Die 17 Anderen – Folge 5: SV Sandhausen

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie der Kader bei den Gegnern strukturiert ist und was letzte Saison auffällig war. Im fünften Teil geht es um den Verein eines ehemaligen Clubtrainers.

  1. Steckbrief
  2. Spielstil 2021/22
  3. Kader 2021/22
  4. Trainer 2022/23
  5. Kader 2022/23

1. Steckbrief

TrainerAlois Schwartz (seit 22.09.2021, zuvor Karlsruher SC [29.8.2017 bis 2.2.2020], 1. FC Nürnberg [1.7.2016 bis 7.3.2017], SV Sandhausen [1.7.2013 bis 30.6.2016], Rot-Weiß Erfurt [10.9.2012 bis 31.5.2013], 1. FC Kaiserslautern II [01.01.2007 bis 09.09.2012, Unterbrechung im Mai 2009, da für vier Spiele Interimstrainer der Profimannschaft], Wormatia Worms [01.07.2005 bis 23.12.2006], Interimstrainer Rot-Weiß Erfurt [11.4.2003 bis 30.6.2003))
AbgängeJulius Biada (1. FC Saarbrücken), Pascal Testroet (FC Ingolstadt 04), Erich Berko (Maccabi Netanya), Felix Wiedwald, Maurice Deville, Rick Wulle (unbekannt), Tim Kister (Karriereende), Nils Seufert (SpVgg Greuther Fürth, Leihende), Alou Kuol (VfB Stuttgart, Leihende), Carlo Sickinger (SV Elversberg, war bereits dorthin verliehen), Gianluca Gaudino (Lausanne Sports, war an SCR Altach verliehen)
ZugängePhilipp Ochs (Hannover 96), David Kinsombi (Hamburger SV), Vincent Schwab (eigene U19), Matej Pulkrab (Sparta Prag), Abu-Bekir Ömer El-Zein (Borussia Dortmund U19), Josef Ganda (Admira Wacker)
Platzierung 2021/2214. Platz, Zweite Liga (41 Punkte, 42:54 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 19635 Siege – 1 Remis – 9 Niederlagen (16:22Tore)
Ex-Cluberer?Dennis Diekmeier spielte von Januar 2009 bis Juli 2010 für den FCN. Alexander Esswein war zwischen Juli 2011 und Januar 2014 beim Club unter Vertrag. Alois Schwartz trainierte in der Saison 2016/17 bis zu einer Derbyniederlage gegen Fürth den FCN.
Ex-SVSler?Florian Hübner spielte zwischen 2013 und 2016 für die Sandhäuser.

2. Spielstil 2021/22

Auf die gesamte Saison gerechnet war der SV Sandhausen in vielerlei Hinsicht ein statistischer Ausreißer: Der geringste Ballbesitz, die wenigsten Pässe (268/90 Minuten), das geringste Matchtempo, die kürzesten Ballbesitzphasen. Der SVS wollte den Ball nicht haben und wenn er ihn hatte, dann verlor er ihn auch häufiger als alle anderen: Die geringste Passquote, die meisten Ballverluste im eigenen Verteidigungsdrittel. Dazu der höchste Anteil an langen Bällen und auch der dritthöchste Anteil an Kontern. Nichts liest sich so sehr wie Außenseiterfußball wie diese Zahlen. Dabei war Sandhausen ganz anders in die Saison gestartet. Nach sieben Spielen lag der SVS bei mehr als 48 Prozent Ballbesitz, spielte eine nur leicht unterdurchschnittliche Anzahl an Pässen (346/90 Minuten), war in Sachen Ballbesitzzeit und Matchtempo zwar unterdurchschnittlich, aber nicht Schlusslicht.

Das Problem: Sandhausen war mit nur vier Punkten auf Rang 16 und hatte dabei noch Glück, dass die Gegner mit 1,86 Toren pro 90 Minuten ihren xG-Wert von 2,48 deutlich unterboten. Nur Rostock ließ statistisch bis zum 7. Spieltag bessere Chancen zu, da die Hanseaten aber knapp vier Schüsse weniger zuließen als Sandhausen, war der SVS das Team mit den meisten expected Goals gegen sich (17,3) nach sieben Partien. Nach expected Points waren die Kurpfälzer ebenfalls Letzte nach sieben Spielen. Das lag auch daran, dass Sandhausen sich kaum gute Torchancen erspielen konnte. Der eigene xG-Wert pro Spiel lag unter einem zu erwartenden Tor, gepaart mit der geringen Schussanzahl von weniger als zehn Schüssen pro 90 Minuten aufs gegnerische Tor, bedeutete das die schlechteste Chancenqualität der Liga – was auch daran lag, dass die wenigen Schüsse auch noch von überdurchschnittlich weit weg genommen wurden.

Es folgte ein Trainerwechsel. Gerhard Kleppinger ist nun wieder Koordinator Talentförderung und Leiter der Scouting-Abteilung, Stefan Kulovits, der mit Kleppinger gleichberechtigt war, verließ den Verein, ist seit Januar Trainer der zweiten Mannschaft von Rapid Wien. Statt “Kleppovits” trainierte dann Alois Schwartz den SVS. Die Auswirkungen waren spürbar. Der Ballbesitz unter Schwartz lag bei 37,7 Prozent, Sandhausen spielte unter Schwartz fast 80 Pässe weniger pro Spiel als unter Kleppinger/Kulovits, der Gegner dagegen über 100 mehr. Die Zahl der Defensivzweikämpfe stieg für Sandhausen um knapp 13,5 Prozent. Der SVS foulte deutlich mehr als 40 Prozent häufiger, fing10 Prozent mehr Bälle ab, schlägt 23 Prozent mehr Bälle heraus als zuvor. Es interessierte auch nicht mehr, wenn der Ball schnell verloren ging: Die durchschnittliche Ballbesitzphase umfasste nur noch etwas mehr als zweieineinhalb Pässe, knapp 18 Prozent weniger als vorher. Übersetzt heißt dieser ganze Prozentdschungel vor allem eins: Sandhausen stand nach dem Trainerwechsel tiefer, wartete mehr ab und setzte auf lange Bälle. Das Ziel war es, zunächst einmal das eigene Tor besser zu verteidigen.

Das gelang auch. Die Zahl der gegnerischen Schüsse in Richtung Tor sank, die Zahl der gegnerischen Schüsse, die aufs Tor kamen, sank noch viel deutlicher. So sank dann auch die Qualität der gegnerischen Chancen immens. In der Offensive bestand auch nach Schwartz’ Installation als Trainer noch Verbesserungsbedarf. Allerdings war man am Ende der Saison in Sachen Chancenqualität – also xG/Schuss – sogar bis auf Rang fünf in der Liga geklettert, auch weil man den Anteil der Fernschüsse deutlich reduzierte. Das Problem: Unter Schwartz schoss man nicht einmal mehr neun Mal pro Spiel aufs Tor und kam noch einmal deutlich seltener (18,7 Prozent) in den gegnerischen Strafraum. Die defensive Stabilität hat Schwartz vor allem dadurch erreicht, dass er das Zentrum verdichtete. Da, wo vorher nur eine Sechs spielte, setzte Schwartz konsequent auf eine Doppelsechs. Nach den personellen Veränderungen in der Winterpause (siehe Kader 2021/22) wurde dieser Faktor noch deutlicher. Den Klassenerhalt schaffte der SVS daher auch vor allem deshalb souverän, weil man in der Rückrunde von allen Teams die wenigsten Gegentore kassierte.

 Sandhausen 2021/22
Tore/expected Goals42/38,2
Gegentore/expected Goals against54/59,4
Schüsse pro 90/xG pro Schuss8,63/0,122 (⌀: 12,05/0,120)
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss13,55/0,121 (⌀: 12,05/0,120)
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase39,3%/10,5s (⌀: 50%/13,3s)
PPDA/Chal. Intensity10,63/5,8 (⌀: 9,71/6,4)
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball37%/60%/48%/39% (⌀: 39%/61%/47%/41%)
Für Erklärungen der Begriffe hier klicken.
Spielstil im Vergleich zu anderen Zweitligisten anhand ausgesuchter Parameter. Für Erklärungen der Begriffe hier klicken. Unterschiede zwischen Tabelle und Grafik ergeben sich aus unterschiedlichen Rundungen und Durchschnittsbildungen.

3. Kader 2021/22

Der Blick aufs Kaderdiagramm lässt vor allem zwei Aspekte ins Auge springen. Zum einen fehlen im Kader die Spieler unter 23 fast komplett. Gerade einmal knapp 4 Prozent der möglichen Einsatzminuten wurden von Spielern absolviert, die am Anfang September 2021 23 Jahre alt oder jünger waren. So wenig wie bei keiner anderen Mannschaft. Bei den U21 Spielern waren es sogar weniger als ein Prozent. Spieler, die unter die Local Player Regelung fallen, kamen dabei übrigens gar nicht zum Einsatz. Zum anderen war die Fluktuation im Kader der Kurpfälzer hoch. Im Winter gingen mit Ouahim, Gaudino, Sickinger, Conteh, Keita-Ruel und Benschop gleich sechs Spieler, es kamen mit Đumić, Trybull, Seufert, Berko, Deville, Kutucu, Kuol und Deville acht Neuzugänge in der Saisonunterbrechung.

Gerade die Verpflichtungen von Trybull und Đumić sollten sich als Schlüssel erweisen. Trybull sprengte in Sachen Defensivzweikämpfe und abgefangene Bälle fast die Skala, erwies sich als Teil der Doppelsechs als absoluter Glücksgriff für die Sandhäuser. Der inzwischen 29-jährige gebürtige Berliner passte mit seiner Intensität perfekt in die Spielweise von Alois Schwartz, in der es darum geht, das Zentrum dicht zu machen und sicher zu stehen. Innenverteidiger Đumić war mit fast 75 Prozent gewonnenen Defensivduellen eine Bank in der Rückwärtsbewegung, ergänzte sich gut mit dem kopfballstarken Zhirov darin, die gegnerischen Angreifer zu stören und brachte dazu eine wichtige Komponente für das Spiel unter Alois Schwartz: Er kann einen recht präzisen langen Ball spielen und so das Umschalten aus der Tiefe einleiten.

Über die gesamte Saison gesehen, ragte Jannik Bachmann heraus. Der Mittelfeldspieler gehörte zusammen mit Linksverteidiger Okoroji, Torwart Drewes, Innenverteidiger Zhirov, Mittelfeldspieler Zenga und dem rechten Flügelspieler Ajdini zur Gruppe an Stammspielern, die auf um die 80 Prozent mögliche Minuten oder mehr kamen. Bachmann ist insofern aber besonders, da er vor der Winterpause noch eher als Sechser agierte, dann aber von Schwartz nach der Verpflichtung von Trybull oft eher als Zehner eingesetzt wurde. Seine Kopfballstärke war dem 1,96m großen Hessen bei der Spielweise der Sandhäuser mit vielen langen Bällen zuträglich. Er ergänzte damit auch Pascal Testroet, der ohne seine Achillessehnenprobleme wahrscheinlich auch zu den Spielern mit circa 80 Prozent Spielminuten gehört hätte. Der Angreifer war mit zehn Toren bester Sandhäuser Angreifer. Er war aber auch der einzige Sandhäuser Offensivspieler, der auf signifikante Einsatzzeiten kam und wenigstens eine ordentliche Chancenqualität (0,36 xG/90 Minuten) vorweisen konnte. Die Offensivprobleme der Kurpfälzer schlugen also auch auf individueller Ebene durch.

4. Trainer 2022/23

„Wenn ich eine Mannschaft wie den FC Barcelona leiten würde, würde ich auch anderen Fußball spielen lassen “. Da er aber nicht Barcelona trainiert, lässt Alois Schwartz stets das spielen, wofür er bekannt ist: Defensiv stabilen, reaktiven Außenseiterfußball. Schwartz selbst sieht nach eigener Aussage die Defensive als Fundament, ohne welches das Haus des Fußballs nicht stehen kann. Meist, wenn auch nicht immer, scheitern Schwartz‘ Mannschaften dann aber am Innenausbau, an der offensiven Kreativität und Durchschlagskraft. Letztlich sieht Alois Schwartz’ Fußball so aus, wie unter Spielstil 2021/22 beschrieben: Defensiv sicher, offensiv ausbaufähig. Die Erfahrung hat man auch in Nürnberg mit Alois Schwartz machen dürfen. Da kam man mit seiner Art Fußball zu spielen nicht zurecht. Dabei hätte man sich denken können, was man bekommt.

Geholt hatte man Schwartz im Sommer 2016. Schon damals trainierte der inzwischen 55-Jährige den SV Sandhausen, etablierte die nur durch den Lizenzentzug des MSV Duisburg in der Zweiten Liga verbliebenen Kurpfälzer als Zweitligist. In drei Spielzeiten holte er 1,28 Punkte pro Spiel, wurde zweimal Zwölfter und einmal 13. mit dem SVS. Dann lotste ihn der Club nach Nürnberg. Dort holte er 1,26 Punkte pro Spiel, der FCN lag auf Platz 11 und Schwartz wurde entlassen. Für den Club folgte Michael Köllner und eine Saison später der Aufstieg. Für Schwartz folgte eine Anstellung beim Karlsruher SC, den er in aufeinanderfolgenden Spielzeiten auf Platz drei und zwei in der Dritten Liga führte und damit zum Aufstieg.

In der Zweitligasaison lief es dann für den KSC aber nicht mehr rund. Auf Rang 17 liegend entließen die Badener Schwartz am 20. Spieltag. Dort ersetzte ihn Christian Eichner. Der rettete den KSC und führte ihn in den Folgespielzeiten auf Rang sechs und zwölf. Resümierend meinte er gegenüber Transfermarkt.de über die Zeit in Karlsruhe: „Ich denke, dass ich auch gezeigt habe, eine Mannschaft entwickeln zu können. Ich weiß nicht, wo der Verein jetzt wäre, wenn ich das nicht geschafft hätte. Aber natürlich kann man hinterfragen, ob es schön oder nicht so schön ausgesehen hat. “  Schwartz machte nach seiner Demission eineinhalb Jahre Pause, Ende September 2021 heuerte er dann wieder in Sandhausen an, wo er die Nachfolge von Gerhard Kleppinger und Stefan Kulovits antrat. Die hatten in den ersten sieben Saisonspielen nur vier Punkte geholt. Schwartz übernahm, holt prompt aus den nächsten fünf Spielen acht Punkte. Aus den restlichen 22 Spielen holte er 1,31 Punkte und Sandhausen hielt souverän die Klasse.

5. Kader 2022/23

Von den Winterneuzugängen aus der letzten Transferphase bleibt am Ende neben den beiden Leistungsträger Đumić und Trybull nur Ahmed Kutucu, dessen Leihe von İstanbul Başakşehir um ein weiteres Jahr verlängert wurde. Erich Berko zieht es weiter nach Israel, die Leihen mit Kuol und Seufert, die alle wenig bis fast keine Einsatzzeit bekommen hatten, wurden nicht verlängert. Gleiches gilt für die Verträge von Maurice Deville und Felix Wiedwald, die ebenfalls im Winter verpflichtet worden waren, dann aber kaum beziehungsweise gar nicht zum Einsatz gekommen waren. Auf der Abgangsseite sind mit dem schwer an der Schulter angeschlagenen Ersatzkeeper Rick Wulle und dem dauerverletzten Julius Biada – der zu Ex-SVS-Trainer und Förderer Uwe Koschinat nach Saarbrücken wechselt – zwei weitere Spieler zu finden, die fast keine Minuten auf dem Platz absolviert haben, weil der Körper nicht mehr mitmachte. All jene Abgänge sind also eher so zu verstehen, dass man Spieler, die den Kader bislang eher auffüllten, nicht weiterbeschäftigen wollte. Auch Tim Kister, lange Jahre Stütze in der Innenverteidigung, wird nicht mehr weiter beim SVS auflaufen. Der 35-Jährige beendet aber nach persistierenden Sprunggelenksproblemen seine Karriere gänzlich.

Ein anderer Abgang dagegen betrifft einen, der deutlich häufiger zum Einsatz gekommen war: Pascal Testroet, der beste Torschütze der Kurpfälzer 2021/22 schließt sich dem FC Ingolstadt in der Dritten Liga an. Die Oberbayern lösten die Ausstiegsklausel des 31-Jährigen aus, so dass dieser nun eine Liga unter seinem ehemaligen Arbeitgeber auf Torejagd gehen wird. Mit Matěj Pulkrab haben die Kurpfälzer von Sparta Prag allerdings schon einen neuen Angreifer verpflichtet. Der 25-Jährige schoss in der ersten tschechischen Liga in nur knapp 600 Minuten Einsatzzeit sieben Tore, erzielte also statistisch ungefähr ein Tor alle 90 Minuten. Mit guter Arbeit gegen den Ball und mehr als ordentlichem Verbindungsspiel empfahl sich der gebürtige Prager für einen Wechsel ins Ausland, auch weil er sich als zentraler Stürmer hinter Tomáš Čvančara und anderen Talenten bei Sparta Prag wenig Einsatzzeiten erhoffen konnte.

Weitere Zugänge umfassen Philipp Ochs von Hannover 96 für die linke Außenbahn, die nach den Abgängen von Berko und Deville deutlich unterbesetzt war. Der 25-Jährige kann sowohl Außenverteidiger wie auch Außenstürmer spielen, bringt gerade im Defensivzweikampf überdurchschnittliche Fähigkeiten mit, was für die Spielweise von Alois Schwartz sicher von Vorteil ist. Der andere Neuzugang dürfte bei einigen Kommentatoren und Zuschauern im Laufe der Saison für Verwirrung sorgen. Mit dem Wechsel von David Kinsombi vom HSV nach Sandhausen spielen nun zwei Kinsombis beim SVS. Bruder Christian ist schon seit vergangenem Sommer am Hardtwald. Während der 22-Jährige eher auf der Außenbahn zu finden ist, spielt der vier Jahre ältere David vor allem im Zentrum. Auch er hat seine Stärken vor allem gegen den Ball, wird bei Matchmetrics als einer der besten zentralen Mittelfeldspieler bei Duellen in offensiv relevanten Positionen geführt und das schon seit Jahren.

Man sieht die Personalplanungen in der Kurpfalz gehen vor allem dahin, den Fußball den Alois Schwartz spielen lässt zu stärken. Für die offensiven Außen holte man im Laufe der Vorbereitung zwei Spieler: Abu-Bekir Ömer El-Zein spielte vor allem auf dem linken Flügel in der U19 von Borussia Dortmund. Gerade in Sachen Passspiel und Dribbling fiel der 19-Jährige dort auf. Für die rechte Außenbahn holte man den ebenfalls dribbelstarken Josef Ganda von Admira Wacker Mödling. Der ehemalige israelische U19-Nationalspieler war 2019 beim Club im Probetraining, bekam da aber nur einen Vertrag für die zweite Mannschaft angeboten. Das lehnte sein Berater empört ab, nur um dann seinem Klienten zu einem Wechsel zum FC Augsburg II zu verhelfen. Danach wechselte er nach Mödling, wo er aber nur selten zum Einsatz kam. Damit hat Sandhausen auf den Flügeln Optionen, mit Kutucu und Pulkrab im Sturm nur zwei Zentrumsspieler.

#Pos.NameVornameAlter*Nationseitletzter Verein
1TWDrewesPatrick29D07/2021VfL Bochum
2IVZhirovAleksandr31RUS07/2018Enisey Krasnoyarsk
3IVĐumićDario30BIH/DEN01/2022FC Twente
4
5
6
7RASoukouCebio29D/BEN07/2021Arminia Bielefeld
8RAKinsombiChristian22D/COD07/2021KFC Uerdingen
9STPulkrabMatej25CZE07/2022Sparta Prag
10ZMKinsombiDavid26D/COD07/2022Hamburger SV
11LAOchsPhilipp25D/KAZ07/2022Hannover 96
12
13
14
15IVHöhnImmanuel30D07/2021SV Darmstadt 98
16
17ZMZengaErik29D/RUS07/2018Hallescher FC
18RVDiekmeierDennis32D01/2019vereinslos/Hamburger SV
19RVAjdiniBashkim29D/KSX07/2021VfL Osnabrück
20
21
22ZMRitzmaierMarcel29AUT08/2021Barnsley FC
23STKutucuAhmed21TUR01/2022İstanbul Başakşehir
24
25IVDiakhiteOumar28SEN/POR07/2021Eintracht Braunschweig
26ZMBachmannJanik26D01/20211. FC Kaiserslautern
27LVSickerArne25D07/2021MSV Duisburg
28ZMTrybullTom29D01/2022Hannover 96
29
30RAEssweinAlexander32D10/2020vereinslos /Hertha BSC
31IVSchwabVincent18D07/2022eigene U19
32
33TWRehnenNikolai25D09/2021vereinslos/Arminia Bielefeld
34
35
36LVOkorojiChima25D/ENG07/2021SC Freiburg
37
38
39
40TWGraweBenedikt22D07/2020SV Sandhausen II
*Stichtag für Alter: 1.7.2022

Erklärungen zu den statistischen Begriffen

expected Goals (xG): Sie sind ein Wert, der das intuitive „Des hädd a zwaa ans firn glubb ausgeh kenna“ versucht zu quantifizieren. Zur Ermittlung wird jedem Schuss auf Grund von Ort und Art des Schusses sowie der Anzahl der Gegner, die zwischen dem Schützen und dem Tor stehen, ein Erfolgswert zwischen 0.001 und 1.00 zugewiesen. Je nach Modell werden auch noch andere Faktoren wie beispielsweise Schussgeschwindigkeit oder Schusshöhe einberechnet. Dabei entspricht 0.001 einer Chance von 0,1%, dass der Ball ins Tor geht, ein Wert von 1.00 ist ein Ball, der auf der Torlinie liegt, ohne dass der Spieler bedrängt wird. Ein Elfmeter wird dementsprechend mit 0.76 verbucht, da im Profibereich ziemlich genau 76% aller Elfmeter ins Tor gehen. Alle anderen xG-Werte unterscheiden sich je nach Anbieter, da manche Datenermittler die Werte von so genannten „Spottern“ einschätzen lassen, während andere eine Datenbank mit weltweit erfassten Schüssen bemühen. Um die xG für ein beliebiges Spiel zu erhalten, addiert man die Werte aller Schüsse beider Mannschaften. Ein Beispiel: Am ersten Spieltag der Saison 2019/20 hatte der FCN in Dresden einen xG-Wert von 0,46, Dynamo Dresden von 0,84. Das entspricht in etwa dem Eindruck, den man auch augenscheinlich hatte. In einem weitgehend ausgeglichenen, chancenarmen Spiel hatte Dresden die etwas besseren Gelegenheiten. Im Rückspiel vor der Winterpause kam der FCN auf 1,45 xG, Dresden auf 0,38xG. Auch hier wird der Eindruck bestätigt, der Club hatte bessere Chancen, Dresden kaum gute. Theoretisch lassen sich aus den xG-Werten auch Siegwahrscheinlichkeiten errechnen, z.B. 19% für den Club in Dresden, 67%% im Rückspiel.

Ballbesitz: Der Unterschied zwischen Ballbesitzteams und jenen, die dem Gegner den Ball überlassen, ist weitgehend intuitiv verständlich. Will man den Ball selbst haben? Oder soll der Gegner das Spiel machen. Zum Messen dieser an sich geradlinig wirkenden Statistik gibt es allerdings zwei Methoden. Die meisten Anbieter messen Ballbesitz über die Anzahl der Pässe. Die Anzahl der gespielten Pässe beider Teams im Spiel wird addiert und dann wird daraus der Anteil berechnet, den jedes Team hatte. Die andere Methode ist zeitbasiert. Hier wird die Zeit aufaddiert, die jede Mannschaft in Ballbesitz verbringt. Während die passbasierte Variante Teams, die viele kurze Pässe spielen, überbewertet, ist die zeitbasierte Variante bei Phasen, in denen kein Team den Ball am Fuß hat, ungenau. Der gewählte Datenanbieter Wyscout verwendet ein zeitbasiertes Modell. In den europäischen Top 5 Ligen (England, Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich) schwankten 2021/22 die Werte zwischen 68,2 Prozent (Barcelona) und 39,3 Prozent (Burnley).

Pressingdruck: Was unter Pressing zu verstehen ist, das erscheint weitgehend klar. Es geht darum, auf den Ballführenden Druck auszuüben, so dass dieser im Aufbau nicht genug Zeit hat, einen Pass gezielt anzubringen. Es gibt Mannschaften, die den Gegner sofort unter Druck setzen – etwas für das beispielsweise von Marcelo Bielsa trainierte Teams bekannt sind – und solche, die dem Gegner in Ballbesitz freie Entfaltung lassen und erst spät ins Pressing gehen. Die statistische Zahl, die dafür entwickelt wurde, läuft unter dem Akronym PPDA. Dahinter versteckt sich die englische Bezeichnung Passes per Defensive Action. Relevant für diesen Wert sind nur Aktionen, die mindestens 40 Meter vom eigenen Tor entfernt stattfinden. Aktionen näher am eigenen Tor spielen keine Rolle. Nachvollziehbar, wenn man mit dem Wert messen will, wie stark der Spielaufbau des Gegners gestört wird. Für den PPDA-Wert werden dann in einem ersten Schritt die Defensivaktionen eines Teams – also Zweikämpfe, abgefangene Bälle, herausgeschlagene Bälle und Fouls – addiert. In einem zweiten Schritt wird diese Summe durch die Anzahl der Pässe des Gegners geteilt. Je niedriger der Wert ist, desto weniger Pässe ohne Abwehraktion wurden zugelassen und desto höher ist der Druck. Deshalb ist in der Visualisierung auf der niedrigste Wert, der höchste, also der “blauste”. In den europäischen Top 5 Ligen schwankten die Werte 2021/22 zwischen 7,26 PPDA (Barcelona) und 16,93 PPDA (Troyes).

Challenge Intensity: Die Challenge Intensity ist quasi das Pressinggegenstück zum zeitbasierten Ballbesitz. Sie geht den gleichen Wert wie PPDA und misst Defensivaktionen. Allerdings nicht auf Basis der gegnerischen Pässe, sondern auf Basis der Zeit, die der Gegner den Ball in seinen Reihen hält. Die “defensive Intensität” misst also die Anzahl der Defensivaktionen pro Minute gegnerischen Ballbesitz. Logischerweise ist die Korrelation mit PPDA sehr hoch, wie diese Grafik zeigt. Dennoch hat der damit ermittelte Wert seine Daseinsberechtigung, da er etwaige Unterschiede im Spieltempo (siehe unten) besser herausfiltern kann. 2021/22 lagen die Werte der Challenge Intensity in den Top5-Ligen zwischen 4,9 (Troyes) und 8,2 (Köln).

Fernschüsse: Oberflächlich betrachtet ist die Frage nach den Fernschüssen eine recht geradlinige. Schießt ein Team eher weiter vom Tor weg aufs Tor oder aber näher dran. Das ist sicherlich auch ein Teil dessen, was gemessen wird. Dahinter versteckt sich aber oft ein Maß dafür, wie lange ein Angriff ausgespielt wird. Je länger eine Angriffsphase dauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass ein Spieler die Geduld verliert und statt eines weiteren Passes den Abschluss sucht. Das gilt selbstverständlich nicht für alle Fernschüsse. Eine hohe Anzahl an Abschlüssen außerhalb des Strafraums spricht dennoch dafür, dass Angriffe schnell abgeschlossen werden. Eine einfache Metrik dafür wäre die durchschnittliche Torentfernung beim Abschluss. Das Problem für diesen Wert ist, dass er, wie jeder Mittelwert, anfällig für Ausreißer ist. Stattdessen wird hier für die Visualisierung der Anteil der Fernschüsse an allen Schüssen gewählt, um zu messen, wie oft die Mannschaft einen Angriff durch einen Fernschuss beendet. In den europäischen Top 5 Ligen lagen die Werte zwischen 52,6 Prozent (Getafe) und 28,5 Prozent (Villarreal).

Flanken: Die Flanke an sich steht unter Freunden der Fußball-Analytics nicht unter dem besten Leumund. 92 Flanken brauche es im Schnitt, um ein Tor zu erzielen, gute Verteidigungen könnten sich schnell auf Flanken einstellen und diese aus der Gefahrenzone köpfen. Es scheint als würden die Trainer diesen Einwänden glauben: In den Top 5 Ligen ist der Schnitt der Flanken pro Spiel von 17 in der Saison 2010/11 über 15 in der Spielzeit 2016/17 auf nunmehr 13,5 gefallen. Dabei hat das Flanken durchaus seinen Platz im modernen Fußball, wenn man die richtigen Stürmer im Zentrum hat. Eindrucksvoll bewies das zum Beispiel der 1. FC Köln in der abgelaufenen Saison. Generell bedeutet eine hohe Flankenzahl also erst einmal zwei Dinge: Man sucht eine Kopfballspieler in der Mitte und man kommt oft in Tornähe. Die gewählte Metrik der Flanken pro 90 Minuten könnte als rein quantitative Angabe leicht verschoben in Richtung Teams mit viel Ballbesitz sein: Wer den Ball viel hat, kann auch viel flanken. So liegt Manchester City nicht nur beim Ballbesitz europaweit in der Spitzengruppe, sondern auch bei den Flanken, ähnliches gilt auch für Barcelona. Ein Blick auf die Statistik zeigt aber, dass hier insgesamt wenig Korrelation vorliegt. Ballbesitzteams wie Bayern München, Olympique Lyon, Paris St. Germain oder Dortmund flanken alle nicht überdurchschnittlich oft. Flanken sind also vor allem von der Spielanlage und nicht vom Ballbesitz abhängig. In den europäischen Top 5 Ligen schwankten die Werte zwischen 19,83 Flanken pro 90 Minuten (Manchester City, Köln folgte knapp dahinter auf Rang zwei) und 9,14 Flanken (Borussia Mönchengladbach).

Lange Bälle: Hier geht es auch um ein klar erkennbare Stilfrage. Spielt ein Team vor allem kurze Bälle oder greift es gern zum langen Schlag? Geschieht der Aufbau also vor allem durch kurze und mittellange Pässe oder überbrückt man den Raum gerne mit langen Bällen. Zuspitzen kann man diese Kategorie auf die Frage: Tiki Taka oder langer Hafer? In den Fußballdaten spricht man bei einem flachen Pass, der über mehr als 45 Meter geht oder einem hohen Pass, der länger als 25 Meter fliegt, von einem langen Ball. Die Anzahl dieser langen Pässe nimmt man dann und teilt sie durch die Anzahl der insgesamt gespielten Pässe. So kommt man auf den Anteil der langen Pässe am Passspiel der Mannschaft und kann so eine gewisse Charakteristik des Passspiels ablesen. In den europäischen Top 5 Ligen oszillierten die Werte zwischen 18,4 Prozent (Bochum) und 4,28 Prozent (Paris St. Germain).

Spieltempo: Um das Tempo der Spieler zu messen, gibt es inzwischen recht genaue Daten. Wir wissen, dass in den Top 5 Ligen Alphonso Davies vom FC Bayern München mit einer Geschwindigkeit von 36,5 km/h der schnellste Spieler ist. Doch wie berechnet man das Tempo des Spiels? Wahrscheinlich würden sich die meisten Zuschauer darauf einigen können, dass ein Spiel dann schnell ist, wenn sich der Ball schnell bewegt. Spielt also eine Mannschaft viele Pässe in kurzer Zeit, spielt sie schnell, spielt sie dagegen wenige Pässe in langer Zeit, spielt sie langsam. Je höher die Ballzirkulation, desto schneller das Spieltempo. Die statistische Maßzahl hierfür ist die so genannte “Passrate”, also die Anzahl der Pässe pro Minute Ballbesitz. Der Einwand, dass schnelle Dribblings in dieses Spieltempo nicht einfließen, da sie keinen Pass darstellen, erscheint im ersten Moment einleuchtend, betrachtet man aber die Daten stellt man fest, dass die Teams mit einer hohen Passrate auch eine höhere Anzahl an “progressiven Läufen”, also Läufen mit dem Ball am Fuß, die signifikant Raumgewinn erzielen – mindestens 30 Meter, wenn der Lauf in der eigenen Hälfte beginnt und endet, mindestens 15 Meter, wenn der Lauf in der eigenen Hälfte beginnt und in der gegnerischen endet und mindestens zehn Meter, wenn der Lauf in der gegnerischen Hälfte beginnt und endet. In den europäischen Top 5 Ligen lagen die Werte der Passrate 2021/22 zwischen 17,0 (Lazio Rom) und 11,5 Pässen pro Minute Ballbesitz (Valencia).

Konterangriffe: Grundsätzlich gibt es fürs Angreifen aus dem Spiel heraus zwei Art und Weisen. Zum einen den so genannten Positionsangriff. Der Ball wird planvoll nach vorne getragen und man versucht, gegen ein formierte Abwehr eine Lücke zu finden. Die andere Variante ist der Konterangriff. Also schnell von Abwehr auf Angriff umzuschalten und nach vorne zu spielen, noch ehe der Gegner sich formieren konnte. Dabei gilt: Selbst die Mannschaft mit der stärksten Konterausprägung spielt ihre meisten Angriffe als Positionsangriffe. Im Schnitt sind nur knapp 2,7 Angriffe pro Spiel Konterangriffe, 27,6 dagegen Positionsangriffe. Die durchschnittliche Anteil der Konter in den europäischen Topligen liegt also ungefähr bei 8,7 Prozent. Dennoch lässt sich aus den Unterschieden zwischen den Werten herauslesen, wie sehr eine Mannschaft auf Angreifen durch Umschalten setzt. Mitte der Saison 2021/22 schwankten in den europäischen Top 5 Ligen die Anteile der Konter an allen Angriffen aus dem Spiel heraus zwischen 16,2 Prozent (Leeds United) und 3,93 Prozent (Aston Villa).

10 Gedanken zu „Die 17 Anderen – Folge 5: SV Sandhausen

  • 29.06.2022 um 10:12
    Permalink

    Unangenehmer Steinzeit Fußball. Aber weh tun können Sie einem trotzdem.

    Ich verstehe nicht, was man mit dem Trainer Schwartz in Nürnberg wollte. Seine Spielweise sollte doch bekannt gewesen sein. Wie hätte das zum Club gepasst?

    • 29.06.2022 um 10:51
      Permalink

      Der Alois ist ein wirklich sympathischer Trainer. Möglicherweise hat dies den damaligen Sportchef überzeugt. Seine Art Fußball spielen zu lassen, war es wohl weniger.

  • 29.06.2022 um 12:49
    Permalink

    Das hat doch Hecking schon zig mal erklärt, dem man das damals beim Club als Trainer auch immer vorgeworfen hat, die Art des Fußballs richtet sich nach dem vorhanden Material/Kader. Mit einem Messi und Ronaldo ließe auch der Alois anders spielen. Es ist Sandhausen! für die ist jedes weitere Jahr 2. Liga wie ein Wunder.

    • 29.06.2022 um 13:21
      Permalink

      Immerhin konnten sie Kinsombi verpflichten – vor seinem Karriereknick beim HSV der vielleicht beste Spieler im Zentralen Mittelfeld in der 2. Liga…

      Das wird eine der interessantesten Personalien der Saison werden, denke ich.

  • 29.06.2022 um 19:11
    Permalink

    Gaudino hat seinen Vertrag in Sandhausen aufgelöst, wäre ablösefrei. Prompt gibt es die ersten Gerüchte, der Club wäre interessiert. Vorstellbar?

  • 29.06.2022 um 19:31
    Permalink

    Ingolstadt hat sich Pascal Testroet von den Sandhausenern geangelt? Ein echter Knipser. Ein echter Torgarant. Aue hat ihn damals verschenkt und ist dadurch abgestiegen.

    • 29.06.2022 um 22:49
      Permalink

      Habe ich auch nicht verstanden, weshalb Aue Testroet hat ziehen lassen. Solche kapitale Fehler weren eben bestraft.

      Aber sie haben ja noch den Goalgetter Esswein….

  • 29.06.2022 um 23:35
    Permalink

    und sind noch nie aus der 2.Bundesliga abgestiegen .

    • 30.06.2022 um 08:13
      Permalink

      Sportlich schon.

Kommentare sind geschlossen.