16 Jahre danach – ein Rückblick auf das Geisterspiel

Alemannia – Club im Stadion am Tivoli zu Aachen am 26. Januar 2004

„Oh mein FC Nürnberg, ich liebe nur Dich, denn Du ganz allein bist das Größte für mich, bei Tag und bei Nacht, da träum ich von Dir!“ Nur träumen? Das reicht nicht – so viel war für mich glasklar.

So sang ich dies mit viel Rhythmus und Taktgefühl einigen Sportredakteuren vor. Sie waren begeistert und belohnten mich mit einer Akkreditierung für das Wiederholungsspiel der 2. Fußball – Bundesliga. Erfahrung mit ganz kleinen Zuschauerkulissen hatte ich ja schon im Mai 1996 im Südstadion Köln gesammelt, als nur noch 1.000 Zuschauer das Spiel der dortigen Fortuna gegen den Ruhmreichen sehen und nur noch ein Fotoreporter Aufnahmen der Kicker des Zweitligaabsteigers machen wollte.

Gelotst durch die hell erleuchteten Flutlichtmasten wurde die Spielstätte des Wiederholungsspiels sicher erreicht. Es war dunkel, aber trocken mit normalen Temperaturen für Ende Januar und es war gespenstisch ruhig. So fand man seinen Platz neben der Kollegin weit oben unter dem Haupttribünendach.

Spaßvogel Erik Meijer grüßte ausgiebig in der leeren Zuschauerränge.Tänzerisch machte ein stummes Gespenst mit Alemannia-Schal auf sich aufmerksam. Ansonsten Stille, nur Geräusche des gespielten oder geblockten Balles sowie Kommunikation der Akteure auf und direkt neben dem Spielfeld.

Akustisch war die wohlbekannte Stimme Frankens unter dem Tribünendach zu vernehmen. Deutlich und unaufhörlich lud sie die ringsum platzierten Vertreter der Schreibenden Zunft sowie der Aachener Printen-Medien zum Zuhören ein. Natürlich fand sich auch ein Fotojournalist, der den pausenlos auf sein blaues BR–Mikrofon einredenden Herrn dabei ablichtete.

Was bleibt? Seine Radio-Vollreportage hat den Sprung in die digitale Zeit geschafft und ist beim BR im Internet zu finden. Bewegte TV-Bilder der Partie sind dagegen rar. Es wird Zeit, die VHS-Kassetten mit Aufnahmen von Clubspielberichten zu sichten und sie zukunftsfest zu machen.

„Aber eins, aber eins – das bleibt bestehen…“ die Erinnerung an solch schöne Montagabendspiele um 20 Uhr 15 darf nicht untergehen.

Wann spielt der Club eigentlich heutzutage so? Am späten Donnerstag Abend! Ach, so ist das heute. Toll… 

Es ist – für Spieler und Fans – halt eben auch – nicht so einfach, diese vielen unterschiedlichen Spieltage & Anstosszeiten anzunehmen und sich mental darauf einzustellen. 

Hendrik Schuur

Foto: Hendrik Schuur

2 Gedanken zu „16 Jahre danach – ein Rückblick auf das Geisterspiel

  • Ein romantisierender Rückblick, der außer acht lässt, dass dieses Spiel eigentlich keinen Anlass zur Freude bot.

    Weder in dem Grund für das Spiel (Becherwurf auf Wolfgang Wolfs Kopf, der dann als Trainer ausfiel, wodurch das Spiel nach Protest des Clubs anulliert wurde – ich kann mich nicht erinnern: wurde das dann eigentlich zu Ende gespielt oder gleich abgebrochen?).

    Noch im Verlauf des Wiederholungsspiels, das zwar eine außergewöhnliche Atmosphäre, aber kein gutes Ende bot – es wurde 3:2 verloren….

    Aber es ist halt Teil unserer bewegten und an Kuriositäten reichen Geschichte und hat seinen Platz neben dem Phantomtor der Bayern und dem Regenabbruch einst gegen Wolfsburg.

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    • Übrigens jetzt auch zum Streamen: Günther Koch: Geisterspiel
      Unter Ausschluss der Öffentlichkeit fand am 26. Januar 2004 die Begegnung Alemannia Aachen – 1.FC Nürnberg statt, nachdem der Trainer der Nürnberger von einem Wurfgeschoß aus dem Publikum getroffen worden war. In einer 90-minütigen Echtzeit-Reportage läßt Günther Koch die Beschränkungen der gewohnten Fußballberichterstattung durch Erkundungsgänge im leeren Stadion weit hinter sich. // Realisation: Helmut Böttiger/Bernhard Jugel/Günther Koch / BR 2005
      Link zum Inhalt:
      https://br.de/s/1MP35t5

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