Die 17 Anderen – Folge 7: Karlsruher SC

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie der Kader bei den Gegnern strukturiert ist und was letzte Saison auffällig war. Im siebten Teil geht es dabei nach Baden.

  1. Steckbrief
  2. Spielstil 2021/22
  3. Kader 2021/22
  4. Trainer 2022/23
  5. Kader 2022/23

1. Steckbrief

TrainerChristian Eichner (seit 3.2.2020)
AbgängeMarc Lorenz (Preußen Münster), Philipp Hofmann (VfL Bochum), Robin Bormuth (SC Paderborn), Lukas Fröde (Hansa Rostock, war bereits dorthin verliehen), Fabio Kaufmann (Eintracht Braunschweig), Benjamin Goller (Werder Bremen, Leihende), Ricardo van Rhijn, Markus Kuster, Jannis Rabold, Paul Löhr (alle unbekannt), Niklas Heeger (Dynamo Dresden), Sven Kronemayer (FC Astoria Walldorf II, war bereits dorthin verliehen)
ZugängeMarcel Franke (Hannover 96), Florian Ballas (Erzgebirge Aue) Kelvin Arase (Rapid Wien), Kai Eisele (Fortuna Düsseldorf), Simone Rapp (FC Vaduz), Paul Nebel (FSV Mainz 05, Leihe), Mikkel Kaufmann (FC Kopenhagen, Leihe), Tim Rossmann, Max Weiß (beide eigene U19), Luca Bolay (1. FC Nürnberg II, Leihende)
Platzierung 2021/2212. Platz, Zweite Liga (41 Punkte, 54:55Tore)
Bilanz gegen FCN seit 196321 Siege – 20 Remis – 34 Niederlagen (82:96 Tore)
Ex-Cluberer?Luca Bolay war in der vergangenen Spielzeit an den FCN II ausgliehen, Philip Heise spielte in der Rückrunde der Saison 2019/20 beim Club. Der “Held von Ingolstadt”, Fabian Schleusener von 2019 bis 2021. Florian Ballas war von in der Hinrunde 2009 in der U17 des FCN und von 2011 bis 2013 beim FCN II aktiv.
Ex-Karlsruher?Enrico Valentini (2014-2017), Pascal Köpke (2015 – Januar 2016) und Felix Lohkemper (Jugendspieler bis 2010) spielten schon beim KSC.

2. Spielstil 2021/22

Die Grundpfeiler des Karlsruher Spiels sind ganz unabhängig vom Gegner in der eigenen offensiven Kopfballstärke angelegt. Auch wenn die Zahl der Flanken in dieser letzten Saison geringer war als in der Vorsaison, war die Hereingabe von Außen weiterhin ein gern gewähltes Mittel des KSC. In der Analyse von Matchmetrics ist der KSC dann auch in Sachen Offensivkopfball, Flanken und Ecken ein absolutes Spitzenteam. Angesichts der geringen Anzahl von Kopfballtoren (8; Rang 14 in der Liga) und 13 Kopfballgegentoren (Rang 15 in der Liga) mag das überraschen. Oft war der gewonnene Offensivkopfball aber nicht der Torschuss, sondern eine der vorbereitenden Aktionen. Bei den 17 Toren nach Standardsituationen zeigte der KSC dann in der vergangenen Spielzeit auch genau die Stärken in den drei erwähnten Kategorien. Um diese Stärken auszunutzen, setzt man in Karlsruhe auch konsequent auf ein 4-1-4-1/4-3-3 mit klarem Flügelfokus.

Dabei scheute man nicht vor dem situativen langen Ball ins Zentrum – meist auf Hofmann – zurück, von wo aus dann der per Kopf auf die nachrückenden Außenstürmer abgelegt wurde. Diese nahmen den Ball dann auf oder legten ihn ihrerseits auf einen mitlaufenden Außenverteidiger ab. In dieser Form des Ballvortrags lief das Spiel insgesamt häufiger über links als über rechts. Trotz dieser Vorgehensweise war der lange Ball kein generelles stilistisches Mittel. Vielmehr variierte das Spiel der Badener immer wieder. So erklären sich die Zahlen des KSC im Spielstildiagramm auch weniger durch Leistungen, die konstant um den Durchschnitt pendelten, sondern daher, dass sich beispielsweise Spiele mit intensivem Pressing mit Spielen mit sehr abwartender Herangehensweise abwechselte.

Was dagegen relativ konstant war, war die Tatsache, dass der KSC auf Konter verzichtete. Der Anteil der Konterangriffe an allen Angriffen war bei keinem Team in der Liga geringer. Das hängt sicher mit Hofmann zusammen – ein Team, das auf einen Zielspieler vertraut, der noch dazu nicht mit Tempo gesegnet ist, wird immer im Umschalten Probleme haben – es wirkte aber auch eine bewusste Entscheidung, nicht durch Umschaltfehler selbst Gegentore zu kassieren. Fehlerminimierung war generell eines der großen Prinzipien beim KSC. Addiert man die Ballverluste in Verteidigungs- und Mitteldrittel so verlor nur der HSV seltener den Ball. Sowohl bei den langen Pässen als auch bei Pässen für Raumgewinn ist der KSC in Sachen Passgenauigkeit ganz vorne mit dabei. Auch das Anzeichen dafür, dass man nicht zu sehr ins Risiko ging, sondern eine gezielte Passauswahl traf.

 Karlsruhe 2021/22
Tore/expected Goals54/51,12
Gegentore/expected Goals against55/55,8
Schüsse pro 90/xG pro Schuss12,04/0,118 (⌀: 12,05/0,120)
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss13,38/0,116 (⌀: 12,05/0,120)
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase50,9%/13,4s (⌀: 50%/13,3s)
PPDA/Chal. Intensity9,68/6,5 (⌀: 9,71/6,4)
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball39%/62%/48%/42% (⌀: 39%/61%/47%/41%)
Für Erklärungen der Begriffe hier klicken.
Spielstil im Vergleich zu anderen Zweitligisten anhand ausgesuchter Parameter. Für Erklärungen der Begriffe hier klicken. Unterschiede zwischen Tabelle und Grafik ergeben sich aus unterschiedlichen Rundungen und Durchschnittsbildungen.

3. Kader 2021/22

Das erste was auffällt, wenn man das Kaderdiagramm betrachtet, ist, dass der Hintergrund ein anderer ist. Die Grafik musste gewählt werden, da beim KSC die Spanne zwischen ältestem und jüngstem Spieler zu hoch für die normale Hintergrundgrafik war. Zwanzig Jahre liegen zwischen Daniel Gordon (36 bei Saisonbeginn) und Efe-Kaan Sihlaroglu (16). Letzterer ist seit seinem zweiminütigen Einsatz gegen Hannover 96 mit 16 Jahren und 142 Tagen der jüngste je eingesetzte Spieler in der Zweiten Bundesliga, ersterer mit 37 Jahren und 120 Tagen beim Einsatz gegen Heidenheim ältester Spieler der Zweiten Liga in der abgelaufenen Saison. Gordon war über weite Strecken der Saison in der Innenverteidigung gesetzt, nachdem Bormuth wegen einer komplizierten Sporunggelenksverletzung ausfiel. Neben dem ehemaligen jamaikanischen Nationalspieler war er mit Ex-Cluberer Heise (30) und Kapitän Gondorf (33) einer von drei Stammspielern jenseits der 30 Jahre.

Dagegen kamen – trotz des Jugendrekords durch Siharoglu – Spieler unter 23 kaum zu signifikanten Minuten. Einzig Tim Breithaupt (19), der im defensiven Mittelfeld oft die alleinige Sechs geben musste, zählt zu den uneingeschränkten Stammkräften, wenn man die Saison in Gänze betrachtet. In Sachen Durchschnittsalter stellte der KSC mit 28,6 Jahren dann auch das älteste Team der Liga. Routine und Fehlervermeiden gingen also in Baden Hand in Hand. Betrachtet man die Spieler, die man als Stammkräfte bezeichnen kann, kommt man auf Torwart Gersbeck, die Innenverteidiger Gordon und Kobald – der nach der Rückrunde phasenweise durch Wintertransfer O’Shaugnessy ersetzt wurde – Linksverteidiger Heise, die zentralen Mittelfeldspieler Breithaupt, Wanitzek und Gondorf, sowie Zentrumsstürmer Hofmann.

Geht man vom 4-3-3 aus, fällt auf, dass die drei Positionen ohne klaren Stammspieler (Rechtsverteidiger, Rechtsaußen und Linksaußen) auf den Außenbahnen sind. Ohne eine Bänderverletzung in der Rückrunde würde wahrscheinlich auch Rechtsverteidiger Thiede zu den Stammkräften zählen. Thiede war seinerseits erst nach dem Kreuzbandriss von Stammrechtsverteidiger Jung in die Formation gerückt. Am Ende der Saison versuchten sich dann van Rhijn, der nach Jungs Verletzung verpflichtetet worden war, und Rabold als Rechtsverteidiger. Auf den offensiven Außenbahnen fand Christian Eichner dagegen nicht denjenigen, dem er das Vertrauen als Stammkraft geben wollte. Auf links machte FCN-Legende Fabian Schleusener zwar die meisten Minuten, seine besten Spiele machte er aber im Sturmzentrum, wenn er statt oder neben Hofmann agieren durfte. Auch Lorenz und – vor seinem Wechsel in der Winterpause – Kother sahen hier Einsatzzeiten. Auf rechts kamen Choi, Kaufmann und Wintertransfer Goller zum Einsatz. Cueto spielte sogar auf beiden Flügeln. Wirklich festspielen konnte sich aber keiner.

Die drei Schlüsselspieler auf dem Feld waren laut Matchmetrics – und auch mit den Augen – Hofmann, Wanitzek und Heise. Letzterer hat sich in den vergangenen beiden Spielzeiten seit seinem Wechsel aus Nürnberg durch sein Passspiel, sein Dribbling auf der linken Außenbahn und seine Verlässlichkeit mit wenigen Leistungsschwankungen zum Leistungsträger entwickelt. Zehn Vorlagen zeigen auch, wie wichtig der gebürtige Düsseldorfer auch für die Karlsruher Offensive ist. Daran, dass der Außenverteidiger, der auch viele Standards schlägt, Vorlagenkönig des Teams ist, unterstreicht auch noch einmal Flügelfokus und Standardstärke des KSC. Wanitzek, meist linker Achter, war der andere Standardspezialist bei Karlsruhe, der auch aus dem Spiel heraus im Passspiel wichtig war.

Hofmann schließlich war der Zielspieler im Angriff, der immer wieder gesucht wurde, zu vielen Abschlüssen im Strafraum (drittmeiste unter den Stürmern) kam und mit 19 Toren einen entscheidenden Beitrag dazu leistete, dass der KSC eine gänzlich ruhige Saison ohne Ambitionen nach oben oder unten erlebte. Dabei half sicherlich auch, dass Hofmann seinen expected Goals Wert um drei Tore übertraf, was zum zweiten Mal nach 2019/20 (17 Tore/13,85 xG) eine klare Überperformance der zu erwartenden Tore darstellt. Nachdem Hofmann sie 2020/21 mit 13 Tore fast genau erfüllt, steht der Verdacht nahe, dass Hofmann zumindest auf Zweitliganiveau einen weit überdurchschnittlich guten Abschluss hat.

4. Trainer 2022/23

Christian Eichner ist seit Februar 2020 für die Profimannschaft des KSC verantwortlich. Vorher war er über 100 Spiele lang Co-Trainer seines Vorgängers Alois Schwartz gewesen. Allerdings war Eichner das nicht nur unter Schwartz, sondern auch unter dessen Vorgängern gewesen und so verwunderte es nicht, dass er nach der Amtsübernahme auch auf Distanz ging: „Ich war vor Alois Schwartz beim KSC und nicht der klassische Co-Trainer, der mit einem bestimmten Chefcoach unterwegs ist. Daher war ich unabhängig von Schwartz.“ Rechnet man all seine Zeiten beim KSC zusammen, so kommt man auf insgesamt dreizehn Jahre als Spieler (1996 bis 2009) und sechs Jahre als Trainer verschiedener Mannschaften (seit 2016): 19 Jahre, die bei einem 39-Jährigen also tatsächlich fast das halbe Leben ausmachen.

Dass Eichner tatsächlich unabhängig von Schwartz war, ließ sich auch auf dem Platz feststellen. Statt Schwartz‘ defensiv und vorsichtig ausgerichteten Fußball, ließ Eichner offensiver agieren, setzte aufs 4-3-3 und den Flügelfokus und schaffte so in der Saison 2019/20 den direkten Klassenerhalt. Auch auf Kosten des 1. FC Nürnberg, der dank des Karlsruher Siegs in Fürth am letzten Spieltag in die Relegation gegen den FC Ingolstadt musste. Nach dem Saisonende 2019/20 beendete Eichner seine Ausbildung zum Fußballlehrer, schloss diese dem Vernehmen nach mit 1,0 ab – allerdings im Gegensatz zu Robert Klauß ohne Auszeichnung als Jahrgangsbester, denn der DFB gibt den Besten seit 2019 nicht mehr bekannt. Mit der Lizenz in der Tasche stabilisierte Eichner den KSC weiter und baute das Spiel der Karlsruher weiter nach seinen Vorstellungen um. Die Saison 2020/21 schloss der KSC als Sechster ab, 2021/22 als Zwölfter, jeweils, ohne in Abstiegsgefahr zu geraten.

Die Stabilisierung hat Eichner, der während seiner Zeit als Profi ein Grundstudium an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe in den Fächern Mathematik, Ethik und Geografie abschloss, beim KSC hinbekommen. Schon jetzt ist der gebürtige Sinsheimer nach Frank Schmidt (14 Jahre 9 Monate), Jens Härtel (3 Jahre 6 Monate) und Mersad Selimbegović (3 Jahre) der Trainer in der zweiten Liga mit der viertlängsten Amtszeit. Dabei steht jetzt womöglich die größte Prüfung für den Fußballlehrer an, denn das erste Mal als Profitrainer muss er ohne Philipp Hofmann als Zielspieler auskommen. Die Frage, ob Eichner nun seine Spielweise anpasst und vom 4-3-3 mit Flügelfokus abrückt oder versucht eine Hofmann-Kopie einzubauen, wird spannend werden.

5. Kader 2022/23

Der Transfer von Hofmann nach Bochum ist das Kernstück der Kaderveränderungen beim KSC. Der 29-Jährige wechselt, nachdem es fast in jeder Sommerpause Gerüchte gegeben hatte, nun doch in die Bundesliga. Einen Spieler, der in jedem zweiten Pflichtspiel für Karlsruhe getroffen hat, zu ersetzen, wird kein leichtes Unterfangen. Der KSC hat sich deshalb mit Simone Rapp vom FC Vaduz und Mikkel Kaufmann vom FC Kopenhagen verstärkt. Letzterer kommt leihweise nachdem er die letzte Saison beim HSV verbracht hat. Dabei fällt aber auf, dass Kaufmann trotz seiner 1,90m Körpergröße kein besonders guter Kopfballspieler ist. Überhaupt zeigt der Vergleich via Matchmetrics zwischen Kaufmann in den letzten drei Spielzeiten und Hofmann in der letzten Saison, dass Kaufmann ein gänzlich anderer Spielertyp ist. Anders sieht es bei Simone Rapp aus. Der 29-jährige Schweizer kommt aus der Challenge League, der zweiten Liga in der Schweiz, wo er für den Liechtensteiner Vertreter FC Vaduz in der vergangenen Saison 16 Tore erzielt hat. Der 1,93m große Rapp bringt ein hervorragendes Kopfballspiel mit, schneidet in der Ballverarbeitung aber etwas schlechter als Hofmann ab.

Auch auf der Innenverteidigerposition findet ein Tausch statt, für Robin Bormuth, der zum SC Paderborn wechselt, kommt Marcel Franke, ein weiterer physisch starker zentraler Verteidiger. Franke ist zwar im Spielaufbau keine Offenbarung, bringt aber robuste Zweikampfführung und überdurchschnittliches Kopfballspiel mit. Nachdem Daniel O’Shaughnessy mit einem Wadenbeinbruch, den er sich bei der finnischen Nationalmannschaft zugezogen hat, länger ausfällt, und auch Felix Irorere die Vorbereitung mit einem Muskelfaserriss verpasst, hat der KSC einen weiteren Innenverteidiger verpflichtet: Ex-Clubspieler Florian Ballas von Erzgebirge Aue. Sollte Ballas nach seiner langen Verletzungspause wieder fit werden, gewinnt der KSC einen weiteren starken Kopfballspieler hinzu, der ebenfalls kein Downgrade im Vergleich zu Ergänzungsspieler Bormuth darstellt, der eben auch mit den Folgen einer schwerwiegenden Verletzung zu kämpfen hatte. Sind alle Innenverteidiger fit – und das ist angesichts der Verletzungsprobleme, die jetzt schon herrschen, ein großes Fragezeichen, auch Marcel Franke kommt mit einer längeren Verletzungshistorie, auch wenn er die vergangene Saison verschont blieb -, kann Eichner mit Irorere, O’Shaugnessy und Kobald auf drei Innenverteidiger fürs Aufbauspiel zurückgreifen und hat mit Gordon, Ballas und Franke auch drei fürs Grobe und die Luft.

Auf den Außenbahnen ist das Wechselspiel, wenig überraschend, nachdem man dort auch unter der Saison viel gewechselt hatte, am größten. Neben Benjamin Goller, dessen Leihe beendet wurde, verlassen auch Marc Lorenz und Fabio Kaufmann den Verein, in der Defensive geht es außerdem für die Rechtsverteidiger Ricardo van Rhijn und Jannis Rabold nicht im Wildpark weiter. Da Jung nach seinem Kreuzbandriss zurückerwartet wird und Thiede die Rolle als Rechtsverteidiger 2021/22 ordentlich ausgefüllt hat, ist die Reduzierung der Rechtsverteidiger wenig überraschend. In der Offensive kommt mit Kelvin Arase eine neue Option für rechts, die anhand der Erfahrungen in Österreich aber eher im Verhalten gegen den Ball als Update zu Fabio Kaufmann zu werten ist. Paul Nebel ist dagegen auf beiden Flügeln zu Hause und kann auch im Zentrum spielen. Er ist von Mainz 05 ausgeliehen, arbeitet fleißig gegen den Ball und hat dennoch hohe Handlungsschnelligkeit und ein ordentliches Raumgefühl. Da er allerdings körperlich noch zulegen muss, könnte die Zweite Liga eine Herausforderung für den U20-Nationalspieler darstellen. Dennoch scheint die Planung auch auf den Flügeln noch nicht endgültig abgeschlossen. Bereits fix ist das Torwartteam. Hinter Marius Gersbeck kommen mit Kai Eisele von Fortuna Düsseldorf und Nachwuchskeeper Max Weiß, der gegen Heidenheim im letzten Saisonspiel bereits einmal Zweitligaluft schnuppern durfte, zwei neue Spieler in den Kader von Christian Eichner.

#Pos.NameVornameAlter*Nationseitletzter Verein
1TWEiseleKai27D07/2022Fortuna Düsseldorf
2RVJungSebastian32D09/2020Hannover 96
3IVGordonDaniel37D/JAM07/2017SV Sandhausen
4IVBallasFlorian29D07/2022Erzgebirge Aue
5IVO’ShaughnessyDaniel27FIN/IRL01/2022HJK Helsinki
6ZMJensenLeon25D07/2021FSV Zwickau
7STRappSimone29SUI07/2022FC Vaduz
8ZMGondorfJérôme34D07/2020SC Freiburg
9STBatmazMalik22D/TUR10/2018eigene U19
10ZMWanitzekMarvin29D07/2017VfB Stuttgart
11ZMChoiKyoung-rok27KOR07/2018FC St. Pauli
12
13
14STKaufmannMikkel21DAN07/2022Hamburger SV
15
16LVHeisePhilip31D07/2021Norwich City
17LACuetoLucas26D/ESP07/2021Viktoria Köln
18LVJakobKilian24D08/2021FC Augsburg II
19
20IVIrorereFelix20D/FRA08/2021Eintracht Frankfurt
21RVThiedeMarco30D09/2017vereinslos/SV Sandhausen
22IVKobaldChristoph22AUT07/2018Wiener Neustädter SC
23
24RASchleusenerFabian30D07/20211. FC Nürnberg
25
26LANebelPaul19D07/2022FSV Mainz 05
27STMarinoStefan18D/ITA07/2022eigene U19
28IVFrankeMarcel29D07/2022Hannover 96
29TWWeißMax18D07/2021eigene U19
30
31LARossmannTim18D07/2022eigene U19
32
33
34
35TWGersbeckMarius27D07/2019Hertha BSC
36RAAraseKelvin23AUT/NGA07/2022Rapid Wien
37LVBolayLuca19D07/20221. FC Nürnberg II (Leihe)
38ZMBreithauptTim20D01/2021eigene U19
39ZMSihlarogluEfe-Kaan16D/TUR07/2022eigene U17
40ZMMirkovicLazar19SER07/2021eigene U19
*Stichtag für Alter: 1.7.2022

Erklärungen zu den statistischen Begriffen

expected Goals (xG): Sie sind ein Wert, der das intuitive „Des hädd a zwaa ans firn glubb ausgeh kenna“ versucht zu quantifizieren. Zur Ermittlung wird jedem Schuss auf Grund von Ort und Art des Schusses sowie der Anzahl der Gegner, die zwischen dem Schützen und dem Tor stehen, ein Erfolgswert zwischen 0.001 und 1.00 zugewiesen. Je nach Modell werden auch noch andere Faktoren wie beispielsweise Schussgeschwindigkeit oder Schusshöhe einberechnet. Dabei entspricht 0.001 einer Chance von 0,1%, dass der Ball ins Tor geht, ein Wert von 1.00 ist ein Ball, der auf der Torlinie liegt, ohne dass der Spieler bedrängt wird. Ein Elfmeter wird dementsprechend mit 0.76 verbucht, da im Profibereich ziemlich genau 76% aller Elfmeter ins Tor gehen. Alle anderen xG-Werte unterscheiden sich je nach Anbieter, da manche Datenermittler die Werte von so genannten „Spottern“ einschätzen lassen, während andere eine Datenbank mit weltweit erfassten Schüssen bemühen. Um die xG für ein beliebiges Spiel zu erhalten, addiert man die Werte aller Schüsse beider Mannschaften. Ein Beispiel: Am ersten Spieltag der Saison 2019/20 hatte der FCN in Dresden einen xG-Wert von 0,46, Dynamo Dresden von 0,84. Das entspricht in etwa dem Eindruck, den man auch augenscheinlich hatte. In einem weitgehend ausgeglichenen, chancenarmen Spiel hatte Dresden die etwas besseren Gelegenheiten. Im Rückspiel vor der Winterpause kam der FCN auf 1,45 xG, Dresden auf 0,38xG. Auch hier wird der Eindruck bestätigt, der Club hatte bessere Chancen, Dresden kaum gute. Theoretisch lassen sich aus den xG-Werten auch Siegwahrscheinlichkeiten errechnen, z.B. 19% für den Club in Dresden, 67%% im Rückspiel.

Ballbesitz: Der Unterschied zwischen Ballbesitzteams und jenen, die dem Gegner den Ball überlassen, ist weitgehend intuitiv verständlich. Will man den Ball selbst haben? Oder soll der Gegner das Spiel machen. Zum Messen dieser an sich geradlinig wirkenden Statistik gibt es allerdings zwei Methoden. Die meisten Anbieter messen Ballbesitz über die Anzahl der Pässe. Die Anzahl der gespielten Pässe beider Teams im Spiel wird addiert und dann wird daraus der Anteil berechnet, den jedes Team hatte. Die andere Methode ist zeitbasiert. Hier wird die Zeit aufaddiert, die jede Mannschaft in Ballbesitz verbringt. Während die passbasierte Variante Teams, die viele kurze Pässe spielen, überbewertet, ist die zeitbasierte Variante bei Phasen, in denen kein Team den Ball am Fuß hat, ungenau. Der gewählte Datenanbieter Wyscout verwendet ein zeitbasiertes Modell. In den europäischen Top 5 Ligen (England, Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich) schwankten 2021/22 die Werte zwischen 68,2 Prozent (Barcelona) und 39,3 Prozent (Burnley).

Pressingdruck: Was unter Pressing zu verstehen ist, das erscheint weitgehend klar. Es geht darum, auf den Ballführenden Druck auszuüben, so dass dieser im Aufbau nicht genug Zeit hat, einen Pass gezielt anzubringen. Es gibt Mannschaften, die den Gegner sofort unter Druck setzen – etwas für das beispielsweise von Marcelo Bielsa trainierte Teams bekannt sind – und solche, die dem Gegner in Ballbesitz freie Entfaltung lassen und erst spät ins Pressing gehen. Die statistische Zahl, die dafür entwickelt wurde, läuft unter dem Akronym PPDA. Dahinter versteckt sich die englische Bezeichnung Passes per Defensive Action. Relevant für diesen Wert sind nur Aktionen, die mindestens 40 Meter vom eigenen Tor entfernt stattfinden. Aktionen näher am eigenen Tor spielen keine Rolle. Nachvollziehbar, wenn man mit dem Wert messen will, wie stark der Spielaufbau des Gegners gestört wird. Für den PPDA-Wert werden dann in einem ersten Schritt die Defensivaktionen eines Teams – also Zweikämpfe, abgefangene Bälle, herausgeschlagene Bälle und Fouls – addiert. In einem zweiten Schritt wird diese Summe durch die Anzahl der Pässe des Gegners geteilt. Je niedriger der Wert ist, desto weniger Pässe ohne Abwehraktion wurden zugelassen und desto höher ist der Druck. Deshalb ist in der Visualisierung auch der niedrigste Wert, der höchste, also der “blauste”. In den europäischen Top 5 Ligen schwankten die Werte 2021/22 zwischen 7,26 PPDA (Barcelona) und 16,93 PPDA (Troyes).

Challenge Intensity: Die Challenge Intensity ist quasi das Pressinggegenstück zum zeitbasierten Ballbesitz. Sie geht den gleichen Wert wie PPDA und misst Defensivaktionen. Allerdings nicht auf Basis der gegnerischen Pässe, sondern auf Basis der Zeit, die der Gegner den Ball in seinen Reihen hält. Die “defensive Intensität” misst also die Anzahl der Defensivaktionen pro Minute gegnerischen Ballbesitz. Logischerweise ist die Korrelation mit PPDA sehr hoch, wie diese Grafik zeigt. Dennoch hat der damit ermittelte Wert seine Daseinsberechtigung, da er etwaige Unterschiede im Spieltempo (siehe unten) besser herausfiltern kann. 2021/22 lagen die Werte der Challenge Intensity in den Top5-Ligen zwischen 4,9 (Troyes) und 8,2 (Köln).

Fernschüsse: Oberflächlich betrachtet ist die Frage nach den Fernschüssen eine recht geradlinige. Schießt ein Team eher weiter vom Tor weg aufs Tor oder aber näher dran. Das ist sicherlich auch ein Teil dessen, was gemessen wird. Dahinter versteckt sich aber oft ein Maß dafür, wie lange ein Angriff ausgespielt wird. Je länger eine Angriffsphase dauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass ein Spieler die Geduld verliert und statt eines weiteren Passes den Abschluss sucht. Das gilt selbstverständlich nicht für alle Fernschüsse. Eine hohe Anzahl an Abschlüssen außerhalb des Strafraums spricht dennoch dafür, dass Angriffe schnell abgeschlossen werden. Eine einfache Metrik dafür wäre die durchschnittliche Torentfernung beim Abschluss. Das Problem für diesen Wert ist, dass er, wie jeder Mittelwert, anfällig für Ausreißer ist. Stattdessen wird hier für die Visualisierung der Anteil der Fernschüsse an allen Schüssen gewählt, um zu messen, wie oft die Mannschaft einen Angriff durch einen Fernschuss beendet. In den europäischen Top 5 Ligen lagen die Werte zwischen 52,6 Prozent (Getafe) und 28,5 Prozent (Villarreal).

Flanken: Die Flanke an sich steht unter Freunden der Fußball-Analytics nicht unter dem besten Leumund. 92 Flanken brauche es im Schnitt, um ein Tor zu erzielen, gute Verteidigungen könnten sich schnell auf Flanken einstellen und diese aus der Gefahrenzone köpfen. Es scheint als würden die Trainer diesen Einwänden glauben: In den Top 5 Ligen ist der Schnitt der Flanken pro Spiel von 17 in der Saison 2010/11 über 15 in der Spielzeit 2016/17 auf nunmehr 13,5 gefallen. Dabei hat das Flanken durchaus seinen Platz im modernen Fußball, wenn man die richtigen Stürmer im Zentrum hat. Eindrucksvoll bewies das zum Beispiel der 1. FC Köln in der abgelaufenen Saison. Generell bedeutet eine hohe Flankenzahl also erst einmal zwei Dinge: Man sucht eine Kopfballspieler in der Mitte und man kommt oft in Tornähe. Die gewählte Metrik der Flanken pro 90 Minuten könnte als rein quantitative Angabe leicht verschoben in Richtung Teams mit viel Ballbesitz sein: Wer den Ball viel hat, kann auch viel flanken. So liegt Manchester City nicht nur beim Ballbesitz europaweit in der Spitzengruppe, sondern auch bei den Flanken, ähnliches gilt auch für Barcelona. Ein Blick auf die Statistik zeigt aber, dass hier insgesamt wenig Korrelation vorliegt. Ballbesitzteams wie Bayern München, Olympique Lyon, Paris St. Germain oder Dortmund flanken alle nicht überdurchschnittlich oft. Flanken sind also vor allem von der Spielanlage und nicht vom Ballbesitz abhängig. In den europäischen Top 5 Ligen schwankten die Werte zwischen 19,83 Flanken pro 90 Minuten (Manchester City, Köln folgte knapp dahinter auf Rang zwei) und 9,14 Flanken (Borussia Mönchengladbach).

Lange Bälle: Hier geht es auch um ein klar erkennbare Stilfrage. Spielt ein Team vor allem kurze Bälle oder greift es gern zum langen Schlag? Geschieht der Aufbau also vor allem durch kurze und mittellange Pässe oder überbrückt man den Raum gerne mit langen Bällen. Zuspitzen kann man diese Kategorie auf die Frage: Tiki Taka oder langer Hafer? In den Fußballdaten spricht man bei einem flachen Pass, der über mehr als 45 Meter geht oder einem hohen Pass, der länger als 25 Meter fliegt, von einem langen Ball. Die Anzahl dieser langen Pässe nimmt man dann und teilt sie durch die Anzahl der insgesamt gespielten Pässe. So kommt man auf den Anteil der langen Pässe am Passspiel der Mannschaft und kann so eine gewisse Charakteristik des Passspiels ablesen. In den europäischen Top 5 Ligen oszillierten die Werte zwischen 18,4 Prozent (Bochum) und 4,28 Prozent (Paris St. Germain).

Spieltempo: Um das Tempo der Spieler zu messen, gibt es inzwischen recht genaue Daten. Wir wissen, dass in den Top 5 Ligen Alphonso Davies vom FC Bayern München mit einer Geschwindigkeit von 36,5 km/h der schnellste Spieler ist. Doch wie berechnet man das Tempo des Spiels? Wahrscheinlich würden sich die meisten Zuschauer darauf einigen können, dass ein Spiel dann schnell ist, wenn sich der Ball schnell bewegt. Spielt also eine Mannschaft viele Pässe in kurzer Zeit, spielt sie schnell, spielt sie dagegen wenige Pässe in langer Zeit, spielt sie langsam. Je höher die Ballzirkulation, desto schneller das Spieltempo. Die statistische Maßzahl hierfür ist die so genannte “Passrate”, also die Anzahl der Pässe pro Minute Ballbesitz. Der Einwand, dass schnelle Dribblings in dieses Spieltempo nicht einfließen, da sie keinen Pass darstellen, erscheint im ersten Moment einleuchtend, betrachtet man aber die Daten stellt man fest, dass die Teams mit einer hohen Passrate auch eine höhere Anzahl an “progressiven Läufen”, also Läufen mit dem Ball am Fuß, die signifikant Raumgewinn erzielen – mindestens 30 Meter, wenn der Lauf in der eigenen Hälfte beginnt und endet, mindestens 15 Meter, wenn der Lauf in der eigenen Hälfte beginnt und in der gegnerischen endet und mindestens zehn Meter, wenn der Lauf in der gegnerischen Hälfte beginnt und endet. In den europäischen Top 5 Ligen lagen die Werte der Passrate 2021/22 zwischen 17,0 (Lazio Rom) und 11,5 Pässen pro Minute Ballbesitz (Valencia).

Konterangriffe: Grundsätzlich gibt es fürs Angreifen aus dem Spiel heraus zwei Art und Weisen. Zum einen den so genannten Positionsangriff. Der Ball wird planvoll nach vorne getragen und man versucht, gegen eine formierte Abwehr eine Lücke zu finden. Die andere Variante ist der Konterangriff. Also schnell von Abwehr auf Angriff umzuschalten und nach vorne zu spielen, noch ehe der Gegner sich formieren konnte. Dabei gilt: Selbst die Mannschaft mit der stärksten Konterausprägung spielt ihre meisten Angriffe als Positionsangriffe. Im Schnitt sind nur knapp 2,7 Angriffe pro Spiel Konterangriffe, 27,6 dagegen Positionsangriffe. Der durchschnittliche Anteil der Konter in den europäischen Topligen liegt also ungefähr bei 8,7 Prozent. Dennoch lässt sich aus den Unterschieden zwischen den Werten herauslesen, wie sehr eine Mannschaft auf Angreifen durch Umschalten setzt. Mitte der Saison 2021/22 schwankten in den europäischen Top 5 Ligen die Anteile der Konter an allen Angriffen aus dem Spiel heraus zwischen 16,2 Prozent (Leeds United) und 3,93 Prozent (Aston Villa).

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