Alles, Nichts, oder?

In einer bemerkenswert ausgeglichenen Liga gibt es bemerkenswert wenige Remis.

Nur 16 der insgesamt 81 Partien der Saison endeten Remis und der Trend geht sogar nach unten, am 9. Spieltag gar kein einziges Mal. In der Vorsaison waren es zum gleichen Zeitpunkt bereits 24 Unentschieden, im Vorjahr gar 27 usw. (24) usf. (23). Da zugleich die Punkte an der Spitze kaum variieren, in Zahlen: 20-17 Punkte 2013/14, 19-16 2014/15, 20-18 Punkte 2015/16, 22-17 2016/17 und 22-17 2017/18, könnte man Berti Vogts mit den Worten zitieren „Die Breite an der Spitze ist dichter geworden“ (wenn man nur wüsste, was er damit meinte…) oder schlicht sagen: Die Ausgeglichenheit der Liga führt nicht etwa zu vielen Begegnungen auf Augenhöhe, sondern zum Effekt, dass an jedem Spieltag im Grunde jeder jeden schlagen kann – und das eben auch versucht. Nur da wo man in der Regel klare Favoriten-Rollen zu vergeben hat, wird der Unterlegene in einem Remis sein Heil suchen, sieht man sich dagegen auf Augenhöhe, sind einem die möglichen „Drei auf einen Streich“ eben lieber als drei mühsam ermauerte geteilte Punkte in drei Spielen.

„Wir wollten kein Gegentor kassieren. Das hat auch bis zum Gegentor ganz gut geklappt.”
Thomas Häßler

Auch der FCN scheint dieser Maxime zu folgen, hat mit bisher nur einem Remis (gegen Union) bei 5 Siegen und 3 Niederlagen immerhin 16 Punkte gesammelt. Nur zum Vergleich: Wären davon zwei Niederlagen und zwei Siege jeweils als Remis beendet worden, stünde man mit 14 Punkten aktuell nur auf Rang 9. Mut wird also durchaus belohnt, wenn man sich selbst auch für den Mut belohnt, und dass dem Ganzen ein gewisses Risiko innewohnt, musste man am Samstag gegen Bielefeld am eigenen Leibe erleben. Statt nach dem erlösenden 1:1 auf die Bremse zu treten, blieb man am Gaspedal, um im entscheidenden Moment per Zündaussetzer doch noch den so mühsam zurückeroberten Punkt glatt wieder zu verlieren.

Wer mit nun deshalb mit der fehlenden Heimstärke hadert und vor allem die damit einhergehende „überschaubare“ (eine „schlechte“ ist es nämlich gar nicht, reicht es in der Heimtabelle immerhin noch zu Platz 7) Punktausbeute beklagt, der begeht gewissermaßen einen Logikfehler. Wenn man nämlich dem Motto „Heimspiele gehören gewonnen.“ folgt, muss man bei einem eben erzielten Ausgleich eben das Momentum auf seine Seite ziehen und auch die Hand an den Dreier bringen wollen. Dass dies Risiken birgt, liegt eben in der Natur der Sache. Würde man nach dem Ausgleich auf Punktsicherung spielen und kriegt dann doch noch den Fangschuss durch einen individuellen Fehler, ist das Resultat das gleiche und das Gezeter ungleich größer.

„Ja gut, es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage.“ Franz Beckenbauer

Unterm Strich bleibt: Wer sich unter Ausgeglichenheit nichts vorstellen konnte, der bekommt in dieser Anfangsphase der 2. Liga-Saison eine Lehrstunde davon. 18 Teams, die sich mitunter in Nuancen oder in der Tagesform unterscheiden. Und dennoch sollte sich auf Strecke Qualität durchsetzen. Und gerade deshalb darf der Club weiterhin und nun erst Recht vom Aufstieg 2018 träumen. Denn die Teams, die zumindest auf dem Papier, sprich nach Transfermarktwert und Einschätzung der Experten, vorne mitspielen sollten, sind aktuell allesamt hinter dem 1. FC Nürnberg.

Das macht noch keinen Sommer (2018), aber ist zumindest eine gute Ausgangssituation nach einem gespielten Viertel der Saison. Die Taktik des „Alles oder Nichts“ scheint also aufzugehen, auch wenn es manchmal wie in der RTL-Show „Alles Nichts Oder?!“ (wie gegen Bielefeld) mit einer Torte im Gesicht endet. Mund abputzen, weitermachen.

28 Gedanken zu „Alles, Nichts, oder?

  • Schon wieder die blöde Länderspielpause. Wieder Nordirland, gefühlt zum tausendsten mal. Langweiliges Gekicke mit knappen Sieg. Wer schaut sich das noch an? Kann man da gar nichts dagegen machen? Da müsste eine Reform her. Mehr Spiele hintereinander oder kleinere Gruppen. Am besten die EM gleich mit zur Qualifikation zur WM machen, dann würden die gähnend langweiligen Spiele wegfallen. Wir sind nicht mehr in den 70ger oder 80ger Jahren, wo man sich das noch hineingezogen hat. Die Welt ist schnellebieger und der Mensch ist allergisch gegen Langeweile.

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  • Klasse Kommentar, Alexander.
    Volle Zustimmung mit zwei Anmerkungen:

    1. Auch wenn es lange her ist: Die Einstellung, das Momentum nutzen und Zuhause gewinnen zu wollen, das ist es, was mir im Relegationsspiel gefehlt hat. Die Vogel Strauß Methode wurde dem Club nicht gerecht, selbst wenn er qualitativ schlechter war. Denn das Momentum war beim Club zum Anstoß…

    2. Die Kategorie „Kurzmeldungen“ finde ich überflüssig. Für so einen Kommentar sowieso, aber auch generell wirkt diese Kategorie überflüssig.

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    • zu 1) Beim Relegationsspiel hat es nie an der Einstellung, Momentum oder an der Taktik gefehlt oder an Weiler gelegen , sondern an der Qualität von Frankfurt, die mit dem verschieben in die Räume und ihrer Qualität und Taktik das Clubspiel erstickt haben. Ich glaube selbst Weiler hat es nun oft genug versucht zu erklären, daß die Passivität ja nicht der Plan war.

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      • Weiler hat nach der Angsthasen-Vorstellung viel erzählt. Unter anderem, dass er in der neuen Saison wieder angreifen wolle mit dem Club…..
        😉

        Müssen wir jetzt aber nicht aufgewärmt vertiefen.

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    • 2. Die Kategorie „Kurzmeldungen“ finde ich überflüssig. Für so einen Kommentar sowieso, aber auch generell wirkt diese Kategorie überflüssig.

      Die hat für mich schon einen Sinn, gerade wenn es kleinere Einwürfe/Randnotizen sind, die sonst zu viel Präsenz bekämen. In dem Fall wurde aus einem kleinen Einwurf beim Schreiben ein ganzer Artikel. Passiert manchmal, dann geht es mit mir durch. 0:-)

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      • Verstehe ich alles. Nur übersieht man diese Kurzmeldungen schlicht viel zu oft. Egal ob Smartphone oder Laptop. Ein prominenterer Platz würde den eingestreuten Nebenmeldungen gut tun.

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  • Kurze Frage in die Runde: Wie viele der bislang 81 Saisonspiele in der 2. Bundesliga sind 0:0 ausgangen?
    Die Antwort: 0 (in Worten: null).

    Und wir reden von einer lange als „Klopperliga“ bezeichneten Liga.

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    • Auch das obligatorische „2:1“ als Standard-Tipp in Tippspielen ist bisher „erst“ 18 mal vorgekommen (wenn ich mich gerade nicht verzählt habe), in jedem Fall nicht einmal in jedem 4. Spiel. Das spricht doch schon eindeutig für eine unterhaltsame Liga, in der man bis zum Schluss auf beiden Seiten Gas gibt um entweder das Spiel doch noch für sich zu entscheiden oder den Deckel drauf zu machen.

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    • Die 2. Liga ist nicht so weit von der 1. Bundesliga weg wie allgemein gerne verbreitet wird auch eines dieser Vorurteile, die immer gerne genommen werden. Wenn man mal sieht, wie sich die Aufsteiger der letzten Jahre in der 1. Liga so schlagen. Leipzig und Freiburg direkt nach Aufstieg in die internationalen Plätze. Hannover legt einen Start hin von dem der FCN zu Bundesligazeiten nur geträumt hätte. Weit weg von Klopperliga usw. ..die Relegation ist für mich kein Beleg immerhin liegen da zusammengenommen 6 Tabellenplätze dazwischen. Bei Frankfurt hatten wir das Pech, dass die durch die Kovacz Verpflichtung damals voll im Aufwind war, setzte sich in der folgenden Bundesligaspielzeit ja nahtlos fort bei Frankfurt.

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    • eSports bekannt ist, daß da unglaublich viel Geld unterwegs ist, ansonsten habe ich selbst als Spieler in der WGLeague nie verstanden, was daran Sport ist. Es macht nur Spaß, kenne Spieler die mit 20 Jahren gut davon leben können Online zu spielen. Ok, die sind gut, aber Sport? ..davon abgesehen meine neue Gamer Mouse ist heute gekommen, wichtigstes Instrument um schnell zu sein 🙂

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      • Mit Laufhäusern oder Drogen wird auch viel Geld gemacht, aber da steigen wir ja auch nicht ein.
        Obwohl das dann an der Mauer schon lustig wäre. Pro Heimtor gibts 5% Rabatt 🙂 Dann hätten wir in der Westvorstadt ganz viele neue Fans, die nach Abpfiff zur U-Bahn gehen.

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      • Logitech G502? Auf die 500er-Serie schwör ich schon immer. 🙂

        eSports dient wohl dazu, jugendlichen Nachwuchs an den Verein zu binden. Das machen schon einige Fußball AGs und GmbHs der ersten Liga. Ich würde behaupten, daß das ein langfristig gut angelegtes Geld ist. Am vergangenen Wochenende habe ich das erste Mal ein VR-Brille aufgehabt und war schwer beeindruckt. Das steckt natürlich noch in den Kinderschuhen, aber welche Möglichkeiten dieses neue Medium bietet, das haut einen von den Socken.

        Ich bin froh wegen der Spielpause, habe einen Trauerfall in der Familie, da steht mir gerade nix nach Fußball.

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    • Auch wenn es nicht mein Ding ist. Dafür bin ich dann einfach doch schon zu alt. Aber es könnte ja sein, daß unser Club endlich mal wieder nach Jahrzehnten eine Entwicklung nicht verschläft, sondern vorneweg mitmarschiert. Wäre doch toll, wenn man auf diese Art junge Menschen an unseren Club ranführen könnte. Im Moment läuft das ja fast nur noch über die Ultras.

      Zumindest wenn ich die letzten Jahre hier vroüberziehen lass, dann hab ich oft genug lesen können, daß es euch Vätern nicht gelingt, die Begeisterung für unseren Club bei eurem Nachwuchs zu entfachen. :mrgreen:

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  • Jetzt können die Bayern bald ein lebendes Fußballmuseum eröffnen mit Ribery, Robben und jetzt wieder Jupp Heynkes.

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        • Bin ich nicht sicher zu früh, für einen Verein wie den FCB zu wenig internationale Erfahrung, eher ein paar Jahre später, ist noch jung. Tippe auf Klopp.

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          • Nach Guardiola wäre die logische Folge Mourinho 😉

            Der sagte doch einst, er wolle in jedem wichtigen Land den Titel gewinnen. Deutschland fehlt da noch und der FCB ist das richtige Werkzeug. Außerdem passt der arrogante Fatzke perfekt zum FCB!

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            • Sicherlich besser als der Kloppo. Der passt ja meiner Meinung nach gar nicht zu den Bayern.
              Und die Tochter vom Mourinho ist auch nciht die hässlichste…

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  • Ich glaube da sind sich auch die Granden nicht einig Rummenigge und Hoeneß, wer es nun werden soll, da hat man sich einfach Zeit verschafft und danach wird es wohl Nagelsmann oder Klopp. Bis Heynckes die Mannschaft auf sein System umtrimmt, da hättten sie bis Saisonende auch mit Ancelotti weitermachen können.

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  • Ich habe nie besonders viel von Ancelotti gehalten. Ich glaube, nicht er hat Mannschaften geformt, sondern seine Mannschaften haben seine Karriere gemacht. Wenn Du von den ohnehin führenden Teams beschäftigt wirst, sind die eigenen Fähigkeiten sekundär. Die Assistenten machen die Basisarbeit, der Rest ist meist ein Selbstläufer und man kann den Präsentationsonkel mimen.

    Vaterfigur für sensible Stars, das ist wahrscheinlich die Kernkompetenz.

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  • Liegt es wirklich nur am ungemütlichen grauen Herbstwetter? Oder doch eher an einer innerlichen Abkehr von der sich vom Fan sprunghaft entfernenden 1. Liga? Noch vor einigen Jahren hätte ich ob der Ancelotti-Ablösung kräftig Schadenfreude empfunden. Nun bin ich diesbezüglich einfach nur gleichgültig.

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    • Manchmal, wenn meine Frau mit den Kindern unterwegs ist und ich „sturmfrei“ habe, ist es mir nach Fussball gucken, das teure Sky-Abo auskosten. Dann guck ich mir den Spieltag an, finde keine reizvolle Paarung und freue mich im Stillen über die Liga der Traditionsvereine aka Liga2. Und mach irgendwas anderes. Und dennoch, der Aufstieg für den FCN, das wär was, das wünsche ich mir. Frag mich nur manchmal wieso eigentlich.

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  • Zeit für eine Abbitte und Entschuldigung.

    War einer seiner Kritiker, hatte sehr wenig Geduld mit ihm, da ich auch kein echtes Potential in ihm erkennen konnte. Habe eventuell gar noch innerlich applaudiert, dass Hertha uns für ihn eine kleine Ablöse überwies…

    Sorry, Platte, habe dir Unrecht getan. Inzwischen bist du gestandener Bundesligaspieler, hast dich als Nationalspieler für die WM qualifiziert. Und womöglich einen größeren Verein auf dich aufmerksam gemacht. Du hast es dir verdient, denn du hast das Stahlbad FCN erfolgreich überstanden. Auch dank dir gehe ich inzwischen mit mehr Gelassenheit und Geduld mit dem Reifeprozess junger Spieler um.

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    • Also ich hab das ja etwas anders in Erinnerung…

      Das Potenzial bei Platte hatte doch jeder gesehen, er war ja auch bei uns schon Stammspieler in der ersten Liga wie auch in der U21-Nationalmannschaft. Jedoch hat sich jeder gefragt, wann er sein Potenzial endlich mal voll ausschöpfen würde. Hat ja dann doch noch ne ganze Weile gedauert, bis er sich von einem eher durchschnittlichen/soliden Bundesliga zu einem Leistungsträger gereift ist, aber überraschen sollte diese Entwicklung eigentlich nicht.

      Es wurde lange Zeit auch viel kritisiert, dass Platte keine Chance kriegen würde, und man lieber an einem gewissen J. Pinola festhalten würde, der es doch schon lange nicht mehr bringt und nur aufgrund seines Standings weiter in der Startelf stehen und damit dem Nachwuchs im Wege stehen würde. Wie es auch bei vielen anderen verdienten Spielern von Wolf bis Schäfer zeitweise der Fall war. Wenn sie aber dann doch abgesägt werden, war das Geschrei auch wieder groß…

      Ich kann mich auch nicht erinnern, dass irgendjemand groß gejubelt hätte, dass man für Platte noch Ablöse gekriegt hat. Vielmehr wurde rumgejammert, bzw. die damalige Leitung kritisiert, dass man ihm bei der Vertragsverlängerung eine derart niedrige AK eingeräumt hat, dass man eines der größten LV-Talente Deutschlands doch nicht für so eine geringe Summe ziehen lassen kann. Wobei er ohne diese AK wohl überhaupt nicht verlängert hätte und dann ablösefrei gewechselt wäre (sein Vertrag lief ja aus)…

      Dass Platte es zu einem sehr guten Bundesligaspieler gebracht, sollte eigentlich nicht überraschen, ebensowenig bei Stark. Dass Platte jetzt Nationalspieler ist, da muss man dann aber schon auch sagen, dass dies auch dem Mangel an Alternativen geschuldet ist, denn ein wirklicher Topspieler der dem sonstigen Nationalmannschaftsniveau entspricht, ist er einfach nicht (das gleiche gilt aber auch für Hector, bzw. alle anderen möglichen Alternativen).

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