Ein Schneeball namens Neymar

Kommentar zu den Auswirkungen des Mega-Transfers auf den europäischen Transfermarkt bis hin zum 1. FC Nürnberg

PSG kauft Neymar von Barcelona, Barcelona kauft Dembélé(?) von Dortmund und Coutinho(?) von Liverpool gleich dazu. Dortmund kauft dann vielleicht einen Brandt(?) und Mr. X, Liverpool sucht sich einen oder zwei Ersatz. Die durch Neymar entstandenen Lücken im Kader der betroffenen Vereine werden dank reichlich vorhandenem Kleingeld schnell gefüllt werden, auch wenn die Summen nur zum Teil in die Transferkassen gelangen und reichlich klingelt es in den Portemonnaies der Spieler und Berater. Doch damit endet es nicht. Die Transfers hinterlassen schalen Beigeschmack, wie man ihn nur dann kennt, wenn der „Gott des Geldes“, wie Freiburgs Streich das formulierte, mal wieder zeigte, worum es wirklich geht im Leben. Und da endet es nicht, es löst eine Lawine aus, denn der Ersatz reißt nun andernorts Lücken, die zu füllen sind, und so weiter und so fort, immer ein Regal tiefer den Hang hinunter bis in die Niederungen der Ligen.

Neymar
X | X
X – X | X – X
X – X | X – X | X – X | X – X
X – X | X – X | X – X | X – X | X – X | X – X | X – X | X – X

Und irgendwo dazwischen ist da vielleicht dein Herzensverein. Vielleicht im 3. Regal, vielleicht auch erst im 5., in jedem Fall aber wird man Opfer und Täter zugleich. Selbst einen seiner besten abgeben müssend und im nächsten Moment beim nächsten in der Kette wildernd. Stufe für Stufe werden die gezahlten Summen kleiner, die Effekte dafür bleiben gleich: Die Mannschaft verliert einen wichtigen Baustein, die Fans zürnen und irgendwo reibt sich jemand die Hände, bekommt er doch einen ordentlichen Teil des Geldes dafür ab, dass er das Standard-Formular im Namen seines Zöglings zur Unterschrift auf den Tisch legen durfte. Ein Schnellball namens Neymar hat eine Lawine ausgelöst, und keiner wird sie aufhalten.

Bis Schließung des Transferfensters sind noch zwei Wochen zu überstehen. Kann man davon ausgehen, dass der Kelch an einen wirklich vorüber ginge? Die Frage wird vielleicht nur sein: An welcher Stufe ist man an der Reihe? Je früher man dran ist, desto höher vielleicht die Chance, dass vom Kuchen noch mehr übrig ist. Eine Milchmädchenrechnung: 222 Mio. gehen zu gleichen Teilen an BVB und Liverpool, die geben ihre 111 Mio. abzgl. Nebenkosten nach unten weiter, die teilen den Rest durch 4, dann durch 8 usw. usf.

Die Frage ist nicht ob es einen betrifft, sondern wie. Der Verlust eines wichtigen Spielers kann die Saisonziele in Gefahr bringen, kann die ganze Vorbereitung über den Haufen werfen. Aber es kann einen auch indirekt treffen, wenn plötzlich Geld in der Liga vorhanden ist, das es vorher nicht gab. Man sprach auch ohne Neymar schon von Wettbewerbsverzerrung, wenn man den Transfermarkt nicht in den Griff bekommt, die Nebeneffekte wie „Betrug am Fan“, der sich gerade noch das Trikot mit dem Star hat beflocken lassen, der nun für den Gegner kickt, ganz außen vor. Ob man die Summen wird wieder einfangen können, darf bezweifelt werden, aber die Zeiträume sollte man eingrenzen. Die Ligen müssen nach Beginn des Spielbetriebs geschlossen werden, damit eine Saison, die bereits begonnen hat, nicht derart zur Nebensache wird, nicht zum Spielball einer Urgewalt namens Geld, das unkontrolliert zu Tal brettert und am Ende das ganze Gebilde Fußball unter sich begräbt.

15 Gedanken zu „Ein Schneeball namens Neymar

  • Du hast natürlich recht, allerdings wären dann völlig unterschiedliche zeitliche Transferfenster am Markt, da die Ligen international eben zu unterschiedlichen Zeitpunkten beginnen. Deshalb ist Dein Kommentar zwar absolut treffend und für die Planungssicherheit unabdingbar – aber da eben der Profifußball schon länger nicht mehr am Sportlichen wie Wettbewerbsgleichheit etc. orientiert ist, sondern ausschließlich am „Gott des Geldes“, sehe ich in absehbarer Zeit ohne den Goodwill der Entscheider in den unterschiedlichen Verbänden und Vereinen keine realistische Chance, dass Dein Modell zum Tragen kommt – leider!
    Sind es doch genau jene Personen, die den Fußball nur noch als Vehikel für Bereicherung, Profitmaximierung und politische Zwecke missbrauchen und ausbeuten. An eine Selbstreinigung – und sei es nur die von Dir erwähnte, verhältnismäßig kleine Stellschraube, an der zu drehen wäre – glaube ich nicht mehr. Dafür sind die handelnden Personen auf Entscheiderebene (UEFA, FIFA) längst allesamt zu korrupt und einzig ihren Eigeninteressen und denen ihrer Amigos verpflichtet.
    Wir haben es hier mittlerweile in meinen Augen mit einem mafiös strukturierten Geflecht zu tun, das den Glamour und die weltweit attraktive Bühne des Fußballs so lange missbrauchen und den Menschen Glitzersand in die Augen streuen wird, bis das ganze System selber vielleicht irgendwann erodiert und implodiert.
    Selbst die juristischen Versuche gegen die ehemalige FIFA-Spitze haben nochmal gleich was gebracht? Selbst die Veröffentlichungen der Fußball-Leaks sorgen lediglich maximal dafür, dass Einzelpersonen, die so „blöd“ waren, nicht genug Geheimniskrämerei betrieben zu haben und sich erwischen zu lassen, an den Pranger gestellt werden. Und die Kurzlebigkeit dieser skandalösen Veröffentlichungen zeigt auch, dass die Öffentlichkeit (also wir, die Fans) im Grunde genommen von alledem nicht wirklich etwas wissen will. Zu groß ist die Befürchtung, es könnte auch den eigenen Verein, den Lieblingsspieler, das Idol oder wern auch immer treffen, dem man sich dank des ausgestreuten Glitzersandes verbunden fühlt.
    Ich glaube, Veränderungen, die wie von Dir gefordert so etwas wie erhöhte Fairness am Markt (!) bedeuten würden, werden nach genau einem Kriterium geprüft: ihre Bedeutung für eine weitere Ausdehnung des Profits. Und wenn sich diese nicht abzeichnet – warum dann ändern?

    Als kleine Clubfans, so fürchte ich, müssen wir den ganzen Mist wohl noch ewig aushalten und einfach hoffen, dass Spieler und auch ihre Berater manchmal einfach nur das Gute wollen: einen gut strukturierten Verein, verlässlich, mit großer Fanbasis, eine Mannschaft, in der es zu spielen und trainieren Spaß macht und die Erkenntnis, dass ein Jahr länger bei diesem Verein für das persönliche Fortkommen vorteilhaft sein kann, ohne sich deshalb gleich unterbezahlt und nicht genügend gewertschätzt zu fühlen – was auch mit der Hand des Trainers zu tun hat.
    Natürlich gibt es noch mehr dieser Parameter, die die Führung des Clubs zu beachten und zu entwickeln hat.

    Drücken wir den handelnden Personen die Daumen, dass sie das Richtige tun, ohne selbst dabei korrupt zu sein oder zu werden.
    (Das hatten wir ja auch schon alles zur Genüge erleben müssen)

    17

    0
    Antwort
  • Ich begreife diese Tatenlosigkeit in der UEFA nicht. Ohne rigoroses Durchsetzen von Grenzen wird das weitergehen bis zum Kollaps.

    Seit Mitte der Neunziger bin ich Fan der NFL, also American Football.
    In den USA(deren Kapitalismusgebaren und Demokratieverständnis ich zutiefst verabscheue) hat man schon einige Jahre vor uns erkannt, dass man nur per Gehaltsbeschränkung (= Salary Cap) diese Spirale durchbrechen kann:
    de.wikipedia.org/wiki/…n_im_Sport
    Damit muss sich ein Verein seine Gedanken darüber machen, wie er die Summe seiner Spielergehälter verteilt:
    Wenige Superstars und der Rest des Teams schaut in die Röhre oder eine gleichmässige Verteilung, um in der Breite ausgeglichen zu sein.
    Das Merchandising hat der Verband in seinen Händen, die Gelder werden PARITÄTISCH auf die Teams verteilt, absolut undenkbar bei uns !
    Zusammen mit der Draft, einem Verteilungsmechanismus für den Kauf von neuen Spieler, bei denen die Tabelle in umgekehrter Reihenfolge durchlaufen wird, ergibt sich für ALLE Mitglieder der Liga im Lauf der Jahre Leistungsschwankungen in Form einer Sinuskurve.
    Seitdem haben erst dreimal Mannschaften ihren Meistertitel verteidigen können, bei fünf Titeln in 15 Jahren(New England Patriots) spricht man gar von Dynastie.
    Mit diesem Rezept hat man die reichste Liga der Welt geschaffen.

    Seit ca. vier Saisons schaue ich keine Sportschau mehr, in Tippspielen wette ich 34 mal auf einen Sieg für Bayern München(gähn).
    Champions League anschauen in der Gruppenphase, wozu ? Schaut euch doch mal die Sieger an, ich zähle 13 Teams seit Einführung, davon teilen sich fünf Mannschaften 17 Titel…
    Traurig ist auch, dass die junge Generation an Fans sich an so etwas schon gewöhnt hat.

    Meinen Glubb schaue ich weiterhin sehr gerne, und noch etwas Positives hat dieser Eskalations-Effekt:
    Ich gehe wieder öfter zum Sportplatz unseres lokalen Vereins.

    8

    0
    Antwort
    • 100% agree! Sollte der Uefa zu denken geben wenn dass sogar die Amerikaner schon begriffen haben.

      2

      0
      Antwort
    • Ich begreife diese Tatenlosigkeit in der UEFA nicht. Ohne rigoroses Durchsetzen von Grenzen wird das weitergehen bis zum Kollaps.

      So sehr mir der Gedanke gefällt, ich hab doch große Zweifel, dass Salary Cap und jedwede andere Begrenzung von Geldflüssen überhaupt hier rechtlich möglich wäre. Stichwort: Beschränkung des Binnenmarktes. Die EU ist nun mal vor allem eine Wirtschaftsunion, die alles, was den Markt auch nur ansatzweise beschränken könnte, verbietet. Ob das Financial Fairplay da überhaupt einer Überprüfung standhielt, will ich gar nicht wissen. Am Ende ist sogar die Liga-Zugehörigkeit ggf. eine unzulässige Beschränkung. Warum muss PSG denn in Frankreich antreten? Warum nicht auch in England – ups, die sind ja bald aus der EU…

      Das Draft-System wiederum funktioniert nicht hier, weil die Ausbildung von Nachwuchs anders organisiert ist. Ich glaube ich hätte dann auch ein Problem damit, wenn ein Top-Talent aus dem FCN-NLZ dann per Draft nach Hamburg oder Duisburg geht.

      Was der Fußball aber regeln kann, sind organisatorische Fragen. Und da sind Transferfenster eben bspw. ein probates Mittel.

      4

      0
      Antwort
      • Alexander, bei der Draft gebe ich Dir recht in Bezug auf Regelung, das funktioniert nur in einem System wie Highschool – College – Profisport .

        1

        0
        Antwort
      • Geht ja auch und vor allem um die freie Wahl des Arbeitsplatzes. Das Prinzip gibt’s ja, unabhängig von der EU, Gottseidank auch in der guten, naja, alten Bundesrepublik Deutschland doch schon seit einiger Zeit. Grundgesetz und so. Hast du die Erlaubnis in der BRD zu arbeiten, kannste dir deinen Arbeitsplatz prinzipiell eben aussuchen. Gilt auch für den gemeinen Lizenzfußballer.

        1

        0
        Antwort
    • „Champions League anschauen in der Gruppenphase, wozu ?“

      Nun ja, um guten Fussball zu sehen eventuell. Wenn man mal ausblendet, wer am Ende den Wettbewerb gewinnt (Gähnfaktor) , dann ist das Niveau in der CL-Gruppenphase ja schon höher als bei Nürnberg gegen Bielefeld oder Frankfurt gegen Mainz.
      Aber zugegeben, das ist schon eine sehr romantische Sichtweise.

      0

      0
      Antwort
  • Das Tranaferdenster schließt vor Beginn der CL Gruppenphase-passt doch für die UEFA und die Vereinigung der europäischen Topclubs unter Vorsitz eines KHR aus M.

    3

    0
    Antwort
  • Aber richtig ist auch so schafft sich der Fußball bzw. das Interesse stückweise selbst ab, eine nationale Liga, die nur noch der FC Bayern gewinnen kann und eine CL die immer die selben 2 o 3 Mannschaften gewinnen, werden das Interesse immer weiter sinken lassen. Ich habe auch nichts dagegen, dass Geld verdient wird, aber für mich ist dennoch das „Maß“ mitentscheidend und es wird allmählich maßlos, dazu das unerträglich gewordene Beratertum und ein Spielplatz in den Vorzeigeligen Premier League als Spielplatz für Scheichs und Oligarchen. Für mich hat der Profi Fußball längst einen großen Reiz, den er mal hatte eingebüßt. An guten Sport und Fußball bleibe ich interessiert, ich werde mir aber nie dafür ein Sky Ticket (Ausnahme nur 1 mal im Jahr für 1 Woche 🙂 kaufen oder 100 Euro für ein Fan Shirt ausgeben und zwar aus Prinzip nicht.

    1

    1
    Antwort
  • JUWE:
    „Aber richtig ist auch so schafft sich der Fußball bzw. das Interesse stückweise selbst ab, eine nationale Liga, die nur noch der FC Bayern gewinnen kann und eine CL die immer die selben 2 o 3 Mannschaften gewinnen, werden das Interesse immer weiter sinken lassen.“

    Ja, im Prinzip ist ja das schon eingtreten, was ich auch vor der letzten Saison prophezeit habe:

    Erstmals seit Jahren gab es in der Bundesliga rückläufige Zuschauerzahlen. Das liegt natürlich vor Allem an der Bayern-Langeweile und den unattraktiven Plastik-Klubs, die das Geld in die erste Liga gekauft hat. Konsequenterweise hat daran das Interesse nachgelassen.

    Im Gegensatz dazu hat die 2. Liga weiterhin Wachstum gezeigt. Auch das ist logisch, weil das Line-up der 2. Liga insgesamt interessanter, homogener und traditionsreicher war als das der 1. Liga. Daran sieht man doch, was die Leute wollen: Vereine, mit denen man sich identifizieren kann.

    Jetzt ist der nächste Schritt der Selbstzerstörung eingeleitet: die Fernsehzeiten und v.a. die Sendeberechtigten wurden weiter zerstückelt, das Free-TV, eigentlich der wichtigste Werbeträger des Business (sieht die DFL offensichtlich anders) wird schrittweise abgeschafft bzw. unzugänglicher gemacht und nicht einmal bei Sky kann man derzeit sicher sein, ob wirklich alle Spiele gezeigt werden, weil jetzt auch Amazon ein Stück vom Kuchen hat und bisher keine Einigung über Gastsenderechte erzielt wurde.

    Wozu soll ich mir aber ein teures Abo anschaffen, wenn ich dann doch nicht alles sehe? Naja, zum Glück betrifft es derzeit erst die Bundesliga, die mir sowieso schnuppe ist!

    Ich bin gespannt, wo die Perversion noch hinführt….

    9

    0
    Antwort
    • Die rückläufigen Zuschauerzahlen standen aber doch schon vorher fest, weil man Hannover und Stuttgart gegen Freiburg und Leipzig getauscht hatte. Genauso wie sie jetzt sicher ansteigen werden, da man Ingolstadt und Darmstadt gegen Hannover und Stuttgart tauscht. Da wäre die Auslastung ein interessanterer und/oder aussagekräftigerer Datenpunkt.

      2

      0
      Antwort
    • Das sehe ich eigentlich alles genauso. Zu Sky ich würde es durchaus verstehen für gute Unterhaltung auch ein Abo zu kaufen, aber was mir eben nicht gefällt ist, wie genau diese Sender gigantische Summen in die Ligen pumpen und dann gleichzeitig dem eigenen Zuschauer oder Kunden klarmachen, Fußball ist so teuer geworden, wer ihn noch sehen will muss eben mehr zahlen. Ich mag den Mechanismus nicht.

      Ich kauf ich mir nur ein Wochenticket für die Masters Week in Augusta oder verirre mich mal in eine Sky Bar wenn der Club auswärts spielt. Mir haben aber schon einige Wirte erklärt für die 2. Liga ist ihnen Sky für gewerbliche Nutzung zu teuer.

      1

      1
      Antwort
  • Pingback:KW 33/2017 | beGLUBBt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.