Die 17 Anderen – Folge 6: F.C. Hansa Rostock

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie der Kader bei den Gegnern strukturiert ist und was letzte Saison auffällig war. Im sechsten Teil geht es um den Verein eines ehemaligen Clubkapitäns.

  1. Steckbrief
  2. Spielstil 2021/22
  3. Kader 2021/22
  4. Trainer 2022/23
  5. Kader 2022/23

1. Steckbrief

TrainerJens Härtel (seit 9.1.2019, zuvor 1. FC Magdeburg [1.7.2014 bis 12.11.2018], Berliner AK [1.7.2011 bis 30.6.2013], Germania Schöneiche [1.7.2005 bis 7.10.2007])
AbgängeHanno Behrens (Persija Jakarta), Julian Riedel, Bentley Baxter Bahn (beide Waldhof Mannheim), Björn Rother (Rot-Weiss Essen), Ben Voll (Viktoria Köln), Jonathan Meier (Leihende, FSV Mainz 05, wechselt zu Dynamo Dresden), Danylo Sikan (Shakhtar Donezk, Leihende), Streli Mamba (Kairat Almaty, Leihende), Timo Becker (Schalke 04, Leihende, wechselt zu Holstein Kiel), Robin Meißner (Hamburger SV, Leihende), Tobias Schwede (1. FC Saarbrücken), Luis Klatte (SV Babelsberg 03), Nik Omladic, Calogero Rizzuto (beide unbekannt), Oliver Daedlow (eigene zweite Mannschaft, war an TSV Havelse verliehen) Luca Schulz (eigene zweite Mannschaft, war an Energie Cottbus verliehen)
ZugängeFrederic Ananou (SC Paderborn), Sebastien Thill (Progrès Niederkorn, war an Sheriff Tiraspol ausgeliehen), Morris Schröter (Dynamo Dresden), Kai Pröger (SC Paderborn), John-Patrick Strauß (Erzgebirge Aue), Dennis Dressel (1860 München), Nils Körber (Hertha BSC), Max Hagemoser (1. FC Köln U19), Lukas Fröde (Karlsruher SC, war bereits ausgeliehen), Felix Ruschke, Benno Dietze (eigene U19)
Platzierung 2021/2213. Platz, Zweite Liga (41 Punkte, 41:52 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 19636 Siege – 6 Remis – 8 Niederlagen (22:24 Tore)
Ex-Cluberer?Simon Rhein spielte von 2017 bis 2019 und in der Hinrunde 2020/21 für den FCN.
Ex-Rostocker?

2. Spielstil 2021/22

3-5-2, 4-4-2 mit Raute, 4-1-4-1. Das waren nur die drei Grundordnungen zu Beginn der letzten drei Partien, auch ein 4-2-3-1 hatten die Rostocker immer wieder im Programm. Es war eines der Zeichen der Rostocker, dass sie sich mit großer Akribie und großem Fleiß immer wieder neu darauf einstellten, in welcher Grundordnung und welcher Raumaufteilung sie dem Gegner besonders wehtun konnten. Defensiv funktionierte das auch über weite Strecken der Saison gut: Nur sechs Teams – darunter die ersten fünf der Tabelle – ließen weniger Schüsse aufs Tor zu als Hansa. In den Duellen gegen den Ball waren nur Bremen, Schalke und der HSV erfolgreicher. Das heißt die defensive Ordnung war gut, vor allem, wenn man die Positionen halten konnte. Nur wenn der Gegner mit Tempo kam und Hansa ungeordnet war, tat man sich schwer. Die zehn Kontergegentore sind Ligahöchstwert.

Im Aufbau war grundsätzlich in allen Ordnungen das Prinzip mit langen Bällen und schnellem Passspiel ins gegnerische Verteidigungsdrittel zu kommen. Die Genauigkeit im Passspiel blieb dabei aber oft auf der Strecke, nur 60 Prozent der Zuspiele ins letzte Drittel waren erfolgreich – der schlechteste Wert der Liga. Dazu kommt gemessen am Ballbesitz auch die höchste Anzahl an Ballverlusten in jenem letzten Drittel. Aber auch eine hohe Zahl von Balleroberungen im letzten Drittel, was darauf hindeutet, dass man viel auf die zweiten Bälle spekuliert und dabei oft erfolgreich ist. Zu den Ballverlusten steuerte nicht nur das direkte Passspiel, das oft ins Nichts führte, bei, sondern auch die Tatsache, dass Hansa im Offensivzweikampf, also im Duell, wenn man selbst den Ball am Fuß hatte, den zweitschlechtesten Wert hatte. So kamen dann trotz der vielen langen Bälle auch nur zwei Kontertore in 34 Spielen zustande – nur ein Team hatte weniger: der FCN.

Geht man nur nach den expected Goals war Hansa auch das Team mit der schlechtesten Chancenverwertung. Etwa neun Tore mehr hätten die Mecklenburger rein statistisch erzielen müssen. Unter den 40 Spielern – mit signifikanter Einsatzzeit von mindestens 1000 Minuten – mit der höchsten xG-Unterperformance gerechnet auf die Einsatzzeit waren in der abgelaufenen Saison sechs Rostocker – nur Werder Bremen stellte auch sechs Spieler, die anderen Hanseaten hatten aber einfach viel mehr Torchancen, so dass hier das Unterbieten der expected Goals nicht so sehr ins Gewicht fiel. Unter den insgesamt 97 Spielern mit einer xG-Überperformance finden sich dagegen nur vier Rostocker. Von der reinen Chancenqualität her waren die Rostocker aber gar nicht so schlecht. Gerechnet auf die xG pro Schuss waren nur die Chancen von Schalke und Hamburg größer. Allein, man verwertete zu wenig seiner Chancen – ohne die überdurchschnittliche Chancenverwertung von John Verhoek hätte man wohl noch länger um den Klassenerhalt zu kämpfen gehabt. Kombiniert man die beiden Aspekte, also gute expected Goals Werte pro Schuss, aber insgesamt eine Unterperformance der expected Goals, deutet manches darauf hin, dass die Rostocker ihre individuellen Schwächen – siehe xG Unterperformance – durch taktische Stärke – siehe xG pro Schuss – auffangen.

 Rostock 2021/22
Tore/expected Goals41/50,05
Gegentore/expected Goals against52/48,7
Schüsse pro 90/xG pro Schuss11,25/0,123 (⌀: 12,05/0,120)
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss11,16/0,120 (⌀: 12,05/0,120)
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase45,4%/11,7s (⌀: 50%/13,3s)
PPDA/Chal. Intensity9,69/6,5 (⌀: 9,71/6,4)
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball36%/61%/48%/41% (⌀: 39%/61%/47%/41%)
Für Erklärungen der Begriffe hier klicken.
Spielstil im Vergleich zu anderen Zweitligisten anhand ausgesuchter Parameter. Für Erklärungen der Begriffe hier klicken. Unterschiede zwischen Tabelle und Grafik ergeben sich aus unterschiedlichen Rundungen und Durchschnittsbildungen.

3. Kader 2021/22

Ein Diagramm mit so viel Gewicht im grauen Bereich wird in keiner der anderen Folgen mehr auftauchen. Die einzige Mannschaft, die Ü30-Spielern noch mehr Einsatzzeit gab als Hansa war Absteiger Erzgebirge Aue. Nicht nur Torwart Kolke (31), sondern auch Stürmer John Verhoek (32), Hanno Behrens (31) und Innenverteidiger Thomas Meißner (30) kamen auf mehr als die Hälfte der möglichen Minuten. Im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaften setzte Hansa aber auch bei den Ergänzungsspielern mehr auf ältere Akteure als andere Teams. Die jüngeren Spieler, die neben Rhein (23) und Ingelsson (23) zum Einsatz kamen, waren vor allem Spieler, die zur Winterpause geholt worden waren: Danylo Sikan (20), Robin Meißner (21) und Nils Fröling (21). Alle drei Youngster waren geholt worden, um die Offensive zu beleben, am Ende blieb es bei allen drei bei geringen Einsatzzeiten.

Das andere, was beim Blick auf die Grafik auffällt ist, dass – im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaften – Hansa ohne eine Kerngruppe auskam, die auf mehr als 75 Prozent der Einsatzzeit kam. Neben Kolke, der tatsächlich als einer von nur drei Spielern überhaupt in der Liga jede Minute auf dem Platz stand, kamen nur Innenverteidiger Roßbach und Angreifer Verhoek auf mehr als 80 Prozent der Einsatzzeit, dafür tummeln sich im Bereich zwischen 1500 und 2400 Minuten gleich eine ganze Reihe an Spielern. Auch hieran erkennt man, dass Jens Härtel immer wieder die Formationen gewechselt hat, immer wieder die Spielerauswahl am Gegner ausgerichtet hat. Überdurchschnittliche viele Verletzungssorgen hatte Hansa nämlich nicht.

Geht man nach den Matchmetrics-Bewertungen, so hießen die besten Spieler Malone, Fröde und Verhoek. Der niederländische Angreifer Verhoek traf 17-mal für Hansa in der vergangenen Saison, war als Zielspieler für die langen Bälle besonders gefragt und bestritt nach Andreas Albers von Jahn Regensburg die meisten Kopfballduelle. Die Erfolgsquote von 45% lag dabei auch nur etwas unter dem Durchschnitt für Angreifer. Die beiden anderen genannten – Sechser Fröde und Innenverteidiger Malone – lagen in der Kategorie Quote gewonnener Kopfballduelle ligaweit auf Rang zwei (Fröde: 69,5 Prozent) und sechs (Malone: 65,8 Prozent). Angesichts dessen, dass Hansa die zweitmeisten Kopfballduelle führen musste, waren die Fähigkeiten der beiden Defensivspieler im Luftduell auch von besonderer Bedeutung. Bei Fröde war auch seine Zweikampfstärke am Boden auffällig, bei Malone die Fähigkeit gefährliche Pässe zu spielen und zu werfen. Malones Einwürfe in den Strafraum hatten immer wieder eine besondere Qualität.

4. Trainer 2022/23

Jens Härtel ist ein Aufstiegstrainer: Er stieg sowohl mit dem 1. FC Magdeburg als auch mit dem F.C. Hansa Rostock in die Zweite Liga auf. Bei beiden Vereinen schaffte der 52-Jährige es auf beachtlich lange Amtszeiten. In Magdeburg war er fast viereinhalb Jahre im Amt, in Rostock ist er es seit dreieinhalb. Seit die Hansa-Kogge in den Gewässern des DFB segelt, war niemand länger als Härtel Trainer an der Ostsee. Während der abgelaufenen Saison überholte Härtel sogar Frank Pagelsdorf. Der Letzte, der länger als Härtel in Rostock tätig war, war Werner Voigt, der von 1986 bis 1990 Trainer an der Ostsee war, damals noch in der DDR-Oberliga. Bevor Härtel 2014 seinen Job in Magdeburg antrat, war er ein Jahr Chefcoach der U19 von RB Leipzig gewesen. Damals auch im Jugendbereich der Leipziger tätig: der heutige Clubtrainer, Robert Klauß.

Sportlich scheint Härtel die Zeit bei Rasenball aber nur geringfügig geprägt, denn verbunden wird Härtel vor allem mit zwei Aspekten: Sachlichkeit und Defensivarbeit. In der Dritten Liga steht für Mannschaften von Härtel nur knapp ein Gegentor pro Spiel zu Buche. Fast immer gehörten seine Teams zu denen mit den wenigsten Gegentoren und ausnahmslos – selbst in den dreizehn Spielen mit nur einem Sieg, die nach dem Aufstieg mit Magdeburg zu seiner Entlassung in Sachsen-Anhalts Hauptstadt führten – waren sie bei denen dabei, die die wenigsten expected Goals gegen sich verbuchten. Erreicht hat man das auch meistens durch recht intensives Pressing. Die Saison 2021/22 war die Saison, in der Härtels Team die geringste Pressingintensität hatte.

Dazu passt die Beschreibung, die Sönke Fröbe von der Ostsee-Zeitung Härtel verpasste: Geradlinig, diszipliniert, fleißig, besonnen und introvertiert sei der Sachse, aber „kein Menschenfänger“ und das Magazin 11 Freunde setzte noch einen drauf, nannte Härtel „etwas dröge“. Härtel ist aber dennoch, oder vielleicht deswegen, der Richtige für den F.C. Hansa. „Er ruht in sich. Das strahlt er aus, und das färbt auf die Mannschaft ab“, dreht Ex-Hansa-Spieler Stefan Böger die teilweise wenig charmanten Zuschreibungen ins Positive. Genau diese Ruhe hatte vorher in Rostock oft gefehlt. Diese Ruhe gibt es aber nicht in den Hansa-Kadern von Jens Härtel: 70 Zugänge und 69 Abgänge zählt Transfermarkt.de seit Härtels Amtsantritt im Januar 2019 in Rostock, überdurchschnittliche viele Bewegungen. Bewegung, die sich auch in den Formationswechseln widerspiegelt und im Gegensatz zu seiner Zeit in Magdeburg steht. Dort spielte Härtel fast durchgehend 3-4-3 und hatte mit 53 Zu- und 54 Abgängen zwischen 2014 und 2018 sogar unterdurchschnittlich viele Transferbewegungen.

5. Kader 2022/23

So überrascht es nicht, dass die Fluktuation im Kader von Hansa auch in diesem Sommer wieder enorm ist. Das liegt zum einen daran, dass von den sechs Leihgeschäften (D. Sikan, T. Becker, J. Meier, S. Mamba, R. Meißner und L. Fröde) nur das Leihgeschäft mit Fröde zu einem permanenten Engagement umgewandelt wird. Der Leistungsträger unterschrieb einen Vertrag für die Saison 2022/23 bei Hansa. Neben den beendeten Leihgeschäften gibt es aber auch weitere Fluktuation. Mit Außenverteidiger Rizzuto, Rechtsaußen Omladic und Zentrumsspieler Bahn gehen drei Spieler von Bord, die letzte Saison mindestens 1000 Minuten, also knapp 30 Prozent der möglichen Minuten, auf dem Platz standen. Auch Hanno Behrens verlässt Rostock nach einem Jahr und zieht in die weite Welt. Er wechselt nach Indonesien zu Thomas Doll. Behrens stand sogar noch häufiger auf dem Feld als die genannten. Dazu verlassen auch eine ganze Reihe Ergänzungsspieler wie Innenverteidiger Riedel, Sechser Rother, Außenbahnspieler Schwede und die Ersatzkeeper Voll und Klatte den Verein.

Die Ersatzkeeperpositionen besetzt Hansa mit Nils Körber von Hertha BSC und Max Hagemoser aus der U19 des 1. FC Köln neu. Hagemoser (19), der früher bereits in der Jugend von Hansa spielte, dürfte dabei die Rolle der Nummer drei einnehmen, hatte in der vergangenen Saison – auch verletzungsbedingt – kaum Einsatzzeit in der U19-Bundesliga. Körber bringt dagegen sogar Zweitligaerfahrung mit, bestritt für den VfL Osnabrück acht Spiele 2019/20. Zuvor war der heute 25-Jährige in der Dritten Liga Stammtorwart an der Bremer Brücke gewesen. Die zweijährige Leihe nach Niedersachsen war der zweite temporäre Wechsel, schon 2017/18 war Körber ausgeliehen gewesen: für Preußen Münster machte der Berliner 20 Drittligaspiele. Dennoch wird Körber gegen Stammkeeper Kolke erst einmal Herausforderer bleiben.

Auf die Abgänge von Bahn und Behrens im Zentrum hat Hansa mit den Verpflichtungen von Dennis Dressel und Sébastien Thill reagiert. Dressel kommt vom TSV 1860 München und ist im Defensivverhalten, vor allem in den Duellen in offensiv relevanten Räumen (sprich im frühen Stören des Gegners) besser als Bahn, während dieser ein gefährlicheres Passspiel an den Tag legt. Da Dressel mit 23 Jahren aber sechs Jahre jünger ist, kann man hier von einer Investition in die Zukunft sprechen. Der 28-jährige luxemburgische Nationalspieler Thill dürfte den meisten durch ein Tor im vergangenen September ein Begriff sein. Da traf er in der 90. Minute im Santiago Bernabeu. Sein Verein, Sheriff Tiraspol, gewann dadurch mit 2:1 beim späteren Champions League Sieger, der in den anderen fünf Spielen in der Gruppenphase verlustpunktfrei bleiben sollte. Thill agierte – ähnlich wie man es von Behrens und Bahn auch kannte – aus einer recht tiefen Position, spielte aber sehr kreativ.

Die Vergleichbarkeit der Daten zwischen der moldawischen Divizia Nationala und der Zweiten Bundesliga ist sicher eingeschränkt, auch weil Sheriff dort klar dominiert. Zöge man diese Daten ungefiltert zu Rate, wäre Thill einer der dominantesten und kreativsten Passspieler der Welt. Doch auch in der Nationalmannschaft, in der Champions League und beim Abstecher in die erste russische Liga war Thill kreativ, gerade im Kurzpassspiel, musste sein Spiel gegen den Ball aber noch verbessern. Nationalspieler ist auch John-Patrick Strauß. Der 26-Jährige spielt für die Philippinen, das Geburtsland seiner Mutter. Die Defensivarbeit des Rechtsverteidigers hat sich in den letzten Jahren gesteigert, was sicher einer der Gründe für seine Verpflichtung sein dürfte. Nach vorne ist der gebürtige Wetzlarer aber bisher keine Offenbarung gewesen. Allerdings dürfte Strauß auch nicht für seine Offensivleistung verpflichtet worden sein.

Das sieht bei Morris Schröter und Kai Pröger anders aus: Beide sind vor allem rechte Außenbahnspieler, wobei Schröter dabei als etwas defensiver als Pröger, der auch im Sturmzentrum eingesetzt werden kann, anzusehen ist. Beide bringen viel Tempo und ein überdurchschnittliches Eins-gegen-Eins mit, was für die Spielweise mit langen Bällen durchaus von Vorteil ist. Schröter hat darüber hinaus auch noch ein überdurchschnittlich gutes Passspiel in gefährliche Räume. Auch das eine Qualität, die im schnellen Spiel nach vorne von Vorteil sein dürfte.

Zu den externen Zugängen steigen mit Benno Dietze und Felix Ruschke zwei interessante Talente zu den Profis auf. Ruschke spielte in der U19 meistens als Linksverteidiger, zeichnete sich dort durch hervorragende Zweikampfführung aus, war aber auch im Aufbau und im Dribbling eine Bank. Dietze war einer der besten Innenverteidiger der abgelaufenen U19-Bundesligasaison, der mit überragenden Zweikampfwerten überzeugen konnte. Ebenfalls für die Abwehr wurde Frederic Ananou verpflichtet. Der ähnelt vom Profil her Timo Becker, da er sowohl Innen- als auch Rechtsverteidiger spielen kann, war bislang aber weder in Paderborn in der Zweiten noch in Ingolstadt in der Dritten Liga Stammspieler, auch weil er immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte.

#Pos.NameVornameAlter*Nationseitletzter Verein
1TWKolkeMarkus31D07/2019SV Wehen Wiesbaden
2
3
4IVRoßbachDamian29D07/2020Karlsruher SC
5
6ZMDresselDennis23D07/2022TSV 1860 München
7RVNeidhartNico27D07/2019FC Emmen
8ZMRheinSimon24D01/20211. FC Nürnberg
9STMunsyRidge32SUI/COD07/2021Würzburger Kickers
10LADuljevicHaris28BIH09/2021vereinslos/Nîmes
11RASchröterMorris26D07/2021Dynamo Dresden
12
13LASchumacherKevin24D07/2021TSV Havelse
14ZMIngelssonSvante24SWE07/2021Udinese Calcio
15LAFrölingNils22SWE/USA01/2022Kalmar FF
16IVMaloneRyan16USA07/2021VfB Lübeck
17ZMBehrensHanno32D07/20211. FC Nürnberg
18STVerhoekJohn33D07/2019MSV Duisburg
19RAPrögerKai30D07/2022SC Paderborn 07
20LVScherffLukas25D01/2015eigene U19
21
22
23TWKörberNils-Jonathan25D07/2022Hertha BSC
24RVStraußJohn-Patrick26D/PHI07/2022Erzgebirge Aue
25IVMeißnerThomas31D07/2021Puskás Akadémia
26
27RVAnanouFrederic24D/TOG07/2022SC Paderborn 07
28LALitkaMaurice26D08/2020Preußen Münster
29ZMThillSébastien28LUX07/2022Progrés Niederkorn/Sheriff Tiraspol
30TWHagemoserMax19D07/20221. FC Köln U19
31LVRuschkeFelix19D07/2022eigene U19
32IVDietzeBenno18D07/2022eigene U19
33LAMartensTheo19D07/2021eigene U19
34ZMFrödeLukas27D08/2021Karlsruher SC
35
36
37
38
39STBreierPascal30D01/2018VfB Stuttgart
40
*Stichtag für Alter: 1.7.2022

Erklärungen zu den statistischen Begriffen

expected Goals (xG): Sie sind ein Wert, der das intuitive „Des hädd a zwaa ans firn glubb ausgeh kenna“ versucht zu quantifizieren. Zur Ermittlung wird jedem Schuss auf Grund von Ort und Art des Schusses sowie der Anzahl der Gegner, die zwischen dem Schützen und dem Tor stehen, ein Erfolgswert zwischen 0.001 und 1.00 zugewiesen. Je nach Modell werden auch noch andere Faktoren wie beispielsweise Schussgeschwindigkeit oder Schusshöhe einberechnet. Dabei entspricht 0.001 einer Chance von 0,1%, dass der Ball ins Tor geht, ein Wert von 1.00 ist ein Ball, der auf der Torlinie liegt, ohne dass der Spieler bedrängt wird. Ein Elfmeter wird dementsprechend mit 0.76 verbucht, da im Profibereich ziemlich genau 76% aller Elfmeter ins Tor gehen. Alle anderen xG-Werte unterscheiden sich je nach Anbieter, da manche Datenermittler die Werte von so genannten „Spottern“ einschätzen lassen, während andere eine Datenbank mit weltweit erfassten Schüssen bemühen. Um die xG für ein beliebiges Spiel zu erhalten, addiert man die Werte aller Schüsse beider Mannschaften. Ein Beispiel: Am ersten Spieltag der Saison 2019/20 hatte der FCN in Dresden einen xG-Wert von 0,46, Dynamo Dresden von 0,84. Das entspricht in etwa dem Eindruck, den man auch augenscheinlich hatte. In einem weitgehend ausgeglichenen, chancenarmen Spiel hatte Dresden die etwas besseren Gelegenheiten. Im Rückspiel vor der Winterpause kam der FCN auf 1,45 xG, Dresden auf 0,38xG. Auch hier wird der Eindruck bestätigt, der Club hatte bessere Chancen, Dresden kaum gute. Theoretisch lassen sich aus den xG-Werten auch Siegwahrscheinlichkeiten errechnen, z.B. 19% für den Club in Dresden, 67%% im Rückspiel.

Ballbesitz: Der Unterschied zwischen Ballbesitzteams und jenen, die dem Gegner den Ball überlassen, ist weitgehend intuitiv verständlich. Will man den Ball selbst haben? Oder soll der Gegner das Spiel machen. Zum Messen dieser an sich geradlinig wirkenden Statistik gibt es allerdings zwei Methoden. Die meisten Anbieter messen Ballbesitz über die Anzahl der Pässe. Die Anzahl der gespielten Pässe beider Teams im Spiel wird addiert und dann wird daraus der Anteil berechnet, den jedes Team hatte. Die andere Methode ist zeitbasiert. Hier wird die Zeit aufaddiert, die jede Mannschaft in Ballbesitz verbringt. Während die passbasierte Variante Teams, die viele kurze Pässe spielen, überbewertet, ist die zeitbasierte Variante bei Phasen, in denen kein Team den Ball am Fuß hat, ungenau. Der gewählte Datenanbieter Wyscout verwendet ein zeitbasiertes Modell. In den europäischen Top 5 Ligen (England, Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich) schwankten 2021/22 die Werte zwischen 68,2 Prozent (Barcelona) und 39,3 Prozent (Burnley).

Pressingdruck: Was unter Pressing zu verstehen ist, das erscheint weitgehend klar. Es geht darum, auf den Ballführenden Druck auszuüben, so dass dieser im Aufbau nicht genug Zeit hat, einen Pass gezielt anzubringen. Es gibt Mannschaften, die den Gegner sofort unter Druck setzen – etwas für das beispielsweise von Marcelo Bielsa trainierte Teams bekannt sind – und solche, die dem Gegner in Ballbesitz freie Entfaltung lassen und erst spät ins Pressing gehen. Die statistische Zahl, die dafür entwickelt wurde, läuft unter dem Akronym PPDA. Dahinter versteckt sich die englische Bezeichnung Passes per Defensive Action. Relevant für diesen Wert sind nur Aktionen, die mindestens 40 Meter vom eigenen Tor entfernt stattfinden. Aktionen näher am eigenen Tor spielen keine Rolle. Nachvollziehbar, wenn man mit dem Wert messen will, wie stark der Spielaufbau des Gegners gestört wird. Für den PPDA-Wert werden dann in einem ersten Schritt die Defensivaktionen eines Teams – also Zweikämpfe, abgefangene Bälle, herausgeschlagene Bälle und Fouls – addiert. In einem zweiten Schritt wird diese Summe durch die Anzahl der Pässe des Gegners geteilt. Je niedriger der Wert ist, desto weniger Pässe ohne Abwehraktion wurden zugelassen und desto höher ist der Druck. Deshalb ist in der Visualisierung auf der niedrigste Wert, der höchste, also der “blauste”. In den europäischen Top 5 Ligen schwankten die Werte 2021/22 zwischen 7,26 PPDA (Barcelona) und 16,93 PPDA (Troyes).

Challenge Intensity: Die Challenge Intensity ist quasi das Pressinggegenstück zum zeitbasierten Ballbesitz. Sie geht den gleichen Wert wie PPDA und misst Defensivaktionen. Allerdings nicht auf Basis der gegnerischen Pässe, sondern auf Basis der Zeit, die der Gegner den Ball in seinen Reihen hält. Die “defensive Intensität” misst also die Anzahl der Defensivaktionen pro Minute gegnerischen Ballbesitz. Logischerweise ist die Korrelation mit PPDA sehr hoch, wie diese Grafik zeigt. Dennoch hat der damit ermittelte Wert seine Daseinsberechtigung, da er etwaige Unterschiede im Spieltempo (siehe unten) besser herausfiltern kann. 2021/22 lagen die Werte der Challenge Intensity in den Top5-Ligen zwischen 4,9 (Troyes) und 8,2 (Köln).

Fernschüsse: Oberflächlich betrachtet ist die Frage nach den Fernschüssen eine recht geradlinige. Schießt ein Team eher weiter vom Tor weg aufs Tor oder aber näher dran. Das ist sicherlich auch ein Teil dessen, was gemessen wird. Dahinter versteckt sich aber oft ein Maß dafür, wie lange ein Angriff ausgespielt wird. Je länger eine Angriffsphase dauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass ein Spieler die Geduld verliert und statt eines weiteren Passes den Abschluss sucht. Das gilt selbstverständlich nicht für alle Fernschüsse. Eine hohe Anzahl an Abschlüssen außerhalb des Strafraums spricht dennoch dafür, dass Angriffe schnell abgeschlossen werden. Eine einfache Metrik dafür wäre die durchschnittliche Torentfernung beim Abschluss. Das Problem für diesen Wert ist, dass er, wie jeder Mittelwert, anfällig für Ausreißer ist. Stattdessen wird hier für die Visualisierung der Anteil der Fernschüsse an allen Schüssen gewählt, um zu messen, wie oft die Mannschaft einen Angriff durch einen Fernschuss beendet. In den europäischen Top 5 Ligen lagen die Werte zwischen 52,6 Prozent (Getafe) und 28,5 Prozent (Villarreal).

Flanken: Die Flanke an sich steht unter Freunden der Fußball-Analytics nicht unter dem besten Leumund. 92 Flanken brauche es im Schnitt, um ein Tor zu erzielen, gute Verteidigungen könnten sich schnell auf Flanken einstellen und diese aus der Gefahrenzone köpfen. Es scheint als würden die Trainer diesen Einwänden glauben: In den Top 5 Ligen ist der Schnitt der Flanken pro Spiel von 17 in der Saison 2010/11 über 15 in der Spielzeit 2016/17 auf nunmehr 13,5 gefallen. Dabei hat das Flanken durchaus seinen Platz im modernen Fußball, wenn man die richtigen Stürmer im Zentrum hat. Eindrucksvoll bewies das zum Beispiel der 1. FC Köln in der abgelaufenen Saison. Generell bedeutet eine hohe Flankenzahl also erst einmal zwei Dinge: Man sucht eine Kopfballspieler in der Mitte und man kommt oft in Tornähe. Die gewählte Metrik der Flanken pro 90 Minuten könnte als rein quantitative Angabe leicht verschoben in Richtung Teams mit viel Ballbesitz sein: Wer den Ball viel hat, kann auch viel flanken. So liegt Manchester City nicht nur beim Ballbesitz europaweit in der Spitzengruppe, sondern auch bei den Flanken, ähnliches gilt auch für Barcelona. Ein Blick auf die Statistik zeigt aber, dass hier insgesamt wenig Korrelation vorliegt. Ballbesitzteams wie Bayern München, Olympique Lyon, Paris St. Germain oder Dortmund flanken alle nicht überdurchschnittlich oft. Flanken sind also vor allem von der Spielanlage und nicht vom Ballbesitz abhängig. In den europäischen Top 5 Ligen schwankten die Werte zwischen 19,83 Flanken pro 90 Minuten (Manchester City, Köln folgte knapp dahinter auf Rang zwei) und 9,14 Flanken (Borussia Mönchengladbach).

Lange Bälle: Hier geht es auch um ein klar erkennbare Stilfrage. Spielt ein Team vor allem kurze Bälle oder greift es gern zum langen Schlag? Geschieht der Aufbau also vor allem durch kurze und mittellange Pässe oder überbrückt man den Raum gerne mit langen Bällen. Zuspitzen kann man diese Kategorie auf die Frage: Tiki Taka oder langer Hafer? In den Fußballdaten spricht man bei einem flachen Pass, der über mehr als 45 Meter geht oder einem hohen Pass, der länger als 25 Meter fliegt, von einem langen Ball. Die Anzahl dieser langen Pässe nimmt man dann und teilt sie durch die Anzahl der insgesamt gespielten Pässe. So kommt man auf den Anteil der langen Pässe am Passspiel der Mannschaft und kann so eine gewisse Charakteristik des Passspiels ablesen. In den europäischen Top 5 Ligen oszillierten die Werte zwischen 18,4 Prozent (Bochum) und 4,28 Prozent (Paris St. Germain).

Spieltempo: Um das Tempo der Spieler zu messen, gibt es inzwischen recht genaue Daten. Wir wissen, dass in den Top 5 Ligen Alphonso Davies vom FC Bayern München mit einer Geschwindigkeit von 36,5 km/h der schnellste Spieler ist. Doch wie berechnet man das Tempo des Spiels? Wahrscheinlich würden sich die meisten Zuschauer darauf einigen können, dass ein Spiel dann schnell ist, wenn sich der Ball schnell bewegt. Spielt also eine Mannschaft viele Pässe in kurzer Zeit, spielt sie schnell, spielt sie dagegen wenige Pässe in langer Zeit, spielt sie langsam. Je höher die Ballzirkulation, desto schneller das Spieltempo. Die statistische Maßzahl hierfür ist die so genannte “Passrate”, also die Anzahl der Pässe pro Minute Ballbesitz. Der Einwand, dass schnelle Dribblings in dieses Spieltempo nicht einfließen, da sie keinen Pass darstellen, erscheint im ersten Moment einleuchtend, betrachtet man aber die Daten stellt man fest, dass die Teams mit einer hohen Passrate auch eine höhere Anzahl an “progressiven Läufen”, also Läufen mit dem Ball am Fuß, die signifikant Raumgewinn erzielen – mindestens 30 Meter, wenn der Lauf in der eigenen Hälfte beginnt und endet, mindestens 15 Meter, wenn der Lauf in der eigenen Hälfte beginnt und in der gegnerischen endet und mindestens zehn Meter, wenn der Lauf in der gegnerischen Hälfte beginnt und endet. In den europäischen Top 5 Ligen lagen die Werte der Passrate 2021/22 zwischen 17,0 (Lazio Rom) und 11,5 Pässen pro Minute Ballbesitz (Valencia).

Konterangriffe: Grundsätzlich gibt es fürs Angreifen aus dem Spiel heraus zwei Art und Weisen. Zum einen den so genannten Positionsangriff. Der Ball wird planvoll nach vorne getragen und man versucht, gegen ein formierte Abwehr eine Lücke zu finden. Die andere Variante ist der Konterangriff. Also schnell von Abwehr auf Angriff umzuschalten und nach vorne zu spielen, noch ehe der Gegner sich formieren konnte. Dabei gilt: Selbst die Mannschaft mit der stärksten Konterausprägung spielt ihre meisten Angriffe als Positionsangriffe. Im Schnitt sind nur knapp 2,7 Angriffe pro Spiel Konterangriffe, 27,6 dagegen Positionsangriffe. Die durchschnittliche Anteil der Konter in den europäischen Topligen liegt also ungefähr bei 8,7 Prozent. Dennoch lässt sich aus den Unterschieden zwischen den Werten herauslesen, wie sehr eine Mannschaft auf Angreifen durch Umschalten setzt. Mitte der Saison 2021/22 schwankten in den europäischen Top 5 Ligen die Anteile der Konter an allen Angriffen aus dem Spiel heraus zwischen 16,2 Prozent (Leeds United) und 3,93 Prozent (Aston Villa).

8 Gedanken zu „Die 17 Anderen – Folge 6: F.C. Hansa Rostock

  • Respekt für diese Analyse! Richtig umfangreich und wie ich finde wirklich sehr überlegt und durchdacht, nicht nur so ein allgemeines blabla. Und auch nicht einfach nur Daten runtergerattert sonder in Beziehungen gesetzt und daraus Schlussfolgerungen abgeleitet.
    Danke für die Mühe der Aufarbeitung. TOP!!!

    Beim Spielstil 2021/22 bin ich etwas anderer Meinung und denke, dass Härtel wenn möglich schon gerne sein 4-2-3-1 versucht hat zu etablieren aber es nicht immer so durchzubringen war.
    Bei den überdurchschnittlch vielen Transfers hat auch unser Sportvorstand Martin Pieckenhagen sein Finger kräftig mit im Spiel und eine starke Meinung. Außerdem konnte Hansa zumindest in Härtels Anfangszeit nicht die ganz großen Gehälter zahlen, sodass eine Menge Spieler die bei uns ein bisschen was gerissen haben, glaubten woanders ihr Glück zu finden – meistens vergeblich. 😀

    Alles für den FCH! AHU!

    Antwort
  • Moin,
    super interessant und inhaltlich fundiert. Endlich mal eine Analyse weit weg von der üblichen medialen Oberflächlichkeit. Da lernt man noch einmal eine Menge dazu über die eigene Mannschaft.
    Jetzt muss ich wohl oder übel mich noch die Analysen der anderen Vereine durchlesen. Danke für Eure Arbeit.
    Grüße aus Rostock und auf eine hochklassige Saison.

    Antwort
  • …hmmm, was auch immer uns der schwankende letzte Satz im Absatz Konterangriffe sagen soll… viel interessanter wäre doch eigentlich, ob sowas wie bei der Hertha BSC Mitgliederversammlung auch beim FCN denkbar wäre, oder?

    Antwort
  • …stimmt… durch den überlangen Artikel über die schwankende Hansakogge hatte ich das ganz verdrängt…. na ja denkbar halt in dem Sinne ob sich aus der Fanszene mal eine Person aufrafft und für ein Amt kandidiert…mit dem relativ starren, eingefahrenen Mindset von Verein inkl. angrenzender Medienlandschaft werden wir kaum positive Entwicklungen hinbekommen…

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