Jesus bringt die Wende – Club verliert 3:5 (2:0) gegen Arsenal

Der FCN verliert die Generalprobe gegen die Gunners aus London, nachdem diese zur Halbzeit ordentlich Qualität einwechseln.

Namenswitze mit Jesus kennt man in Nürnberg spätestens seit Jesus Juniors Zeiten zur Genüge. Nach dem Schlusspfiff im Max-Morlock-Stadion hatte man sie wieder auspacken können, denn Gabriel Jesus wurde eingewechselt und danach drehte Arsenal auf und binnen zwölf Minuten auch das Spiel. Insgesamt hatte Mikel Arteta zur Pause mit Elneny (Marktwert: 11 Millionen Euro), Gabriel Magalhães (38 Millionen), Gabriel Martinelli (40 Millionen) und Gabriel Jesus (50 Millionen), vier Spieler eingewechselt, deren Marktwert gemeinsam mehr als 5,7-mal so hoch taxiert wird, wie der des ganzen Kaders des FCN (circa 24 Millionen Euro). Dass also nach diesen Einwechslungen der Club Probleme bekommen könnte, war durchaus zu erwarten gewesen. “So ein Gegner wartet in der Liga nicht auf uns”, ordnete Jan Gyamerah den Test nach dem Spiel ein.

“Vor allem in der ersten Halbzeit haben wir es gut gemacht, wir haben zusammen gekämpft, zusammen gearbeitet, waren eklig in den Zweikämpfen und haben auch viele zweite Bälle gewonnen. Das ist das was wir mitnehmen wollen”, führte Gyamerah aus und nahm Bezug auf die ersten 45 Minuten, die klar an den Club gingen. Auch da stand mit Ausnahme des 17-jährigen Reuell Walters kein Spieler bei Arsenal auf dem Feld, der nicht mindestens mit 5 Millionen Euro Marktwert taxiert wird und der Gesamtwert der Truppe lag bei 173,5 Millionen Euro und doch merkte man den Gunners vor dem Seitenwechsel an, dass eben der letzte Zug und die letzte Ordnung fehlte. Das lag aber auch daran, dass es der Club (Wert der Startelf: 14,6 Millionen) vor der Pause gut machte. Einer der Schwerpunkte des Spiels sollte sein, das Zusammenspiel zwischen den beiden Angreifern einzuüben, so Robert Klauß: “Wer geht tief, wer kommt entgegen, wie positionieren wir uns, wenn der Ball wo ist, da haben wir gut gearbeitet.”

Das klappte vor der Pause gut, Duah suchte oft die Tiefe, Daferner ging dagegen häufiger ins Verbindungsspiel und beschäftigte so die Innenverteidigung. Durch einen der tiefen Läufe von Duah, der von Geis geschickt wurde, entstand auch das 2:0, das der Schweizer mit sehenswertem Abschluss erzielte. Dass gerade im Anspiel auf Duah noch mehr Möglichkeiten bestünden, gab auch Klauß zu: “Er hat gute Laufwege, ein gutes Tempo, ein gutes Timing, da müssen wir uns noch dran gewöhnen, dass wir den Ball teilweise früher oder häufiger auf ihn spielen. Johannes Geis kann diese Bälle spielen, spielt sie auch gerne, aber ich fordere die Bälle auch von Lino Tempelmann, Fabian Nürnberger und Mats Møller Dæhli ein.” Jener Johannes Geis hatte den Club durch einen sehenswerten Fernschuss mit 1:0 in Führung gebracht, so dass es eben zur Pause 2:0 stand. “In den Phasen, in denen wir den Ball hatten, das waren natürlich nicht so viele, haben wir es gut gemacht, da sind wir mutig im Zentrum geblieben und haben die rote Zone vor der Abwehrkette gefunden”, fügte Robert Klauß dann auch über das Offensivspiel seiner Mannschaft hinzu.

Davon war nach der Pause dann allerdings nicht mehr viel zu sehen, weil Arsenal den Club binnen kürzester Zeit überrollte: Jesus mit quasi seinem ersten Ballkontakt in einem Spiel für Arsenal, Elneny mit einem Fernschuss und Schindler mit einem Eigentor drehten das Spiel zu Gunsten der Gäste aus dem Norden Londons. Tim Handwerker legte ein weiteres Eigentor nach, ehe Lukas Schleimer – eingewechselt und danach verletzungsbedingt ausgewechselt – nach dem einzigen sehenswerten Spielzug des FCN in der zweiten Halbzeit auf 3:4 stellte. Gabriel Jesus stellte dann wenig später den alten Abstand wieder her. Trotz der deutlich gestiegenen Qualität des Gegners nach dem Seitenwechsel stellte Jan Gyamerah nach dem Spiel auch fest, dass man “mit der zweiten Halbzeit nicht zufrieden” war, “vor allem nicht mit den ersten zwanzig Minuten”. Also genau jener Phase, in der Arsenal den Club überfuhr, wo auch das Ziel, das man ausgegeben hatte, den Gegner aus dem Zentrum fernzuhalten, nicht mehr funktionierte.

So stand am Ende dann eben doch die dritte Niederlage in einem Testspiel, allerdings unter gänzlich anderen Voraussetzungen als gegen mehr oder minder ebenbürtige Gegner wie Razgrad und Tirol. So fällt die Einordnung des Spiels auch deutlich schwerer, auch, weil die Halbzeiten so unterschiedlich waren. In der ersten Halbzeit erkannte man beim Club eine positive Veränderung, gerade wenn das Tempo gefunden wurde, zeigte man sich verbessert in der Vorwärtsbewegung. Nach der Pause bekam man aber dann auch von einem natürlich weitaus individuell stärkeren Arsenal-Team deutlich die Grenzen aufgezeigt, so dass man durchaus noch weiß, wo die Verbesserungsmöglichkeiten liegen und woran auch in der Defensive gearbeitet werden muss.

Aufstellung:
Mathenia – Gyamerah, Schindler, Sørensen, Handwerker – Geis (71. Schleimer, 83. Duman) – Tempelmann, Nürnberger – Møller Dæhli (61. Wekesser) – Daferner (88. Wintzheimer), Duah (88. Shuranov)

Tore: 1:0 Geis (24.), 2:0 Duah (29.), 2:1 Gabriel Jesus (47.), 2:2 Elneny (54.), 2:3 Schindler (57., Eigentor), 2:4 Handwerker (64., Eigentor), 3:4 Schleimer (73.), 3:5 Gabriel Jesus (75.)

9 Gedanken zu „Jesus bringt die Wende – Club verliert 3:5 (2:0) gegen Arsenal

  • 09.07.2022 um 02:33
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    Die Marktwerte sind zwar beeindruckend, aber zeitgleich ist es auch so, dass in Halbzeit eins mit Tierney und Smith-Rowe bzw. in Halbzeit zwei mit Jesus, Gabriel und Gabriel Martinelli nur 1,5 bzw. 2,5 Stammspieler auf dem Platz standen (Smith-Rowe und Martinelli kämpfen um bzw. teilen sich die Linksaußen-Position).

    Das waren also zwei Mannschaften, die in der Form wohl noch nie zusammen gespielt haben und die in der Vorbereitung drei Wochen weiter hinten sind als der Club. Ich finde diese Einordnung durchaus relevant, weil sich daraus auch ableiten lässt, wie zufrieden man mit der eigenen Leistung sein kann.

    Und die war in Hälfte eins richtig gut, kaum was zugelassen, selber ein paar gute Angriffe gefahren, Duah hat dabei mehr als nur angedeutet, dass wir uns dieses Jahr auf ihn freuen dürfen.

    Halbzeit zwei hat dafür mal wieder gezeigt, wie es aussieht, wenn sich der Club hinten reindrängen lässt – und warum ich mit Geis auf der 6 einfach nicht warm werde. Das war zwar technisch wirklich fein herausgespielt, schwer haben wir es den Gästen allerdings auch nicht gemacht.

    Es stimmt, dass wir in Liga 2 auf keine Martinellis und Jesuse treffen werden, allerdings weiß ich immer noch nicht, ob wir unsere stärkste Aufstellung schon gefunden haben. Weder das 4-2-2-2 noch eine Raute, die Geis absichern soll, erscheinen mir wirklich gelungen. Da wartet definitiv noch Arbeit auf Klauß…

    Bin gespannt, was wir morgen zu sehen bekommen.

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    • 09.07.2022 um 12:14
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      Heute wirst du vermutlich eine komplett andere Elf sehen. Sozusagen die B-Mannschaft von Club. Vermutlich mit Vale, Hübner, Fofana und Brown in der Abwehr. Dazu Castrop und Duman. Shuranov dürfte auch einen Startplatz haben. Das wird wieder nicht unbedingt aussagekräftig.

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      • 09.07.2022 um 16:42
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        Das meinte ich ja, ich bin gespannt ob sich einer davon als bessere Alternative präsentieren kann.

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  • 09.07.2022 um 13:11
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    Warum Sörensen wieder vor Hübner steht ist mir nicht klar.

    Nachdem Dahlmann gestern Schweinsteiger und Klauß verwechselt hat und on top vom 1. Pflichtspieltor
    Duahs gesprochen hat war der Hinweis von Florian doch sehr gut.
    Die Zuschauer hätten das Team zur Pause aber mit mehr Applaus in die Kabine schicken dürfen.

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    • 09.07.2022 um 16:43
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      Weil wohl immer ein schnellerer(Sörensen, Fofana) mit einem Kopfballstarken (Schindler, Hübner) kombiniert werden wird. Und nachdem Schindler Kapitän ist, wird Schindler wohl Abwehrchef sein und bleiben.

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  • 09.07.2022 um 14:55
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    Gegen Arsenal gestern haben wir zur Halbzeit höher geführt aber heute kommt Jesus nicht. Hoffentlich 🙂

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  • 09.07.2022 um 16:19
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    Ja…hhhmm… weiß nicht. Hätte ich nach so einem Kracher gestern, heute ein Spiel gegen Schweinfurt angesetzt?
    Wahrscheinlich nicht!
    Natürlich müssen Profisportler damit klar kommen, dass sie nur zweite Wahl sind, aber letztendlich hat man in dem Spiel heute schon den Frust einiger Spieler gesehen.
    Vielleicht mal einen Tag sacken lassen und Sonntag spielen, wäre meiner Meinung nach besser gewesen.
    Aber doch bitte nicht, wie im Pausenstream zu hören war, über das Spiel gestern schwadronieren Herr Hecking und Stadionsprecherin!

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  • 10.07.2022 um 02:12
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    Neben dam Debütanten Duah hat mir auch Daferner im Sturm sehr gut gefallen. Hat sich fast alle Kopfbälle im Mittelfeld geholt, war fleißig im Anlaufen, bissig im Zweikampf – auch wenn gegen die Englischen Verteidiger kaum ein Durchkommen war – Weltmeister im Wegblocken, der Schiri dafür Weltmeister im Wegkucken. Das kann ein starkes Duo mit Duah werden – ein klares Upgrade zu letzter Saison!

    Bemerkenswert auch die technischen Fertigkeiten von Gyamerah – einmal an der Seitenlinie gegen mehrere Arsenalis durchgesetzt mit Ballführung zum Zunge schnalzen. Auch mit ein paar butterweichen Flanken. Dafür auch mit leichtsinnigen und leichtfertigen Ballverlusten. Da ist noch viel zu tun, aber auch viel Potential.

    Wir stehen im Angriff besser da, aber auf der 6 fehlt immer noch eine richtige Lösung…

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