Die 17 Anderen – Folge 13: SV Darmstadt 98

Im Zuge der Saisonvorbereitung der Konkurrenz blicken wir in loser Folge darauf, wie der Kader bei den Gegnern strukturiert ist und was letzte Saison auffällig war. Im dreizehnten Teil geht es um den die Lilien.

  1. Steckbrief
  2. Spielstil 2021/22
  3. Kader 2021/22
  4. Trainer 2022/23
  5. Kader 2022/23

1. Steckbrief

TrainerTorsten Lieberknecht (seit 1.7.2021, zuvor MSV Duisburg [1.10.2018 bis 10.11.2020], Eintracht Braunschweig [12.5.2008 bis 14.5.2018])
AbgängeTim Skarke (Union Berlin), Nemanja Čelić (LASK, Leihe), Adrian Stanilewicz (unbekannt), Leon Müller (FSV Frankfurt), Lasse Sobiech (Stellenbosch FC), Luca Pfeiffer (FC Midtjylland, Leihende), Henry Crosthwaite (Astoria Walldorf, Leihe, war zuvor an Rot-Weiß Koblenz ausgeliehen)
ZugängeMagnus Warming (Torino Calcio, Leihe), Alexander Brunst (Belje BK), Yassin Ben Balla (FC ingolstadt), Oscar Vilhelmsson (IFK Göteborg)
Platzierung 2021/224. Platz, Zweite Liga (60 Punkte, 71:46 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 196312 Siege – 10 Remis – 15 Niederlagen (66:60 Tore)
Ex-Cluberer?Tobias Kempe spielte 2016/17 beim Club
Ex-Lilien?Christian Mathenia (2014-16), Carl Klaus (2019-2021) waren Torhüter in Darmstadt. Co-Trainer Frank Steinmetz (2012-2016 und Dezember 2017 bis Februar 2019) war Fitnesstrainer unter Dirk Schuster bei den Hessen.

2. Spielstil 2021/22

In der ersten Saisonhälfte war Darmstadt noch ein sehr reaktives Team. In Sachen Ballbesitz hatten nur Aue, Sandhausen und Ingolstadt geringere Werte, auch beim Pressing gehörte man zum unteren Drittel. Es wirkte ein wenig, als hätte sich Lieberknecht ganz bewusst für einen diametral entgegengesetzten Ansatz zum Spiel von Vorgänger Markus Anfang entschieden. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, ja sogar seinen Vorgängern, spielte der aktuelle Lilientrainer eigentlich immer mit zwei Spitzen und dahinter mit Vierermittelfeld und Viererabwehrkette. Das Mittelfeld variierte dabei zwischen Raute und flacher Kette, meistens wählte Lieberknecht aber die Variante mit einer zweiten Kette.

Anfang hatte mit seinem Fokus auf Ballbesitz Automatismen im Aufbau und den Gegner laufen lassen, die Spieler so sehr beeinflusst hat, dass Lieberknecht mehrfach durchklingen ließ, dass es sehr viel Zeit benötigt habe, jene mentalen Strukturen aus den Köpfen der Spieler zu löschen. Besonders auffällig ist das natürlich in Sachen Ballbesitz. Augenscheinlich war das beim Herausspielen aus der Abwehr. Da wo Anfang oft kurze Pässe forderte, und lange Schläge verbot, blieb Lieberknecht undogmatischer. Der Ball konnte auch per langem Schlag herausgespielt werden. Das Spiel unter Lieberknecht wurde deutlich direkter und geradliniger als unter Anfang. Dabei half es, dass kein Zweitligist eine bessere Passquote bei langen Pässen hatte als Darmstadt.

Bei vielen Mannschaften gehen statistische Veränderungen mit einem Trainerwechsel einher, in Darmstadt fielen die Veränderungen dagegen mit dem Jahreswechsel zusammen. Ein paar statistische Eckpfeiler machen das deutlich: Der Ballbesitz stieg 2022 von 45 Prozent auf 50 Prozent, die Zahl der eigenen Schüsse pro 90 Minuten von 12,94 auf 17,75, die Positionsangriffe von knapp 27 pro Spiel auf mehr als 34, die Ballkontakte im Strafraum von 17 auf fast 25. Das alles spricht dafür, dass Torsten Lieberknecht im Verlauf der Saison seinen Ansatz bei Darmstadt verändert hat, denn allein mit unterschiedlichen Spielverläufen lassen sich diese erheblichen Diskrepanzen nicht mehr erklären.

Ein wenig hat es sicher damit zu tun, dass die Gegner gegen eine Mannschaft, die zum Jahreswechsel – auch dank der größten xG-Überperformance der Liga, die Tordifferenz war um 16 Tore besser als per xG zu erwarten gewesen wäre – auf Rang zwei mit fünf Punkten Vorsprung auf Rang drei lag, anders agierten. Aber auch das erklärt den Wandel nicht vollständig, auch personelle Faktoren spielten eine Rolle. Zusätzlich zur deutlichen Erhöhung von Ballbesitz und Positionsangriffen kam nämlich ein Anstieg bei den Flanken um 33 Prozent. Jener Anstieg war fast vollständig durch mehr Flanken von rechts zu erklären. Dabei spielte sicher die Rückkehr von Tim Skarke eine Rolle, der dann Stammspieler auf der rechten Seite war. Auch Marvin Mehlem, ein ballsicherer Zentrumsspieler, kehrte zurück, so dass auch hier ein Faktor für eine Entscheidung für Ballbesitz lag.

 Darmstadt 2021/22
Tore/expected Goals71/62,92
Gegentore/expected Goals against46/48,91
Schüsse pro 90/xG pro Schuss14,28/0,122 (⌀: 12,05/0,120)
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss11,07/0,122 (⌀: 12,05/0,120)
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase47,7%/12,9s (⌀: 50%/13,3s)
PPDA/Chal. Intensity9,88/6,2 (⌀: 9,71/6,4)
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball39%/61%/51%/42% (⌀: 39%/61%/47%/41%)
Für Erklärungen der Begriffe hier klicken.
Spielstil im Vergleich zu anderen Zweitligisten anhand ausgesuchter Parameter. Für Erklärungen der Begriffe hier klicken. Unterschiede zwischen Tabelle und Grafik ergeben sich aus unterschiedlichen Rundungen und Durchschnittsbildungen.

3. Kader 2021/22

Das Kaderdiagramm legt eine gewisse Stammgruppe nahe. Kapitän und Linksverteidiger Holland wäre ohne seine Auswechslung am 33. Spieltag in Düsseldorf, durch die er inklusive Nachspielzeit sieben Minuten verpasste, der einzige Feldspieler gewesen, der auf 100 Prozent der möglichen Minuten kam. So war der zu Saisonbeginn 31-Jährige “nur” der Feldspieler mit den meisten Minuten in der Saison 2021/22. Ebenfalls als Stammkräfte können Torwart Marcel Schuhen, Rechtsverteidiger Matthias Bader, Innenverteidiger Patric Pfeiffer, Achter Tobias Kempe und das Sturmduo Philip Tietz und Luca Pfeiffer gelten. Um den zweiten Innenverteidigerposten duellierten sich Isherwood und Sobiech, wobei der Schwede Isherwood klar öfter den Vorzug erhielt, was auch daran lag, dass Sobiech, wie sein Cousin Felix Lohkemper in Nürnberg, immer wieder Verletzungsprobleme hatte.

Im defensiven Mittelfeld spielte meistens Klaus Gjasula, der in dieser Saison mit elf Gelben Karten deutlich unter den siebzehn Gelben Karten aus seiner Bundesligasaison blieb. Dennoch verpasste der albanische Nationalspieler nach seinem Wechsel vom HSV zum dritten Spieltag der Saison wegen zwei Platzverweisen und zwei Gelbsperren gleich fünf Partien, dazu drei Spiele wegen einer CoVid-Infektion. Auf der linken Außenbahn wechselten sich Honsak und Karic ab. Letzterer spielte auch ab und zu als Linksverteidiger, wenn Kapitän Holland ins zentrale defensive Mittelfeld rutschte. In Sachen Altersstruktur fiel auf, dass der Anteil der U23-Spieler mit 21 Prozent zwar schon unterdurchschnittlich war – der Mittelwert der Liga lag bei 26 Prozent – der Anteil der U21-Spieler, war mit 1,7 Prozent aber noch einmal deutlich geringer. Einzig Clemens Riedel, der als Innenverteidiger und Sechser zum Einsatz kam, bekam mehr als ein paar Einsatzminuten.

In der Betrachtung der letzten Saison kommt man in der Offensive um Philip Tietz (15 Tore, neun Vorlagen), Luca Pfeiffer (17 Tore, sechs Vorlagen) und Tobias Kempe (sechs Tore, 13 Vorlagen) nicht herum. Denn während bei den anderen Teams Duos wie Terodde/Bülter (gemeinsam 60 Torbeteiligungen für Schalke), Ducksch/Füllkrug (57 Torbeteiligungen für Werder), Glatzel/Kittel (52 Torbeteiligungen für den HSV) oder Burgstaller/Kyereh (48 Torbeteiligungen für St. Pauli) die offensive Hauptlast trugen, war es bei den Lilien ein Trio. Darmstadt ist dementsprechend auch das einzige Team mit drei Spielern in den Top 15 auf der Scorerliste. Bei Kempe waren seine gefährlichen ruhenden Bälle sicher ein Faktor für die hohe Anzahl von Assists, aber auch im Spielfluss schaltete der Ex-Nürnberger immer wieder gut um und bereitere gleich mehrere Tore kurz nach eigener Balleroberung vor.

Bei beiden Angreifern fällt auf, dass sie ab der Winterpause deutlich weniger trafen als zuvor. Pfeiffer erzielte zwölf seiner 17 Treffer im Jahr 2021, Tietz zwölf von 15. Dabei spielte bei Pfeiffer Varianz eine große Rolle. Im Kalenderjahr 2021 machte die Leihgabe von Midtjylland in der Zweiten Liga aus 6,51 expected Goals zwölf Treffer, im Kalenderjahr 2022 auf 6,7 expected Goals nur noch fünf Tore. Er hatte bei sogar besserer Chancenqualität (2021: 0,47xG/90; 2022: 0,552 xG/90) einfach teilweise Pech. Es fehlte aber auch an Präzision, statt 44 Prozent der Schüsse gingen nur noch 30 Prozent aufs Tor. Bei Tietz sank dagegen einerseits die Chancenqualität (2021: 0,39xG/90; 2022: 0,33 xG/90), andererseits ging auch hier die Präzision deutlich zurück (von 61 Prozent der Schüsse, die 2021 aufs Tor gingen auf 39 Prozent 2022). Es steht zu vermuten, dass ein Teil des Problems auch damit zusammenhing, dass es gegen Gegner, die weniger den Ball haben und somit meist tiefer stehen, weniger einfach war, freie Schüsse zu bekommen. So sank die Chancenqualität der Lilien auch generell von 0,125 xG/Schuss auf 0,117 xG/Schuss.

Vollständig wäre eine Einschätzung des Kaders der letzten Saison aber nicht, ohne dass auch Patric Pfeiffer lobend hervorgehoben wird. Der 22-jährige Innenverteidiger war einer der großen defensiven Stabilisatoren. Spielte wuchtig, aber präzise und vorausschauend. Er war einer der besten Kopfballspieler im eigenen Strafraum, fing viele Bälle ab und sorgte gleichzeitig für viele effektive Vorwärtspässe.

4. Trainer 2022/23

Torsten Lieberknecht ist seit Beginn der Saison 2021/22 Trainer am Böllenfalltor, folgte auf Markus Anfang, der zu Bremen ging. Zuvor hatte Lieberknecht, der als Spieler dreizehn Bundesligaspiele für Kaiserslautern bestritten hat, zwei Jahre lang den MSV Duisburg trainiert, dabei sogar einen Abstieg aus der Zweiten Liga überstanden. Das gelang wohl auch, weil er die damals sieglosen Zebras erst am neunten Spieltag übernommen hatte. Ein Begriff ist Lieberknecht den meisten Fußballfans aber wahrscheinlich aus seiner Zeit in Braunschweig. Lieberknecht hatte das Traineramt bei der Eintracht fast genau zehn Jahre ausgeübt, war mit ihr aus der Regionalliga Nord bis in die Bundesliga aufgestiegen, aus der ersten Liga abgestiegen, in der Folge an Wolfsburg in der Aufstiegsrelegation gescheitert und in seiner letzten Saison aus der zweiten Liga abgestiegen.

Die meisten seiner Braunschweiger Teams waren vor allem durch die kompakte defensive Arbeit schwer zu knacken. Schon im ersten Jahr nach dem Aufstieg in zweite Liga (2011/12) kassierte die Eintracht nur 35 Gegentore, stellte die viertbeste Abwehr. Ein Jahr später stieg man mit 34 Gegentoren auf und auch wenn man im Abstiegsjahr aus der Bundesliga mit 60 Gegentoren deutlich mehr Treffer kassierte als zuvor, war man doch in Sachen Gegentoranzahl nicht einmal im unteren Drittel. Sogar 2017/18 als nach 371 Pflichtspielen an der Seitenlinie Lieberknechts Zeit in Braunschweig zu Ende ging, war die Defensive nicht das Problem. Mit 43 Gegentoren kassierte die Eintracht damals sogar weniger Treffer als Zweitligameister Düsseldorf. Vielmehr taten sich die Eintracht-Teams von Lieberknecht oft mit dem Toreschießen schwer. Den Schnitt von mehr als 1,5 Toren pro Spiel übertraf man in der ersten und zweiten Liga genau einmal: Im Aufstiegsjahr als man 1,53 Tore pro Spiel schoss.

So hat sich Lieberknecht in der Löwenstadt einen Ruf als Defensivkünstler erarbeitet. Er steht einerseits für die Renaissance der Braunschweiger, andererseits aber auch für deren erneuten Fall. So hat er unzweifelhaft eine Ära geprägt. Wie bei anderen, die lange an einem Ort waren, wirkt alles danach, wie der Versuch die Magie erneut auszulösen. Meist gelingt es aber nicht oder nicht langfristig. Doch Lieberknechts Start in Darmstadt war vielversprechend. Sprechchöre aus der Kurve für den Trainer, eine Mannschaft über deren Teamgeist geschwärmt wird und ein Führungsstil des Trainers, den die F.A.Z. als „hochgekrempelte Ärmel und Fürsorge zugleich“ bezeichnete. Alle Spieler wüssten jetzt wieder, wo sie in der Einschätzung des Trainers stehen. Einer, der seine Abschlussarbeit über die Herausforderungen eines Traditionsvereins im modernen Fußball geschrieben hat, scheint zu passen.

5. Kader 2022/23

Viel hat sich nicht getan im Kader von Darmstadt 98. Ersatzkeeper Morten Behrens soll Spielpraxis in der Dritten Liga sammeln und Waldhof Mannheim unterstützen, die Probleme auf der Torwartposition ausgemacht haben. Sechser Nemaja Čelić wird ebenfalls verliehen, spielt ein Jahr in Linz beim LASK in der ersten österreichischen Liga. Die Verträge von Adrian Stanilewicz und Leon Müller, zwei weiteren zentralen Mittelfeldspielern liefen aus und auch bei Innenverteidiger Lasse Sobiech entschied man sich in Darmstadt gegen eine Verlängerung. Während Sobiech schon signifikante Einsatzzeiten hatte, fallen die zwei anderen Abgänge schon unter die Kategorie Stammkräfte. Tim Skarke, der für die Renaissance der rechten Seite in Darmstadt nach der Winterpause gesorgt hatte, geht zu Union Berlin. Stürmer Luca Pfeiffer kehrte nach seiner Leihe nach Dänemark zum FC Midtjylland zurück. Angesichts der Wertsteigerung, für die der 25-Jährige durch die Saison in Darmstadt gesorgt hat, scheint es schwierig für die Lilien sich erneut die Dienste des gebürtigen Tauberfranken zu sichern.

Neuzugänge gibt es bei den Südhessen dagegen erst zwei. Mit Alexander Brunst kommt vom dänischen Erstligaabsteiger Velje BK ein neuer Ersatzkeeper. Der beim HSV ausgebildete 26-Jährige war in den vergangenen beiden Jahren in Dänemark aktiv gewesen, zuvor hatte er für den 1. FC Magdeburg, unter anderem 19-mal in der Zweiten Bundesliga, zwischen den Pfosten gestanden. Für die linke Außenbahn wie Magnus Warming von Torino Calcio aus der Serie A ausgeliehen. Dorthin war der 22-jährige Däne vor Beginn der letzten Saison gewechselt, hatte sich aber nicht durchsetzen können. Bei Lynbgy in der ersten dänischen Liga, hatte der extrem dribbelstarke Rechtsfuß mit seinem Tempo auf sich auf aufmerksam gemacht. Im defensiven Mittelfeld hat man Testspieler Yassin Ben Balla akquiriert. Der 26-jährige Franzose stand letzte Saison in Ingolstadt unter Vertrag, machte dort aber kein Spiel wegen eines Sehnenanrisses. Ben Balla spielt zuvor 2020/21 in Braunschweig und 2019/20 unter Lieberknecht in Duisburg. Dort war er ein defensiv sehr solider Sechser, der im Aufbau allerdings ausbaufähig war.

Mit den Transfers dürfte es aber nicht getan sein: Es ist vor allem noch mit Transfers im defensiven Zentrum und im Sturm zu rechnen. Erst recht, weil Stürmer Aaron Seydel mit einer Hirnhautentzündung erst einmal ausfällt. Eine erste Neuverpflichtung stellte im Laufe der Vorbereitung der 18-jährige Oscar Vilhelmsson dar. Der Schwede kommt von IFK Göteborg und hat die Lilien ordentlich Geld gekostet. 1,5 Millionen Euro soll Darmstadt für den U19-Nationalspieler zahlen, der in der laufenden Saison in der Allsvenskan, deren Saison nach Kalenderjahr verläuft, auf mehr als 700 Minuten in elf Einsätzen kam, zweimal traf er auch. Heraus stach aber vor allem sein Laufpensum und seine defensive Arbeit, so dass Vilhelmsson wohl nicht als Pfeiffer-Ersatz, sondern eher als langfristige Investition gesehen werden muss. Trotz des bislang fehlenden Ersatz für Luca Pfeiffer sind die Veränderungen im Kader so klein, dass Darmstadt von der Routine in den Abläufen profitieren könnte.

#Pos.NameVornameAlter*Nationseitletzter Verein
1TWSchuhenMarcel29D07/2019SV Sandhausen
2
3IVIsherwoodThomas24SWE/ENG01/2021Östersunds FK
4
5IVPfeifferPatric22D/GHA07/2019Hamburger SV
6ZMMehlemMarvin24D07/2017Karlsruher SC
7
8ZMSchnellhardtFabian28D07/2019MSV Duisburg
9STTietzPhillip24D07/2021Wehen Wiesbaden
10
11ZMKempeTobias33D07/20171. FC Nürnberg
12
13TWBehrensMorten25D07/20211. FC Magdeburg
14LAWarmingMagnus22DAN07/2022Torino Calcio
15
16
17RVRonstadtFrank24D/GHA07/2021Würzburger Kickers
18LAHonsakMathias25AUT07/2019RB Salzburg
19LVKaricEmir25AUT07/2021SCR Altach
20IVMüllerJannik28D07/2021Dunjaska Streda
21TWKrollSteve25D07/2021SpVgg Unterhaching
22STSeydelAaron26D08/2020FSV Mainz 05
23ZMGjasulaKlaus32D/ALB08/2021Hamburger SV
24
25
26RVBaderMatthias25D01/20201. FC Köln
27
28ZMBen BallaYassin26FRA07/2022FC Ingolstadt 04
29STVilhelmssonOscar18SWE07/2022IFK Göteborg
30TWBrunstAlexander26D07/2022Velje BK
31
32LVHollandFabian31D07/2014Hertha BSC
33RAManuBraydon25D/GHA07/2019Hallescher FC
34
35ZMSesayJohn Peter19D/SLE07/2021eigene U19
36STLeipoldAndré20D01/2022Wacker Burghausen
37
38IVRiedelClemens18D07/2021eigene U19
39
40
*Stichtag für Alter: 1.7.2022

Erklärungen zu den statistischen Begriffen

expected Goals (xG): Sie sind ein Wert, der das intuitive „Des hädd a zwaa ans firn glubb ausgeh kenna“ versucht zu quantifizieren. Zur Ermittlung wird jedem Schuss auf Grund von Ort und Art des Schusses sowie der Anzahl der Gegner, die zwischen dem Schützen und dem Tor stehen, ein Erfolgswert zwischen 0.001 und 1.00 zugewiesen. Je nach Modell werden auch noch andere Faktoren wie beispielsweise Schussgeschwindigkeit oder Schusshöhe einberechnet. Dabei entspricht 0.001 einer Chance von 0,1%, dass der Ball ins Tor geht, ein Wert von 1.00 ist ein Ball, der auf der Torlinie liegt, ohne dass der Spieler bedrängt wird. Ein Elfmeter wird dementsprechend mit 0.76 verbucht, da im Profibereich ziemlich genau 76% aller Elfmeter ins Tor gehen. Alle anderen xG-Werte unterscheiden sich je nach Anbieter, da manche Datenermittler die Werte von so genannten „Spottern“ einschätzen lassen, während andere eine Datenbank mit weltweit erfassten Schüssen bemühen. Um die xG für ein beliebiges Spiel zu erhalten, addiert man die Werte aller Schüsse beider Mannschaften. Ein Beispiel: Am ersten Spieltag der Saison 2019/20 hatte der FCN in Dresden einen xG-Wert von 0,46, Dynamo Dresden von 0,84. Das entspricht in etwa dem Eindruck, den man auch augenscheinlich hatte. In einem weitgehend ausgeglichenen, chancenarmen Spiel hatte Dresden die etwas besseren Gelegenheiten. Im Rückspiel vor der Winterpause kam der FCN auf 1,45 xG, Dresden auf 0,38xG. Auch hier wird der Eindruck bestätigt, der Club hatte bessere Chancen, Dresden kaum gute. Theoretisch lassen sich aus den xG-Werten auch Siegwahrscheinlichkeiten errechnen, z.B. 19% für den Club in Dresden, 67%% im Rückspiel.

Ballbesitz: Der Unterschied zwischen Ballbesitzteams und jenen, die dem Gegner den Ball überlassen, ist weitgehend intuitiv verständlich. Will man den Ball selbst haben? Oder soll der Gegner das Spiel machen. Zum Messen dieser an sich geradlinig wirkenden Statistik gibt es allerdings zwei Methoden. Die meisten Anbieter messen Ballbesitz über die Anzahl der Pässe. Die Anzahl der gespielten Pässe beider Teams im Spiel wird addiert und dann wird daraus der Anteil berechnet, den jedes Team hatte. Die andere Methode ist zeitbasiert. Hier wird die Zeit aufaddiert, die jede Mannschaft in Ballbesitz verbringt. Während die passbasierte Variante Teams, die viele kurze Pässe spielen, überbewertet, ist die zeitbasierte Variante bei Phasen, in denen kein Team den Ball am Fuß hat, ungenau. Der gewählte Datenanbieter Wyscout verwendet ein zeitbasiertes Modell. In den europäischen Top 5 Ligen (England, Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich) schwankten 2021/22 die Werte zwischen 68,2 Prozent (Barcelona) und 39,3 Prozent (Burnley).

Pressingdruck: Was unter Pressing zu verstehen ist, das erscheint weitgehend klar. Es geht darum, auf den Ballführenden Druck auszuüben, so dass dieser im Aufbau nicht genug Zeit hat, einen Pass gezielt anzubringen. Es gibt Mannschaften, die den Gegner sofort unter Druck setzen – etwas für das beispielsweise von Marcelo Bielsa trainierte Teams bekannt sind – und solche, die dem Gegner in Ballbesitz freie Entfaltung lassen und erst spät ins Pressing gehen. Die statistische Zahl, die dafür entwickelt wurde, läuft unter dem Akronym PPDA. Dahinter versteckt sich die englische Bezeichnung Passes per Defensive Action. Relevant für diesen Wert sind nur Aktionen, die mindestens 40 Meter vom eigenen Tor entfernt stattfinden. Aktionen näher am eigenen Tor spielen keine Rolle. Nachvollziehbar, wenn man mit dem Wert messen will, wie stark der Spielaufbau des Gegners gestört wird. Für den PPDA-Wert werden dann in einem ersten Schritt die Defensivaktionen eines Teams – also Zweikämpfe, abgefangene Bälle, herausgeschlagene Bälle und Fouls – addiert. In einem zweiten Schritt wird diese Summe durch die Anzahl der Pässe des Gegners geteilt. Je niedriger der Wert ist, desto weniger Pässe ohne Abwehraktion wurden zugelassen und desto höher ist der Druck. Deshalb ist in der Visualisierung auch der niedrigste Wert, der höchste, also der “blauste”. In den europäischen Top 5 Ligen schwankten die Werte 2021/22 zwischen 7,26 PPDA (Barcelona) und 16,93 PPDA (Troyes).

Challenge Intensity: Die Challenge Intensity ist quasi das Pressinggegenstück zum zeitbasierten Ballbesitz. Sie geht den gleichen Wert wie PPDA und misst Defensivaktionen. Allerdings nicht auf Basis der gegnerischen Pässe, sondern auf Basis der Zeit, die der Gegner den Ball in seinen Reihen hält. Die “defensive Intensität” misst also die Anzahl der Defensivaktionen pro Minute gegnerischen Ballbesitz. Logischerweise ist die Korrelation mit PPDA sehr hoch, wie diese Grafik zeigt. Dennoch hat der damit ermittelte Wert seine Daseinsberechtigung, da er etwaige Unterschiede im Spieltempo (siehe unten) besser herausfiltern kann. 2021/22 lagen die Werte der Challenge Intensity in den Top5-Ligen zwischen 4,9 (Troyes) und 8,2 (Köln).

Fernschüsse: Oberflächlich betrachtet ist die Frage nach den Fernschüssen eine recht geradlinige. Schießt ein Team eher weiter vom Tor weg aufs Tor oder aber näher dran. Das ist sicherlich auch ein Teil dessen, was gemessen wird. Dahinter versteckt sich aber oft ein Maß dafür, wie lange ein Angriff ausgespielt wird. Je länger eine Angriffsphase dauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass ein Spieler die Geduld verliert und statt eines weiteren Passes den Abschluss sucht. Das gilt selbstverständlich nicht für alle Fernschüsse. Eine hohe Anzahl an Abschlüssen außerhalb des Strafraums spricht dennoch dafür, dass Angriffe schnell abgeschlossen werden. Eine einfache Metrik dafür wäre die durchschnittliche Torentfernung beim Abschluss. Das Problem für diesen Wert ist, dass er, wie jeder Mittelwert, anfällig für Ausreißer ist. Stattdessen wird hier für die Visualisierung der Anteil der Fernschüsse an allen Schüssen gewählt, um zu messen, wie oft die Mannschaft einen Angriff durch einen Fernschuss beendet. In den europäischen Top 5 Ligen lagen die Werte zwischen 52,6 Prozent (Getafe) und 28,5 Prozent (Villarreal).

Flanken: Die Flanke an sich steht unter Freunden der Fußball-Analytics nicht unter dem besten Leumund. 92 Flanken brauche es im Schnitt, um ein Tor zu erzielen, gute Verteidigungen könnten sich schnell auf Flanken einstellen und diese aus der Gefahrenzone köpfen. Es scheint als würden die Trainer diesen Einwänden glauben: In den Top 5 Ligen ist der Schnitt der Flanken pro Spiel von 17 in der Saison 2010/11 über 15 in der Spielzeit 2016/17 auf nunmehr 13,5 gefallen. Dabei hat das Flanken durchaus seinen Platz im modernen Fußball, wenn man die richtigen Stürmer im Zentrum hat. Eindrucksvoll bewies das zum Beispiel der 1. FC Köln in der abgelaufenen Saison. Generell bedeutet eine hohe Flankenzahl also erst einmal zwei Dinge: Man sucht eine Kopfballspieler in der Mitte und man kommt oft in Tornähe. Die gewählte Metrik der Flanken pro 90 Minuten könnte als rein quantitative Angabe leicht verschoben in Richtung Teams mit viel Ballbesitz sein: Wer den Ball viel hat, kann auch viel flanken. So liegt Manchester City nicht nur beim Ballbesitz europaweit in der Spitzengruppe, sondern auch bei den Flanken, ähnliches gilt auch für Barcelona. Ein Blick auf die Statistik zeigt aber, dass hier insgesamt wenig Korrelation vorliegt. Ballbesitzteams wie Bayern München, Olympique Lyon, Paris St. Germain oder Dortmund flanken alle nicht überdurchschnittlich oft. Flanken sind also vor allem von der Spielanlage und nicht vom Ballbesitz abhängig. In den europäischen Top 5 Ligen schwankten die Werte zwischen 19,83 Flanken pro 90 Minuten (Manchester City, Köln folgte knapp dahinter auf Rang zwei) und 9,14 Flanken (Borussia Mönchengladbach).

Lange Bälle: Hier geht es auch um ein klar erkennbare Stilfrage. Spielt ein Team vor allem kurze Bälle oder greift es gern zum langen Schlag? Geschieht der Aufbau also vor allem durch kurze und mittellange Pässe oder überbrückt man den Raum gerne mit langen Bällen. Zuspitzen kann man diese Kategorie auf die Frage: Tiki Taka oder langer Hafer? In den Fußballdaten spricht man bei einem flachen Pass, der über mehr als 45 Meter geht oder einem hohen Pass, der länger als 25 Meter fliegt, von einem langen Ball. Die Anzahl dieser langen Pässe nimmt man dann und teilt sie durch die Anzahl der insgesamt gespielten Pässe. So kommt man auf den Anteil der langen Pässe am Passspiel der Mannschaft und kann so eine gewisse Charakteristik des Passspiels ablesen. In den europäischen Top 5 Ligen oszillierten die Werte zwischen 18,4 Prozent (Bochum) und 4,28 Prozent (Paris St. Germain).

Spieltempo: Um das Tempo der Spieler zu messen, gibt es inzwischen recht genaue Daten. Wir wissen, dass in den Top 5 Ligen Alphonso Davies vom FC Bayern München mit einer Geschwindigkeit von 36,5 km/h der schnellste Spieler ist. Doch wie berechnet man das Tempo des Spiels? Wahrscheinlich würden sich die meisten Zuschauer darauf einigen können, dass ein Spiel dann schnell ist, wenn sich der Ball schnell bewegt. Spielt also eine Mannschaft viele Pässe in kurzer Zeit, spielt sie schnell, spielt sie dagegen wenige Pässe in langer Zeit, spielt sie langsam. Je höher die Ballzirkulation, desto schneller das Spieltempo. Die statistische Maßzahl hierfür ist die so genannte “Passrate”, also die Anzahl der Pässe pro Minute Ballbesitz. Der Einwand, dass schnelle Dribblings in dieses Spieltempo nicht einfließen, da sie keinen Pass darstellen, erscheint im ersten Moment einleuchtend, betrachtet man aber die Daten stellt man fest, dass die Teams mit einer hohen Passrate auch eine höhere Anzahl an “progressiven Läufen”, also Läufen mit dem Ball am Fuß, die signifikant Raumgewinn erzielen – mindestens 30 Meter, wenn der Lauf in der eigenen Hälfte beginnt und endet, mindestens 15 Meter, wenn der Lauf in der eigenen Hälfte beginnt und in der gegnerischen endet und mindestens zehn Meter, wenn der Lauf in der gegnerischen Hälfte beginnt und endet. In den europäischen Top 5 Ligen lagen die Werte der Passrate 2021/22 zwischen 17,0 (Lazio Rom) und 11,5 Pässen pro Minute Ballbesitz (Valencia).

Konterangriffe: Grundsätzlich gibt es fürs Angreifen aus dem Spiel heraus zwei Art und Weisen. Zum einen den so genannten Positionsangriff. Der Ball wird planvoll nach vorne getragen und man versucht, gegen eine formierte Abwehr eine Lücke zu finden. Die andere Variante ist der Konterangriff. Also schnell von Abwehr auf Angriff umzuschalten und nach vorne zu spielen, noch ehe der Gegner sich formieren konnte. Dabei gilt: Selbst die Mannschaft mit der stärksten Konterausprägung spielt ihre meisten Angriffe als Positionsangriffe. Im Schnitt sind nur knapp 2,7 Angriffe pro Spiel Konterangriffe, 27,6 dagegen Positionsangriffe. Der durchschnittliche Anteil der Konter in den europäischen Topligen liegt also ungefähr bei 8,7 Prozent. Dennoch lässt sich aus den Unterschieden zwischen den Werten herauslesen, wie sehr eine Mannschaft auf Angreifen durch Umschalten setzt. Mitte der Saison 2021/22 schwankten in den europäischen Top 5 Ligen die Anteile der Konter an allen Angriffen aus dem Spiel heraus zwischen 16,2 Prozent (Leeds United) und 3,93 Prozent (Aston Villa).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.