenn man auf die Zahlen schaut liegt in den Ballbesitzphasen im gegnerischen Strafraum. Der Club kam zwar 83-mal mit dem Ball in die Hälfte der Schanzer, aber nur 16 dieser Ballbesitzphasen kamen auch im Strafraum an. Die Gäste dagegen kamen nur 55-mal in die Hälfte des FCN, dafür aber 18-mal in seinen Strafraum. Das lag auch daran, dass Ingolstadt fünf Konterangriffe fahren konnte, der Club dagegen keinen einzigen. So paarten sich dann am Freitagabend zwei Dinge, die bislang zumeist nicht gemeinsam aufgetreten waren: Fehlendes Tempo im Umschalten und fehlende Kreativität in der Offensive.

Grafik 1 visualisiert ein zentrales Problem des FCN gegen die Schanzer sehr deutlich. In nur einer der 15 Zonen, die komplett in der Ingolstädter Hälfte liegen, konnte er mehr Duelle für sich entscheiden als der Gegner. Gerade im Zentrum war der FCN gänzlich unterlegen, fand keinerlei Durchkommen. Dagegen hatten die Ingolstädter gleich sechs Zonen, in denen sie mehr Duelle gewannen als der Club, darunter quasi der gesamte rechte offensive Halbraum. Auch wenn die globale Zweikampfquote normal wenig Aussagekraft hat, so sprechen gerade einmal 55% gewonnene Duelle gegen den Ball und 33% gewonnene Kopfballduelle eine deutliche Sprache. Der Club war in den Auseinandersetzungen um den Ball einfach grundsätzlich unterlegen. Fand gegen die Körperlichkeit der Schanzer kein Mittel.

Grafik 2 zeigt ein weiteres Problem des FCN deutlich. Dargestellt sind alle Ballverluste des FCN. Hier sieht man einerseits, dass eines der Probleme in der ersten Phase des Spiels war, dass man den Ball oft tief in der eigenen Hälfte verlor. Nach der Pause waren die Ballverluste dann meist dergestalt, dass man im letzten Drittel keinen Weg durch die Abwehr fand. Das andere Problem jedoch sind die vielen gelben Pfeile. Diese stellen dar, wenn ein Ballverlust zu einem gegnerischen Abschluss führte. Insgesamt zwölf der 18 Ingolstädter Abschlüsse ging ein Ballverlust des FCN voraus. Das zeigt einerseits, wie stark Ingolstadt an diesem Abend im Umschaltspiel war, andererseits aber auch, wie schwer der Club sich tat, nach Ballverlusten zu verteidigen.  

Grafik 3 greift vieles, das erwähnt worden ist, nochmals auf und betrachtet es mit Fokus auf die Anfangsviertelstunde. Jene Phase, in welcher der FCN unter erheblichem Druck stand, war die, die den Club merklich verunsicherte. In dieser Phase fiel noch kein Tor – obwohl Ingolstadt jede Menge Gelegenheiten hatte, aber der Ton für die restliche Partie war gesetzt. Der FCN verlor die Bälle tief in der eigenen Hälfte, hatte Probleme mit den Zweikämpfen auf der linken Abwehrseite und kam selbst gar nicht zur Entfaltung – eine Schusskarte aus dieser Phase wäre einfach leer. Kurz danach fiel das 0:1 und das Spiel nahm seinen Lauf.

3. Die kurze Einzelkritik

  • Christian Mathenia (CU-Note: 3-): Eventuell könnte man ihm beim 0:1 einen Vorwurf machen, da der Winkel recht spitz war, aber an sich war der Keeper noch der, der am ehesten in Normalform war. Er verhinderte mit mehreren guten Paraden ein größeres Desaster als es eh schon war.
  • Enrico Valentini (CU-Note: 5-): Die Geschwindigkeitsdefizite traten gegen die schnell umschaltenden Ingolstädter noch mehr zu Tage als gegen andere Teams. Offensiv kam auch nichts zustande. 
  • Christopher Schindler (CU-Note: +5): Fand sich viel zu oft gemeinsam mit Šuver in Unterzahlsituationen wieder, verteidigte die aber dann nicht so, dass man ihn von der Kritik ausnehmen kann. 
  • Mario Šuver(CU-Note: 5): Ähnlich wie Schindler oft im Stich gelassen, allerdings noch etwas unbeholfener und teilweise mit wildem Stellungsspiel.
  • Tim Handwerker (CU-Note: 6): Immer wieder mit Aussetzern im Aufbau und im Defensivverhalten. Dazu offensiv katastrophale Flanken. 
  • Tom Krauß (CU-Note: +5):  Ein schöner Pass auf Dovedan nach ebenso schönem Abfangen eines Passes. Mit vielen verlorenen Duellen in letzter Linie. 
  • Fabian Nürnberger (CU-Note: 6): Eine Auswechslung nach 22 Minuten ist nie ein gutes Zeichen. Nürnberger verdiente die sich mit katastrophalen Fehlpässen im Aufbau und Fehlern in den Duellen.
  • Lino Tempelmann (CU-Note: 5): Ein Tempodribbling zeigte er, dann spielte er aber einen schwachen Pass. Sonst kam er überhaupt nicht in die vorderste Linie. Dazu auch er mit vielen verlorenen Duellen tief in der eigenen Hälfte
  • Nikola Dovedan (CU-Note: 5-): Einzige Torchance vor der Pause, versuchte anzulaufen, schaffte es aber nicht. Sieben Pässe in 45 Minuten sprechen eine deutliche Sprache dahingehend, wie eingebunden er war.
  • Mats Møller Dæhli (CU-Note: 4-): Hatte immerhin noch einige gute Pässe in Tornähe, wie vor Dumans Chance auf Schäffler, schaffte es aber auch nicht, das Spiel zu strukturieren. 
  • Erik Shuranov (CU-Note: 6): Zwei schwache Schüsse vor der Pause, dazu jede Menge verlorene Zweikämpfe auf der rechten Außenbahn, im Stellungsspiel gegen den Ball ein Totalausfall.
  • Johannes Geis (CU-Note: 6): Kam nach 22 Minuten für Nürnberger und ersetzte diesen auch in Sachen Leistung. Spielte zunächst Sechser, dann Innenverteidiger und gewann gerade einmal einen Zweikampf gegen den Ball. Katastrophale Grätsche vor dem 0:5. Viele schlechte tiefe Pässe.
  • Manuel Schäffler (CU-Note: 4-): Die Vorlage zu Dumans Chance bewies Spielverständnis, ging in viele Zweikämpfe, gewann jedoch kaum einen. Immerhin versucht Angriffe zu Ende zu bringen.
  • Taylan Duman (CU-Note: 4): Mit einigen guten Aktionen in Tornähe, auch wenn ihm vor dem Kasten die Nerven versagten. Setzte sich deutlich häufiger durch als seine Mitspieler, dennoch nicht überzeugend.
  • Konstantin Rausch (CU-Note: 4): Machte wenig falsch und wenig richtig. War defensiv nicht mehr gefordert, da Ingolstadt nach seiner Einwechslung schon 4:0 führte. Offensiv nicht sehr präzise, aber auch nicht völlig unbrauchbar.
  • Pascal Köpke (CU-Note: 5): Über 22 Minuten fast gänzlich unsichtbar, spielte keinen einzigen Vorwärtspass und gewann nur zwei seiner neun Zweikämpfe.
Verlauf der expected Goals während des Spiels (Nürnberg in rot, Ingolstadt in schwarz)

 

4. Fazit und Stimmen

Immerhin fand der Trainer deutliche Worte: “Die Mängelliste ist extrem lang – zu lang, um das alles aufzulisten. Wir waren von Beginn an nicht bei 100 Prozent, das hat man gemerkt.”  Robert Klauß stellte sofort klar, dass es an der deutlichen Niederlage nichts schönzureden gab. Vielmehr lag beim Club an diesem Abend ein kollektives Versagen vor. Rüdiger Rehms Analyse, sein Team sei “von der ersten Minute voll da [gewesen], (…) griffig und gierig und bereit, mit dem Ball zielstrebig zu sein” ist dann die Kehrseite der Medaille. Die Gäste waren sofort voll da, setzten den Club immens unter Druck und der brach unter diesem Druck zusammen. Robert Klauß wollte dann auch keine taktischen Analysen heranziehen: “Es lag heute nicht an Grundordnungen oder Positionen, sondern daran, wie die Mannschaft in das Spiel reingegangen ist.”  

Damit liegt der Nürnberger Trainer sicher richtig. Das war auch daran zu merken, dass keine seiner Umstellungen erfolgreich war. Stattdessen überrannte der FCI den Club einfach. Immer wieder war er geistig schneller, griffiger in den Duellen und zielstrebiger in Richtung Tor. Aber der FCN war auch einfach nicht präsent: “Wir waren (…) in den Basics zu schwach. Wir haben uns nicht aufgerieben.” resümierte Manuel Schäffler und Christian Mathenia fügte hinzu: “Es kann schon sein, dass es der eine oder andere vielleicht auf die leichte Schulter genommen hat.” Zumindest das Pass- und Zweikampfverhalten in der Anfangsviertelstunde deutet darauf hin, dass dies der Fall ist. 

So setzte der Club auch gegen den Tabellenletzten die Abwechslung von Sieg und Niederlage, die seit Anfang November besteht, fort. Sie lautet nun: Bremen (N) – Sandhausen (S) – St. Pauli (N) – Kiel (S) – Schalke (N) – Aue (S) – Paderborn (N) – Düsseldorf (S) – Ingolstadt (N). Kombiniert man nun die mangelnde Ernsthaftigkeit und das Alternieren von Sieg und Niederlage, so kommt man bei Betrachtung der reinen Ergebnisse zu dem Eindruck, dass die Mannschaft des FCN einerseits schnell nachlässig wird. Ein Sieg führt zu einem gewissen Spannungsabfall, andererseits führen aber auch die Negativereignisse zu einer positiven Reaktion. Andererseits muss man mit Blick auf die Leistungen in den drei Spielen 2022 auch zu dem Schluss kommen, dass hier insgesamt eine Veränderung zum Schlechten stattgefunden hat. 

Nun kann eine derart hohe Niederlage natürlich ein Galvanisierungspunkt sein, an dem die nötige Ernsthaftigkeit und Konzentration zurückkehren. Christian Mathenia kündigte dann auch an: “Wir müssen jetzt als Mannschaft Tacheles reden”. Das Spiel in Karlsruhe kommende Woche – gegen einen Gegner, der dann eine englische Woche hinter sich hat – durfte erste Aufschlüsse darüber geben, wie die Mannschaft auf das Debakel reagiert. Die fehlende Konstanz und auch der fehlende Biss in der Anfangsphase sollte aber nun auch die letzten Träumer davon überzeugen, dass die Mannschaft nicht reif für den Aufstieg ist. Auch weil das Spiel einmal mehr eindrucksvoll gezeigt hat, wie hoch die Tempodefizite beim FCN in der Rückwärtsbewegung sind. Etwas, das sicher keine Einstellungsfrage ist.

 

5. Die Kennzahlen

Nürnberg Ingolstadt
0Tore5
1,35/1,0/1,08expected Goals (Wyscout/538/DFL)3,83/2,8/3,52
0,9Post Shot xG (Wyscout)4,35
1,34xG ohne Doppelchancen (Wyscout)3,4
0,9PSxG ohne Doppelchancen (Wyscout)3,82
11Schüsse18
3Schüsse aufs Tor9
8Ecken4
4Freistöße1
55Ballbesitz zeitbasiert (in %)45
61,3Ballbesitz passbasiert (in %)39,7
81Passquote (in %)77
14Fouls6
14,1PPDA (gegnerische Pässe pro eigene Defensivaktion)13,6
5,9Challenge Intensity (Defensivaktionen pro Minute gegnerischen Ballbesitzes)5,9
18,1Spieltempo (Pässe pro Minute Ballbesitz)14,5
16Ballbesitzphasen (geg. Strafraum)18
00:13Ballbesitzdauer (Ø)00:11

*Alle Daten (außer den Varianten bei den xG) stammen von Wyscout. Benutzung der Daten von Wyscout unter der Journalistenlizenz des Anbieters.Die Terminologie von Wyscout wird in diesem Glossar erläutert.

6. Die Notenübersicht

SpielerCU-NoteKickernordbayern.deBILDWhoScoredSofaScore
Christian Mathenia3-33,545,5/105,6/10
Enrico Valentini5-5555,8/106,7/10
Christopher Schindler+55555,9/106,5/10
Mario Šuver55555,9/10

6,3/10

Tim Handwerker65,5655,9/106,2/10
Tom Krauß+55,55,556,4/107,0/10
Fabian Nürnberger66665,8/106,2/10
Lino Tempelmann555,556,3/106,5/10
Mats Møller Dæhli4-4,54,556,0/106,8/10
Nikola Dovedan5-65,555,7/106,0/10
Erik Shuranov65,5666,2/106,6/10
Johannes Geis66666,7/106,8/10
Manuel Schäffler4-4446,3/106,7/10
Taylan Duman446,5/106,7/10
Konstantin Rausch456,0/106,4/10
Pascal Köpke555,9/106,5/10
Durchschnitt4,935,075,195,00

6,03

6,47

48 Gedanken zu „Überrannt – Analyse zu #FCNFCI #FCN

  • Geis bestätigt in den letzten Wochen meine Befürchtung. In der Vorrunde mal Gas geben um einen neuen Vertrag zu bekommen, sobald dieser in der Tasche ist kann man wieder in den Wohlfühl-Modus schalten. Hoffentlich macht man bei Dovedan nicht denselben Fehler. Ansonsten ist für mich die Frage, warum man von der gewohnten und lieb gewonnenen Raute abweicht und mit 4-3-3 in dieses Spiel geht? Wobei gestern natürlich eher die Einstellung als die Aufstellung der Grund für die desolate Darbietung war. Augenscheinlich keine Bereitschaft sich zu quälen und eine gewisse Gleichgültigkeit ob des Spielausganges. Schade, da haben die Jungs mit einem Spiel sehr viel kaputt gemacht. Da muss zwingend eine Reaktion kommen. Ich traue dem Trainer durchaus zu, daß er auch personell durchgreift. Schaumer mal.

    • Wo soll er denn personell durchgreifen? Dann müsste er ja – von Mathenia abgesehen – die gesamte U21 spielen lassen 😉

    • Wir brauchen hier beim Club keine Spieler die sich nicht den Arsch aufreißen für den Verein und den Fans.
      Wille und Einsatzbereitschaft gestern erbärmlich,bei so einer Einstellung von manchen Spieler ist mir der Stadionbesuch in Zukunft zu schade.

  • Danke für die sachliche Einordnung dieser Nichtleistung. Von den Feldspielern bekäme bei mir keiner ein “ausreichend”. Valentini und Dovedan für mich auch “ungenügend”. Mathenia kann einem leid tun, allerdings muss man ihm das erste Tor ankreiden (deswegen ne 4). Hoffentlich ist dieser Quatsch mit dem 4-3-3 damit endlich mal ad acta gelegt. Das könnte man mal praktizieren wenn man Köpke und Lohkemper auf 7 und 11 setzt, aber doch bitte nicht mit den kleingewachsenen Dovedan (unfassbar langsam, sowohl im Kopf als auch in den Beinen) und MMD (idealer 10er) gegen die Ingolstädter Ochsen. Mein Gefühl sagt mir, dass in der Länderspielpause diverse Personalentscheidungen getroffen wurden, die bislang nur intern kommuniziert wurden.

  • Passende Noten, keinesfalls zu negativ beurteilt. Hatten wir schon einmal einen solch schlechten Notendurchschnitt in einem Zweitligaspiel?

    Klar ist, die Träumer können aufhören vom Aufstieg zu reden. Dafür ist die spielerische Leistung unseres Kaders zu schlecht. Seit neuestem auch noch die Einsatzbereitschaft.

  • 10 Noten nur 6er oder 5er krass, aber spiegelt wieder was gestern passiert ist. Ein 1:2 oder 1:3 wäre ein schlechtes Spiel gewesen, aber ein 0:5 sind leider komplette und vollständige Auflösungserscheinungen.

  • Schäffler ist bester Feldspieler. Das wirkte auch so, er war der einzige, bei dem man gemerkt hat, dass er sich dagegen stemmen will. Nur halt allein auf weiter Flur…

    • @Optimist:
      Schäffler versucht immer alles zu geben…das Problem ist nur:
      1.wenn ich so einen ” bulligen” kopfballstarken Stürmer schon habe,muss ich ihn auch in Szene setzen und mein Spiel auch auf ihn mehr ausrichten.

      2. Ist bei uns aber schon aus dem Grund nicht möglich – es kann keiner flanken!!!!
      Bestes Beispiel heute: Glatzel beim HSV!!!
      Der ist bestimmt nicht unbedingt sehr viel besser wie Schäffe aber er bekommt “Futter” von seinen Mitspielern!

      Und da muss ich auch mal den Trainer hinterfragen warum
      a) die Mannschaft seit Monaten(!) nicht in der Lage ist, ordentliche Flanken in den Strafraum zu schlagen
      Und
      b) man nicht das System wenigstens “etwas” mehr auf Schäffler mit ausrichtet???

      • An dem Manko von außen wird ja bereits gearbeitet mit den Verpflichtungen von Blum und Wekesser. Dann könnte man auch mal ein klassisches 4-3-3 spielen.

        In dieser Saison ist es halt schwierig, weil wir keine Außenstürmer haben.

  • “Da Glubb is a Depp”. Diese Aussage trifft diesmal überhaupt nicht zu, da Deppen dumm sind. Was gestern abgeliefert wurde war nicht dumm, sondern eine Arbeitsverweigerung. Man muss an die armen Fans denken, die sich freuten und teilweise viele Kilometer nach Nürnberg fuhren, um sich so einen Stuss anzuschaun, so eine Frechheit an Einstellung. Und man muss jetzt auch mal den Trainer kritisieren, der einfach nicht in der Lage ist Druck auf die Mannschaft auszuüben. Man kann nur hoffen, dass Hecking sich jetzt vor die Mannschaft stellt und eine ordentliche Rede hält, die sich gewaschen hat. Diese Spieler brauchen einen richtigen Zusammenschiss. Das ist einfach respektlos, was da gestern geliefert wurde. Wenn man sich da den Trainer der Heidenheimer anschaut, wie der die Mannschaft im Griff hat und wie der versteht alles aus ihr rauszuholen. Und ich glaube kaum, dass diese Mannschaft aus Heidenheim personell besser aufgestellt ist wie unsere Luschen.

  • Das Beste am gestrigen Spiel ist, dass ich es nicht gesehen habe.

    Retrospektiv muss man wohl sagen: Testspiele haben offenbar doch eine Aussagekraft. Nach dem 0:7 im Oktober hatten wir noch darüber gelacht. Das ist jetzt weg.

    Man kann schon mal 0:5 verlieren, gegen Dortmund, Leipzig oder starke Stuttgarter am Weg zum Aufstieg – aber halt nicht gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten.

    • Das passiert, wenn die eine Mannschaft bis in die Haarspitzen motiviert ist und seit Tagen darauf wartet, bis das Spiel endlich losgeht und die Andere lasch, ignorant und ohne Willen aufs Spielfeld trabt und erst mal abwartet, was passiert. Und das Schlimme ist, dass dieser Zustand bei unserer Mannschaft immer wieder auftritt und das in der letzten Zeit in immer kürzeren Abständen. Und leider muss man dem Trainer mindestens eine Teilschuld geben. Und auch Hecking ist in der Verantwortung. Irgendwie geht er auch zu lässsig mit seiner Verantwortung um.

      • Noch ein, maximal zwei solcher Spiele und der Vulkan unter dem Trainerstuhl fängt wieder an zu brodeln.
        Spätestens dann wird sich Hecking wünschen, doch ein Angebot von BMG bekommen zu haben.

  • Mentalitätsverweigernde Spieler + versachlichter Trainer = mögliches Desaster

    Gestern in aller Härte eingetreten.

    Die Hälfte der gegnerischen Elf hat die Relegation noch als bittere Schmach im Kopf, auch der gegnerische Trainer hat schon eine Packung gegen Nürnberg gefressen. Da waren heißlaufende Ingolstädter, die vor geraumer Zeit schon mal mit einem vom Club gern und schnell verdrängten 0:7 Frustbewältigung betrieben.

    Wenn auf der anderen Seite emotionsfreie sachlich analytische, tendenziell zum Einschlafen einladende Informationen des Trainers auf herablassend auf den Tabellenletzten blickende Gernegroß-Aufstiegskicker treffen, diese also eher einlullen als zu pushen, warnen oder an die banalsten historischen Zusammenhänge zu erinnern, dann ist das eine gefährliche Mischung.

    Alles hypothetisch- aber einige Funken Wahrheit sind da dabei… jede Wette.

    Ich verstehe nicht, dass gegen Ingolstadt Schäffler nicht von Beginn an spielt.
    Ebenso überfordert es mich, wieso Nürnberger nach 20 Minuten alleinig abgestraft wird. Wenn man da wechselt, dann konsequent drei Spieler raus, Dovedan und Tempelmann waren zu dieser Zeit ebenso Totalausfälle mit Fehlern.
    Und für Nürnberger kommt Geis.
    Kann man machen…
    … Ist halt wie ein weiteres emotionsfreies Statement.

    Ist kein Trainerbashing, bewahre, ich mag RK. Den Bogen vom universitären Fußballlehrer zu mehr “die Wahrheit ist auf dem Platz”-sichtbarem Feuer muss er schnell schlagen, sonst wird das nichts mit der großen Karriere…

    #HaltdochnurZweitligaMittelmaß

    • Damit triffst Du es auf den Punkt Teo.
      Fachlich hat Klauß wahrscheinlich mehr drauf als 3/4 der ander Zweitligatrainer, aber wenn man ihn mit Christian Eichner vergleicht, liegen emotionale Welten zwischen ihnen.
      Vielleicht ist der Vergleich ein wenig unfair, weil Eichner ein richtiger (im positiven Sinne) “Badenser” ist, aber mir fehlt in den letzten Jahren schon sehr der emotionale Bezug unserer Trainer zum Verein.
      Der Fuchsmühler hatte den zwar, war am Ende aber dann wahrscheinlich zu sehr Oberpfälzer als Franke. 😀

    • Die Kritik am Trainer ist berechtigt. Es ist sein Verantwortungs-Bereich. Er hat diese Nicht-Leistung zu verantworten.

      Es war eine Lektion. Für die Mannschaft. Und vor allem für den Trainer. Und diese Lektion ist vermutlich Teil einer Entwicklung. Wenn man die richtigen Schlüsse daraus zieht.

      Klauß muss mit sich in Klausur gehen und Fehler bei sich suchen – und er wird das auch tun. Unser Trainer ist nach bisherigen Eindrücken ein Mann, der den Mut hat, sich selbst zu hinterfragen und Dinge zu verändern, wenn es nötig ist. Das macht meiner Meinung nach auch einen guten Trainer aus. Das Fachliche alleine reicht nicht, da stimme ich @Teo absolut zu.

      Dass Klauß nichts schönredet oder nach Ausreden sucht, zeigte bereits die Pressekonferenz nach dem Spiel. In der er klipp und klar sagte, dass es an der Einstellung lag. Dass es an Grundsätzlichem lag. Punkt.

      Aber auch Hecking und Rebbe werden ihre Schlüsse daraus ziehen. Diese Mannschaft braucht mehr Mentalität. Schlimm zu sehen, wie man diese Schmach über sich ergehen ließ. Dass die Mannschaft zum Teil noch die “Handschrift” von Palikuca trägt, dafür können die beiden nichts.

      Wie @Herbertgerbert im Folgenden andeutet, würde es verblüffen, wenn man den Vertrag mit Dovedan verlängern würde. Und auch die unterirdische Vorstellung von Handwerker gibt zu denken. Auch wenn dieser sich entwickelte in den letzten Monaten. Aber reicht das, um mit ihm weiterzugehen?

      Mit Wekesser dürfte man in Sachen Mentalität bereits einen guten Mann an Land gezogen haben. Und wenn sich noch jemand wundert, warum die sportliche Leitung einen (derzeit unglücklich agierenden) Schäffler anders beurteilt als mancher Fan – am Freitag haben wir es gesehen. Schäffler und Mathenia waren (neben MMD) die einzigen, die sich wehrten.

      Natürlich wusste Köllner die letzte Aufstiegs-Mannschaft mitzunehmen und mit seinen Worten zu packen. Aber in der damaligen Mannschaft war auch deutlich mehr Eigendynamik und Mentalität. Mit einem jüngeren Valentini. Mit einem wichtigen Margreitter. Mit Leibold. Mit Behrens. Mit Möhwald. Mit Werner.

      Aufstiegsreife braucht auch die richtige Einstellung, Mentalität, Ernsthaftigkeit, den Fokus. Das fehlt der Mannschaft. Was aber auch nicht verwundert. Die Umbauarbeiten sind umfangreich – es wurde unglaublich Vieles falsch gemacht nach dem letzten Aufstieg.

      Zurück in die Gegenwart. Seh’n wirs positiv: Vielleicht war diese Schmach vom Freitag ja lehrreich. Oder ein Galvanisierungs-Punkt, wie @Flo in seiner treffenden Analyse schreibt.

      • Dieses versachlichte beim Trainer habe ich schon gegen Paderborn angemahnt in Punkto Motivation und wurde des Trainer Bashings bezichtigt 🙂 .. dabei war das gar nicht als Masterkritik oder den Trainer in Frage stellen gedacht sondern rein bezogen auf die Wirkung auf die Manschaft, so langsam, freundlich und nett wie Klauß Ausführungen oft auf den PKs sind, so kommt oft auch die Mannschaft auf den Platz zu entspannt zu schläfrig. Vielleicht sollte Klauß mal so einen Tick mehr an seinem inneren Dreggsack arbeiten als Facette, die es zu bestimmten Anlässen eben auch benötigt. ..so quasi Schrei vor Glück! .. nein das paßt auch wieder nicht aber so ähnlich halt 🙂

        • Rehm hat angekündigt dass wir dem Gegner weh tun müssen.
          Darf ein FCN Cheftrainer bei der PK überhaupt so eine Wortwahl verwenden ?
          Darf ein FCN Cheftrainer sagen wir wollen ecklig und böse auftreten?
          Darf ein Wekesser und Hübner im FCN Trikot seine Mentalität überhaupt so ausleben wie bei Union bzw. Jahn weil die Mannschaft soll doch immer sympathisch rüberkommen ??

          • Gute Frage.

            Eine Alternative wäre, wenn Klauß schon nicht als Heißmacher funktioniert, ob man das dann nicht einen Cotrainer machen lässt oder einen Aggressiv-Leader im finalen Mittelkreis?

            Dem Trainer das analytische, einem anderen das emotionale…

            • Robert Klauß macht jetzt nicht den Eindruck auf mich, als könne er nicht emotionalisieren. Ganz im Gegenteil. Aber ich denke, er muss lernen, wann und wie er dies tut.

              Gegen den FC Ingolstadt, ein sehr besonderer Gegner mittlerweile, wäre das wohl nötig gewesen. Wie @Teo auch oben schreibt.

              Würde wetten, dass Rehm die Relegation thematisiert hat vor dem Spiel – haben noch ne Rechnung offen und so. Kutschke und Gaus haben vermutlich auch mitmotiviert als Veteranen dieser legendären Relegations-Schlacht.

              • …und im Gegenzug hat Klauß das Testspiel als bedeutungslos abgetan. Das war ein großer Fehler, er hätte das instrumentalisieren müssen. Und IN als besonderen Gegner herausstellen, der mit Schaum vor dem Mund kommt und den man erstmal ordentlich zurechtstutzen muss.

                • Ja, mag sein. Als charakterstarker Profi muss ich den Anspruch aber auch mal alleine entwickeln finde ich. Also im mentalen Bereich. Dies ist aber offenbar bei einem Teil unserer Spieler (mittlerweile seltener aber immer noch zu oft) zu viel verlangt.

      • Ich finde, dass du einen zentralen Punkt adressierst: “Mentalität”. Das kann nur unsere einzige Chance sein, wenn wir gegen Vereine mit deutlich höherem Budget irgendwann aufsteigen wollen. St Pauli zeigt es, Bielefeld, Union, Heidenheim sowieso. Hier haben wir seit Jahren immer wieder die falschen Spielertypen geholt. Keine schlechten Fußballer, aber eben nicht giftig genug, um insbes. an einem schlechten Tag noch einmal den Bock umstoßen zu können.

  • Für Sven Michel hat Union Berlin jetzt etwa dieselbe Transfersumme an Paderborn bezahlt, wie Palikuca damals für Dovedan an Heidenheim. Der wievielte Club-Trainer ist das jetzt, wo der Österreicher nur in einem von vielleicht 10-15 Spielen performt? Schon krass.

  • So schnell kann man das Spiel nicht abhaken. Es war einfach zu krass. Es bestand die Chance sich vorne in der Tabelle festzusetzen.Die Mannschaft hatte aber gar nicht den Mut und Willen das zu erreichen. Man müsse ja schließlich jedes Spiel 100% geben, um überhaupt vorne bestehen zu können und das ist dann doch zu anstrengend. Da lassen wir es doch lieber locker angehen mit 33 Punkten und ziehen die Saison relaxt durch. Zum Schluss dann der 12. Tabellenplatz und das reicht dann schon, nicht wahr?

    • Was ist eigentlich mit Lino Tempelmann und Tom Krauss passiert? Das waren für mich so Spieler die gerade in so einem Spiel mal richtig dagegen hielten .Notfalls auch mal mit Foul.Kann es sein dass in der Länderspielpause mal wieder am berühmten nächsten Schritt gearbeitet wurde ?Der geht allerdings in die Falsche Richtung.

      • Den nächsten Schritt zurück in alte Zeiten, das ist leider passiert seit der Winterpause. Und Du hast recht, es geht im Moment in die falsche Richtung. Mit solchen Negativrekordspielen vergrault man die letzten noch treuen Fans. Junge neue Fans ganz zu schweigen, die tun sich sowas doch nicht an. Man sieht es ja auch hier in der Kommentarfunktion. Das Interesse am 1. FC Nürnberg nimmt ab, die Kommentare werden immer weniger. Und sollten die wirklich jetzt die Rückrunde so lasch durchziehen und wieder Siechtumspiele abliefern, dann wird das Interesse noch mehr abnehmen. Man ist ja schließlich Fan, um vom Alltag abgelenkt zu werden, um Begeisterung des Fußballs zu erleben. Aber davon sind wir wieder mal weit entfernt. Und dieses Spiel war charakterlos und Vertrauensbruch gegenüber den Fans.

  • Sehr gute Analyse, Danke Florian Zenger !
    Ja hoffen wir auf einen daraus resultierenden “Galvanisierungspunkt” …

  • Dresden und Darmstadt auf den Spuren des Club.

    Nur der Tabellenabstand ist gering, vergleichsweise.

  • Die Spitzengruppe der zweiten Liga ist richtig eng zusammen, das verspricht ein super spannendes Aufstiegsrennen zu werden. Leider haben die unseren offenbar keine Ambitionen, da wenigstens ein wenig mitzumischen. Man wird sehen wie ernst es die Mannschaft mit dem Erreichen des Zieles Platz fünf bis acht nimmt. Mit der richtigen Einstellung ist das durchaus realistisch und möglich, die Qualität im Kader dafür ist da. Schauen wir mal.

  • Überall äußern sich die Experten zu dem 0:5 Debakel, ich war darauf auch gespannt, vielleicht ist da eine Erklärung dabei die Sinn macht. Man hört und liest aber überall Mangel an Einstellung, der Club wäre überrascht gewesen so quasi und dann kam noch Pech hinzu grob gesagt.

    Wenn der abgeschlagene Tabellenletzte ins Stadion kommt womit anderes rechnet man eigentlich als daß so ein Gegner über die Phsysis und den Kampf kommt? Die werden um die pure Existenz kämpfend kein technisch feines Dominanz Fußballspielchen aufziehen. Ich frage mich deshalb wovon bitte wurde unsere Mannschaft also überrascht zumal es ja im Freundschaftsspiel schon einen kleinen Denkanstoß gab? Auch mit ein paar Tagen Abstand kann ich mir das immer noch nicht erklären.

    • Ja, das stimmt. Da geht man echt wütend, sehr außergewöhnlich vorzeitig aus dem Stadion, weil man sich in einem falschen Film wähnt. Heimwärts denkt man dann schon, erstmal darüber schlafen, damit die Wut abklingt. Aber jetzt ist die Wut weg und man versteht dennoch absolut gar nicht, wie so ein unglaublicher, mannschaftlich geschlossener Auftritt zustandekommt. Es war doch leider beleibe kein “Ausrutscher”, der gesamte unmotiviert-phlegmatische Trend war doch schon vor Weihnachten in den damaligen “Spitzen”begegnungen sicht- und spürbar. Hier mal 20 Minuten geschlafen, dort mal eine Halbzeit lang rumgeeiert. Gegen Düsseldorf muss man nach dem frühen 1:0 gleich weiter Druck machen, die bettelten doch um ein 2:0 und 3:0. Aber was macht unsere Elf? Nach 20 Minuten Ergebnisverwaltung bzw. gleich frühzeitig fast das 1:1 kassieren. Und das war doch auch gegen Sandhausen schon so.

      Vielleicht fehlt bei uns ein “emotional Leader”, siehe Kruse jetzt bei Wolfsburg. Valentini und vor ihn Behrens scheinen zu brav zu sein und/oder haben zuviel mit sich selbst zu tun.

      Ach was weiß ich schon. Mir stinkts.

  • Unabhängig von der (mangelnden) Einstellung empfinde ich es so, dass die vor uns in der Tabelle stehenden Mannschaften spielerisch vor allem in der Offensive einfach besser performen als wir. Dass deren Fußball oftmals schöner anzusehen ist, mehr Angriffswucht entwickelt weil offensiver ausgerichtet und (dadurch?) schlicht erfolgreicher ist. Unseren Kader empfinde ich eigentlich als einen guten. Den von Darmstadt, Paderborn oder Heidenheim schätze ich jedenfalls nicht stärker ein.

    Ein Spiel wie gegen Ingolstadt ist übel und sollte nicht, kann aber als einmaliger Ausrutscher passieren. Mangels Einstellung. Es liegt an der Mannschaft zu beweisen, dass sie es besser kann. Und vor allem will!

    • Gebe ich dir vollkommen Recht. Man sieht einfach, das Mannschaften wie der HSV, Bremen, Schalke, Pauli und mit Abstrichen auch Darmstadt besser und erfolgreicher Fußball spielen. Daher war für mich auch klar, das wir mit dem Aufstieg nichts zu tun haben werden, was ja auch vollkommen in Ordnung ist. In anderen Jahren, mit einer normal starken oder vielleicht schwächeren zweiten Liga könnte das was wir zeigen sogar reichen um aufzusteigen. Dieses Jahr aber nicht. Heißt, Platz 5-8 ist ein durchaus realistisches Ziel, was aber auch erreicht werden sollte um wirklich ein zufriedenes Fazit ziehen zu können.
      Trotzdem hätte man die Möglichkeit (gehabt), da vorne mit zu machen und dann besteht ja die Chance das du als Außenseiter im “Aufstiegsrennen” plötzlich eine komfortable Position hast, überraschen kannst. Und das ist es was mich ärgert. Dieses gleichgültige Herschenken dieser Möglichkeit. Dieser mittlerweile beständige Wechsel von Sieg und Niederlage unterstreicht für ich, das diese Mannschaft nicht mit absolutem Willen das Maximum erreichen will. Und das ist einfach schade. Ich hoffe einfach das die Jungs sich zusammenreißen und ab sofort Vollgas geben, denn bisher hat mir persönlich die Saison größtenteils Spaß gemacht.

      • Du hoffst, dass sich die Jungs zusammenreissen und ab sofort Vollgas geben. Glaubst Du das wirklich oder ist das ein Traum. Wie oft haben wir das schon gehofft und dann gabs im nächsten Spiel das gleiche Siechtum. Man kann nur hoffen, dass sie im nächsten Spiel einigermaßen mitspielen, so dass die Möglichkeit des Sieges oder der Niederlage sich im besten Fall die Waage halten. Mit Vollgas rechne ich mit Sicherheit nicht. Da sind sie nicht willig dazu unsere Purschen.

      • Nach jüngsten Medienberichten räumt unser Trainer ein, dass er zumindest das Test-Debakel hätte thematisieren sollen. Dass Klauß Lehren zieht aus diesem Leistungscrash – da können wir uns ziemlich sicher sein.

        Ob allerdings unsere Mannschaft in Zukunft das tut, was wir alle tun, nämlich mit einer vernünftigen Einstellung an die Arbeit gehen, bezweifle ich. @Herbertgerbert hat Recht, wenn er schreibt: “Der gesamte unmotiviert-phlegmatische Trend war doch schon vor Weihnachten spürbar…” Eigenmotivation Fehlanzeige.

        Ziemlich respektlos gegenüber einem normal verdienenden Fan, der einen zeitlichen und finanziellen Aufwand in Kauf nimmt und dann eine undankbare Lustlosigkeit zu sehen bekommt. Sorry, aber das Ganze geht mir auch drei Tage danach noch auf den Sack.

        Rückschläge sind völlig okay. Dass wir spielerisch noch nicht so toll sind, ist absolut verständlich und nachvollziehbar. Und ein Aufstieg erwartet keiner, wenn er die Dinge halbwegs realistisch verfolgt. Aber eine mangelhafte Einstellung geht überhaupt nicht. Das ist respektlos.

        • Völlig richtig, so sehe ich das auch. Es war einfach zuviel des Guten. Ich habe schon vor dem Spiel befürchtet, dass es kein Selbstläufer wird. Dazu hat mich die Mannschaft zu oft schon enttäuscht. 2 Wochen Pause waren auch da, also war ein mageres Spiel zu erwarten. Dass die jedoch einen solchen Grottenkick abgeben, das vergisst man nach 3 Tagen natürlich nicht und das wird auch noch eine zeitlang anhängen. Ob die Mannschaft Charakter hat wird sich im nächsten Spiel zeigen. Charakter gegenüber den Fans und sowas wie eine Entschuldigung.

          • Ja mein Reden war auch am Freitag vormittag noch gescherzt, Heimspiel, der Tabellenletzte kommt, am vorherigen Spieltag wurde gewonnen, der Club gewinnt ja selten 2 mal nacheinander, alles ist angerichtet für eine volle Bauchlandung wenn es nicht der Club wäre. Umso ärgerlicher war es dann dass es so kam und sogar noch schlimmer. Wenn die Fans das schon sehr sicher alles ahnen warum können die Verantwortlichen, die täglich mit der Mannschaft arbeiten, da nicht gegensteuern?

  • Ich sehe die Gefahr, dass die weichen Ziele – “irgendwo im Mittelfeld”, jedoch kein Aufstieg oder Abstiegskampf – angesichts der bisher komfortablen Situation und zu recht wohlwollender Reaktionen aus dem Umfeld, gepaart mit unklaren Vertragssituationen, dazu führen, dass die Truppe immer seltener 100% gibt. Das benötigen wir jedoch insbes. von den Leistungsträgern der Vorrunde in Defensive und Mittelfeld, da in der Offensive maximal von Köpke neue Impulse zu erwarten sind. Ich bin gespannt, wie das Klauss in den Griff bekommt.

    • Also gerade bei unklaren Vertragssituation besteht doch aller Grund Gas zu geben und Argumente für einen guten neuen zu liefern. Wann denn sonst?

      • Da hast du grundsätzlich recht. Komischerweise zeigt sich das aber häufig, dass Spieler, die beim eigenen Verein keinen Vertrag mehr bekommen, nicht auf einmal besonders viel Gas geben, sondern eher weniger. M.E. geben die Spieler am meisten Gas, wenn sie beim aktuellen Verein einen neuen Vertrag haben wollen (Geis in der Vorrunde).

  • Hecking zeigt sich im Print-Kicker “stark überrascht”, dass die Pfiffe der Zuschauer so früh kamen. Er dachte, dass sich die Mannschaft einen größeren Bonus erspielt hätte.

    Kann seine Argumentation schon ein Stück weit nachvollziehen. Ob allerdings aufmunternder Applaus die Jungs aus dem Sofamodus gerissen hätte? Es gab Zeiten beim Club, da wären Pfiffe noch das harmloseste gewesen was die Spieler abbekommen hätten, wenn sie sich vom Tabellenletzten zerfetzen lassen wie ein Lumpenball von einem Pitbull…

    • Und was kam von der Mannschaft, dass den Bonus verdient hätte?
      Die Fans waren sofort da, als Valentini den Ball abgekrätscht und gewonnen hatte. Das hat man sogar am TV mitbekommen.
      Nein – sorry Herr Hecking das ist mir zu billig.

      • Absolut richtig! Hecking sollte jetzt keine Nebenkriegsschauplätze aufmachen und sich lieber mal auf das Wesentliche konzentrieren. In jedem Stadion der Welt wird nach einem 0:3 Genen einen abgeschlagenen Tabellenletzten gepfiffen. Und soooo großartig, waren die letzten Wochen auch wieder nicht, dass der Bonus riesig groß wäre.

  • Ich finde ja taktische Flexibilität grundsätzlich gut und es ist ein hehres Anliegen, jeden Gegner mit dem optimalen Layout bespielen zu wollen…

    Was mich daran stört ist aber, dass es ein reaktiver Ansatz ist. Warum sagen wir nicht, wir sind der Club, wir zwingen den anderen unser Spiel auf, sollen die doch reagieren!

    Wir haben doch einen starken Kader, warum also nicht Dominanz zeigen? Wir ziehen unser Ding durch! Das fehlt mir ein bisschen.

    Dadurch hätten wir eine bessere Eingespieltheit und vielleicht auch grundsätzlich mehr Sicherheit in den Dingen, die wie versuchen.

    …nur so ein Gedanke

    • Einer, der mich auch beschäftigt.
      Der Grundgedanke beim Club scheint zu sein ein Fußballsystem komplett zu verinnerlichen, das im Aufstiegsfall eine gewisse Chance auf den Klassenerhalt bietet, trotz deutlicher finanzieller Nachteile. Zumindest eine höhere als dominant auftreten zu wollen und letztlich zu scheitern wie zuletzt Paderborn oder in der Hinrunde der Teeladen. So attraktiv deren Spielweise offensiv auch war, hinten stand die Scheune sperrangelweit offen.

      Klauß/Hecking verfolgen wohl eher die Leipziger Schule, die auf Rangnick beruht. Der wiederum von Helmut Groß maßgeblich geprägt wurde. Sehr lesenswertes Interview hierzu im aktuellen 11Freunde. Demnach ist das reaktive System eigentlich ein äußerst aktives und offensives. Wenn du die Spieler dafür hast, vor allem aber die Spieler zu 100Prozent überzeugt davon sind und das System vollständig umsetzen.

      Das klappt beim Club erkennbar noch nicht. Es dauert allerdings auch, bis das sitzt und wird noch viel Geduld von uns erfordern. Aber wenn es passt, können funktionierende Durchschnittsspieler ein überdurchschnittliche Mannschaft ergeben.

      • Dieses reaktive System erklärt auch die abwartente Haltung zu Beginn des Spieles.Erst mal schauen was der Gegner so macht .Nur wenn der Gegner dann mit so einer Wucht kommt wie zuletzt aber auch schon gegen Paderborn haben wir keinerlei Lösungen.

      • M.E. fehlen nur zwei Mentalitäts-/Führungsspieler, die gerade gegen nominell stärkere Gegner dagegenhalten. Das hat uns v.a. gegen Bremen, St. Pauli und Paderborn gefehlt. Wenn die dann Valentini und Dovedan/Shurnaov ersetzen, sind wir eine Klasse besser.

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