Raphael Schäfer

Der in Kędzierzyn-Koźle (Polen) geborene Schäfer kam als 7-Jähriger nach Deutschland. Ausgebildet in der Jugend von Hannover 96 wechselte Schäfer zunächst zum VfB Lübeck und von dort 2001 als Ersatztorwart hinter Stammkeeper Darius Kampa zum 1. FC Nürnberg, der gerade wieder in die Bundesliga aufgestiegen war.

Sein Debüt gab Schäfer 2002 gegen Gladbach, es blieben allerdings zunächst einzelne Einsätze. Erst nach dem Abstieg 2003 wurde Schäfer Stammtorwart vor Kampa, über die Hintergründe kursieren aber diverse Gerüchte. Man mutmaßte, dass der junge und hochtalentierte Kampa, der Köpke beerbt hatte, irgendwo zwischen Verhandlungspoker und Transfergeschacher auf der Strecke blieb. Man wollte den aufbegehrenden Kampa offenbar gern gewinnbringend verkaufen, statt teuer zu verlängern, und statt seiner Schäfer im Tor aufbauen. Die Hoffnungen auf große Transfererlöse zerschlugen sich, Schäfer stabilisierte seine Leistungen und stieg mit dem Club 2004 souverän wieder auf. Von da an ging es für Kampa stetig bergab, während Schäfer bis 2007 beim Club durchgehend Bundesliga spielte, gekrönt vom DFB-Pokalsieg unter Hans Meyer 2007 und dem darauf folgenden Karrieresprung mit Wechsel zum amtierenden Meister VfB Stuttgart, wo er den abgewanderten Nationalkeeper Timo Hildebrand ersetzen sollte.

Dieser Wechsel sollte sich für alle Beteiligten (inkl. Hildebrand) als großer Fehler erweisen. Schäfer, der im erfolgreichen DFB-Pokalspiel ausgerechnet gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber auch noch vehement eine Rote Karte forderte und somit von Anfang an einen schweren Stand bei den VfB-Fans hatte, kam in Stuttgart nie wirklich an und konnte die Leistungen aus Nürnberg nicht bestätigen. Während der Meister Stuttgart unter Armin Veh nicht mal den UEFA-Cup-Platz schaffte, kam es für den Pokalsieger FCN noch bitterer: Abstieg. Dort konnte auch Schäfers Nachfolger, der Routinier Blazek, nie wirklich überzeugen. Schäfer wurde bereits im letzten Spiel des VfB durch Ulreich ersetzt. Nach dem fatalen Absturz 2007/2008 wollten die Parteien ihre Fehler korrigieren: Der Club und Schäfer einigten sich mit Stuttgart auf einen Rücktransfer und Rapha machte beim FCN in Liga 2 einen Neuanfang. Der Club stieg wieder in die Bundesliga auf und konnte seitdem die Klasse erhalten.

Rapha ist absoluter Führungsspieler beim Club, polarisiert aber stark bei den Fans. Ob im Duell mit Kampa oder später mit Klewer und bis heute mit Rakovsky, es gibt lautstarke und vehemente Stimmen, die sich immer wieder gegen Schäfer aussprechen. Kaum ein Spieler pendelt derart zwischen den Extremen: Bei der Rückkehr zum Club fast begeistert als „Rückkehr des verlorenen Sohns“ gefeiert oder zum Spieler der Halbserie gekürt, monieren die Kritiker notorisch seine als altmodisch deklarierte Spielweise als „Linientorwart“, die Schwächen in der Strafraumbeherrschung bei hohen Bällen und immer wieder eingestreute Unbeherrschtheiten, sei es in Form von Gesten oder auch gegenüber Gegenspielern.

Diese Stimmen verstummten auch dann nicht als Schäfer im Abstiegsjahr 2013/14 einer der wenigen Nürnberger war, die Normalform – oder sogar etwas mehr als Normalform – erreichte. Vor der Saison 2014/15 rief der neue Trainer Valerien Ismael einen Zweikampf zwischen Schäfer und Patrick Rakovsky aus, den Schäfer, dessen Vertrag zum Ende der Saison ausläuft, für sich gewinnen konnte. Die Kapitänsbinde, die er seit 2011 trug, verlor der inzwischen 35-Jährige aber an Jan Polak.