Die 17 Anderen – Folge 18: 1. FC Nürnberg

Einer fehlt noch in der Saisonvorschau. Der Club selbst. Nach altbekanntem Muster ordnen wir den Club ein und versuchen uns an einer Einschätzung.

  1. Steckbrief
  2. Spielstil 2021/22
  3. Kader 2021/22
  4. Trainer 2022/23
  5. Kader 2022/23

1. Steckbrief

TrainerRobert Klauß (seit 30.7.2020)
AbgängeKilian Fischer (VfL Wolfsburg), Mario Šuver (Borussia Dortmund II), Noel Knothe (FSV Frankfurt), Tim Latteier (SpVgg Bayreuth), Paul-Philipp Besong (Erzgebirge Aue, Leihe), Adam Gnezda Čerin (Panathinaikos, war an HNK Rijeka ausgeliehen), Linus Rosenlöcher (Erzgebirge Aue, war an Esbjerg fB ausgeliehen), Tom Krauß (RB Leipzig, war ausgeliehen, wird jetzt an Schalke 04 verliehen), Dennis Borkowski (RB Leipzig, war ausgeliehen, wird jetzt an Dynamo Dresden verliehen), Nikola Dovedan, Patric Klandt, Konstantin Rausch (unbekannt)
ZugängeChristoph Daferner (Dynamo Dresden), Kwadwo Duah (FC St. Gallen), Erik Wekesser (Jahn Regensburg), Jan Gyamerah, Manuel Wintzheimer (beide Hamburger SV), Sadik Fofana (Bayer Leverkusen, Leihe), Shawn Blum (Kaiserslautern U19), Louis Breunig (Würburger Kickers), Jan Reichert (eigene zweite Mannschaft), Nathaniel Brown (eigene U19)
Platzierung 2021/228. Platz, Zweite Liga (51 Punkte, 49:49 Tore)
Bilanz gegen FCN seit 1963
Ex-Cluberer?
Ex-Cluberer?

2. Spielstil 2021/22

In „Bengalische Tiger“, jenem Lied seines Lieblingskünstlers Marteria, das Robert Klauß – auf Grund der Rückkehr der Ultras in die Stadien – als Zusammenfassung der Saison wählte, findet sich die Zeile „Evolution wird mit R geschrieben“. Ein Textstück, das in gewisser Weise auch passend für den FCN in der Saison 2021/22 ist. Denn eine gewisse Evolution fand statt, die Revolution blieb aber aus. Im Vergleich zur Vorsaison ist der Ballbesitz etwas gestiegen, von 47,5 Prozent auf 48,9 Prozent im Schnitt. Die durchschnittliche Ballbesitzphase ist jetzt 13,3 Sekunden lang, im Vorjahr waren es noch 12,9. Es gab also in dieser Saison mehr Spiele, in denen der FCN den Ball häufiger hatte als der Gegner. Das stellt schon eine gewisse Evolution dar. Man konnte den Anteil der Ballbesitzphasen, die länger als 15 Sekunden leicht steigern, war dafür aber bei den Konterangriffen deutlich ungefährlicher. 2020/21 erzielte der Club zehn Kontertore, 2021/22 nur noch eines. Hierfür kann nicht allein die etwas erhöhte Ballbesitzzeit als Erklärung herhalten und auch dass der FCN in Folge des leicht dominanteren Ansatzes seltener zum Kontern kam – etwa ein halbes Mal weniger pro Spiel – reicht nicht als Erklärung. Vielmehr fehlte dem Club seit dem langfristigen Ausfall von Felix Lohkemper Tempo in der Offensive.

Überhaupt bleibt die Offensive die Problemzone des FCN. Die Chancenqualität ist im Vergleich zum Vorjahr kaum besser geworden. Die leicht erhöhte Anzahl von Toren ist allein dem geschuldet, dass der Club häufiger aufs gegnerische Tor geschossen hat. Auch hier liegt also nur Evolution, nicht Revolution vor. Das größte Manko blieb das Kreieren von Chancen. Von den Teams aus der oberen Tabellenhälfte hatte der Club die geringste Chancenqualität und damit verbunden auch den geringsten expected Goals Wert. Dabei ist auffällig, dass der Club mit zwölf Fernschusstoren anteilig die meisten Tore aus der Distanz erzielte. Da der Club auch am häufigsten von außerhalb des Strafraums abschloss, überrascht das nicht. 47 Prozent der Abschlüsse waren Weitschüsse, ungefähr so viele wie im Vorjahr. Obwohl viele Angriffe des FCN damit vor dem Strafraum endeten, hat er die Anzahl der Ballkontakte im Strafraum im Vergleich zur Vorsaison tatsächlich signifikant und nicht nur evolutionär erhöht. Dennoch kommt man im Ligavergleich noch zu selten im Strafraum an den Ball. 17,2 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum pro 90 gespielten Minuten stellen nur den zehntbesten Wert der Liga dar. Wie wichtig es ist, im gegnerischen Strafraum an den Ball zu kommen, zeigt sich daran, dass die ersten drei der Tabelle auch die ersten drei dieser Wertung sind.

Wo der Club dagegen zu den besten Teams der Liga gehört, ist im Dribbling. Nur Kiel und Regensburg schließen mehr Dribblings erfolgreich ab. Gepaart mit der Tatsache, dass die Pässe für Raumgewinn nicht unbedingt die Stärke des FCN sind, ergibt sich das Bild einer Mannschaft, die gern in entscheidenden Momenten mit dem Ball läuft, der es aber in Strafraumnähe noch an Präzision mangelt. Ein Manko, das Neuzugang Manuel Wintzheimer tatsächlich beheben könnte. In der abgelaufenen Saison gehörte der 23-Jährige – auch wenn man seine geringe Einsatzzeit als Einschränkung ebenso bedenken muss, wie das Hamburger Spielsystem – zu denjenigen in der Zweiten Liga, die auf viele Pässe in den Strafraum kamen und auch mit dem Ball am Fuß in den Sechzehnmeterraum eindringen konnten. Wenn die Verantwortlichen beim FCN noch eine Schwachstelle verbessern wollen, dann böte sich das Kopfballspiel an. Gerade im Kopfballspiel in offensiven Positionen war nur Absteiger Aue schwächer einzuschätzen. Damit ist nicht der freie Kopfball im gegnerischen Strafraum gemeint – hier war der Club mit 12 Treffern (Vorjahr: 13) tatsächlich die viertbeste Mannschaft – sondern das Kopfballduell im Angriffsdrittel mit Rücken zum Tor. Teilweise war das gewollt, weil man den Fokus auf das Erobern des Zweiten Balles legen wollte, teilweise war man aber auch einfach unterlegen. Hier wäre tatsächlich eine Evolution mit R wünschenswert. Dann könnte der Titel des Albums, auf dem „Bengalische Tiger“ erschienen ist, auch zum Programm für den FCN werden: Zum Glück in die Zukunft II. (dieser Abschnitt erschien mit minimalen Veränderungen als “Die offensive Revolution beim FCN blieb aus” im Mai auf nordbayern.de)

 Nürnberg 2021/22
Tore/expected Goals49/48,1
Gegentore/expected Goals against49/56,3
Schüsse pro 90/xG pro Schuss12,28/0,108 (⌀: 12,05/0,120)
geg. Schüsse pro 90/xG pro geg. Schuss12,97/0,120 (⌀: 12,05/0,120)
Ballbesitz/Dauer durchschn. Ballbesitzphase48,9%/13,3s (⌀: 50%/13,3s)
PPDA/Chal. Intensity11,81/5,7 (⌀: 9,71/6,4)
Zweikampfquoten Off./Def./Luft/fr. Ball40%/60%/41%/40% (⌀: 39%/61%/47%/41%)
Für Erklärungen der Begriffe hier klicken.
Spielstil im Vergleich zu anderen Zweitligisten anhand ausgesuchter Parameter. Für Erklärungen der Begriffe hier klicken. Unterschiede zwischen Tabelle und Grafik ergeben sich aus unterschiedlichen Rundungen und Durchschnittsbildungen.

3. Kader 2021/22

40,3 Prozent der Minuten gingen in der abgelaufenen Saison an Spieler, die 23 oder jünger waren. Nur der HSV setzte noch mehr auf U23-Spieler. Bei den Spielern aus dem eigenen Nachwuchs liegt der Club mit 20,5 Prozent sogar an der Spitze. Allerdings umfasst diese Kategorie mit Enrico Valentini und Pascal Köpke auch zwei Spieler, die fußballerisch gesehen nicht mehr ganz so jung sind. Mit sechs Spielern, die mehr als 80 Prozent der möglichen Minuten absolvierten, dazu zwei weiteren, die über zwei Drittel der Minuten bekamen, ist eine relativ klare Kerngruppe auszumachen. Aber auch klar zu sehen, welche Positionen viel Fluktuation hatten. Neben Torwart Mathenia (97,1 Prozent) und Linksverteidiger Handwerker (99 Prozent), die beide nah an der vollen Minutenzahl waren, kam auch das Innenverteidiger-Duo Christopher Schindler (88,4 Prozent) und Sørensen (83,8 Prozent) auf mehr als 80 Prozent.

Gleiches gilt für die zentralen Mittelfeldspieler Lino Tempelmann (80,4 Prozent) und Mats Møller Dæhli (89,9 Prozent). Die sechs sind auch diejenigen, an denen die Formationsumstellung von Robert Klauß von 4-4-2 mit Raute auf 4-2-3-1 ohne Einfluss auf die Einsatzzeiten blieb. Das wäre bei Rechtsverteidiger Enrico Valentini (67,7 Prozent) auch der Fall gewesen, wäre er nicht vor dem Spiel bei Hansa Rostock wegen einer CoViD-Infektion ausgefallen. Er verlor seinen Stammplatz an Kilian Fischer (31,1 Prozent), der ihn nicht mehr hergab. Auch Johannes Geis (57 Prozent) war vor seiner CoViD-Infektion nach dem Spiel in Karlsruhe mehr oder weniger gesetzt – er hatte bis dahin knapp drei Viertel aller möglichen Minuten bekommen. Danach kam er nur noch auf 22 Prozent.

Das hing aber auch mit der Umstellung auf eine Doppelsechs zusammen, die auch bedeutete, dass Fabian Nürnberger (vor der Umstellung 48,1 Prozent, nach der Umstellung 59 Prozent) mehr Einsatzzeit bekam und Tom Krauß weniger (vor der Umstellung 74,9 Prozent, nach der Umstellung 57,8 Prozent). Auffällig war, dass beim FCN keiner der Angreifer einen Stammplatz gebucht hatte. Egal, ob Pascal Köpke (24,4 Prozent), Dennis Borkowski (14 Prozent), Nikola Dovedan (50,9 Prozent), Erik Shuranov (43,7 Prozent), Lukas Schleimer (36,6 Prozent) oder Manuel Schäffler (32,3 Prozent), keiner der potentiellen Stürmer spielte deutlich mehr als die Hälfte der Minuten. Nur bei Köpke, der nach Kreuzbandriss noch lange rekonvaleszent war, hatte das gesundheitliche Gründe. Bei allen anderen wechselte Klauß immer wieder durch.

So war Nürnbergs bester Torjäger mit Nikola Dovedan auch einer, der teilweise etwas tiefer spielte und der fast 50 Prozent seiner sieben Tore in einem Spiel (drei Tore beim 3:1 in Aue) gemacht hatte. Kein Ruhmesblatt für die Clubangreifer. So kam beim FCN tatsächlich auch niemand auf eine zweistellige Anzahl an Torbeteiligungen. Neben Dovedan landeten auch Tempelmann (vier Tore, fünf Vorlagen), Shuranov (sechs Tore, drei Vorlagen) und Møller Dæhli (drei Tore, sechs Vorlagen) bei neun Torbeteiligungen. Der Norweger war laut Matchmetrics auch der Clubspieler mit der höchsten Passgefahr, dicht gefolgt von Taylan Duman und Johannes Geis. Mit den drei Spielern sind letztlich auch schon jene genannt, die mit ihrem Passspiel für Gefahr sorgen konnten, so dass die Offensivprobleme des FCN in Sachen Chancen kreieren aufgezeigt sind, viele Spieler schafften es nur in unterdurchschnittlichem Maße mit ihren Zuspielen für Gefahr zu sorgen.

4. Trainer 2022/23

Robert Klauß ist tatsächlich der erste Nürnberger Trainer seit Dieter Hecking der eine dritte Sommervorbereitung mit dem Club erlebt. Nach 714 Tagen im Amt hat er nun auch Michael Köllner überholt und ist nur noch etwas mehr als 100 Tage von Max Merkel und Hans Meyer entfernt. Dass Robert Klauß angekommen ist in Nürnberg, das will kann keiner bezweifeln. Der Vertrag wurde zum Ende der abgelaufenen Saison verlängert, wobei die Laufzeit natürlich wie immer ebenso wenig wie andere Vertragsdetails verraten wurde. Dass Robert Klauß tatsächlich in seine dritte Saison gehen kann, hat er einerseits der Ruhe von Sportvorstand Dieter Hecking zu verdanken, der ihm in seiner ersten Saison auch in der Phase, in der es gar nicht lief, den Rücken freihielt. Andererseits hat er es aber auch seiner eigenen Anpassungsfähigkeit und Entwicklung zu verdanken. Als Klauß kam, war er deutlich geprägt von dem, was man RB-Schule nennen könnte.

Die klassische Grundformation im RB-Fußball, mit der auch Robert Klauß in Nürnberg begann, ist ein 4-4-2, das allerdings in der Regel als 4-2-2-2 notiert wird, um deutlich zu machen, dass die äußeren Mittelfeldspieler nicht auf einer Linie mit den zentralen Mittelfeldspielern agieren, sondern höher stehen. Das besondere an diesen Außenspielern ist also, dass sie nicht als klassische Außen agieren, also dem Spiel Breite geben, sondern sich weiter eingerückt in Richtung Mitte des Spiels positionieren. Robert Klauß bezeichnete diese Spieler dann als “Flügelzehner”. Mit jenen Flügelzehnern begegnet man einem Problem, das im flachen 4-4-2 prävalent ist: Der Bereich zentral vor dem gegnerischen Strafraum, ist in dieser Grundformation oft schlecht oder gar nicht besetzt, weil die Zentrumsspieler nicht schnell genug nachrücken können oder absichern müssen, sich aber auch keiner der zwei Stürmer fallen lässt, um den Raum zu besetzen. Im idealtypischen RB-System rücken die Außenspieler immer wieder nach innen und geben so den Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff.

Aber auch für das zentrale Element des RB-Fußballs ist dieses Adaptieren des 4-4-2 von hoher Relevanz: Das Pressing. RB-Mannschaften gelten wahlweise als Pressingmaschinen oder Pressingmonster, als Balljäger oder Raumfresser. Besonders effektiv ist ihr Pressing dann, wenn der Aufbau des Gegners über die Seite gestört wird. Hier dient die Auslinie als zusätzliches Pressingelement, da sie auch einen Ballverlust verursachen kann. Das Pressing versucht also zunächst dafür zu sorgen, dass der gegnerische Aufbau über die Seite stattfindet, um dann zuzuschlagen. Dabei wird in der Regel über einen Stürmer und einen Außenmittelfeldspieler Druck aufgebaut, während der jeweils andere Stürmer und Außenspieler ebenso Richtung Ball verschiebt wie die beiden zentralen Mittelfeldspieler und der ballnahe Außenverteidiger. Dieses Durchsichern sorgt dafür, dass der Gegner beim Überspielen der ersten Pressinglinie nicht zu viel Platz hat, um den Angriff zu gestalten. Die übrigen drei Feldspieler bilden dann die Restverteidigung für den Fall, dass die Durchsicherung durchbrochen wird.

Wichtig ist, dass dieses Pressing nicht unkontrolliert und wild geschieht, sondern man speziell auf Pressingsignale, wie eben einen gegnerischen Pass auf den Außenverteidiger, wartet. In der Regel spricht man beim Pressing nach RB-Schule zwar von „hohem“ Pressing, da es früh im Aufbauspiel des Gegners passiert. Genauer wäre allerdings davon zu sprechen, dass meist im Übergang zwischen erstem und zweiten Spielfelddrittel der Zugriff erfolgt. Zusätzlich wird bei eigenen Ballverlusten oft damit gearbeitet, dass sich die Mannschaft ballnah zusammenzieht und sofort die Rückeroberung des Balls versucht wird. Man spielt also forsches Gegenpressing, gerade Salzburg unter Roger Schmidt provozierte dieses Gegenpressing sogar dadurch, dass im Aufbau oft lange Bälle nach vorn geschlagen wurden, die auch wenn sie beim Gegner landeten, attackiert wurden. Hasenhüttls Leipzig verzichtete größtenteils darauf und eröffnete geordnet aus einer Aufbaudreierkette.

Genau jenes messbare Pressing kam in dieser Form aber nie so wirklich beziehungsweise nur situativ in Nürnberg an. Klauß’ Clubteams gehörten rein von den Pressingwerten her stets zu den passivsten, Robert Klauß erklärt das, ebenso wie die geringe Anzahl der Fouls so: “Wir spielen wenig mannorientiert. Die Mannschaften, die mannorientiert spielen haben automatisch viele Zweikämpfe und foulen auch viel, weil sie wissen, dass sie sonst hinten in Unterzahl geraten. Wir gewinnen den Ball lieber klar, indem wir Überzahl in Ballnähe herstellen, und machen dann sofort weiter.” Will heißen, in den Pressingwerten taucht das, was der Club spielt, oft gar nicht auf, weil man die Bälle lieber durch Antizipation erobert. Das klappt mal mehr und mal weniger und auch das 4-2-2-2 ist wohl endgültig passé.

Klauß stellte 2020/21 auf ein 4-4-2 mit Mittelfeldraute (wahlweise auch Mittelfelddiamant oder Mittelfelddrachenviereck genannt) um, schaffte damit den Turnaround und behielt die Formation bei, bis er 2021/22 nach den beiden Niederlagen gegen Ingolstadt (0:5) und in Karlsruhe (1:4) neu strukturierte und auf ein 4-2-3-1 mit “mobilen Zehnern” umstellte. Damit fand der Club wieder in die Spur und Klauß zeigte, dass er durchaus auf Herausforderungen reagieren kann. Situativ, wie in Bremen und bei St. Pauli setzte er dann sogar auf ein 3-3-2-2. In der Vorbereitung versuchte Klauß sich dann noch einmal am 4-2-2-2, doch nach einer mehr als überschaubaren Halbzeit gegen Tirol und einem ebenso überschaubaren Spiel gegen Razgrad, kehrte die Raute zurück und war auch gegen Schweinfurt und über weite Strecken auch gegen Arsenal zu sehen.

5. Kader 2022/23

Sportvorstand Dieter Hecking, Sportdirektor Olaf Rebbe und Trainer Robert Klauß haben die Offensive als Baustelle ausgemacht und dort deutliche Veränderungen vorgenommen. Da Dennis Borkowski keine Rolle mehr spielte, wurde sich auch nicht darum bemüht das Leihgeschäft zu verlängern oder permanent zu machen. Der Stürmer kehrte kurz nach Leipzig zurück, ist jetzt zu Dynamo Dresden ausgeliehen. Auch der Vertrag mit Toptorschütze Nikola Dovedan wurde nicht verlängert. Dabei ging es vor allem um unterschiedliche Gehaltsvorstellungen zwischen dem Österreicher und dem Club. Dovedan hat bis jetzt keinen neuen Arbeitgeber gefunden. Weiterhin einen Vertrag beim FCN hat Paul Besong. Nachdem er sich in der vergangenen Saison nach langer Verletzungszeit über die U21 wieder herangearbeitet hat, soll der Stürmer nun bei Erzgebirge Aue in der Dritten Liga Wettkampfhärte bekommen.

Geholt hat der Club für die Offensive gleich drei Spieler mit Ansprüchen auf viel Einsatzzeit. Am wenigsten gilt das wahrscheinlich noch für Manuel Wintzheimer. Der kommt vom Hamburger SV, hat deshalb auch überraschend gute Werte bei der Passgefahr, also jener Kategorie, die letzte Saison noch problematisch beim FCN war. Wintzheimer hat den Vorteil im 4-2-3-1 auf allen vier offensiven Positionen eingesetzt werden zu können, im 4-4-2 mit Raute zumindest auf drei Positionen. Nach den Eindrücken der Vorbereitung scheint Wintzheimer so etwas wie die erste Option nach den Startspielern in der Offensive zu sein. Zu diesen zählen sowohl Kwadwo Duah als auch Christoph Daferner. Beide haben in der vergangenen Saison eine zweistellige Anzahl von Toren erzielt. Duah beim FC St. Gallen in der Super League in der Schweiz, Daferner für Dynamo Dresden in der Zweiten Bundesliga.

Die beiden Angreifer sind allerdings unterschiedliche Typen Stürmer. Während Duah auf Schnittstellenbälle wartet, um sein Tempo ausspielen zu können und dann im Abschluss zu überzeugen, geht Daferner viele Wege. Der Ex-Dresdner hat aber auch bei der Strafraumbesetzung Vorteile gegenüber anderen Spielern im Kader, wobei tatsächlich sowohl Duah als auch Daferner nach Flanken eine erstaunlich hohe Trefferquote haben. Das wiederum spricht für die technischen Fähigkeiten der beiden Angreifer. Flanken schlagen sollen mit Erik Wekesser und Jan Gyamerah zwei neue Außenverteidiger. Gyamerah hat dabei seinen Stammplatz wohl erst einmal sicher. Der gebürtige Berliner kam ablösefrei vom HSV, nachdem der VfL Wolfsburg sich Kilian Fischer für eine beträchtliche Ablösesumme geschnappt hatte. In Sachen Flankengenauigkeit und Passgefahr stellt Gyamerah dabei sogar ein Update gegenüber dem Neu-Wolfsburger dar. Wekesser dürfte sich zunächst mit Tim Handwerker um den Posten als Linksverteidiger duellieren.

In den letzten Wochen sah es danach aus, dass Handwerker weiterhin die Nase vorn haben würde. Wenn Robert Klauß auf andere Grundordnungen als die Raute setzen würde, wäre für Wekesser, bspw. als linker Flügelzehner, dagegen Platz. Auch mit seiner Gefährlichkeit bei Standards sollte der Neuzugang aus Regensburg einige Einsatzzeit sehen und für Gefahr sorgen. Nahezu sicher auf der Bank oder gar in der U23 landen werden Sadik Fofana, der von Bayer Leverkusen für zwei Jahre ausgeliehen ist, und Louis Breunig, der von den Würzburger Kickers kommt. Die beiden jungen Innenverteidiger ersetzen Mario Šuver (Borussia Dortmund II) und Noel Knothe (FSV Frankfurt) im Kader. Fofana zeigte in der Vorbereitung gerade in Sachen Spielaufbau und Andribbeln sehr gute Ansätze, so dass er wohl auf Sicht eher als Herausforderer für die drei etablierten Innenverteidiger gelten kann als Breunig.

Der wird ebenso wie Shawn Blum, der aus Kaiserslautern kam, erst einmal in der U23 zum Einsatz kommen. In jener zweiten Mannschaft hatte auch Linus Rosenlöcher vornehmlich seine Einsätze. Der Linksverteidiger wechselt, nachdem er in die zweite dänische Liga ausgeliehen war und dort mit Esbjerg abstieg, zu Erzgebirge Aue. Mit Konstantin Rausch, dessen Vertrag nicht verlängert wurde, verlässt ein zweiter Linksverteidiger den Verein. Den Posten als neuer Nachwuchslinksverteidiger mit Profivertrag übernimmt Nathaniel “Nene” Brown. Der 19-Jährige ist Teil des Perspektivkaders und durfte ebenso wie Stürmer Leonardo Vonic und die zentralen Mittelfeldspieler Filip Ilic und Niklas Jahn ins Trainingslager der Profis fahren. Jahn sollte eigentlich nur als Ersatz für Pascal Fuchs, der schulisch verhindert war, mitfahren. In Natz-Schabs wie auch im Testspiel gegen Schweinfurt überzeugte der 17-Jährige aber so sehr, dass er nun auch in der Woche vor dem Saisonauftakt bei den Profis trainiert.

Idealiter löst als ein 17-Jähriger das größte Problem, das der Clubkader derzeit noch hat. Im zentralen defensiven Mittelfeld fehlt ein Spieler, der das defensive Arbeitspensum von Tom Krauß, der nach zwei Jahren nach Leipzig zurückkehrte und jetzt bei Schalke 04 spielt, und die strukturierenden Pässe von Johannes Geis, dessen Defensivarbeit aber teilweise dazu führt, dass Gegner explizit über ihn spielen, verbindet. Jenseits dessen ist der Kader gut aufgestellt, auch wenn er in den Testspielen in Sachen Chancenkreierung noch dieselben Defizite wie in der vergangenen Saison aufwies. Wenn sich hier die Abstimmung zwischen den beiden Stürmern untereinander und zwischen Stürmern und Mittelfeld noch verbessert, kann der Club zumindest lange eine Rolle in Sachen Aufstieg spielen und sollte das formulierte Saisonziel “oberes Drittel”, also Platz 1 bis 6, erreichen können.

#Pos.NameVornameAlter*Nationseitletzter Verein
1TWKlausCarl28D07/2021SV Darmstadt 98
2
3IVFofanaSadik19D/TOG07/2022Bayer Leverkusen
4IVSørensenAsger26DEN07/2019RB Salzburg/Jahn Regensburg
5ZMGeisJohannes28D08/20191. FC Köln
6ZMTempelmannLino23D07/2021SC Freiburg
7STLohkemperFelix27D07/20191. FC Magdeburg
8ZMDumanTaylan24D/TUR07/2021Borussia Dortmund II
9STSchäfflerManuel33D08/2020SV Wehen Wiesbaden
10ZMMøller DæhliMats27NOR01/2021KRC Genk
11STShuranovErik20D12/2020eigene U19
12
13LVWekesserErik25D07/2022SSV Jahn Regensburg
14
15ZMNürnbergerFabian22D07/2019eigene zweite Mannschaft
16IVSchindlerChristopher32D07/2021Huddersfield Town
17ZMCastropJens18D/KOR01/20221. FC Köln
18STWintzheimerManuel23D07/2022Hamburger SV
19IVHübnerFlorian31D07/2021Union Berlin
20STKöpkePascal26D08/2020Hertha BSC
21
22RVValentiniEnrico33D/ITA07/2017Karlsruher SC
23STDuahKwadwo25SUI/GHA07/2022FC St. Gallen
24
25STBlumShawn19D07/2022Kaiserslautern U19
26TWMatheniaChristian30D07/2018Hamburger SV
27
28RVGyamerahJan27D07/2022Hamburger SV
29LVHandwerkerTim24D07/20191. FC Köln
30
31TWReichertJan21D07/2022eigene zweite Mannschaft
32IVBreunigLouis18D07/2022Würzburger Kickers
33STDafernerChristoph24D07/2022Dynamo Dresden
34
35LVBrownNathaniel19D07/2022eigene U19
36STSchleimerLukas22D09/2021eigene zweite Mannschaft
37ZMJahnNiklas17D
38ZMIlicFilip18D/BIH
39STVonicLeonardo18D/CRO
40ZMFuchsPascal17D
*Stichtag für Alter: 1.7.2022

Erklärungen zu den statistischen Begriffen

expected Goals (xG): Sie sind ein Wert, der das intuitive „Des hädd a zwaa ans firn glubb ausgeh kenna“ versucht zu quantifizieren. Zur Ermittlung wird jedem Schuss auf Grund von Ort und Art des Schusses sowie der Anzahl der Gegner, die zwischen dem Schützen und dem Tor stehen, ein Erfolgswert zwischen 0.001 und 1.00 zugewiesen. Je nach Modell werden auch noch andere Faktoren wie beispielsweise Schussgeschwindigkeit oder Schusshöhe einberechnet. Dabei entspricht 0.001 einer Chance von 0,1%, dass der Ball ins Tor geht, ein Wert von 1.00 ist ein Ball, der auf der Torlinie liegt, ohne dass der Spieler bedrängt wird. Ein Elfmeter wird dementsprechend mit 0.76 verbucht, da im Profibereich ziemlich genau 76% aller Elfmeter ins Tor gehen. Alle anderen xG-Werte unterscheiden sich je nach Anbieter, da manche Datenermittler die Werte von so genannten „Spottern“ einschätzen lassen, während andere eine Datenbank mit weltweit erfassten Schüssen bemühen. Um die xG für ein beliebiges Spiel zu erhalten, addiert man die Werte aller Schüsse beider Mannschaften. Ein Beispiel: Am ersten Spieltag der Saison 2019/20 hatte der FCN in Dresden einen xG-Wert von 0,46, Dynamo Dresden von 0,84. Das entspricht in etwa dem Eindruck, den man auch augenscheinlich hatte. In einem weitgehend ausgeglichenen, chancenarmen Spiel hatte Dresden die etwas besseren Gelegenheiten. Im Rückspiel vor der Winterpause kam der FCN auf 1,45 xG, Dresden auf 0,38xG. Auch hier wird der Eindruck bestätigt, der Club hatte bessere Chancen, Dresden kaum gute. Theoretisch lassen sich aus den xG-Werten auch Siegwahrscheinlichkeiten errechnen, z.B. 19% für den Club in Dresden, 67%% im Rückspiel.

Ballbesitz: Der Unterschied zwischen Ballbesitzteams und jenen, die dem Gegner den Ball überlassen, ist weitgehend intuitiv verständlich. Will man den Ball selbst haben? Oder soll der Gegner das Spiel machen. Zum Messen dieser an sich geradlinig wirkenden Statistik gibt es allerdings zwei Methoden. Die meisten Anbieter messen Ballbesitz über die Anzahl der Pässe. Die Anzahl der gespielten Pässe beider Teams im Spiel wird addiert und dann wird daraus der Anteil berechnet, den jedes Team hatte. Die andere Methode ist zeitbasiert. Hier wird die Zeit aufaddiert, die jede Mannschaft in Ballbesitz verbringt. Während die passbasierte Variante Teams, die viele kurze Pässe spielen, überbewertet, ist die zeitbasierte Variante bei Phasen, in denen kein Team den Ball am Fuß hat, ungenau. Der gewählte Datenanbieter Wyscout verwendet ein zeitbasiertes Modell. In den europäischen Top 5 Ligen (England, Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich) schwankten 2021/22 die Werte zwischen 68,2 Prozent (Barcelona) und 39,3 Prozent (Burnley).

Pressingdruck: Was unter Pressing zu verstehen ist, das erscheint weitgehend klar. Es geht darum, auf den Ballführenden Druck auszuüben, so dass dieser im Aufbau nicht genug Zeit hat, einen Pass gezielt anzubringen. Es gibt Mannschaften, die den Gegner sofort unter Druck setzen – etwas für das beispielsweise von Marcelo Bielsa trainierte Teams bekannt sind – und solche, die dem Gegner in Ballbesitz freie Entfaltung lassen und erst spät ins Pressing gehen. Die statistische Zahl, die dafür entwickelt wurde, läuft unter dem Akronym PPDA. Dahinter versteckt sich die englische Bezeichnung Passes per Defensive Action. Relevant für diesen Wert sind nur Aktionen, die mindestens 40 Meter vom eigenen Tor entfernt stattfinden. Aktionen näher am eigenen Tor spielen keine Rolle. Nachvollziehbar, wenn man mit dem Wert messen will, wie stark der Spielaufbau des Gegners gestört wird. Für den PPDA-Wert werden dann in einem ersten Schritt die Defensivaktionen eines Teams – also Zweikämpfe, abgefangene Bälle, herausgeschlagene Bälle und Fouls – addiert. In einem zweiten Schritt wird diese Summe durch die Anzahl der Pässe des Gegners geteilt. Je niedriger der Wert ist, desto weniger Pässe ohne Abwehraktion wurden zugelassen und desto höher ist der Druck. Deshalb ist in der Visualisierung auch der niedrigste Wert, der höchste, also der “blauste”. In den europäischen Top 5 Ligen schwankten die Werte 2021/22 zwischen 7,26 PPDA (Barcelona) und 16,93 PPDA (Troyes).

Challenge Intensity: Die Challenge Intensity ist quasi das Pressinggegenstück zum zeitbasierten Ballbesitz. Sie geht den gleichen Wert wie PPDA und misst Defensivaktionen. Allerdings nicht auf Basis der gegnerischen Pässe, sondern auf Basis der Zeit, die der Gegner den Ball in seinen Reihen hält. Die “defensive Intensität” misst also die Anzahl der Defensivaktionen pro Minute gegnerischen Ballbesitz. Logischerweise ist die Korrelation mit PPDA sehr hoch, wie diese Grafik zeigt. Dennoch hat der damit ermittelte Wert seine Daseinsberechtigung, da er etwaige Unterschiede im Spieltempo (siehe unten) besser herausfiltern kann. 2021/22 lagen die Werte der Challenge Intensity in den Top5-Ligen zwischen 4,9 (Troyes) und 8,2 (Köln).

Fernschüsse: Oberflächlich betrachtet ist die Frage nach den Fernschüssen eine recht geradlinige. Schießt ein Team eher weiter vom Tor weg aufs Tor oder aber näher dran. Das ist sicherlich auch ein Teil dessen, was gemessen wird. Dahinter versteckt sich aber oft ein Maß dafür, wie lange ein Angriff ausgespielt wird. Je länger eine Angriffsphase dauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass ein Spieler die Geduld verliert und statt eines weiteren Passes den Abschluss sucht. Das gilt selbstverständlich nicht für alle Fernschüsse. Eine hohe Anzahl an Abschlüssen außerhalb des Strafraums spricht dennoch dafür, dass Angriffe schnell abgeschlossen werden. Eine einfache Metrik dafür wäre die durchschnittliche Torentfernung beim Abschluss. Das Problem für diesen Wert ist, dass er, wie jeder Mittelwert, anfällig für Ausreißer ist. Stattdessen wird hier für die Visualisierung der Anteil der Fernschüsse an allen Schüssen gewählt, um zu messen, wie oft die Mannschaft einen Angriff durch einen Fernschuss beendet. In den europäischen Top 5 Ligen lagen die Werte zwischen 52,6 Prozent (Getafe) und 28,5 Prozent (Villarreal).

Flanken: Die Flanke an sich steht unter Freunden der Fußball-Analytics nicht unter dem besten Leumund. 92 Flanken brauche es im Schnitt, um ein Tor zu erzielen, gute Verteidigungen könnten sich schnell auf Flanken einstellen und diese aus der Gefahrenzone köpfen. Es scheint als würden die Trainer diesen Einwänden glauben: In den Top 5 Ligen ist der Schnitt der Flanken pro Spiel von 17 in der Saison 2010/11 über 15 in der Spielzeit 2016/17 auf nunmehr 13,5 gefallen. Dabei hat das Flanken durchaus seinen Platz im modernen Fußball, wenn man die richtigen Stürmer im Zentrum hat. Eindrucksvoll bewies das zum Beispiel der 1. FC Köln in der abgelaufenen Saison. Generell bedeutet eine hohe Flankenzahl also erst einmal zwei Dinge: Man sucht eine Kopfballspieler in der Mitte und man kommt oft in Tornähe. Die gewählte Metrik der Flanken pro 90 Minuten könnte als rein quantitative Angabe leicht verschoben in Richtung Teams mit viel Ballbesitz sein: Wer den Ball viel hat, kann auch viel flanken. So liegt Manchester City nicht nur beim Ballbesitz europaweit in der Spitzengruppe, sondern auch bei den Flanken, ähnliches gilt auch für Barcelona. Ein Blick auf die Statistik zeigt aber, dass hier insgesamt wenig Korrelation vorliegt. Ballbesitzteams wie Bayern München, Olympique Lyon, Paris St. Germain oder Dortmund flanken alle nicht überdurchschnittlich oft. Flanken sind also vor allem von der Spielanlage und nicht vom Ballbesitz abhängig. In den europäischen Top 5 Ligen schwankten die Werte zwischen 19,83 Flanken pro 90 Minuten (Manchester City, Köln folgte knapp dahinter auf Rang zwei) und 9,14 Flanken (Borussia Mönchengladbach).

Lange Bälle: Hier geht es auch um ein klar erkennbare Stilfrage. Spielt ein Team vor allem kurze Bälle oder greift es gern zum langen Schlag? Geschieht der Aufbau also vor allem durch kurze und mittellange Pässe oder überbrückt man den Raum gerne mit langen Bällen. Zuspitzen kann man diese Kategorie auf die Frage: Tiki Taka oder langer Hafer? In den Fußballdaten spricht man bei einem flachen Pass, der über mehr als 45 Meter geht oder einem hohen Pass, der länger als 25 Meter fliegt, von einem langen Ball. Die Anzahl dieser langen Pässe nimmt man dann und teilt sie durch die Anzahl der insgesamt gespielten Pässe. So kommt man auf den Anteil der langen Pässe am Passspiel der Mannschaft und kann so eine gewisse Charakteristik des Passspiels ablesen. In den europäischen Top 5 Ligen oszillierten die Werte zwischen 18,4 Prozent (Bochum) und 4,28 Prozent (Paris St. Germain).

Spieltempo: Um das Tempo der Spieler zu messen, gibt es inzwischen recht genaue Daten. Wir wissen, dass in den Top 5 Ligen Alphonso Davies vom FC Bayern München mit einer Geschwindigkeit von 36,5 km/h der schnellste Spieler ist. Doch wie berechnet man das Tempo des Spiels? Wahrscheinlich würden sich die meisten Zuschauer darauf einigen können, dass ein Spiel dann schnell ist, wenn sich der Ball schnell bewegt. Spielt also eine Mannschaft viele Pässe in kurzer Zeit, spielt sie schnell, spielt sie dagegen wenige Pässe in langer Zeit, spielt sie langsam. Je höher die Ballzirkulation, desto schneller das Spieltempo. Die statistische Maßzahl hierfür ist die so genannte “Passrate”, also die Anzahl der Pässe pro Minute Ballbesitz. Der Einwand, dass schnelle Dribblings in dieses Spieltempo nicht einfließen, da sie keinen Pass darstellen, erscheint im ersten Moment einleuchtend, betrachtet man aber die Daten stellt man fest, dass die Teams mit einer hohen Passrate auch eine höhere Anzahl an “progressiven Läufen”, also Läufen mit dem Ball am Fuß, die signifikant Raumgewinn erzielen – mindestens 30 Meter, wenn der Lauf in der eigenen Hälfte beginnt und endet, mindestens 15 Meter, wenn der Lauf in der eigenen Hälfte beginnt und in der gegnerischen endet und mindestens zehn Meter, wenn der Lauf in der gegnerischen Hälfte beginnt und endet. In den europäischen Top 5 Ligen lagen die Werte der Passrate 2021/22 zwischen 17,0 (Lazio Rom) und 11,5 Pässen pro Minute Ballbesitz (Valencia).

Konterangriffe: Grundsätzlich gibt es fürs Angreifen aus dem Spiel heraus zwei Art und Weisen. Zum einen den so genannten Positionsangriff. Der Ball wird planvoll nach vorne getragen und man versucht, gegen eine formierte Abwehr eine Lücke zu finden. Die andere Variante ist der Konterangriff. Also schnell von Abwehr auf Angriff umzuschalten und nach vorne zu spielen, noch ehe der Gegner sich formieren konnte. Dabei gilt: Selbst die Mannschaft mit der stärksten Konterausprägung spielt ihre meisten Angriffe als Positionsangriffe. Im Schnitt sind nur knapp 2,7 Angriffe pro Spiel Konterangriffe, 27,6 dagegen Positionsangriffe. Der durchschnittliche Anteil der Konter in den europäischen Topligen liegt also ungefähr bei 8,7 Prozent. Dennoch lässt sich aus den Unterschieden zwischen den Werten herauslesen, wie sehr eine Mannschaft auf Angreifen durch Umschalten setzt. Mitte der Saison 2021/22 schwankten in den europäischen Top 5 Ligen die Anteile der Konter an allen Angriffen aus dem Spiel heraus zwischen 16,2 Prozent (Leeds United) und 3,93 Prozent (Aston Villa).

11 Gedanken zu „Die 17 Anderen – Folge 18: 1. FC Nürnberg

  • Ziel: Ganz klar Aufstieg – Endlich!!! ( Nach gefühlten vielen Jahren Neuaufbau oder Neuanfang)

    Antwort
  • Dieter Hecking hat im aktuellen Interview auf FCN.de fast beiläufig das formuliert, was ich erwartet habe:

    “Wir wollen eine Entwicklung, Entwicklung heißt oberes Tabellendrittel…”

    Ja, genau, also in Zahlen Platz 1 – 6. Explizit der Aufstieg wurde nicht genannt, aber ich bin mir sicher, dass dieses Ziel intern ausgesprochen wurde.

    Antwort
    • So ist es. Intern will man natürlich aufsteigen, hat aber angst, dieses Ziel nach aussen zu tragen oder die Mannschaft zu sehr unter Druck zu setzen. Ein vierter bis sechster Platz kann kein Ziel sein, da man dadurch zumindest den 3. Platz verpasst hat. Der zweite Platz wäre optimal, der dritte Platz natürlich auch zu akzeptieren, aber sehr riskant (siehe HSV). Mit Zielsetzung Aufstieg sollte man die Sache angehen. Wenn es dann trotz aller Mühe und Anstrengung und vorallem Willen und Kampf nicht klappen sollte, werden wir als Fans zwar traurig sein, aber es akzeptieren. Schlimm wären wieder diese Durchhänger, Aussetzer und Blackouts, die wir in den letzten Jahren des öfteren aushalten mussten, die verschenkten Punkte. Aber denken wir nicht an das Negative, sondern an den Erfolg und den Spaß am Fußball und die jeweilige Vorfreude auf das nächste Spiel. Denn das soll der Fußball sein. Abwechslung vom Alltag, Freude und Fußballfieber und kein Frust vergangener Jahre. Auf gehts!!!

      Antwort
  • Florian Grillitsch (26, DM, vormals Bremen und Hoffenheim, MW: 16 Mio) ist vereinslos. Das wäre doch mal ein dem Saisonziel würdiger Transfer! Wo bitte ist der Sponsor, der sich darum kümmert?

    Apropos Sponsoren:

    Schalke erhält von meinAuto.de 7 Mio pro Jahr bei einem Jahrsumsatz (2020) der MeinAuto Gruppe von 212 Mio Euro (Frage an die mitlesenden BWLer: Wie geht das?)

    Unsere so heißgebliebte Versicherung mit der Burg lässt bei 4 Mrd Euro Umsatz (!!!) (2021) ca. 1.5 Mio im Jahr für den Club springen. Zahlen die begeistern, oder?

    Hecking spricht im Interview davon, dass der Club wieder für Sponsoren attraktiver würde… er erwähnt aber auch, dass ihn die frühe Ansetzung des Derbys ärgere, so verlöre man einen Spieltag mit ausgelastetem Stadion. Da kann man erahnen wie es um die Finanzen bestellt ist.

    Na hoffentlich findet man für Shura (dessen Vertragsverlängerung im Winter so gefeiert wurde) noch einen Verein der die geforderten 3 Mio hinlegt. Eines der großen Sturmtalente, die der Club in den letzten Jahren hervorgebracht hat, wird nun doch zügig zu Geld gemacht; irgendwie schade.

    Ich bin sehr gespannt wie sich die Mannschaft am Samstag präsentiert. Gewinnt man die ersten beiden Spiele stimmt “the Umfeld” schon Europapokal Songs an…

    Antwort
      • Das wäre dich eine Marktlücke eine eigene Championsleague nur für Zweitligisten 🙂 .. warum ist denn da noch keiner drauf gekommen.

        Antwort
      • Kann man ja dann nach dem Aufstieg.
        Der Club war der erste und muss der erste werden! Ambitionen! 😜

        Antwort
    • Das Verhältnis von Marketingbudget inkl. Werbung und Umsatz hängt stark von der Branche ab. Gerade bei Online-Plattformen, die durch ihre Skalierbarkeit grundsätzlich geringe Fix- und operative Kosten im Vergleich zum Umsatz haben, ist der Anteil des Marketingbudgets am Umsatz sehr hoch, zumal hier Bekanntheit und Nutzerzahlen den Gegenstand des Wertes der Plattform ausmachen. Deren Kosten liegen v.a. in der Entwicklung und Vermarktung der Plattform. Das Marketingbudget könnte also durchaus 20-25% des Umsatzes (Investitionsgüter z.B. 3-4%) sein, so dass die €7 Mio. angesichts der 212 Mio. Umsatz in jedem Fall realistisch erscheinen.

      Antwort
  • @Holzmichel:
    du schreibst “Hecking spricht im Interview davon, dass der Club wieder für Sponsoren attraktiver würde… er erwähnt aber auch, dass ihn die frühe Ansetzung des Derbys ärgere, so verlöre man einen Spieltag mit ausgelastetem Stadion. Da kann man erahnen wie es um die Finanzen bestellt ist.”

    Da gibt es doch gar keine Kausalität! Das ärgert ihn, egal ob der Club auf Rosen gebettet ist oder nicht. Außer Bayern erzählen doch fast alle Clubs, dass sie jeden Euro zweimal umdrehen müssen. Aber ehrlicherweise haben in der zweiten Liga drei Vereine mehr Geld für den laufenden Betrieb zur Verfügung als der Club.

    Antwort
  • Florian, du bist einer der wenigen, bei dem Fußballanalysen nicht nach “ich reime mir im Nachhinein eine halbgare Erklärung zurecht” klingen, sondern nach einem guten Verständnis der Zusammenhänge und von Statistiken. Dafür ein ganz großes Dankeschön.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.