Stilmittel

“Tempelmann!”, schreit der Mann im Fernseher, “Kopfball von Tempelmann! 1:0 für den 1. FC Nürnberg! Doch noch ein Tor, ein spätes Tor, für den neunmaligen deutschen Meister und vierfachen Pokalsieger – und, liebe  Fußballfreunde an den TV-Geräten und -gerätinnen: Es gibt keinen Zweifel daran, dass dieser Treffer hochverdient ist…”
Verdienter Teffer? Was soll hier die Vokabel verdient? Das klingt ja so, als müsste man sich dafür rechtfertigen, ein Tor erzielt zu haben. Als müsste man sich nachgerade dafür entschuldigen. Ein Tor ist ein Tor ist ein Tor. Ein Tor erfüllt den Sinn des Fußballs. Unverdient ist ein Tor dann, wenn es nicht regelgerecht erzielt wurde. Das war hier nicht der Fall. Verdientes Tor?! Dummes Gequassel! Das ist sowas wie runder Ball oder achteckiges Achteck. Da gibt’s ein Wort dafür. Fällt mir grade nicht ein…”
“Pleonasmus.”
 “Genau, mein Sohn. Pleonasmus. Es lag mir auf der Zunge.”
“Mathenia macht sich lang und lenkt den Ball zur Ecke. Na, das wäre ja was gewesen, wenn die Arminen hier noch in letzter Minute zum Ausgleich gekommen wären. Nach diesem Spielverlauf wäre das absolut unverdient gewesen…”
Unverdientes Tor!? Das ist allenfalls lyrisch. Sowas wie sanfter Lattenknaller oder quer gespielter Steilpass. Wie sagt man dazu nochmal?”
“Oxymoron. Liebevolle Blutgrätsche wäre ein weiteres Beispiel.”
“Schlusspfiff im Max-Morlock-Stadion. Die Gastgeber gewinnen nach zwei Heimniederlagen in Folge verdient mit 1:0…”
“Dann wollen wir mal hoffen, dass der Club sein nächstes Spiel in Darmstadt gewinnt. Und zwar egal, ob pleonastisch oder oxymoronisch.”
“Richtig, mein Sohn. Völlig richtig. Siege sind das beste Stilmittel.”

[Zum Spiel: klick, klick, klick.]

17 Gedanken zu „Stilmittel

  • 13.09.2022 um 00:04
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    Ein weiterer Sieg dürfte vor allem auch ein Stillmittel sein.

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    • 13.09.2022 um 13:25
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      Na denn, her mit den Punkten und Punktinnen!

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  • 13.09.2022 um 14:01
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    Und zum größten Club-Glück köpfte der völlig freistehende Japaner in Bielefelder Diensten in der 75. min unbedrängt aus fünf Metern direkt Mathenia in die Arme.

    Antwort
  • 13.09.2022 um 17:05
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    Köstlich: Seit der Kleine in die Grundschule geht, kann der Große nicht mehr mithalten. Aber zusammen sind sie ein gutes Team – wie der Club (manchmal, bitte öfter).

    Antwort
  • 14.09.2022 um 15:17
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    Bayern gegen Barca 2:0.
    Woohoo!
    Das ist ja wunderbar!
    Sag bloß.
    Ach ja.
    Nun gut.
    Wer’s braucht.
    Ist mir wurscht.
    Um nicht zu sagen scheissegal.

    Antiklimax.

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    • 14.09.2022 um 15:25
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      Allervollste Zustimmung! Kommend von Herzen, Seele und Verstand!

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      • 14.09.2022 um 15:43
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        🙂

        Bezaubernd bescheidene Bayern vs. kaufmännisch kühl kalkulierende Katalanen 2:0

        Belschanovs Oxymoron meets den Klassiker, die Alliteration. 😉

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        • 14.09.2022 um 16:58
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          Der Ausschluss der Massen bei der CL hat auch sein Gutes. Dadurch konnte ich ein wunderbares Basketballspiel genießen, ohne das Gefühl etwas zu verpassen.

          Schön war’s.
          Und viel wichtiger als die ach so wichtigen Bayern!

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          • 14.09.2022 um 17:43
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            Man verpasst ja auch nicht wirklich was bei der Champions League bis ins Frühjahr hinein. Denn der europäische Geldadel trifft sich dann eh wieder im Viertelfinale. So ist das auch gewollt von den Rummenigges dieser Welt. Damit sich jeder wieder üppigst die Taschen füllen kann. Und daheim in der Liga gähnende Langeweile.

            Für mich schwierig zu verstehen, dass man Dingen hinterherlaufen kann, die den Wettbewerb so verhunzen. Ich hab mich damals im “Barfüßer” mal an einen Leipziger Tisch gesetzt. Weil ich wissen wollte, was in den Menschen vorgeht, die sich so ein Trikot überstülpen und damit auch noch durch die Gegend laufen. Mit meiner Kritik, warum sie nicht weiter wie vorher zur “Loksche” gehen oder zu Chemie, sind sie aber ganz souverän umgegangen. Und die Leute waren mir sympathisch irgendwie, verdeept in ihr Schäuferle und ihr Seidla. Einer hat gesagt: “Mit RB haben wir die Möglichkeit, als Fußball-Fans auch in Euer schönes Nürnberg zu kommen.” Damit hat er mir den Zahn gezogen. Dieses Argument musste ich so stehenlassen. 😉

            Na ja. Jetzt haben die RB-Reisenden auch die Möglichkeit nach Liverpool, Glasgow und Rom zu kommen. Aber mir persönlich wäre es als Leipziger wichtig, was der Leipziger Fußball in Luckenwalde, Lichtenberg oder Meuselwitz macht. Und nach Nürnberg kann man ja trotzdem fahren – wenn auch nicht als Fußballfan.

            Basketball. Großartig. Freu mich schon aufs Halbfinale am Freitag gegen Spanien (20.30 Uhr, RTL und Magenta Sport). Die Basketball-Bundesliga allerdings ist leider auch so ein Ding, wo der Wettbewerb aber mal richtig verhunzt wurde. Womit wir wieder mal beim FC Bayern wären. Denn Bayern München hat sich dort einfach so nach oben gekauft. Widerlich.

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            • 15.09.2022 um 07:10
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              Das mit den Leipzigern habe ich in diversen Gesprächen ähnlich erlebt. Die “hatten ja nix”, und jetzt kümmert sich endlich mal einer um sie im vernachlässigten Osten. Endlich dürfen sie mal die Baynern,Gladbach oder den BVB live sehen, ohne durch die halbe Republik reisen zu müssen. Ein paar im so gezwungen trendigen RB-Laiberl gaben auch offen zu, dass sie ins Bullenstadion wegen dem BuLi-Fußball gehen, nicht wegen RB.

              Antwort
              • 15.09.2022 um 08:43
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                Dauerkarte für den Gästeblock, auch ein schönes Konzept 🙂

                Antwort
              • 15.09.2022 um 09:27
                Permalink

                Was? Mit Gästefans unterhalten? Wer macht denn sowas?
                Die werden maximal auf den falschen Weg zu den Gästeblöcken geschickt. Schön einmal ums Stadion immer in Richtung Wald hinter der Haupttribüne… das hat doch überall Tradition.

                Antwort
                • 15.09.2022 um 22:50
                  Permalink

                  Zitat Herbertgerbert:

                  “Was? Mit Gästefans unterhalten? Wer macht denn sowas?”

                  Ich.

                  Siehe meinen Artikel “Gut durchgebraten”.

    • 14.09.2022 um 16:29
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      Egal ist es mir auch aber wenn mir das Spiel FCB vs. Barca in A…. Prime angeboten wird, war nett es anzuschauen um mal den Unterschied zwischen bestem europäischen Fußball und uns zu sehen. Und man konnte im Vergleich gut sehen man kann echt schei**e spielen und trotzdem danach der strahlende Sieger sein, so wie Bayern in Halbzeit eins geschwommen ist, alleine Lewy hätte in Halbzeit 1 drei Tore machen müssen, nicht können, müssen.

      Der Bogen zum Club, wenn ein Tor nicht fallen will fällt es eben nicht, das passiert auch den besten Stürmen der Welt. (Verzweifelter Ausruf des Moderators: Wie groß kann eine Chance nur sein?) Wie hätten wir hier wieder über Daferner & Co. geschimpft.. wenn ihm das passiert wäre.

      Antwort
      • 15.09.2022 um 13:55
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        Das stimmt für 1 Spiel. Am Ende der Saison wird dennoch abgerechnet. Da wird Lewandowski auf seine übliche Quote kommen. Wenn dann das bei Daferner am Ende auch 13 Tore wie in Dresden sind, sind die vielen vergebenen Großchancen auch vergessen.

        Antwort
        • 15.09.2022 um 14:51
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          Oder er bereitet eher vor, reisst Lücken und macht den Markus Schroth. Der war auch kein Goalgetter, aber für die Offensive eminent wichtig. Dann käme die Torgefährlichkeit des MF besser zur Geltung 😉

          Antwort
          • 15.09.2022 um 16:07
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            Bist Du es, Marek? Mittelfeld-Legende und Torschützen-König.

            Aber nein. Ein Mittelstürmer muss knipsen. Er hat die Aufgabe, uns ins Glück zu ballern. Punkt. Aus. Fertig. Äpfel. Dass Schroth damals, wie Du sagst, trotz weniger Tore eminent wichtig war, haben einige nicht so gesehen. Aber egal: Hauptsache, Hans Meyer wusste die für die Mannschaft wichtige Leistung von “Wandspieler” Markus Schroth zu schätzen. Und Marek tat dies mit Sicherheit auch.

            Dass das Mittelstürmer-Spiel mehr ist als nur “Knipsen” und dass nicht nur ausschließlich Tore für einen Mittelstürmer sprechen können – wenn man es sehen will, sieht man es.

            Antwort

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