Gehen Sie davon aus, dass … wir Hans Meyer gratulieren

Herzlichen Glückwunsch zum 75. Geburtstag!

Es gibt gute und schlechte Trainer, Trainer mit Glück und manche mit Pech, aber um Fußspuren in der Geschichte eines Vereins zu hinterlassen, braucht es mehr als das – oder Titel. Hans Meyer verkörpert einfach beides, das Besondere, im positiven Sinne, und einen Titel – und das bei einem Verein wie den FCN, der von Titeln immer nur in der Vergangenheitsform sprach. Und bei dem das Besondere, wenn auch oft im negativen Kontext, fast zum Alltag gehört.

Als Hans Meyer zum Club kam, rieb man sich verwundert die Augen. Und als er die ersten Worte in die Mikrophone sprach, war schnell klar: Man hasste oder liebte ihn. Die Journalisten eher ersteres, die meistens Fans zweiteres. Meyer kam zum abstiegsbedrohten Club und manche sagen, dass die Entscheidung vielleicht die Beste von Michael A. Roth in seinem Wirken als Fußball-Funktionär war. Meyer führte den Libero beim Club mit Cantallupi wieder ein und machte sich damit nicht zum Deppen, sondern brüskierte die Liga, weil kaum einer damit zurecht kam.

Unter Meyer bekam der FCN seine Würde wieder. Aus dem Chaos-Club kamen plötzlich Bonmots in Serie, dazu – post Libero – ein fein justiertes und cleveres Spielsystem, in dem vorne ein Vittek und Saenko zur Form ihres Lebens aufliefen. Ein Altmeister namens Galasek zog die Fäden mit einer Qualität, die man wahrscheinlich noch nie in Nürnberg gesehen hatte. Andere spielten weit über ihrem eigentlichen Niveau, wie ein Reinhardt oder Wolf, auch das sollte später zu einem Problem werden.

Meyers Fluch war der Erfolg – wie so oft im Fußball: Man kam aus dem Nichts, erreichte das Unmögliche – einen Titel, einen echten Titel!! – und kämpfte danach mit allem, was zu erwarten war, die Dreifachbelastung, die Hysterie, die Selbstüberschätzung, die überzogenen Erwartungen, die Müdigkeit nach dem Kraftakt. Und am Ende fraß der Erfolg die eigenen Kinder. Meyer musste gehen, trotz Rückendeckung der Fans, trotz sensationellem Überstehen der Gruppenphase der Europaliga, trotz aller Optionen das Ruder noch herumzureißen.

Es gab kaum einen Trainer, dem man bis heute die Treue hält, bei dem man noch heute daran glaubt, dass er es noch geschafft hätte – geschafft hätte, den Abstieg zu vermeiden. Meyer damals zu entlassen war ein Schock, nach all den Treuebekundungen der Unkündbarkeit, im Jahr direkt nach dem unfassbareren Triumph in Berlin, das kam einem Dolchstoß in die Fanseele gleich. Viele sagen, es war die schlechteste Entscheidung von Michael A. Roth in seinem Wirken als Fußball-Funktionär.

Der Rest ist Geschichte. Meyer ist heute rehabilitiert, wenngleich er das nicht mal nötig hätte – ist bei seinem anderen Herzensverein Borussia Mönchengladbach in honoriger Position. Viele hätten diese Rolle gern in Nürnberg gesehen, einer Stadt, die er nach eigenem Bekunden liebt und in der er lebt und wohnt.

Wir gratulieren Hans Meyer, auch aus besonderer Verbundenheit heraus und tiefen Respekt. Menschen, die einen Verein dazu bringen, ihren Briefkopf ändern zu müssen, sollten immer einen besonderen Stellenwert haben, Hans Meyer aber hätte das nicht mal nötig gehabt. Und wer ihn dabei auf flotte Sprüche reduziert, der hat Hans Meyer einfach nicht kapiert. Wir wünschen Gesundheit und – irgendwann – einen eigenen Rosengarten am Vereinsgelände. In Nürnberg sind wir Hans Meyer einfach noch was schuldig.

20 Gedanken zu „Gehen Sie davon aus, dass … wir Hans Meyer gratulieren

  • Äh, ich will ja nicht nerven, aber vielleicht kann da einer nochmal drüberlesen?

    „Triumpf“, „Hany Meyer“, „irgenwann“, der erste Satz im dritten Absatz von unten…

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      • WIR SIND DER CLUB 🙂

        Du kannst den Meckerkommentar gerne auch einfach löschen.

        Der Beitrag an sich ist – wie so oft bei CU – exzellent.

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        • Ein bisschen ironischer Disput passt doch. 🙂

          Dennoch ernsthaft Danke für Lob und Kritik. War wirklich einfach zu schnell auf dem Publish-Button gewesen, hätte ein Lektorat gut vertragen. Aber war mir irgendwie noch heute ein Anliegen, dem Hans Meyer zu gratulieren.

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  • Die zwei Trainer Götter meines Club Fan Daseins…Heinz Höher und Hans Meyer, der Hans vielleicht einen Tick mehr wegen dem Titel – unvergessen die Pokalsieg Feier danach 2 Tage lang auf dem Hauptmarkt. Schade, daß sich die Wege danach so unversöhnlich getrennt haben (er hat es dem Bader nie ganz verziehen, der ja noch lange am Valznerweiher wirkte) eine Rolle wie in Gladbach auch beratend hätte ich mir bei Hans Meyer auch in Nürnberg gewünscht. Alles Gute!

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  • „Aus dem Chaos-Club kamen plötzlich Bonmots in Serie…“

    Stimmt.

    Unvergessen bleibt, wie Hans Meyer, dem ich hiermit herzlich zu seinem 75. Geburtstag gratuliere, nach einem gewonnenen Spiel des FCN (ich weiß nicht mehr welches), bei dem es bei Halbzeit nicht gut um den FCN stand, auf die Frage einer Radio-Reporterin, was er seiner Mannschaft denn bei der Pausenansprache gesagt habe, antwortete (ich zitiere aus dem Gedächtnis): „Kennen Sie Alzheimer? Ich weiß es nicht mehr.“

    Noch unvergessener bleibt, wie er nach einem Spiel, in dem der FCN in den Schlussminuten noch den Ausgleichstreffer hinnehmen musste (ich weiß wieder nicht, welches Spiel es war), in der Pressekonferenz sagte (ich zitiere aus dem Gedächtnis): „Wir werden uns die betreffende Spielszene auf Video vier- bis fünfmal ansehen, den bzw. die Schuldigen ermitteln – und sofort erschießen lassen.“

    Dass sich Köllner, an dessen überragenden kommunikativen Fähigkeiten nur ein Ignorant Zweifel hegen könnte, nach dem späten 1:2 gegen Bielefeld nicht in gleicher Weise äußerte, zeigt, dass er in puncto Rhetorik durchaus noch Nachholbedarf hat.

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    • Fast meyeresk wird die doppelte Ironie bei Auswahl und Zusammenstellung der Zitate die meisten Leser an die persönlichen Grenzen bringen, die wahre Intention dahinter zu erkennen.

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  • Ja herzlichen Glückwunsch. Es war eine tolle Zeit und sein Wirken führte dazu, daß ich mich auf dem Hauptmarkt wiederfand inmitten begeisterter Nürnberger und bei strömenden Regen glückselig auf die Helden der vergangenen Nacht wartete.

    Die Entlassung aber alleine Roth anzulasten, find ich nicht in Ordnung. Da war ein anderer, der daran nicht unerheblichen Anteil hatte. Und der, wenn es nach Roth gegangen wäre, ebenfalls die Geschicke des Vereins nicht weiter beeinflußt hätte.

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    • Die Entscheidung oblag letztendlich ihm. Dass Roth in seiner Zeit vielleicht manchmal mehr manchmal weniger von außen getrieben wurde, ist unbenommen, dass er willens und in der Lage war im Zweifel auch Entscheidungen allein zu tragen, aber auch.

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  • Alles Gute und vielen Dank für die großartigen Erinnerungen, die sich bei Nennung des Namens sofort einstellen. 4-0 HF gegen die Eintracht, Mintals Doppelschlag gegen Anderlecht, haaaach…

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    • Alkmaar war’s, aber sonst korrekt. Die Gänsehaut spüre ich heute noch wenn ich an diese magischen Nächte im Achteck zurück denke.
      Alles erdenklich Gute, lieber Hans Meyer und noch viele schöne Jahre in der schönsten Stadt der Welt!

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      • Trainer von Alkmaar war damals übrigens Louis von Gaal, der dreieinhalb Jahre später, bei einem anderen Auswärtsspiel in Nürnberg, sein letztes Spiel als Bayern-Trainer erleben durfte. Wir erinnern uns an den 40-Meter-Heber von Christian Eigler…

        Hans Meyer hat vielen Clubfans etwas gegeben, was sie vermutlich nur einmal in ihrem Leben erleben dürfen. Noch viele gesunde Jahre, Hans Meyer!

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      • Alkmaar oder Anderlecht, Hauptsache Meyer. Aber stimmt, Anderlecht, das war der annere…

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    • Ich hatte anlässlich einer Gala 50 Jahre Bundesliga die Gelegenheit mich persönlich bei Ihm für den Pokalsieg zu bedanken und dafür das ich es erleben durfte das der Club mal einen Titel geholt hat.Da hat er mich lange angesehen und gesagt:Junger Mann, gehen sie davon aus das es nur an dieser großartigen Mannschaft gelegen hat

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      • Ich hatte nur mal die Ehre ihm beim Neef zu begegnen. War aber zu schüchtern und zu überrascht.

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  • Durfte mir von meinem Vater von Kleinkindertagen an die immer selben Geschichten anhören. Von den Feiern zu den Meisterschaften 1961 und 1968. Dass Nürnberg sich damals im kompletten Ausnahmezustand befand, eine Stadt regelrecht durchdrehte. Was waren diese Erzählungen spannend und Gänsehaut verursachend. Zumindest die ersten Male. Die Erregung wandelte sich im Laufe der Jahre in tiefen Frust, wenn sein Kommentar meine Stadionbesuche vermieste: „Zu so einem Gurkenspiel gehst du bei dem miesen Wetter raus? Ach du hättest das damals auf dem Hauptmarkt erleben sollen…“

    Dank Hans Meyer durfte ich das und kann seitdem verstehen, warum die Erinnerung daran meinen alten Vater bis heute Schwärmen lässt!

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  • Mein Göttinger Kumpel wollte bei einem Besuch unbedingt mal ein Training des Hansiators sehen. Es war kurz vor Weihnachten und dunkel , die kleinen Flutlichtmasten am Valze erhellten das Szenario auch nicht sonderlich. Nach dem Training darauf angesprochen , ob es sich ein Verein wie der Glubb nicht besseres Licht auch beim Training leisten könne, antwortete Hans : “ War das nicht fantastisch , wie die heute trainiert haben? Was meinen Sie , wie gut sie bei richtigem Futlicht erst sein werden.“

    Was soll ich sagen: Das spätere Heimspiel ( unter Flutlicht) haben sie dann auch gewonnen…

    Hans , alles Gute und ganz viel Gesundheit und Zufriedenheit und Glück für Dich. Und noch viele, viele Jahre in Nürnberg!

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  • 🙂 Ach ja…

    Nach dem Sieg gegen die Vorderösterreicher sah ich irgendwo ein Bild, auf dem Hans Meyer locker auf der Ersatzbank, Beine auf der kleinen Bande, Ellbogen auf die Knie gestützt, genüsslich schmunzelnd in einer Zeitung (?) lesend, saß. Im Hintergrund sah man einen aufrechtstehenden Hitzfeld umringt von der Presseschar. Mikrophone, Kameras, etc.
    Meyers Gesichtsausdruck spricht Bände. Herrlich. Einfach herrlich. 🙂
    Danke, Hans.
    Sigrid

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