Saisonrückschau und -vorschau, Teil 1: Die Torhüter

Wir blicken in sechs Folgen mit Hilfe von Noten und Daten auf die Clubspieler 2021/22 zurück und auf die Clubspieler 2022/23 voraus. Wir beginnen mit den Torhütern.

Im Tor war die Rollenverteilung während der gesamten Saison eindeutig. Christian Mathenia war die Nummer Eins, Carl Klaus die Nummer Zwei und Patric Klandt die Nummer Drei. Klandt kam fünfmal in der Regionalliga zum Einsatz, durfte zum Abschluss der Saison auf der Bank – neben Mathenia – Platz nehmen und beendet nun seine Karriere. Klaus kam immerhin auf drei Pflichtspieleinsätze mehr als sein Vorgänger Christian Früchtl. In beiden Pokalspielen und im letzten Ligaspiel kam der 28-Jährige zum Einsatz.

Christian Mathenia (3173 Einsatzminuten; 97,1% der möglichen Minuten; 47 Gegentore; 49,85 expected conceded Goals)

Der 30-Jährige war bei den allen Notengebenden der Spieler mit der höchsten Wertung. Bei Clubfans United kommt der Stammkeeper des FCN auf einen Notenschnitt von 2,94, bei nordbayern.de auf 2,86, bei der BILD Nürnberg auf 2,88 und beim Kicker auf 3,0. Das liegt sicher zum Teil daran, dass in der Notengebung beim Fußball ein Torwart, der einfach nur im Tor steht, mit einer Drei als Basisnote versehen wird. Ein Blick auf die Notenverteilung zeigt auch, dass Mathenia eben 71-mal von einem Notengeber mit “befriedigend” (also 3 oder 3,5) bewertet wurde. Auffällig ist aber auch, dass Mathenia deutlich seltener unterdurchschnittlich (alle vier “mangelhaft” stammen aus der Partie gegen Sandhausen) als überdurchschnittlich bewertet wurde.

Statistisch gesehen ist die Einordnung als “leicht überdurchschnittlich” nachvollziehbar. Im reinen Schüsse verhindern kommt Mathenia auf etwa drei Tore, die er auf Grund der Chancenqualität mehr hätte kassieren müssen, als er tatsächlich aus dem Netz holen musste. Setzt man das ins Verhältnis zur Einsatzzeit kommt Mathenia mit 0,081 verhinderten Toren pro 90 Minuten auf dem Feld auf Rang Sieben unter den Stammkeepern in der Zweiten Liga, deutlich vor Bremens Pavlenka auf Rang Acht (0,058), aber auch in einigem Abstand zu Gersbeck (0,205) und Vasilj (0,174), welche die Wertung deutlich anführen.

Es ist allerdings die erste Zweitligasaison beim FCN, in der Mathenia in dieser Wertung einen positiven Wert hat. Wie volatil und auch von Mannschaftsleistungen diese Statistik ist, zeigt ein Blick aufs Vorjahr, da war Martin Männel auf Rang Zwei (0,273), in diesem Jahr ist das Auer Urgestein Letzter (-0,161). Dennoch lässt sich bei Mathenia, dessen Vertrag noch weitere zwei Jahre läuft, konstatieren, dass er eine gute Saison gespielt hat. Die Rolle des neuen Torwarttrainers Dennis Neudahm hat sowohl nordbayern.de als auch BILD im Laufe der Saison beleuchtet. Es scheint aber klar, dass Mathenia als klare Nummer Eins in die Saison 2022/23 gehen dürfte.

Carl Klaus (96 Einsatzminuten (+224 im Pokal); 2,9% der möglichen Minuten; 2 Gegentore (+1 im Pokal); 2,27 expected conceded Goals (+1,45 im Pokal))

War unter Fast-Namensvetter Klauß Pokalkeeper, sonst fiel er Vereinsmitgliedern vor allem dadurch auf, dass er im Geburtstagsvideo, das alle Mitglieder zugeschickt bekommen, auf Spanisch gratulieren musste/durfte/solllte. Drei Saisons in Palma sei Dank.

In die meisten Highlightfilme der Saison schaffte es Klaus aber nicht auf Grund seiner Spanischkenntnisse oder auf Grund seiner Paraden – obwohl er gegen Hamburg und Schalke durchaus Paraden zeigte – sondern weil er Opfer von Rodrigo Zalazars “Geniestreich” am letzten Spieltag wurde. Aus fast 60 Metern überwand der Uruguayer Klaus, der anstelle von Mathenia spielen durfte.

Die Anzahl der Bewertungen (in der Grafik sind auch die beiden Pokaleinsätze enthalten – gegen den HSV erhielt Klaus von allen Medien eine Bewertung mit “gut”) macht eine Einschätzung anhand der Noten natürlich wenig aussagekräftig. Gleiches gilt natürlich für die statistischen Werte wie 100% angekommene kurze Pässe. Es lässt sich jedoch konstatieren, dass Klaus’ Arbeit in Nürnberg bei Sportvorstand Dieter Hecking Anerkennung fand. “Er übt mit starken Trainingsleistungen dauerhaft Druck auf Christian Mathenia aus”, begründete Hecking die vorzeitige Verlängerung des nicht auslaufenden Vertrags von Klaus.

Patric Klandt (0 Einsatzminuten (468 in der Regionalliga); 0,0% der möglichen Minuten; 0 Gegentore (4 in der Regionalliga); 0,00 expected conceded Goals (7,42 in der Regionalliga))

Ein paar Einsätze in der Regionalliga, mehr war für den Routinier in seiner letzten Saison in Nürnberg nicht drin. Vollständig geklärt, ob Klandt aufhört, ist noch nicht. Beim Club geht es aber nicht weiter. Er gibt seinen Platz als Torhüter Nummer Drei ab an einen deutlich jüngeren.

Jan Reichert (0 Einsatzminuten (2840 in der Regionalliga); 0,0% der möglichen Minuten; 0 Gegentore (47 in der Regionalliga); 0,00 expected conceded Goals (42,87 in der Regionalliga))

Der Schweinfurter wird zur neuen Saison ins Profiteam aufrücken. In der abgelaufenen Spielzeit war Reichert, der erst im Sommer aus Schweinfurt nach Nürnberg gewechselt war, Stammkeeper bei der U21. Begünstigt wurde Reicherts Position durch eine schwerwiegende Hüftverletzung von Benedikt Willert, so dass das angestrebte Duell zwischen den beiden Jungtorhütern keines wurde. Reichert machte seine Sache auch weitgehend ordentlich für einen jungen Keeper in seiner ersten vollen Regionalligasaison. Auffällig bei Reichert war, dass er überdurchschnittlich oft bei Flanken aktiv wurde. Das führte zum Teil dazu, dass Reichert zu forsch agierte und auch Flanken fallen ließ. Generell war das proaktive Spiel aber eher positiv zu bewerten. Gleiches gilt für sein Passspiel im Aufbau.

Die Situation 2022/23

Auf der Torhüterposition ist beim Club also alles geklärt. Das Torwartteam heißt Christian Mathenia, Carl Klaus und Jan Reichert.

5 Gedanken zu „Saisonrückschau und -vorschau, Teil 1: Die Torhüter

  • Gibt es auch einen Wert für die “Strafraumbeherrschung”?
    Gefangene Flanken oder irgendsowas?
    Bei Klaus wird man mangels Spiele kaum einen Wert finden, aber Mathenia hat diese Saison einige Male die Schäfer-Gedächtnis-Faust ausgepackt, anstatt den Ball zu fangen.

    Antwort
    • Da müsste ja n menschlicher Entscheider dabei sein, der bewertet, ob es jetzt sinnvoller gewesen wäre, zu fausten oder zu fangen. Das ist wahrscheinlich doch sehr subjektiv. Was es gibt – allerdings nicht in den Datenbanken, sondern nur in den Berichten – ist sowas wie ich bei Reichert eingefügt habe: Actions taken per cross faced, also wie oft hat er aktiv gehandelt, als eine Flanke kam. Das ist kein Erfolgskriterium, aber es zeigt schon, wie viel sich ein Keeper zutraut, wenn ne Flanke kommt. Da war Reichert ja im Regionalligavergleich ganz ordentlich bis gut. Wenn Du mich in ner Woche noch mal anspricht, dann weiß ich, ob ich für Mathenia nen Bericht übrig hab (hängt davon ab, ob der Club Neuverpflichtungen tätigt in der Woche). Wenn ja, dann lass ich Dir die Zahlen dazu gerne raus.

      Für die Top5 Ligen, gibt’s bei fbref.com Statsbomb-Daten (für mich sowas wie der Goldstandard zur Zeit), die haben auch Crosses Faced und Crosses Stopped, das kommt der “Strafraumbeherrschung” wahrscheinlich recht nah. (Da hat der Herr hier, den besten Wert in den Top5 Ligen: https://fbref.com/en/players/ae7d0ecd/Alexandre-Oukidja)

      Antwort
      • Also fallen unter “Crosses Stopped” die gefangenen sowie die gefausteten Flanken. Die erfolgreich gefangenen Flanken müssten ja eigentlich gezählt werden können, wird sich nur niemand so wirklich dafür interessieren.
        Obwohl Trapp meiner Meinung nach damit den größten Anteil am Sieg des Europapokal hatte. Auch Vasilj halte ich in dieser Disziplin für weitaus besser als Mathenia.

        Antwort
  • Bei Zalazars Zauberschuss ist Carl Klaus kein Vorwurf zu machen. Sagt mein Nachbar. Und er versteht ohne Zweifel viel vom Torwartspiel.

    Ich selbst verstehe nicht allzu viel vom Torwartspiel. Daher war ich mir etwas unschlüssig. Ich hätte es wohl umschrieben mit “macht halt keine glückliche Figur.” Aber auch das wäre wohl eine unzulässige Kritik an Klaus gewesen, denn…

    …”im modernen Fußball sollte ein Torwart da stehen”, wo Klaus eben stand, als Zalazar zirkelte. Einfach ein Geniestreich, wie @Florian schreibt. Punkt.

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    • Und der Ball ist genau so reingeflogen, dass er nicht mehr zu halten war. Eine etwas andere Flugbahn hätte Klaus vermutlich noch halten können. Aber diesen Ball hätte man eigentlich nur auf der Torlinie halten können. Schon am Fünfmeterraum kriegst Du ihn nicht mehr. Absolut kein Vorwurf!

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