Die 17 Anderen – Folge 4: SSV Jahn Regensburg

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie der Kader bei den Gegnern strukturiert ist und was letzte Saison auffällig war. Im vierten Teil geht es um den letztjährigen Tabellenfünfzehnten.

  1. Steckbrief
  2. Spielstil 2021/22
  3. Kader 2021/22
  4. Trainer 2022/23
  5. Kader 2022/23

1. Steckbrief

TrainerMersad Selimbegović (seit 01.07.2019)
AbgängeJoël Zwarts (ADO den Haag, Leihe), Max Besuschkow (Hannover 96), Erik Wekesser (1. FC Nürnberg), Alexander Meyer (Borussia Dortmund), Kevin Kunz (FC Carl-Zeiß Jena), Christoph Moritz (unbekannt), Jan-Niklas Beste (SV Werder Bremen, Leihende, wechselt nun zum 1. FC Heidenheim), Sarpreet Singh (FC Bayern München II, Leihende), Carlo Boukhalfa (SC Freiburg II, Leihende; geht im Anschluss zum FC St. Pauli), David Otto (TSG Hoffenheim, Leihende, wechselt zum FC St. Pauli), André Becker (Viktoria Köln, war an die Würzburger Kickers verliehen), Tom Baack (SC Verl, war bereits dorthin verliehen)
ZugängeChristian Viet (FC St. Pauli), Prince Osei Owusu (Erzgebirge Aue), Maximilian Thalhammer (SC Paderborn), Minos Gouras (1. FC Saarbrücken), Dejan Stojanovic (Middlesbrough, war an den FC Ingolstadt 04 verliehen), Oscar Schönfelder (SV Werder Bremen, Leihe), Joshua Mees (Holstein Kiel, Leihe)
Platzierung 2021/2215. Platz, Zweite Liga (40 Punkte, 50:51 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 19632 Siege – 7 Remis – 15 Niederlagen (22:51 Tore)
Ex-Cluberer?Thorsten Kirschbaum spielte zwischen 2015 und 2018 für den FCN und war zwischen 1999 und 2004 Jugendspieler beim Club. Alexander Weidinger war zwischen 2009 und 2012 ebenfalls in der Clubjugend. Sportgeschäftsführer Roger Stilz war Co-Trainer beim Club unter Valérien Ismaël.
Ex-Jahn-Elfler?Neuzugang Erik Wekesser kommt vom SSV Jahn Regensburg. Spielte dort seit 2019. Innenverteidiger Asger Sørensen spielte von 2017 bis 2019 in der Oberpfalz.

2. Spielstil 2021/22

Regensburg variierte die gesamte Saison zwischen einem flachen 4-4-2 oder einem 4-2-3-1, wobei es teilweise auch eine Frage der Notation darstellte, da der Zehner mal als echter Zehner, mal als zweite Spitze agierte. Man streute – mit mäßigem Erfolg – wie beispielsweise gegen St. Pauli auch andere Grundordnungen ein. Ein zentrales Element war der lange Ball. Der Jahn spielte 16,25% seiner Pässe lang, das sind knapp 20 Prozent über dem Ligadurchschnitt. Die Geschichte der Saison beim Jahn war aber eine andere: Regensburg war in der Saison 2021/22 das Opfer der statistischen Varianz im Fußball. Obwohl der xG-Wert zwischen Hinrunde (1,41xG/90 Minuten) und Rückrunde (1,40 xG/90 Minuten) sich nur minimal unterschied, war der Unterschied in den Toren beachtlich.

In der Hinrunde kamen die Oberpfälzer auf 2,06 Tore pro 90 Minuten, in der Rückrunde auf 0,88. Die Anzahl der Tore nach Ecken, Freistoßflanken und Einwürfen sank von zehn in den ersten 17 Spielen, auf vier in den zweiten 17 Partien. Ein Faktor war, dass die Quote der Schüsse, die aufs Tor kamen, um 20 Prozent fiel, aber allein damit lässt sich die hohe Diskrepanz nicht erklären. Das Glück, das man in der Hinserie im Abschluss hatte, kam einfach auch als Pech in der Rückrunde zurück. Nach der Hinrunde war der Jahn noch Fünfter, holte in der Rückrunde dann nur noch zwölf Punkte und war in der Rückrundentabelle damit 16.

Was bei der Betrachtung der Daten auffällt ist, dass das Spiel der Regensburger in der zweiten Saisonhälfte deutlich wilder und intensiver war als in der Hinserie: Erheblich mehr Ballverluste, vor allem im eigenen Angriffsdrittel, aber auch deutlich mehr Balleroberungen standen da zu Buche. Das ging einher mit fast 30 Zweikämpfen pro Partie mehr als in der Hinrunde und einem deutlich gesteigerten Pressingdruck. Die Wildheit und Intensität führte auch dazu, dass die Gegner fast dreißig Pässe pro Spiel weniger spielen konnten und auch die Passgenauigkeit – wenn auch nicht in gleichem Ausmaß – sank. Man schaffte es mit dieser gesteigerten Defensivarbeit sogar die Gegner zu weniger Ballkontakten im Strafraum, Toren und expected Goals zu bringen, da die eigenen Treffer aber ins Bodenlose fielen, konnte man davon nicht profitieren.

Dabei ist jenes intensive physische Spiel eigentlich der Kern der Regensburger Spielweise. Phasenweise spielte man beim Jahn ein radikales Pressing, das den Gegner nicht nur nach Außen wegleiten sollte. Zum Teil schnappte die Pressingfalle auch im Zentrum zu, wenn der Jahn mit einer erheblichen Anzahl an Spielern – zum Teil bis zu sechs – Druck auf den Ballführenden machte. Darin lagen Chance und Risiko gleichermaßen: Wenn der Ball zentral erobert wurde, war er schnell dort, wo er hinsollte, in Tornähe. Das klappte in der Hinrunde besser als in der Rückrunde. Da kam dann eher der Nachteil zum Tragen, wenn ein numerisch so umfassendes Pressing überspielt wird. Der Gegner war im Angriff schnell in der Überzahl und der Jahn unter Druck, so stieg die Anzahl der vom Gegner abgefangenen Bälle um knapp zehn Prozent, die Anzahl der Konterangriffe in der Rückrunde um acht Prozent.

 Regensburg 2021/22
Tore/expected Goals50/47,6
Gegentore/expected Goals against51/54,1
Schüsse pro 90/xG pro Schuss12,80/0,103 (⌀: 12,05/0,120)
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss11,92/0,125 (⌀: 12,05/0,120)
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase49,6%/12,4s (⌀: 50%/13,3s)
PPDA/Chal. Intensity9,51/6,4 (⌀: 9,71/0,120)
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball39%/62%/50%/41% (⌀: 39%/61%/47%/41%)
Für Erklärungen der Begriffe hier klicken.
Spielstil im Vergleich zu anderen Zweitligisten anhand ausgesuchter Parameter. Für Erklärungen der Begriffe hier klicken. Unterschiede zwischen Tabelle und Grafik ergeben sich aus unterschiedlichen Rundungen und Durchschnittsbildungen.

3. Kader 2021/22

Dem Jahn fehlten in der Saison 2021/22 Spieler, die klar im Leistungszenit in Sachen Entwicklung standen. Kennedy, Elvedi, Besuschkow, Gimber und Wekesser waren zu Beginn der Saison alle 24 und standen damit am Beginn des Korridors, Breitkreutz mit 29 Jahren am Ende jenes Zeitraums, der natürlich nicht dogmatisch zu sehen ist und auch nicht für alle Positionen gleich. Dennoch fällt auf, dass beim Jahn die Spieler, die zwischen 25 und 28 und damit “im besten Fußballeralter” waren, weitgehend fehlten oder – mit Ausnahme von Benedikt Saller (25) kaum Minuten bekamen. Die Leihspieler Singh, Beste und Boukhalfa (alle zu Beginn der Saison 22) sahen dagegen viel Einsatzzeit. Möglicherweise lässt sich der Einbruch in der zweiten Hälfte der Saison daher auch nicht nur mit Pech vor dem Tor erklären, sondern auch damit, dass im Zuge der sich entwickelnden Negativspirale – am Ende der Rückrunde stand ein Sieg aus den letzten fünfzehn Partien – es an Spielern fehlte, die mit Erfahrung und Leistung den Rest des Kaders mitnehmen konnten.

Stürmer Andreas Albers (31) wäre so ein Kandidat gewesen, seine sieben Treffer in der Rückrunde waren immerhin für sechs der zwölf Rückrundenpunkte gut, doch allein konnte der Däne, dessen Kopfball- und Zweikampfstärke ein wichtiger Faktor im Spiel der Oberpfälzer war, das Ruder auch nicht herumreißen. Eine Rolle spielte sicher auch, dass Sarpreet Singh, der in der Hinrunde auf fünf Tore und sieben Vorlagen kam, über weite Strecken der zweiten Saisonhälfte mit einer Schambeinentzündung ausfiel. Bis dahin hatte der Neuseeländer über die linke Seite das Spiel mit seinen Dribblings und seinem Passspiel entscheidend beeinflusst. Der Jahn hatte in der Rückrunde einen Rückgang bei den so genannten “Smart Passes”, also jenen Pässen, die auf die Schnittstelle kommen, von 57 Prozent zu verzeichnen. Der Spieler mit den meisten jener Pässe – und auch den meisten Pässen zu Torabschlüssen: Sarpreet Singh.

Insgesamt fällt nicht nur bei Singh, sondern auch bei vielen anderen Spielern – wie Jan-Niklas Beste, Carlo Boukhalfa, Scott Kennedy, Konrad Faber, Jan Elvedi und Benedikt Saller auf, dass der Jahn eine ganze Reihe von Spielern hatte, die in diesem Korridor zwischen 50 und 70 Prozent der möglichen Minuten lagen. Das hatte unterschiedliche Gründe – Verletzungen, Trainerentscheide – könnte aber auch ein Faktor darin gewesen sein, dass die Domstädter sich in der Rückrunde schwerer taten. In der Hinrunde kamen sieben Feldspieler (Breitkreutz, Gimber, Besuschkow, Singh, Faber, Albers, Wekesser) auf mehr als 75 Prozent der möglichen Minuten, danach waren es nur noch fünf (Saller, Gimber, Besuschkow, Albers, Wekesser). Das mag auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, für die Mannschaftsstruktur ist eine hohe Fluktuation auf der Hälfte der Feldspielerpositionen aber nicht zuträglich.

4. Trainer 2022/23

Mersad Selimbegović wechselte als 24-Jähriger aus Sarajewo in die Oberpfalz. Sechzehn Jahre später ist er immer noch in Regensburg und immer noch Angestellter des SSV Jahn Regensburg. Bis 2012 war er als Innenverteidiger in Dritt- und Viertklassigkeit aktiv, danach Co-Trainer der zweiten Mannschaft, Cheftrainer der U19, Nachwuchskoordinator und Co-Trainer der ersten Mannschaft. Als sein Chef, Achim Beierlorzer, Regensburg im Sommer 2019 Richtung Köln verließ, rechnete man damit, dass Selimbegović einen neuen Vorgesetzten bekäme: Eine Rückkehr von Markus Weinzierl stand stand ebenso im Raum wie mit Michael Köllner und Boris Schommers zwei ehemalige Clubtrainer. Am Ende entschied sich der damalige Jahn-Geschäftsführer Christian Keller, seit 1. April Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln, dafür Selimbegović zu befördern. „Wir wollten sehr vieles sehr ähnlich belassen wie in der Vergangenheit, das gilt explizit auch für die Trainingssteuerung“, begründete Keller den Schritt einen Cheftrainernovizen im Profibereich zu benennen. Denn Selimbegović war enger Vertrauter von Beierlorzer, der Regensburg als Aufsteiger auf Platz fünf und im vergangenen Jahr dann auf Platz acht führte. In beiden Spielzeiten saß der Bosnier neben dem Mittelfranken und „er steht als Fußballlehrer für die Jahn-Spielidee“, so Keller damals.

In den ersten beiden Spielzeiten unter dem Bosnier spielte der Jahn sehr klassischen Außenseiterfußball. Gepaart war der mit Elementen der RB-Schule, die Achim Beierlorzer nach Regensburg gebracht hatte: Intensives Pressing, frühe Ballgewinne, direkter Zug zum Tor. So spielte der Jahn unter Selimbegović dann auch tatsächlich meistens in jenem RB-typischen 4-4-2, allerdings meist eher so variiert, dass sich einer der Stürmer in den Zehnerraum fallen ließ und eher seltener mit den „Flügelzehnern“, die Robert Klauß beim FCN weitgehend ohne Erfolg zu installieren versuchte. Gleichzeitig wurde intensiv gepresst: Sowohl gemessen an der gegnerischen Ballbesitzzeit als auch an der gegnerischen Passanzahl war der Jahn beispielsweise 2019/20 eine der aggressivsten Mannschaften. In jedem Spielfelddrittel eroberte der Jahn überdurchschnittlich oft den Ball. Das gelang damals keiner anderem Zweitligamannschaft. In den folgenden Spielzeiten blieb das Kennzeichen des Spiels der Oberpfälzer, wenn auch nicht so ausgeprägt.

Im Offensivspiel setzt der Jahn unter Selimbegović auf das Direktspiel, nahm Ballverluste in Kauf und schreckte vor langen Bällen in die Spitze nicht zurück. So hatte Regensburg am Ende seiner ersten Saison die schlechteste Passquote, die zweitmeisten Ballverluste und die zweitkürzeste durchschnittliche Ballbesitzphase. Dass jene Daten für sich gestellt nicht aussagekräftig sind, zeigte sich dann aber daran, dass Regensburg aber bei den Pässen, die in Tornähe ankommen, im vorderen Mittelfeld lag und keine Mannschaft im Schnitt bei den eigenen Abschlüssen näher am gegnerischen Tor war. Der Verzicht auf Ballbesitz ging also nicht mit einem Verzicht auf Torgefahr einher. Entweder der Ball wurde früh erobert und dann in Tornähe gebracht oder aber der Jahn konterte schnell. Seine Philosophie erklärte Selimbegović dem Podcast 1889fm so: „Ich fordere auch ein gewisses Risiko im Spielaufbau, denn ohne Mut kannst du nicht Fußball spielen.“

5. Kader 2022/23

Der Umbruch beim Jahn fällt bemerkenswert groß aus: Stammkeeper Meyer (Dortmund), Wekesser (Nürnberg) und Besuschkow (Hannover) verlassen den Verein ablösefrei, die Leihgeschäfte mit Beste (Bremen, jetzt Heidenheim), Boukhalfa (Freiburg, jetzt St. Pauli) und Singh (Bayern II) liefen aus. Das heißt sechs Spieler, die um die 2000 Einsatzminuten oder mehr für die Oberpfälzer bestritten haben, fehlen im Aufgebot der neuen Saison. Diese sechs Spieler allein kamen gemeinsam auf knapp 41 Prozent der möglichen Minuten. Dennoch versucht Roger Stilz, seit Dezember Geschäftsführer Sport, die Lücken im Kader, welche durch diese Abgänge gerissen wurden, sinnvoll zu schließen.

Für Alexander Meyer kommt mit Dejan Stojanović ein zweitligaerfahrener Schlussmann. Der Österreicher spielte in der Rückrunde der abgelaufenen Saison für den FC Ingolstadt und war in der Rückrunde der Saison 2020/21 für den FC St. Pauli aktiv. Statistisch schneidet der ehemalige U21-Nationalspieler Nordmazedoniens etwas schlechter ab als Meyer, die neue Nummer zwei des BVB. Stojanović landete in seinen beiden Zweitligasaisons bei mehr Gegentoren als statistisch zu erwarten gewesen wäre, Meyer verhinderte kassierte weniger Gegentore als man hätte erwarten können. In allen weiteren Bereichen halten sich die beiden Spieler ungefähr die Waage, wobei Meyer etwas bessere Werte im Kurzpassspiel besitzt, Stojanović dagegen bei den langen Bällen.

Fürs zentrale Mittelfeld kommt Maximilian Thalhammer vom SC Paderborn an die Donau. Der Freisinger, der 2018/19 bereits an den Jahn ausgeliehen war, kommt im Profil einer defensivstärkeren Version von Carlo Boukhalfa nahe, im Vergleich zu Max Besuschkow fehlt dem 24-Jährigen aber die Genauigkeit und Kreativität im Passspiel. Ein Spieler mit Besuschkows Profil, der robuste Defensivarbeit mit passsicherem Spiel nach vorne und Gefühl für die gefährlichen Räume verbinden kann, fehlt dem SSV Jahn derzeit noch im Kader. Geht man nach den ersten Eindrücken aus den Testspielen könnte Selimbegović gerade im Zentrum für eine Überraschung sorgen. Mit Kaan Caliskaner und Neuzugang Minas Gouras kamen zwei eher offensiv orientierte Spieler hier zum Einsatz.

Die Abgänge von Singh und Beste, die auf den Außenbahnen die Spielgestalter bei Regensburg in der Saison 2021/22 waren, versucht man über die Verpflichtungen von Minos Gouras (links) und Christian Viet (rechts), sowie die Leihe von Joshua Mees (links, aber auch rechts) zu kompensieren. Hinzu kommt mit Oscar Schönfelder ein Spieler, der in der Regionalligamannschaft von Werder Bremen als Stürmer agierte, bei den Profis zu Kurzeinsätzen als linker Wing Back kam und in der Jugend sowohl im linken wie auch im rechten Mittelfeld agierte. Alle diese Transfers stärken die Flügel, so dass – auch mit der Verpflichtung von Thalhammer – der Eindruck entsteht, dass Selimbegović wieder mehr auf ein flaches 4-4-2 mit Flügelfokus umstellen könnte. Dabei könnten Mees und Viet zusammen mit Guwara und Saller die Flügelpaare bilden, gerade auf den Defensivpositionen würden dann aber die Alternativen fehlen, wenn man nicht wie in den ersten Testspielen auf Schönfelder (links) und Faber (rechts) als Alternativen baut.

Für das Sturmzentrum hat der Jahn mit Prince Owusu einen Ersatz für David Otto verpflichtet, dessen Leihe von der TSG Hoffenheim beendet ist. Owusu hat wie Otto ein ordentliches offensives Zweikampfverhalten, ist aber im Dribbling etwas stärker, so dass man sich durchaus vorstellen kann, dass der 25-Jährige die mobile Spitze neben Wandspieler Andreas Albers geben kann. Eine Rolle, die auch Aygün Yildirim oder Niklas Shipnoski zufallen könnte. Letzterer ist seit Januar bis Ende der Saison von Fortuna Düsseldorf ausgeliehen. Beim Jahn wird entscheidend sein, wie man die große Anzahl an qualitativ hochwertigen Abgängen verkraften kann. Dafür müssen die meisten Transfers funktionieren. Sonst gilt der Jahn einmal mehr als einer der großen Kandidaten für den Abstieg. Das tut er aber ja seit fünf Jahren und bisher konnte er stets die Klasse halten.

#Pos.NameVornameAlter*Nationseitletzter Verein
1TWStojanovićDejan28AUT07/2022Middlesbrough/FC Ingolstadt 04
2
3
4
5ZMGimberBenedikt25D08/2019FC Ingolstadt 04
6RVSallerBenedikt29D08/2016FSV Mainz 05 II
7STShipnoskiNiklas24D01/2022Fortuna Düsseldorf
8ZMThalhammerMaximilian24D07/2022SC Paderborn 07
9STOwusuPrince Osei25D/GHA07/2022Erzgebirge Aue
10STCaliskanerKaan22D/TUR07/20201. FC Köln II
11RAFaberKonrad24D07/2021SC Freiburg II
12
13
14
15
16STSchönfelderOscar21D07/2022SV Werder Bremen II
17
18RAYildirimAygün27D/TUR07/2021SC Verl
19STAlbersAndreas32DAN07/2019Viborg FF
20LVGuwaraLeon26D/GAM07/2021FC Utrecht
21TWKirschbaumThorsten35D07/2021VVV Venlo
22LAGourasMinos24D/GRE07/20221. FC Saarbrücken
23IV BreitkreuzSteve30D07/2021Erzgebirge Aue
24IVKennedyScott25D/CAN08/2020Austria Klagenfurt
25ZMZemplinBjörn22D07/2021eigene U23
26LAMakridisCharalampos25D/GRE01/2020Borussia Mönchengladbach II
27
28IVNachreinerSebastian33D07/2010FC Dingolfing
29LAMeesJoshua26D07/2022Holstein Kiel
30RVViet Christian23D07/2022FC St. Pauli/Borussia Dortmund II
31
32TWWeidingerAlexander25D01/2022SpVgg Unterhaching (Leihende)
33IVElvediJan25SUI07/2020SC Kriens
34
35
36
37
38
39
40
*Stichtag für Alter: 1.7.2022

Erklärungen zu den statistischen Begriffen

expected Goals (xG): Sie sind ein Wert, der das intuitive „Des hädd a zwaa ans firn glubb ausgeh kenna“ versucht zu quantifizieren. Zur Ermittlung wird jedem Schuss auf Grund von Ort und Art des Schusses sowie der Anzahl der Gegner, die zwischen dem Schützen und dem Tor stehen, ein Erfolgswert zwischen 0.001 und 1.00 zugewiesen. Je nach Modell werden auch noch andere Faktoren wie beispielsweise Schussgeschwindigkeit oder Schusshöhe einberechnet. Dabei entspricht 0.001 einer Chance von 0,1%, dass der Ball ins Tor geht, ein Wert von 1.00 ist ein Ball, der auf der Torlinie liegt, ohne dass der Spieler bedrängt wird. Ein Elfmeter wird dementsprechend mit 0.76 verbucht, da im Profibereich ziemlich genau 76% aller Elfmeter ins Tor gehen. Alle anderen xG-Werte unterscheiden sich je nach Anbieter, da manche Datenermittler die Werte von so genannten „Spottern“ einschätzen lassen, während andere eine Datenbank mit weltweit erfassten Schüssen bemühen. Um die xG für ein beliebiges Spiel zu erhalten, addiert man die Werte aller Schüsse beider Mannschaften. Ein Beispiel: Am ersten Spieltag der Saison 2019/20 hatte der FCN in Dresden einen xG-Wert von 0,46, Dynamo Dresden von 0,84. Das entspricht in etwa dem Eindruck, den man auch augenscheinlich hatte. In einem weitgehend ausgeglichenen, chancenarmen Spiel hatte Dresden die etwas besseren Gelegenheiten. Im Rückspiel vor der Winterpause kam der FCN auf 1,45 xG, Dresden auf 0,38xG. Auch hier wird der Eindruck bestätigt, der Club hatte bessere Chancen, Dresden kaum gute. Theoretisch lassen sich aus den xG-Werten auch Siegwahrscheinlichkeiten errechnen, z.B. 19% für den Club in Dresden, 67%% im Rückspiel.

Ballbesitz: Der Unterschied zwischen Ballbesitzteams und jenen, die dem Gegner den Ball überlassen, ist weitgehend intuitiv verständlich. Will man den Ball selbst haben? Oder soll der Gegner das Spiel machen. Zum Messen dieser an sich geradlinig wirkenden Statistik gibt es allerdings zwei Methoden. Die meisten Anbieter messen Ballbesitz über die Anzahl der Pässe. Die Anzahl der gespielten Pässe beider Teams im Spiel wird addiert und dann wird daraus der Anteil berechnet, den jedes Team hatte. Die andere Methode ist zeitbasiert. Hier wird die Zeit aufaddiert, die jede Mannschaft in Ballbesitz verbringt. Während die passbasierte Variante Teams, die viele kurze Pässe spielen, überbewertet, ist die zeitbasierte Variante bei Phasen, in denen kein Team den Ball am Fuß hat, ungenau. Der gewählte Datenanbieter Wyscout verwendet ein zeitbasiertes Modell. In den europäischen Top 5 Ligen (England, Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich) schwankten 2021/22 die Werte zwischen 68,2 Prozent (Barcelona) und 39,3 Prozent (Burnley).

Pressingdruck: Was unter Pressing zu verstehen ist, das erscheint weitgehend klar. Es geht darum, auf den Ballführenden Druck auszuüben, so dass dieser im Aufbau nicht genug Zeit hat, einen Pass gezielt anzubringen. Es gibt Mannschaften, die den Gegner sofort unter Druck setzen – etwas für das beispielsweise von Marcelo Bielsa trainierte Teams bekannt sind – und solche, die dem Gegner in Ballbesitz freie Entfaltung lassen und erst spät ins Pressing gehen. Die statistische Zahl, die dafür entwickelt wurde, läuft unter dem Akronym PPDA. Dahinter versteckt sich die englische Bezeichnung Passes per Defensive Action. Relevant für diesen Wert sind nur Aktionen, die mindestens 40 Meter vom eigenen Tor entfernt stattfinden. Aktionen näher am eigenen Tor spielen keine Rolle. Nachvollziehbar, wenn man mit dem Wert messen will, wie stark der Spielaufbau des Gegners gestört wird. Für den PPDA-Wert werden dann in einem ersten Schritt die Defensivaktionen eines Teams – also Zweikämpfe, abgefangene Bälle, herausgeschlagene Bälle und Fouls – addiert. In einem zweiten Schritt wird diese Summe durch die Anzahl der Pässe des Gegners geteilt. Je niedriger der Wert ist, desto weniger Pässe ohne Abwehraktion wurden zugelassen und desto höher ist der Druck. Deshalb ist in der Visualisierung auch der niedrigste Wert, der höchste, also der “blauste”. In den europäischen Top 5 Ligen schwankten die Werte 2021/22 zwischen 7,26 PPDA (Barcelona) und 16,93 PPDA (Troyes).

Challenge Intensity: Die Challenge Intensity ist quasi das Pressinggegenstück zum zeitbasierten Ballbesitz. Sie geht den gleichen Wert wie PPDA und misst Defensivaktionen. Allerdings nicht auf Basis der gegnerischen Pässe, sondern auf Basis der Zeit, die der Gegner den Ball in seinen Reihen hält. Die “defensive Intensität” misst also die Anzahl der Defensivaktionen pro Minute gegnerischen Ballbesitz. Logischerweise ist die Korrelation mit PPDA sehr hoch, wie diese Grafik zeigt. Dennoch hat der damit ermittelte Wert seine Daseinsberechtigung, da er etwaige Unterschiede im Spieltempo (siehe unten) besser herausfiltern kann. 2021/22 lagen die Werte der Challenge Intensity in den Top5-Ligen zwischen 4,9 (Troyes) und 8,2 (Köln).

Fernschüsse: Oberflächlich betrachtet ist die Frage nach den Fernschüssen eine recht geradlinige. Schießt ein Team eher weiter vom Tor weg aufs Tor oder aber näher dran. Das ist sicherlich auch ein Teil dessen, was gemessen wird. Dahinter versteckt sich aber oft ein Maß dafür, wie lange ein Angriff ausgespielt wird. Je länger eine Angriffsphase dauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass ein Spieler die Geduld verliert und statt eines weiteren Passes den Abschluss sucht. Das gilt selbstverständlich nicht für alle Fernschüsse. Eine hohe Anzahl an Abschlüssen außerhalb des Strafraums spricht dennoch dafür, dass Angriffe schnell abgeschlossen werden. Eine einfache Metrik dafür wäre die durchschnittliche Torentfernung beim Abschluss. Das Problem für diesen Wert ist, dass er, wie jeder Mittelwert, anfällig für Ausreißer ist. Stattdessen wird hier für die Visualisierung der Anteil der Fernschüsse an allen Schüssen gewählt, um zu messen, wie oft die Mannschaft einen Angriff durch einen Fernschuss beendet. In den europäischen Top 5 Ligen lagen die Werte zwischen 52,6 Prozent (Getafe) und 28,5 Prozent (Villarreal).

Flanken: Die Flanke an sich steht unter Freunden der Fußball-Analytics nicht unter dem besten Leumund. 92 Flanken brauche es im Schnitt, um ein Tor zu erzielen, gute Verteidigungen könnten sich schnell auf Flanken einstellen und diese aus der Gefahrenzone köpfen. Es scheint als würden die Trainer diesen Einwänden glauben: In den Top 5 Ligen ist der Schnitt der Flanken pro Spiel von 17 in der Saison 2010/11 über 15 in der Spielzeit 2016/17 auf nunmehr 13,5 gefallen. Dabei hat das Flanken durchaus seinen Platz im modernen Fußball, wenn man die richtigen Stürmer im Zentrum hat. Eindrucksvoll bewies das zum Beispiel der 1. FC Köln in der abgelaufenen Saison. Generell bedeutet eine hohe Flankenzahl also erst einmal zwei Dinge: Man sucht eine Kopfballspieler in der Mitte und man kommt oft in Tornähe. Die gewählte Metrik der Flanken pro 90 Minuten könnte als rein quantitative Angabe leicht verschoben in Richtung Teams mit viel Ballbesitz sein: Wer den Ball viel hat, kann auch viel flanken. So liegt Manchester City nicht nur beim Ballbesitz europaweit in der Spitzengruppe, sondern auch bei den Flanken, ähnliches gilt auch für Barcelona. Ein Blick auf die Statistik zeigt aber, dass hier insgesamt wenig Korrelation vorliegt. Ballbesitzteams wie Bayern München, Olympique Lyon, Paris St. Germain oder Dortmund flanken alle nicht überdurchschnittlich oft. Flanken sind also vor allem von der Spielanlage und nicht vom Ballbesitz abhängig. In den europäischen Top 5 Ligen schwankten die Werte zwischen 19,83 Flanken pro 90 Minuten (Manchester City, Köln folgte knapp dahinter auf Rang zwei) und 9,14 Flanken (Borussia Mönchengladbach).

Lange Bälle: Hier geht es auch um ein klar erkennbare Stilfrage. Spielt ein Team vor allem kurze Bälle oder greift es gern zum langen Schlag? Geschieht der Aufbau also vor allem durch kurze und mittellange Pässe oder überbrückt man den Raum gerne mit langen Bällen. Zuspitzen kann man diese Kategorie auf die Frage: Tiki Taka oder langer Hafer? In den Fußballdaten spricht man bei einem flachen Pass, der über mehr als 45 Meter geht oder einem hohen Pass, der länger als 25 Meter fliegt, von einem langen Ball. Die Anzahl dieser langen Pässe nimmt man dann und teilt sie durch die Anzahl der insgesamt gespielten Pässe. So kommt man auf den Anteil der langen Pässe am Passspiel der Mannschaft und kann so eine gewisse Charakteristik des Passspiels ablesen. In den europäischen Top 5 Ligen oszillierten die Werte zwischen 18,4 Prozent (Bochum) und 4,28 Prozent (Paris St. Germain).

Spieltempo: Um das Tempo der Spieler zu messen, gibt es inzwischen recht genaue Daten. Wir wissen, dass in den Top 5 Ligen Alphonso Davies vom FC Bayern München mit einer Geschwindigkeit von 36,5 km/h der schnellste Spieler ist. Doch wie berechnet man das Tempo des Spiels? Wahrscheinlich würden sich die meisten Zuschauer darauf einigen können, dass ein Spiel dann schnell ist, wenn sich der Ball schnell bewegt. Spielt also eine Mannschaft viele Pässe in kurzer Zeit, spielt sie schnell, spielt sie dagegen wenige Pässe in langer Zeit, spielt sie langsam. Je höher die Ballzirkulation, desto schneller das Spieltempo. Die statistische Maßzahl hierfür ist die so genannte “Passrate”, also die Anzahl der Pässe pro Minute Ballbesitz. Der Einwand, dass schnelle Dribblings in dieses Spieltempo nicht einfließen, da sie keinen Pass darstellen, erscheint im ersten Moment einleuchtend, betrachtet man aber die Daten stellt man fest, dass die Teams mit einer hohen Passrate auch eine höhere Anzahl an “progressiven Läufen”, also Läufen mit dem Ball am Fuß, die signifikant Raumgewinn erzielen – mindestens 30 Meter, wenn der Lauf in der eigenen Hälfte beginnt und endet, mindestens 15 Meter, wenn der Lauf in der eigenen Hälfte beginnt und in der gegnerischen endet und mindestens zehn Meter, wenn der Lauf in der gegnerischen Hälfte beginnt und endet. In den europäischen Top 5 Ligen lagen die Werte der Passrate 2021/22 zwischen 17,0 (Lazio Rom) und 11,5 Pässen pro Minute Ballbesitz (Valencia).

Konterangriffe: Grundsätzlich gibt es fürs Angreifen aus dem Spiel heraus zwei Art und Weisen. Zum einen den so genannten Positionsangriff. Der Ball wird planvoll nach vorne getragen und man versucht, gegen eine formierte Abwehr eine Lücke zu finden. Die andere Variante ist der Konterangriff. Also schnell von Abwehr auf Angriff umzuschalten und nach vorne zu spielen, noch ehe der Gegner sich formieren konnte. Dabei gilt: Selbst die Mannschaft mit der stärksten Konterausprägung spielt ihre meisten Angriffe als Positionsangriffe. Im Schnitt sind nur knapp 2,7 Angriffe pro Spiel Konterangriffe, 27,6 dagegen Positionsangriffe. Der durchschnittliche Anteil der Konter in den europäischen Topligen liegt also ungefähr bei 8,7 Prozent. Dennoch lässt sich aus den Unterschieden zwischen den Werten herauslesen, wie sehr eine Mannschaft auf Angreifen durch Umschalten setzt. Mitte der Saison 2021/22 schwankten in den europäischen Top 5 Ligen die Anteile der Konter an allen Angriffen aus dem Spiel heraus zwischen 16,2 Prozent (Leeds United) und 3,93 Prozent (Aston Villa).

3 Gedanken zu „Die 17 Anderen – Folge 4: SSV Jahn Regensburg

  • 27.06.2022 um 13:46
    Permalink

    Bemerkenswert finde ich, dass Singh in Regensburg als Flügelspieler glänzte, während es bei uns hieß, er wäre auf dem Flügel falsch eingesetzt.

    Hat er da seine Einstellung geändert?

    • 27.06.2022 um 14:07
      Permalink

      Ich hab Klauß schon vor dem Hinspiel dazu gefragt, weil er ja ganz stark in die Saison gestartet war und es klang schon durch, dass es ein wenig Kopfsache war. Zum anderen hat er in Regensburg weitgehend links gespielt, beim Club aber oft rechts. Ich hab’s mal schnell in den DataWizard bei Matchmetrics geworfen und man sieht, welche Unterschiede es da gibt:

      Sieht man schon, wie stark er zugelegt hat, da dürfte die Positionierung auf links schon eine Rolle gespielt haben.

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