Saisonrückschau und -vorschau, Teil 2: Die Außenverteidiger

Wir blicken in mehreren Folgen mit Hilfe von Noten und Daten auf die Clubspieler 2021/22 zurück und auf die Clubspieler 2022/23 voraus. In Teil 2 geht’s um die Außenverteidiger

Auf den defensiven Außenbahnen war unterschiedliches festzustellen. Während Tim Handwerker auf links quasi unangefochten war, fand auf rechts im Laufe der Saison – als Folge eines CoVid bedingten Ausfalls – eine Wachablösung statt. Enrico Valentini sah ab dem 25. Spieltag nur noch eingeschränkte Spielzeit, Kilian Fischer lief stattdessen auf. Hier ein Blick auf alle fünf Außenverteidiger des FCN in dieser Saison und ein Ausblick auf die kommende Spielzeit. Alle Daten beziehen sich – im Gegensatz zur Darstellung bei den Torhütern – nur auf den Ligabetrieb.

Enrico Valentini (2214 Einsatzminuten; 67,7% der möglichen Minuten; 59,2% gew. Defensivduelle; 2 Tore; 3,62 expected Goals)

Bis zur Partie gegen Regensburg war der Kapitän gesetzt. Dabei hatten seine Leistungen – zumindest in der Bewertung sowohl durch menschliche als auch durch maschinelle Benoter nachgelassen. Nimmt man die ersten 13 Saisonspiele hatte Valentini einen Notendurchschnitt von ungefähr 3,0 unter den menschlichen Bewertern und 6,8/10 bei den maschinellen Bewertern. In den zehn darauffolgenden Spielen lag der Schnitt bei 3,8 bzw. 6,3/10.

Ein deutlicher Abfall im Laufe der Saison, der sicherlich auch Robert Klauß nicht verborgen geblieben war. Zum Wechsel auf der Rechtsverteidigerposition kam es allerdings erst, als Valentini sich vor dem Spiel in Rostock mit CoViD-19 abmelden musste. Kilian Fischer ersetzte Valentini und der kam in den letzten elf Saisonspielen noch auf 126 von 1049 möglichen Minuten. Dennoch hat sich Valentinis Vertrag im Laufe der Saison automatisch verlängert und es ist völlig klar, dass der inzwischen 33-Jährige nach seinem Karriereende beim FCN weiter eingebunden wird.

In der kommenden Saison bleibt Valentini allerdings noch Lizenzspieler des FCN und wird wahrscheinlich erstmal wieder Herausforderer auf der rechten defensiven Außenbahn sein. Dabei ist durchaus erwähnenswert, dass Valentini trotz seiner Funktion als Kapitän kein öffentliches Murren über seine neue Rolle getätigt hat, sondern die veränderte Hierarchie stets akzeptiert hat.

Kilian Fischer (1016 Einsatzminuten; 31,1% der möglichen Minuten; 57,1% gewonnene Defensivduelle; 0 Tore; 0,28 expected Goals)

Bevor er Valentinis Stammplatz einnahm hatte er nur wenige Kurzeinsätze, danach war er mehr oder minder Stammkraft. In den Bewertungen war Fischer noch ein Stück stabiler als Valentini. Nicht nur bei den menschlichen Bewertern, wo er am Ende mit Notenschnitten zwischen 3,36 (nordbayern.de) und 3,15 (BILD Nürnberg) aus der Saison ging, sondern auch bei den algorithmischen Bewertungen, die ihn nur in Heidenheim und Kiel im Schnitt unter 6,5/10 sahen.

Ein Teil der positiven Bewertungen kommt sicher daher, dass Fischer seine Rolle als Rechtsverteidiger gänzlich anders interpretiert als Valentini. Fischer läuft viel mehr mit dem Ball am Fuß (siehe Grafik 2 und 3) als Valentini, der unter den Zweitligarechtsverteidigern eher zu denjenigen zählt, die den Pass wählen, um den Ball voranzutreiben. Dadurch, dass Fischer viel läuft und die Rolle insgesamt offensiver interpretiert – aber auch weil er häufiger als Flügelverteidiger zum Einsatz kam – kommt Fischer auf deutlich mehr Zweikämpfe gegen den Ball (siehe Grafik 1). Er ist häufiger in Positionen weiter vorne zu finden und kommt so häufiger ins Duell gegen einen gegnerischen Außenspieler. Beim Flanken dagegen fliegt Valentini in Sachen Genauigkeit noch leicht vorne. Da zählt Fischer mit etwas mehr als 30 Prozent angekommener Zuspiele zu den schwächeren Rechtsverteidigern der Liga.

Insgesamt deuten die Affinität zum Dribbling, aber auch die Schwächen im Defensivzweikampf im Vergleich zu anderen Rechtsverteidigern darauf hin, dass Fischer möglicherweise als rechter (oder linker) Außenspieler in einem 4-2-3-1 oder 4-3-3 besser aufgehoben wäre. Es ist jedoch zu erwarten, dass Fischer erst einmal als Rechtsverteidiger eingeplant ist und Valentini sein Herausforderer ist.

Tim Handwerker (3236 Einsatzminuten; 99% der möglichen Minuten; 66,1% gew. Defensivduelle; 1 Tor; 2,93 expected Goals)

Handwerker ist der Clubdauerbrenner. 33 Minuten fehlten dem seit einigen Tagen 24-Jährigen zu 100 Prozent Einsatzzeit. Es gilt auch weiterhin, was Mitte April über Handwerker geschrieben wurde: “Er stand unter Robert Klauß in jedem Spiel in der Startelf, fehlte nie verletzt oder gesperrt. Das letzte Spiel, in dem Handwerker nicht in der Startelf stand, war im Februar 2020.” Im Gegensatz zu Mitte April ist inzwischen auch klar, dass Handwerker auch in der kommenden Saison beim FCN spielen wird. Der auslaufende Vertrag wurde verlängert.

In den Bewertungen schneidet Handwerker bei CU, Kicker und BILD mit 3,5 recht durchschnittlich ab. Die Redakteure bei nordbayern.de sahen den Linksverteidiger etwas kritischer mit 3,8 im Schnitt. Deutlich besser kam der gebürtige Bergisch Gladbacher bei den statistischen Aggregatoren weg. Da landete Handwerker im Schnitt bei einer 6,9/10. Das liegt sicher nicht an seiner Flankengenauigkeit. Da gehört er mit 23,4 Prozent zu den schwächsten Linksverteidigern der Liga. Dafür verrichtet er mit knapp zwei Dritteln gewonnener Duelle gegen den Ball ordentliche bis gute Defensivarbeit und macht seine Arbeit auch sonst statistisch ordentlich, ohne herauszustechen.

Für die kommende Saison besteht vor allem die Frage, ob Handwerker nun häufiger – wie in der Endphase der Saison – als linker Innenverteidiger einer Dreierkette eingesetzt wird und Neuzugang Erik Wekesser als linker Flügelverteidiger agiert, oder ob Handwerker und Wekesser sich ein Duell um den Linksverteidigerposten liefern. Handwerker täte Konkurrenz sicher gut, da er sich auch in dieser Saison eigentlich seines Stammplatzes sicher sein konnte, da er von Rausch und Rosenlöcher nie unter Druck gesetzt wurde.

Konstantin Rausch (45 Einsatzminuten; 1,4% der möglichen Minuten; 0 Defensivduelle; 0 Tore; 0,01 expected Goals)

Rausch kam als ablösefreie Ergänzung, als Back-Up für Tim Hansdwerker und wurde nicht gebraucht. Vier Kurzeinsätze, der letzte beim 0:5 gegen Ingolstadt, dazu einmal über die volle Distanz in der Regionalliga bei der 0:3-Niederlage gegen Augsburg II. Der 32-Jährige erhält keinen neuen Vertrag als Spieler beim Club. Ob er in anderer Funktion weitermacht, ist noch unklar.

Linus Rosenlöcher (0 Einsatzminuten; 0,0% der möglichen Minuten; 0 Tore; 0,00 expected Goals)

Einmal (im Pokal gegen Ulm) stand der 21-Jährige im Kader der Profis. Eine Woche später wurde Konstantin Rausch verpflichtet und Rosenlöcher war nie wieder im Aufgebot. Nach einer Hinrunde im Regionalligakader wurde Rosenlöcher zu Esbjerg fB in die zweite dänische Liga ausgeliehen. Dort war Rosenlöcher meistens Stammspieler unter Interimstrainer Rafael van der Vaart. Der Abstieg aus der Zweitklassigkeit am Ende einer chaotischen Saison konnte aber nicht verhindert werden. Es ist also unwahrscheinlich, dass der Verein die Kaufoption bei Rosenlöcher zieht, da er nun in die Drittklassigkeit abstürzt. Rosenlöcher kommt also wahrscheinlich zurück an den Valznerweiher.

Die Saison 2022/23

Mit Valentini und Fischer stehen in der kommenden Spielzeit zwei Rechtsverteidiger im Aufgebot, auf links sind es mit Handwerker, Neuzugang Wekesser, der hier näher vorgestellt und auch ins Verhältnis zu Handwerker gesetzt wird, und Rosenlöcher nominell drei Spieler. Es steht allerdings zu erwarten, dass Rosenlöcher, dem man die Herausfordererrolle gegen Handwerker schon in dieser Saison so wenig zuzutrauen schien, dass man Rausch verpflichtete, in den Plänen der Verantwortlichen keine übergeordnete Rolle spielt. In die U21 rücken mit Seyhan Yiğit (rechts) und Nathaniel Brown (links) zwei Spieler aus der erfolgreichen U19 (Vizemeister in der Bundesliga Süd/Südwest) auf, bei denen man sich mittelfristig zumindest vorstellen kann, dass sie in den Dunstkreis der Profis aufrücken könnten.

7 Gedanken zu „Saisonrückschau und -vorschau, Teil 2: Die Außenverteidiger

  • 25.05.2022 um 17:47
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    Die höchst interessante Liste könnte man jetzt tatsächlich noch um Nathaniel Brown erweitern, der in den Perspektivkader befördert und zur gemeinsamen Vorbereitung mit den Profis eingeladen wurde.

  • 05.06.2022 um 12:19
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    Da waren’s nur noch zwei.
    Also gehen wir nach dem Abgang von Rosenlöcher nach Aue mit Handwerker und Wekesser ins Rennen!?
    Außenverteidiger……..*check* ?

  • 05.06.2022 um 14:31
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    Wie sagst Du Florian eigentlich zu Paderborn ?
    Heute schon mit der zehnten Neuverpflichtung.

    • 05.06.2022 um 15:59
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      Man sieht sehr genau anhand der Spieler, die sie holen, wie Kai Klefisch, Adrian Gryszkiewicz, Marcel Hoffmeier, worauf sie ihre Transfers beruhen lassen. Das ist genau mein Ansatz, aber ob’s funktioniert wird sich zeigen.

  • 05.06.2022 um 17:38
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    Ja des wird spannend wer neben Top Favorit HSV bis zur WM Pause oben alles dabei ist.

  • 10.06.2022 um 18:43
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    So Herr Zenger, bitte überarbeiten und neu berechnen mit Jan Gyamerah ! 😉

    PS : Ich hoffe, dass der Fischer auch einen hohen Betrag aus VW-Stadt eingebracht hat.

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